Integration der Promotion in den Bologna-Prozess?
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Zu diesem Thema eine Veröffentlichung der Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) im Originaltext:
Doktor Bolognese?
Physiker fordern: Die Promotion soll weiterhin ausdrücklich der
Forschung dienen
Nach Vorstellung der europäischen Bildungsminister, die diese Woche in
London tagen, soll die Promotion in den "Bologna-Prozess" integriert
werden. Als dritte Stufe im Anschluss an Bachelor und Master wäre die
Doktorarbeit damit Teil der universitären Ausbildung. "Die
Promotionsphase ist keine Ergänzung des Studiums", meint dazu Prof.
Dr. Eberhard Umbach, Präsident der Deutschen Physikalischen
Gesellschaft (DPG). "Doktoranden sind berufstätige Wissenschaftler,
keine Studenten. Die Belastung der Doktoranden mit zusätzlichen
Lerninhalten geht auf Kosten der Forschung."
Ziele des "Bologna-Prozesses" sind europaweit vergleichbare
Studiengänge und Hochschulabschlüsse. In diesem Zusammenhang begrüßt
die DPG Aktivitäten, die die Qualität der Promotion weiter erhöhen.
Doktorandinnen und Doktoranden aller Disziplinen erwarten heutzutage
eine transparente und damit planbare Promotionsphase. DPG-Präsident
Umbach stellt jedoch klar, dass "ein Promotionsprogramm der Physik
auch zukünftig nicht als Fortsetzung der universitären Ausbildung
betrachtet werden darf. Das Masterstudium bildet Physiker bereits zum
Forscher aus. Die Promotionsphase ist dann die erste Berufstätigkeit
der hochqualifizierten Hochschulabsolventen. Doktoranden tragen
hierzulande rund zwei Drittel der Forschungsleistung in der Physik.
Darauf können wir keinesfalls verzichten."
Die DPG wendet sich gegen eine übermäßige Reglementierung der
Promotion. "Promotionsprogramme, die sich an den Gepflogenheiten des
jeweiligen Fachgebiets orientieren, können zur Qualitätssicherung
beitragen. Auch ergänzende Lehrveranstaltungen im kleineren Rahmen
können nützlich sein, besonders im Falle interdisziplinärer
Forschungsgebiete. Doch eine europäische 'Standardpromotion' mit
verschultem und überladenem Ausbildungsprogramm und mehreren Prüfungen
wäre der falsche Weg", kritisiert Umbach.
Auch Prof. Dr. Gerd Ulrich Nienhaus, DPG-Vorstandsmitglied für Bildung
und Ausbildung, gibt zu bedenken: "Im Zuge einer europäischen
Reglementierung können nationale und fachspezifische Besonderheiten
nicht mehr differenziert genug berücksichtigt werden. In Deutschland
haben die begehrten Physikdoktoranden nahezu alle einen Arbeitsvertrag
oder ein Forschungsstipendium und sind in der Regel Teil einer
Arbeitsgruppe. Über ihre Teams sind sie vielfach in größere
Forschungsprojekte und entsprechende Zeitpläne eingebunden. Diese
günstigen Rahmenbedingungen existieren selten in anderen Fachgebieten.
Insofern sind wir skeptisch gegenüber einer 'Standardpromotion', die
die unterschiedlichen Fächerkulturen aus dem Blick verliert."
Nach Überzeugung von DPG-Vorstandsmitglied Nienhaus fördert die
bisherige Promotionskultur in der Physik nicht nur das Entstehen von
exzellenten Doktorarbeiten: "Zugleich werden die vom Arbeitsmarkt
geforderten 'Soft Skills' vermittelt, zum Beispiel durch
englischsprachige Konferenzpräsentationen, Publikationen oder die
unterstützende Tätigkeit in der universitären Lehre. Der Erfolg dieses
Modells zeigt sich in der erfreulich niedrigen Arbeitslosenquote von
nur 3 Prozent bei Physikern. In Deutschland promovierte Physiker sind
international hoch begehrt."
Damit die hohe Qualität der Promotion im Interesse der
Nachwuchswissenschaftler und künftiger Arbeitgeber weiter besteht,
fordert die DPG, dass nur Absolventinnen und Absolventen mit
angemessener Qualifikation zur Promotion zugelassen werden. DPG-
Präsident Umbach: "Allein der an einer Universität erworbene Master-
Grad - und zwar mit sehr guten Leistungen - dokumentiert die Eignung
zur Promotion. Ein 'Fast Track', der vom Bachelor direkt zur Promotion
führt, sollte nur außergewöhnlich talentierten Kandidaten offen
stehen."