Warum sich selbst managen nicht einfach ist

  1. chillie
    chillie
    Ein Resümee

    Das Thema Selbstmanagement ist zum Anfang des Jahres (ist wohl ein Saisonartikel) ja besonder hochgekocht.

    Da das Thema gut zu meinen persönlichen Zielen 2009 gepasst hat, habe ich das ganze natürlich gerne aufgenommen und einige Anregungen zur Verbesserung daraus gezogen.
    Wie zu erwarten war, verliefen meine ersten 6 Wochen eher schleppend. Man kennt sich ja und meine Erfahrung zeigt das Dinge, die ich nach 6 Wochen noch einhalte für mich realisierbar sind.
    Das heisst im Umkehrschluss natürlich auch, möchte ich meinen Schweinehund besiegen bleibt nur der Weg 6 Wochen lang Dinge bewusst zu tun.

    Auch wenn ich kräftig ins schleudern gekommen bin habe ich viele Dinge durchgezogen. Ich habe mir Gedanken gemacht und probiert, aufschreiben, planen, organisieren. Einmal in einem Büchlein, dann auf einem Block, dann auf Zetteln, dann im Internet.
    So nach uns nach hat sich ein Bündel an Werkzeugen ergeben mit denen ich ziemlich gut zurechtkomme.

    Privates und Gedanken notiere ich in meinem Moleskine. Darin stehen meine Wochenziele und Abweichungen sowie Gedanken wie ich Sachen verbessern könnte. Ist allerdings sehr schwierig und benutze ich zu selten.
    Das finde ich schade, allerdings stellt sich eben die Frage ob es sinnvoll ist hier mehr Kraft dahinter zu legen?
    Darf Selbstmanagement zum Selbstzweck werden. Wobei hier schon die Frage berechtigt ist, ab wann habe ich einen persönlichen Vorteil und ab wann bürokratisiere ich mich zusätzlich?
    Das ist einer der Schwierigkeiten - Rückblicken und Schlüsse ziehen ist wichtig, aus Fehlern lernen ist wichtig und notwendig ... aber wie kann man das möglichst einfach bewerkstelligen.
    Das ist eines der aktuellen Probelme - nichts was man mit einer Liste oder RTM lösen könnte. Hier ist wohl mehr Disziplin gefragt.

    Für das Studium erfolgt die Planung "on-the-fly" in RTM, schön ... aber Lernplanung funktioniert leider bei mir nicht so wie gedacht. Ich kann nicht planen wann ich zufrieden bin und wann nicht - das ist wohl ein Punkt den ich in der Feinplanung einfach fallen lasse. Aktuell passe ich meine Lernplanung einfach dem tatsächlichen Verlauf an. Allerdings öfter als ich mich danach richte.
    Das ist keine Planung, das ist nicht effizient. Davon muss ich mich also trennen. Wichtig ist auch in einem funktionierenden System Probleme sichten und evtl. Dinge die gut aussehen aber nicht wirken fallen zu lassen.

    Beruflich läuft es in dieser Richtung ziemlich gut. Meine hohe Unzufriedenheit mit meiner Arbeit, vor allem resultierend aus meiner eigenen Arbeitsqualität habe ich damit überwunden. Ich habe Ziele erreicht die mir sehr wichtig waren. Ein schlankes und transparentes Organisationssystem, einen ordentlichen und freien Schreibtisch, Zeit für wichtige Aufgaben und Luft für kreative Problemlösungen.
    Mit diesem Teilbereich bin ich sehr zufrieden. Es gibt hier ein auf und ab - das ist aber normal.
    Wobei hier nichts von alleine geht. Jeden Morgen muss ich mich neu motivieren meine Werkzeuge zu nutzen. Jeden Tag muss ich mich dazu bringen Fehler nicht zu wiederholen und jeden Tag muss ich mich überzeugen die Augen zu öffnen und meine eigene Arbeit zu würdigen. Manchmal ist das alles schwieriger als die notwendigen Schritte dann durchzuführen.

    Nachdem ich mich nun also fast 3 Monate mit diesem Thema auseinandergesetzt habe, kann ich doch behaupten das ich vieles damit gewonnen habe.
    Ich habe langfristige Ziele wiederentdeckt, ich habe Wege gefunden meine kurzfristigen Anliegen ernsthafter umzusetzen, ich liefere eine höhere Arbeitsqualität, ich fühle mich gewappnet mehrere Ziele zur gleichen Zeit anzugehen und dabei keines aus den Augen zu verlieren, ich tue Sachen für mich und meinen Geist und ich habe 5 kg abgenommen und fühle mich körperlich und geistig top fit.

    Alles hat aber auch seine weniger guten Seiten, die da wären - im Sinne des Zeit- und Selbstmanagements verplempere ich wertvolle Zeit für "goldene Kälber" die mir nichts bringen, ich versuche andauernd besser zu werden, was zwar erstrebenswert ist aber manchmal zu viele Nachteile bringt. Wenn ich meine Ziele nicht erreiche lasse ich mich davon leichter ablenken anstatt das als Chance zu sehen.

    Für mich hält sich das ganze noch die Waage. Wie man soetwas ausbalanciert ist mir aber auch nicht klar. Wo endet die Produktivät und ab wann beginnt die Obsession?
    Das "Experiment" ist auf jeden Fall gelungen - ich werde auch weiter machen. In welchen Ausmaßen kann ich aktuell nicht sagen, da vor allem in Situationen in denen andere Bereiche (aktuell das Studium) überhand gewinnen keine verlässliche Aussage möglich ist.

    Mal sehen was ich in weiteren 3 Monaten zu dem Thema schreiben werde (wenn ich überhaupt noch daran denken werde *g*)
  2. m.e.l.l.a
    m.e.l.l.a
    Ich schwanke doch in der letzten Zeit häufig zwischen "Selbsmanagement als zusätzliche Belastung" und "Verbesserung, positivem Gefühl". Im Moment hab ich das Gefühl, in dieser Beziehung etwas orientierungslos umherzuschwimmen.

    Was genau hat`s mir gebracht? Hab ich wirklich was gewonnen dadurch?

    Meine Prüfungen hab ich vorher auch bestanden, meine Planung bis zu den Prüfungen auch hingekriegt. Ohne den zusätzlichen Gedanken an ZTD.

    Vielleicht mache ich das inzwischen bewusster als vorher, aber gibt es auch einen Mehrwert? Dieses Bewusstsein ist glaube ich der echte Unterschied zur "Vor-Selbsmanagement-Zeit". Ich weiß genau, was ich im Einzelnen will, wo ich hin möchte, wie ich es erreichen möchte. Aber das Nicht-Gelingen frustriert mich doch oft ganz schön.

    Und wie früher schläft bei mir alles nach einer gewissen Anfangseuphorie ein. Möglicherweise hab ich zu viele Baustellen gleichzeitig aufgemacht. Mit dem Gedanken, dass viele Dinge ja schon zu 60-80% funktionieren, hab ich mehrere Themen gleichzeitig angefangen. Das macht dann insgesamt etwa 4 bis 5 mal 30% im Durchschnitt bis zu 150%, die zu schaffen sind. Nicht gut.

    Ich werde mich wohl nach der Prüfung am Samstag in Ruhe hinsetzen und mir Gedanken machen, wie ich weitermachen will. Am besten ist es wahrscheinlich, alles bisherige auszublenden und nochmal bei Null zu starten.
  3. chillie
    chillie
    Anfangseuphorie
    Jo das ist es was mich zu dem Beitrag veranlasst hat - in die Euphorie mischt sich eben das Tagesgeschäft und die Frage ab wann ist besser nicht mehr gut. Das bewegt mich sehr.

    Ich habe doch einige Probleme damit auf "Halbgas" zu fahren, egal wo, wenn ich denke ich würde "entspannter" Studieren hätte ich Angst es zu weit schleifen zu lassen. Hierbei geht es mir ähnlich, wenn ich es nur solala mache, denke ich mir es gleich bleiben zu lassen.

    Den wirklichen Mehrwert erkennt man leider nicht sofort - aber ich bin mir sicher wenn Du mal ein Brainstorming zu dem Thema machst entdeckst Du auch Vorteile.

    Ich persönlich fühle mich mit dem Thema eigentlich wohl, aber wie immer öffnet man bei sowas eben neue Türen... und diese führen wieder zu neuen Problemen

    Ich wünsche Dir auf jeden Fall erstmal viel Erfolg für die Klausur und danach vllt. beim Brainstorming zu Deiner Situation.
  4. m.e.l.l.a
    m.e.l.l.a
    Mich regt vor allem auf, dass ich mich relativ leicht rausbringen lasse. Ich nehm mir schön was vor für nach der Arbeit, dann kommt mein Mann und erzählt, dass wir wo eingeladen sind oder was auch immer und schon ist das Vorgenommene nicht erreicht. Das passiert dann am besten zwei Tage hintereinander und schon bin ich raus und genervt.
  5. Markus Jung
    Markus Jung
    ... jetzt erst entdeckt, dass es hier auch etwas Neues gibt.

    Also mein Fazit ist, dass es sich gelohnt hat, aber ein langer Weg ist. Was so die Organisation meines Arbeitsplatzes und der Aufgaben angeht, bin ich sehr zufrieden.

    Was das frühe Aufstehen angeht, so ist es nun so, dass der Wecker jeden Morgen um sechs Uhr klingelt, ich aber auch akzeptiere, wenn ich dann noch nicht bereit bin aufzustehen. Der anfängliche Zwang ist mir persönlich nicht gut bekommen. Ich war dann zu oft tagsüber völlig übermüdet und unproduktiv - oder habe einen Mittagsschlaf gemacht mit der Folge, abends nicht ins Bett rein und morgens nicht raus zu kommen. Ich ärgere mich ziemlich, dass am Sonntag die Uhren umgestellt und mein Rhythmus dann sicher durcheinander kommen wird.

    Was mir noch nicht so gut gelingt ist es, auch unliebsame Aufgaben oder Dinge die mir aufgrund meiner Persönlichkeit schwerfallen (Reklamationen, auf andere Menschen zugehen) dann zu erledigen, wenn diese anstehen. Hier schiebe ich immer noch viel auf und belaste mich damit unnötig. Bsp. aus dem privaten: Seit drei Monaten warte ich darauf, dass meine Waschmaschine richtig angeschlossen wird und ich ein Angebot für eine Spülmaschine bekomme. Hier werde ich weiter "dran" bleiben.

    Meiner Meinung nach lohnt es sich immer wieder, zurückzublicken, zu schauen was erreicht wurde (und mit welchem Aufwand) und was es noch zu tun gilt. Ich habe mich schon manchmal geärgert, wie viel Zeit ich daran gesetzt habe, immer mehr Sachen von meinem Schreibtisch zu entfernen (bis hin zum Festnetz-Telefon). Aber über das Ergebnis bin ich nun doch froh und merke, wie einfacher viele Abläufe geworden sind.
  6. chillie
    chillie
    Wohl wahr, manche Dinge die man intuitiv lösen möchte allerdings total unsinnig erscheinen sind es meistens gar nicht.

    Schlußendlich sind aber nichtmal die kleinen und mittelgroßen Erfolge das, was einem recht gibt, sondern die generelle Entwicklung.

    Ich kann von mir sagen, das es nur ganzheitlich funktioniert. Fit im Kopf, fit im Bauch, fit im Körper. Darum versuche ich mit "Half-Habbits" weiterhin mehr Sport in mein Leben einzubinden, auch wenn mir das deutlich schwerer fällt als andere Dinge ... darum aber Half-Habbits, denn mit denen habe ich gute Erfahrung gemacht.
    Darum auch wieder besser ernähren - ich war auf einem guten Weg, im Streß des letzten Semesters ging das so ab Mitte August völlig unter ... bekommt wir jetzt bestens und mein gestärkter Wille der mir hilft einfach mal NEIN zu Süßkram zu sagen bestärkt mich wiederum darin jetzt doch noch eine Stunde zu lernen oder doch noch Aufgabe X anzugehen.
  7. m.e.l.l.a
    m.e.l.l.a
    Ich weiß noch nicht, ob ich das bis zum Wochenende aushalte, mir Gedanken zu machen. Eigentlich bin ich schon mittendrin Vielleicht sollte ich das gleich machen, richtig aus dem Kopf krieg ich`s jetzt eh nicht mehr... Und dann heute Abend nochmal frisch und frei MUU...
  8. Markus Jung
    Markus Jung
    @chillie: Half Habits? - Sagt mir jetzt gar nichts. Du hast mich allerdings auf einen Bereich hingewiesen, bei dem ich in diesem Jahr bisher ziemlich "versagt" habe: Gesundheit (besonders Sport, Ernährung müsste ich auch was tun).

    @m.e.l.l.a: Wenn Du es tatsächlich nicht aus dem Kopf bekommst, kommst Du wohl eh nicht darum herum, Dir genau jetzt die Gedanken zu machen (wenn es sich denn irgendwie realisieren lässt).
  9. m.e.l.l.a
    m.e.l.l.a
    @Markus: Gar kein Problem, bin gerade dabei, mir das ZTD-Ebook auszudrucken, hab ein großes Blatt Papier vor mir und freu mich, jetzt "aufzuräumen" : )
  10. chillie
    chillie
    Half Habits
    Half Habits sind sozusagen der kleinstmögliche Nenner an dem sich Änderungswille und Motivation treffen.
    Sprich anstatt "Sport machen" Dinge wie "2x 30 Minuten die Woche an der frischen Luft bewegen" oder anstatt "alle Aufgaben in RTM eintragen" lieber etwas wie "alle XYZ Aufgaben in RTM eintragen" ... wenn man das dann gepackt hat kann man einen drauflegen.

    Im Original von hier geklaut
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