Ist langsamer lesen besser als schneller lesen?
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Hallo Zippy!
Auf Deine Frage nach der "gezielten Anwendung unterschiedlicher Geschwindigkeiten und Strategien" möchte ich gern antworten:
Es geht dabei im Wesentlichen um die Entscheidung, 1. welche Texte überhaupt und 2. wenn ja, wie gründlich sie gelesen werden.
Lesen sollte immer mit einer sogenannten "Vorausschau" beginnen: Bevor Du überhaupt liest, sichtest Du den Text, und zwar Seite für Seite (jeweils ca. 5-10 Sekunden) und achtest dabei auf "Sinnsignale" - alles, was Dir spontan in die Augen springt, was von Interesse sein könnte (Überschriften, häufig vorkommende Namen oder Fachbegriffe, Jahreszahlen, ...). So nimmst Du schon einmal "Fühlung" mit dem Text auf, gewinnst einen Eindruck von Stil und Schwierigkeitsgrad und kannst entscheiden, wie tief Du darin einsteigen magst.
Für manche Texte mag die Vorausschau bereits genügen - mit etwas Übung kann man so erstaunlich viel Informationen gewinnen, noch bevor man überhaupt mit Lesen angefangen hat. Dann mag es Fälle geben, in denen Du feststellst, dass Du nur eine einzige Information aus dem Text herausziehen willst ("Scanning"). Oder Du möchtest den Text nur überfliegen ("Skimming"), d.h. lediglich die Hauptgedanken herausfiltern: Dann liest Du ihn mit sehr dynamischen Blickbewegungen, ohne Dich an Details aufzuhalten, aber vollständig (kein Querlesen). Schließlich gibt es den Fall, dass der Text wirklich wichtig für Dich ist, so dass Du ihn ebenfalls vollständig, aber deutlich langsamer liest (je nach Schwierigkeitsgrad vielleicht 300-500 Wörter pro Minute). Auch dann kannst Du während des Lesens an manchen Stellen, die einfach oder unwichtig sind, beschleunigen - wie beim Autofahren mal einen Gang hoch- oder runterschalten.
Eine genaue Beschreibung dieser Techniken findest Du im Buch "Schneller lesen - besser verstehen" von Wolfgang Schmitz (Rowohlt Verlag). Aber ich hoffe, das gibt Dir einen ersten Eindruck, was mit "gezielter Anwendung" von Lesestrategien und -geschwindigkeiten gemeint ist. Bei den meisten Menschen ist es in der Tat so, dass es nur eine "gefühlte Lesegeschwindigkeit" gibt, wie Du schreibst. Wir möchten in unserem Training gerade eine größere Flexibilität erreichen: Nicht jedes Problem kann man mit einem Hammer lösen, manchmal braucht man auch einen Schraubenzieher - daher sehen wir das Ergebnis des Trainings auch als eine Art "Werkzeugkasten", in dem für jede Lesesituation das richtige Gerät zu finden ist.
Viele Grüße!
Friedrich Hasse
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Hier mal ein Amazon-Link (Aff) zu dem erwähnten Buch: Schneller lesen - besser verstehen
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Hallo Friedrich,
vielen Dank für diese interessanten Ausführungen. Ich lasse mich verleiten und werde mir das angesprochene Buch zulegen, weil das ein spannendes Thema ist, das überdies in der Praxis Anwendung finden kann und wird.
 Zitat von Friedrich Hasse
Schließlich gibt es den Fall, dass der Text wirklich wichtig für Dich ist, so dass Du ihn ebenfalls vollständig, aber deutlich langsamer liest (je nach Schwierigkeitsgrad vielleicht 300-500 Wörter pro Minute).
Liest man mit 300-500 Wörtern pro Minute deutlich langsamer? Ich dachte, das Mittel liegt allgemein bei um die 200 Wörter p. M. bei „normaler“ Geschwindigkeit.
Ich danke vielmals.
Viele Grüsse
Zippy
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Neben der Art des Textes ist es sicherlich doch auch wichtig, welcher "Lerntyp" man ist und mit welchem Anspruch man liest. Um Fakten aufzunehmen und möglichst auswendig zu memorieren ist ein anderes Tempo notwendig als wenn es nur darum geht, den konzeptionellen Zusammenhang zu verstehen.
Ich selbst bin Freund der Überflugsmethode um die grobe Struktur zu erkennen und danach des vereinzelten präzisen lesens um einzelne Fakten zu behalten. Allerdings ist letzteres oft gar nicht bis ins letzte Detail notwendig, bzw. sehr einzelfallabhängig...
Damit ende ich also häufig mit einer sehr hohen Lesegeschwindigkeit, habe aber im Endergebnis sicherlich vieles "nur" quergelesen und nicht verinnerlicht.
my 0,02€
Dirk - kletternder, skateboardender, wissensdurstiger und IT-besessener Patchwork 2.0 Papa. Ausserdem Open University Student (Business Science) und Blogger ( http://www.primbs.de)
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Ich halte es immer so: Ich lese einen Text oder ein Kapitel und verschaffe mir einen Überblick, anschließend gehe ich nochmals durch und versuche die "Essenz", also das Relevante zu finden und dieses zu vertiefen. - Allerdings gab es auch Dinge, die ich mehrmals, also 4-5 mal lesen musste, um wirklich zu verstehen um was es geht oder was die Studie eigentlich soo besonders im Gegensatz zu anderen macht.
Es ist auch immer abhängig davon, ob ich beim ersten Lesen merke das ich die Grundlagen bereits kenne und es sich bei dem Artikel eigentlich um eine spezifischere Vertiefung handelt.
Was mir IMMER Probleme bereitet und zwar schon seit meiner Schulzeit: ich kann nicht lernen wenn ich kontinuierlich wiederkehrende Umgebungsgeräusche habe, z.B.: tickende Uhren, knackende Festplatten (Samsung ist da so ein Kandidat) oder sonstige regelmäßig auftretende Geräusche, das macht mich wahnsinnig. Da stört es mich weniger, wenn der Nachbar mal die Musik lauter hat...
Wenn es nur um einen Überblick geht, dann lese ich schnell drüber und mache nur bei hervorstechenden Textstellen halt.
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