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Frust im Job als Motivation für Studium...

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Pinguinchen

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Hallo,

vielleicht studiert ja der eine oder andere auch aus einer ähnlichen Motivation heraus wie ich. Es ist nicht meine einzige Motivation zur Aufnahme des Fernstudiums, aber sie ist schon sehr wichtig für mich: die Erkenntnis, dass ich nicht bis zur Rente in meinem jetzigen Job arbeiten möchte.

Mir geht so vieles gegen den Strich - ein Beispiel?

Am Freitag habe ich eine Patientin betreut, die eine recht aggressive Form von Krebs hat und die als motzig und schwierig galt. Durch eine auf sie angepasste Gesprächsführung gelang es mir, dass sie sich ein wenig öffnen konnte - ihr Problem bestand darin, dass sie keine Fortschritte in ihrer Pflegebedürftigkeit gesehen hat "ich bin heute von den Physiotherapeuten in den Sessel gesetzt worden - aber fragen Sie nicht wie! Wie ein nasser Sack war ich!" Es ist ihr nach unseren Gesprächen gelungen, sich aber über den Fortschritt, das Bett verlassen zu haben und weiter an der Technik des "sich Setzen" zu feilen. Gestern hat sie mir voller Freude berichtet, dass es an diesem Tag schon besser geklappt hat und dass es endlich wieder einmal ein guter Tag für sie gewesen ist. So viel zum Sachverhalt - nun kommt eine Kollegin an, um Infos für die Übergabe abzuholen. Sie fragt "wie war es denn heute mit ihr?" Ich berichte, dass ihre große Schwierigkeit darin bestand, keine Erfolgserlebnisse zu haben und sie nun angestoßen wurde, sich auf kleine Schritte zu konzentrieren und dass dies recht erfolgreich für sie war. Reaktion meiner Kollegin: "interessiert mich nicht - sie ist also kardiopulmonal stabil? Diurese ist mäßig? Okay"

Ich habe einfach das falsche Pflegeverständnis für die Intensivpflege. Ich habe einfach keine Lust, ausschließlich in Organen zu denken :ohmy:

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3 Kommentare


Empfohlene Kommentare

Oh man.... ich versteh dich super...deshalb bin ich direkt nach der Ausbildung aus der Klinik raus..und kurz drauf rein in die außerklinische Kinderintensiv (jup bin eig. auch eine "große" ...bei dem AG in Dortmund konnte ich damals zum erstenmal Pflege so leben, wie ich sie verstehe. Bei den Kids zählt nämlich nicht nur die Erkrankung, die bleibt 24/7 sondern der Mensch an sich, die kleinen Fortschritt, das TROTZDEM obwohl Ärzte sagen das geht nicht.

Ich wünsche dir viel Kraft.

LG

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Wenn ich Schilderungen wie deine und viele andere in eine ähnliche Richtung gehende zum Thema Pflege lese, wird mir immer übel.

Jeder wünscht sich wohl, wenn er krank ist besonders als Mensch in seiner Gesamtheit mit seinen Bedürfnissen wahrgenommen und so behandelt zu werden.

Und dennoch scheint das aktuelle System im Gesundheitswesen genau dieses Verhalten der Akteure eher zu sanktionieren als zu fördern und die Menschen, die trotz aller Widerstände danach versuchen zu arbeiten zu vertreiben, da sie merken, dass das auf Dauer nicht möglich ist bzw. kaputt macht.

Traurig.

Und dennoch, vielleicht, vielleicht bringt es etwas, wenn Menschen wie du in die Forschung gehen und Wege aufzeigen, wie es anders gehen könnte bzw. wo aktuell (auch (volks-)wirtschaftlich) mehr Schaden als Nutzen angerichtet wird.

Ich bin ja überzeugt, dass durch den Einsatz von mehr Zuwendung und Zeit für den einzelnen Menschen manche teure Therapie vermieden werden und Menschen schneller wieder gesund oder selbstständiger wären.

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Ja, Pflege ist leider ein sehr sehr seltsamer Bereich - und leider leider wird Pflege immer wieder sehr negativ dargestellt. Wenn denn mal über diesen Beruf berichtet wird, dann im Zusammenhang mit Pflegefehlern, Gewaltereignissen und/oder zunehmender Arbeitsverdichtung. Es wird jedoch kaum kommuniziert, was diesen Beruf tatsächlich ausmacht - und nein, es ist nicht nur "die Dankbarkeit in den Augen der Patienten", die diesen Beruf auch attraktiv erscheinen lassen kann.

Ich denke, was Pflege eigentlich überhaupt ist - das wissen viele Fachkräfte nicht mal…und ich denke, das ist auch der Knackpunkt, warum sie so handeln, wie sie handeln. Was habe ich für ein Verständnis von Pflege? Diese Art der Reflexion ist vielen Pflegenden leider fremd. Ich für mich habe es so beantwortet: meine Aufgabe als Pflegende ist, Pflegebedarf festzustellen und darauf zu reagieren. Und Pflegebedarf äußert sich in so vielen Dingen - von der physischen Unfähigkeit, etwas zu tun - oder Betroffene zu unterstützen, ihre Pflegebedürftigkeit zu verarbeiten und sich damit positiv zu arrangieren bis hin zur konkreten Krisenintervention bei pflegenden Angehörigen, die einfach keine Kraft mehr haben, sich um ihren Pflegebedürftigen zu kümmern…da kann ich konkrete Hilfestellung geben, Hilfen aufzeigen, schulen, anleiten…auch beraten hinsichtlich finanzieller Unterstützung - wem steht was in welcher Situation zu, wie kann die pflegende Angehörige entlastet werden?… Dazu sollte eigentlich schon die Ausbildung und nicht nur mein Pflegestudium befähigen…nur…die Realität sieht leider so aus, dass viele Pflegende sich auf "waschen, lagern und Essen austeilen" degradieren lassen und sich gerne auch noch pflegefremder Tätigkeiten bedienen wie zB fachfremder Orgakram usw.

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