Studiengebühren, Studienkredite, weniger
Kindergeld:
Für viele der rund zwei Millionen Studierenden in
Deutschland beginnt das Wintersemester 2006/2007 auch mit der Frage,
wie sie ihr Studium finanzieren können. "Am besten wenden sich die
Studierenden an das Studentenwerk", rät Achim Meyer auf der Heyde vom
Deutschen Studentenwerk (DSW), dem Dachverband der Studentenwerke. Sie
haben allein im vergangenen Jahr im Auftrag von Bund und Ländern über
1,5 Milliarden Euro BAföG ausbezahlt. Doch DSW-Generalsekretär Meyer
auf der Heyde betont: "Die Studentenwerke bieten mehr als BAföG; sie
beraten die Studierenden in allen Fragen der Studienfinanzierung, und
zwar so umfassend, unabhängig und individuell wie niemand sonst. Wir
haben den gesetzlichen sozialen Auftrag, die Studierenden
wirtschaftlich zu fördern. Eine umfassende
Studienfinanzierungsberatung verstehen wir in Zeiten von
Studiengebühren und neuen Kreditangeboten als eine unserer wichtigsten
Verpflichtungen gegenüber den Studierenden." Das Studierendenwerk
Hamburg, das Studentenwerk Berlin und das Studentenwerk München hätten
beispielsweise eigens neue Beratungsstellen für die Vielzahl von
Angeboten der Studienfinanzierung geschaffen, ergänzt Meyer auf der
Heyde.

Staatliche Förderung BAföG nutzen, bevor zum Kredit gegriffen wird!
Seit seiner Einführung 1971 konnten rund 3,8 Millionen junge Menschen
aus einkommensschwächeren Familien dank des
Bundesausbildungsförderungsgesetzes, besser bekannt unter seinem
Kürzel BAföG, ein Studium absolvieren. Das BAföG ist der Klassiker der
Studienfinanzierung, über 500.000 Studierende profitieren derzeit von
dieser staatlichen Studienfinanzierung. "Wir stellen in Gesprächen
immer wieder fest, dass vielen Studierenden gar nicht bewusst ist,
dass sie einen Anspruch auf BAföG haben", erklärt Meyer auf der Heyde,
"deshalb ist das BAföG ein Herzstück unserer Beratung." Wie auch die
Zeitschrift "finanztest" in ihrer jüngsten Ausgabe festgestellt hat,
schlägt das BAföG jeden Studienkredit: Es wird zur Hälfte als
Zuschuss, zur anderen Hälfte als zinsloses Darlehen gewährt, wobei die
Gesamtschuld nicht mehr als 10.000 Euro beträgt. Der Höchstsatz der
monatlichen BAföG-Förderung beträgt 585 Euro, im Bundesdurchschnitt
liegt die Förderung bei 375 Euro im Monat.

Studienkredite für besondere Studienphasen
Als ergänzende Finanzierung oder für bestimmte Phasen des Studiums,
etwa das Examen, sind aus Sicht des Deutschen Studentenwerks
Studienkredite sicher sinnvoll, "allerdings nur als Ergänzung zum
BAföG oder zum Elternunterhalt", wie Meyer auf der Heyde betont. Die
jeweiligen Kreditangebote sollten die Studierenden auf jeden Fall
vergleichen, vor allem ob sie den Studierenden unabhängig von der Wahl
des Studienfachs offen stehen, bundeseinheitlich gelten und ohne
Sicherheiten sowie zu gleichen Konditionen gewährt werden. Meyer auf
der Heyde rät davon ab, ein Studium vollständig über einen Kredit zu
finanzieren: "Dann droht die Schuldenfalle." Auf jeden Fall sollten
die Studentenwerke befragt werden: Diese würden zu einem Studienkredit
nur nach Prüfung aller alternativen Finanzierungsmöglichkeiten raten,
und nur dann, wenn die Studien- und die Finanzsituation der
Studierenden dies nahe legten. "Wir machen Finanzierungsberatung und
keine Schuldnerberatung", stellt Meyer auf der Heyde klar.

Studienfinanzierung in Deutschland: Eltern, BAföG, Jobben
In seiner Sozialerhebung untersucht das Deutsche Studentenwerk seit
über 50 Jahren die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden
in Deutschland. Ein wichtiges Ergebnis: Die Studienfinanzierung ist
eine klassische Mischfinanzierung, und ihre wichtigsten Quellen sind:
Eltern, BAföG, Jobben. 89% der rund zwei Millionen Studierenden werden
von ihren Eltern unterstützt, und zwar mit durchschnittlich 435 Euro
im Monat (bare oder unbare Zuwendung); 12% leben allein von den
Unterhaltsleistungen ihrer Eltern. Gut zwei Drittel der Studierenden
jobben nebenbei; ein Drittel könnte sich ohne den Nebenjob das Studium
nicht leisten. Ein Viertel der Studierenden bezieht BAföG, wiederum
69% von ihnen geben an, ohne BAföG nicht studieren zu können. Von
einem Stipendium profitieren nur 2% aller Studierenden; ebenso wenige
nahmen bisher einen Bildungskredit oder ein Darlehen in Anspruch.

Weitere Informationen:
www.studentenwerke.de
www.sozialerhebung.de

Quelle: Presse-Mitteilung Deutsches Studentenwerk