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Das Leben ist nicht nur rosa

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paulaken

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Aufgrund eines Blogeintrages möchte ich nun einmal wieder ein Update geben, ein frustriertes und wenig motivierendes Geschreibsel zur aktuellen Lage bei mir.

Im Sommer sollte das Studium nach einem berufsbedingten Urlaubssemester weitergehen, der Plan war gut, die Realität sieht anders aus. Gründe dafür gibt es einige:

1. meine Tochter

Sie besucht momentan die 4. Klasse und hat es nicht leicht. Hochbegabung, eine sehr leichte Form vom Asperger Autismus, einen Tremor in den Händen und dazu Allergien und Asthma.

Ich bin es ja gewohnt, dass ich regelmäßig Gespräche mit ihrem Klassenlehrer zum Thema Sozialverhalten führe und immer wieder mit ihr bestimmte Verhaltensweisen trainiere und einübe. Letzen Winter waren wir auch vier Wochen zur Reha. Seit dem Klassenwechsel in der ersten Klasse geht sie auch richtig gern zur Schule.

Bisher wurden ihre Besonderheiten einfach hingenommen und 'auf kurzem Dienstweg' ausgeglichen. Dieses Schuljahr stellt sich nun eine Lehrerin quer und es muss formell ein Antrag auf Nachteilsausgleich gestellt werden. Das kostete Zeit, viel Zeit. Nötig sind dafür schriftliche Diagnosen, die nicht älter als 6 Monate sind (bei chronischen Erkrankungen auch), ein detaillierter Plan, wie der Nachteilsausgleich durchgeführt werden soll und die Vorbereitung einer Klassenkonferenz zum Thema, mit einer Abstimmung, ob der Ausgleich so durchgeführt werden soll.

Am besten natürlich alles bis vorgestern, vierte Klasse, Schullaufbahnempfehlung.

Parallel habe ich sehr viel mit ihr geredet, darüber, welche Schulform sie besuchen möchte, welche ich mir für sie vorstellen kann, welche Schulen überhaupt in Frage kommen, trösten, Druck rausnehmen, das Gefühl ausgleichen, dass sie nicht in Ordnung ist, wie sie ist, ....

Gleichzeitig habe ich natürlich auch nach der richtigen Schule für sie gesucht und so verschiedene Gespräche mit Schulleitern, behandelnden Ärzten, unterrichtenden Lehrern, .... geführt.

Für Ende Dezember ist nun die Klassenkonferenz angesetzt und ich hoffe, dass ich dort die anwesenden Eltern überzeugen kann, dass ein Nachteilsausgleich für meine Tochter keine Benachteiligung der anderen Kinder bedeutet. Natürlich klingt es erstmal nicht fair, wenn ein Kind in der Klasse für schriftliche Arbeiten mehr Zeit bekommen soll. aber der Tremor, ein unkontrollierbares Händezittern, stört einfach massiv beim Schreiben und dadurch braucht sie mehr Zeit. Und das ist nur ein Punkt von mehreren.

Die Zeit habe ich gern investiert und selbstverständlich wurde alles andere erstmal ihr untergeordnet. Nichts kann einfach wichtiger sein.

2. der Job

meine normale Arbeitszeit pendelt sich dauerhaft irgendwo um die 50h/Woche ein. Da bleibt einfach nicht viel Luft und Energie für andere zeitraubende Beschäftigungen

3. die fehlende Motivation

Die Luft ist einfach raus, ich mag mich nicht mehr mit dem Zeug beschäftigen und habe meine Zeit im letzten Jahr wunderbar anders rumgebracht. Ich habe wieder viel photographiert, betreibe ein Aquarium, habe begonnen zu häkeln, ...

Es gibt so viele gute Beschäftigungen, die mich momentan einfach mehr interessieren und fesseln, warum sollte ich mich also mit Betriebssystemarchitekturen beschäftigen, mit Statistik und dem ganzen anderen Kram?

Um aus diesem Loch herauszukommen, habe ich mich für den 23.11 und 24.11. zu drei Prüfungen angemeldet: Statistik, KI und Betriebssysteme. Seit einer Woche lerne ich nun, mehr oder weniger intensiv.

Ich zieh das durch, aufgeben gilt nicht, egal wie lange es noch dauert.

Danach werde ich aber sicherlich keinen Master oder andere Dinge belegen. Ich möchte nur noch das lesen, was mich auch wirklich interessiert.

In Hagen habe ich mich auch wieder zurückgemeldet, kostet ja nur 11€ und das Spiel wird sicher noch einige Jahre so weiter gehen. Ich denke aber nicht, dass ich da je irgendwas abschließen werde.

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6 Kommentare


Empfohlene Kommentare

ich drück Dir die Daumen...für die Klaususren und auch so.

sonst biete ich Kochen, Snowboarden, Lego Bauen, Lernen mit der Großen , gemeinsame Trips zu Auswärtsspielen beim Handball als passige Alternative.

Könnte sein das die fehlende berufliche Perspektive bei uns an der Motivation zerrt....tue mich im Moment auch etwas hart damit .

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Das klingt wirklich hart! Ich wünsche dir viel Glück für die anstehenden Termine, sowohl für deine Prüfungen, als auch für die Klassenkonferenz :)

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Zunächst einmal finde ich es super, dass du dieses Blog-Update geschrieben hast - darauf bezieht sich auch mein "Gefällt mir" und nicht auf die schwierige Situation, in der du im Moment steckst.

Was deine Tochter angeht finde ich es gut und angemessen, dass sie einen Nachteilsausgleich bekommt und es ist sicher auch sinnvoll, sich da mit allen Beteiligten mal zusammen setzen - aber eine Klassenkonferenz mit den anderen Eltern dazu? So wie du es schreibst, scheinst du dies eher so zu empfinden, als wärst du bzw. dein Kind da eine Angeklagte, die sich verteidigen muss. Ich denke, die anderen Kinder und auch Eltern sollten informiert sein, warum dein Kind zum Beispiel mehr Zeit für die Arbeiten benötigt - und gerade mit dem vermutlich ja auch sichtbaren Tremor sollte dies ja sowohl für Kinder als auch Erwachsene nachvollziehbar sein. Aber eine Konferenz dazu? - Ich finde, da gibt es im Grunde nichts zu diskutieren. Gut, soweit mal meine ungefragte Meinung...

Was das Studium angeht gefällt mir deine Einstellung. Wenn du nicht schon so weit wärst, könnte es auch eine Frage sein, wie wichtig dir das Studium bzw. der Abschluss noch ist - aber da du schon so viel geschafft hast, halte ich es auch gut, zumindest langsam weiter zu machen. Und du bist da ja auf einem guten Weg.

Zur FernUni Hagen: Es wird künftig etwas teurer als die 11 Euro - siehe:

http://www.fernstudium-infos.de/fernuni-hagen/33678-neues-gebuehrenmodell-fernuni-hagen-ab-ss2014.html

Künftig sind es also mindestens 61 Euro pro Semester

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So wie du es schreibst, scheinst du dies eher so zu empfinden, als wärst du bzw. dein Kind da eine Angeklagte, die sich verteidigen muss.

Genau das ist der Punkt, der mich daran so ärgert. Offen bin ich bisher immer mit den Themen umgegangen, die Mitschüler und Eltern wissen bescheid. Wer sie erlebt hat, hat den Tremor z.B. auch gesehen, dieser ist offensichtlich.

Problematisch finde ich aber, dass bis zur Klassenkonferenz nach den allgemeinen Kriterien bewertet wird. Seit Anfang September bekommt sie also Noten, die nicht ihrer Leistungsfähigkeit entsprechen. Besonders problematisch ist dabei Deutsch, da dort ja nicht nur das Schreibtempo, sondern auch die Rechtschreibung entsprechend bewertet werden. Sie konzentriert sich aber auf das Formen der Buchstaben und verliert dabei die Rechtschreibung aus dem Blick. Ich halte es aber für normal, sie ist auch erst 9. Wenn sie einen Text am PC tippt, ist ihre Rechtschreibung fast fehlerfrei.

Letztes Schuljahr hatte sie durch den Zeitbonus eine sichere 2 in Deutsch. Momentan steht sie zwischen 4 und 5. Auch die Noten in den anderen schreibintensiven Fächern sind deutlich schlechter geworden. Nur in Mathe hat sie sich von einer sehr guten 2 auf eine glatte 1 verbessert.

Aus einem Schnitt von 1,5 im letzten Schuljahr in den Kernfächern wurde ein Schnitt von ungefähr 3. Ende Januar bekommt sie ihr Zeugnis und dies ist der Schlüssel zur weiterführenden Schule. Es bleiben also nur 4 Wochen, in denen sie angemessen bewertet werden kann. Ob das reicht, kann ich momentan noch nicht beurteilen.

Auch die Vorgehensweise finde ich problematisch. Bei der Klassenkonferenz muss ich begründen, warum dieser Nachteilsausgleich gewährt werden soll, wie der aussehen soll und wie man diese Umsetzung gerecht für alle Kinder gestalten kann. Auch meine Tochter soll sich bei dieser Konferenz zum Thema äußern.

Anschließend stimmen Eltern und Lehrer darüber ab, ob dem Antrag so stattgegeben wird.

Es ist ein Vorführen meiner Tochter, ganz klar. Wie kann man von einem so jungen Kind eine solche Leistung erwarten? Sie hat ja jetzt schon große Schwierigkeiten damit mit den ständigen Enttäuschungen in Form von schlechten Noten umzugehen. Der Druck auf sie ist momentan enorm.

Sie möchte unbedingt aufs Gymnasium gehen und weiß auch, dass es mit diesen Noten nicht gehen wird.

Ich versichere ihr zwar immer wieder, dass wir das schon hinbekommen, auch der Klassenlehrer bestätigt, dass sie ein Kandidat fürs Gymnasium ist und er dafür sorgen wird, dass sie dort hingehen kann. Der Klassenlehrer unterrichtet sie in Mathe und Sachkunde. Ich denke also schon, dass er beurteilen kann, wie ihre Leistungsfähigkeit ohne Tremor wäre. Nur die Deutschlehrerin stellt sich entsprechend quer.

Bisher sieht der Nachteilsausgleich konkret so aus:

Sie bekommt in schreiblastigen Prüfungen etwas mehr Zeit (ca 15min pro 45min Bearbeitungszeit, die wird in der Pause angehängt)

bei Einzelübungen darf sie den Klassenraum verlassen und im Flur selbständig arbeiten (Asperger) -> nutzt sie kaum noch

Wenn sie sich ärgert, darf sie die Situation (Klassenraum, Pausenhof) verlassen, bis sie sich wieder beruhigt hat -> auch deutlich seltener geworden

Sport wird bei ihr nach Leistungszuwachs und Asthmabeachtung bewertet und nicht nach Tabelle -> Ziel ist dabei, dass sie lernt ihre körperlichen Grenzen zu erkennen und einzuhalten

Das sind alles Dinge, die ich für wichtig und fair halte. Ich bin aber kein Pädagoge und kann es deshalb nicht richtig begründen und darstellen. Da arbeite ich mich gerade ein.

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Die Maßnahmen des Nachteilsausgleich klingen für mich jetzt nicht sonderlich unfair ggü. den anderen Schülern. 15 Minuten sind jetzt nicht die Welt und reichen bei ihr wahrscheinlich trotzdem nicht, um den Tremor auszugleichen. Vielleicht kann man in bestimmten Fächern auch auf mündliche Prüfungen ausweichen? Sicherlich nicht für Deutsch geeignet, aber für Wissensfächer wie Sachkunde vielleicht eine Alternative.

Ich drück die Daumen, dass sich das positiv für deine Tochter entwickelt!

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Was ist das für eine komische Schule, das die Eltern da mitreden dürfen? Ist doch eigentlich eine Sache der Lehrerschaft dachte ich. Das eine einzelne Lehrerein einem Kind solche Steine in den Weg legen kann. Erschreckend. Wir hatten Gott sei Dank bisher immer Glück mit den Lehrern unserere Großen.

Ich drücke Euch auf jeden Fall mal die Daumen, das sich für Deine Tochter das Richtige ergibt.

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