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Rückblick 3.Semester: Das Grauen hat einen Namen...

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Higgins

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Schon weit vor dem dritten Semester hatte ich besorgniserregende Gerüchte über ein Fach gehört, das mir dann tatsächlich leider so manchen Tag vermiesen und mich sogar (peinlicherweise) bis in meine Träume verfolgen sollte: Betriebliches Rechnungswesen (BRE). Bis jetzt hatte jeder Abschnitt des Studiums seine ganz eigenen Herausforderungen bereitgehalten, aber BRE toppte in negativer Hinsicht wirklich alles.

Im Web-Campus gibt es einen sehr langen Thread über die destruktiven Auswüchse dieses Fachs und seiner Kollateralschäden. Angefangen bei exorbitant hohen Durchfallquoten über subjektiv unfaire Fragestellungen bis hin zur generellen Schwierigkeit überhaupt zu bestehen, geschweige mit dem, was einer guten Note auch nur annähernd gleichkommt. Ich las mir das damals durch und schrumpfte dabei vor dem PC immer mehr zusammen, weil ich mir fast nicht vorstellen konnte, dass ich dieses Fach mit meinen Voraussetzungen jemals bezwinge.

Wenn man sich bewusst macht, dass in meinem Leben der Matheunterricht mehr als 25 Jahre her ist und damals auch nur das allerniedrigste (Hauptschul-)Niveau umfasste, kann man sich ungefähr vorstellen wie wenig ich auf derartige Aufgabenstellungen vorbereitet war. Ich hatte schon früher nur durchschnittliche bis schlechte Noten in Mathe geschrieben und überhaupt kein Talent dafür gezeigt. Gleichzeitig konnte ich auch in Buchführung keine Grundkenntnisse vorweisen, die geeignet gewesen wären mir unterstützend unter die Arme zu greifen. Zu allem Überfluss kam dann in dieser Situation auch noch eine eher pessimistische Veranlagung dazu, die – um es milde auszudrücken - ausgesprochen wenig hilfreich war.

Während nun diese ungute Kombination über Wochen vor sich hin schmorte war klar, dass ich mir solche Nachlässigkeiten wie im letzten halben Jahr definitiv nicht leisten konnte. Deshalb plante ich alles ganz genau durch und begann tatsächlich sehr früh, mich mit BRE auseinanderzusetzen. Ich wollte wenigstens so viel wissen und verstehen, dass es für die nötigen 50 Punkte reichte.

Aber schon die Zusammenfassungen waren ein einziger Kampf. Zum einen sind sie Studienbriefe etwas umfangreicher als in früheren Fächern, was bedeutet, dass man sich deutlich länger mit etwas beschäftigen muss was einen nicht sonderlich interessiert und wofür man auch keine Begabung hat. Zum anderen musste ich bestimmte Passagen teilweise mehrfach lesen um sie zu verstehen oder auch nur ansatzweise zu begreifen, worauf der Autor hinauswill. Und das obwohl die HFH sehr bemüht ist, das ganze Thema so einfach wie möglich zu halten und didaktisch zugänglich aufzubereiten. Doch die mit Formeln, Rechnungen und entsprechenden Übungsaufgaben gespickten SB kosteten mich trotzdem unheimlich viele Nerven, weil ich massig Zeit investieren musste um richtige Lösungen zu generieren. An manchen Tagen erschien mir BRE wie ein einziger, wahr gewordener Alptraum, der in Papier verwandelt vor mir lag.

Doch zwischen aller Mühe und Beschwerlichkeit blitzte ein wenig Hoffnung auf. Proportional zu meiner Einsatzbereitschaft wuchs mein Verständnis, auch wenn es nur an der Oberfläche dümpelte. Je mehr ich das Thema durchdrang und sezierte, desto größer wurde mein Wissen und damit auch die Möglichkeit das BRE-Ungeheuer zu bezähmen. Irgendwann waren dann tatsächlich alle SB zusammengefasst, fast alle Kapitel gelernt und das Thema in meinen Augen bestmöglich bewältigt. Ich konnte es kaum glauben und fühlte mich gut vorbereitet, auch wenn ich meiner mathematischen Inkompetenz geschuldet ein paar Kompromisse eingegangen war.

Und dann kam er, der Tag der Tage…

Fairerweise muss man heute sagen, dass diese Klausur objektiv betrachtet nicht so schlimm war wie es mir im Augenblick der Prüfung erschien. Vermutlich hat die reine Panik, in die ich mich über die Wochen hineingesteigert hatte, einen ultimativen Blackout verursacht und mich gelähmt vor den Aufgaben zurückgelassen. Die ersten zehn Minuten saß ich fast bewegungslos am Tisch und starrte auf das weiße Papier, mein Kopf wie leergefegt. Dann gewann ich langsam meine Fassung wieder und fing an zu schreiben. Doch ich hatte das Gefühl dass es nicht gut lief. Meine Antworten kamen mir unzulänglich vor, oberflächlich und nicht sehr prägnant. Dass ich mich mit gleich mehreren Matheaufgaben befassen musste brachte mich völlig aus dem Konzept. Im Geiste zählte ich immer wieder die möglichen Punkte zusammen, ohne dass es auch nur einmal gereicht hätte. In meiner Verzweiflung warf ich dann gegen Ende noch alles aufs Papier was mir einfiel und halbwegs zu den Fragestellungen passte, in der Hoffnung auf einen lächerlichen halben Punkt mehr. Als die Zeit um war und wir die Bögen abgeben mussten hatte ich das Gefühl, auf vollendeter Linie versagt zu haben. Und das nach den anstrengenden Wochen, in denen ich mir so unendlich viel Mühe gegeben hatte.

Ich beschreibe das hier extra so plastisch weil man an diesem Beispiel sieht, wie wenig man sich auf solche Gefühle verlassen kann. Nach der Prüfung bin ich völlig am Ende nach Hause gefahren und war wirklich überzeugt davon durchgefallen zu sein. Ich habe sogar schon den Termin für eine Klausur-Wiederholung geplant, weil ich mir so sicher war dass die Punkte niemals ausreichen. Ich war enttäuscht von mir selbst, frustriert über das Fach und sah nur aufgrund dieser Prüfung das gesamte Studium scheitern. Und dann bekam ich Wochen später die Vorabmeldung und hatte (sogar mit mehr als 50 Punkten) bestanden :ohmy:. Das fand ich dann unfassbar, aber gleichzeitig auch sehr lehrreich. Denn neben einer durchaus zufriedenstellenden Note (v.a. in diesem Fach) ist mir zusätzlich die Erkenntnis geblieben, dass ich solche Sachen betreffend etwas mehr Lockerheit an den Tag legen und das Studium vielleicht nicht so extrem ernst nehmen sollte.

Im Vergleich zu BRE waren dann die anderen Fächer dieses Semesters fast ein Spaziergang. Vor BRE hatte ich MVP (Management von Projekten) unspektakulär über die Runden gebracht; eine gemäßigte Klausur deren Anspruchslevel nicht weiter erwähnenswert ist. Nach BRE stand noch PUT (Pflege und Transfer) auf dem Plan, für die nur zwei Wochen Zeit blieb, ohne dass ich bis dahin auch nur einen SB zusammengefasst hätte. Da ich mich wie schon erwähnt immer nur auf eine Sache konzentrieren kann, hatte ich meine gesamte Energie in BRE investiert und dafür PUT gänzlich vernachlässigt. Jetzt sah ich mich dem hausgemachten Problem gegenüber, in 14 Tagen 5 Studienbriefe zusammenzufassen und lernen zu müssen. Aber mit einem großen Mut zur Lücke und diversen Zugeständnissen an meine Perfektion war auch das machbar. Überraschenderweise konnte ich dann ausgerechnet in PUT die erste 1,0 meines Lebens verbuchen (mit 100 Punkten!) was ich angesichts der Umstände ziemlich kurios finde. Aber ich habe das dann ganz frech als Entschädigung für BRE angesehen…:sneaky2:

Nach diesen Widrigkeiten und emotionalen Turbulenzen blieb am Ende des dritten Semesters nur noch die Hausarbeit in GUG (Gesundheit und Gesellschaft) übrig, mit der ich mich beschäftigen musste. Aber mit der Erfahrung von AIP im Rücken bin ich relativ entspannt an die Sache rangegangen. Dieses Mal gab es keine Artikel zur Auswahl, sondern nur die Studienbriefe selbst, aus denen man eine adäquate Fragestellung eruieren sollte. Ich habe dann einfach die SB durchgelesen und mir für die HA passende Stichpunkte oder Sätze vorne auf die SB draufgeschrieben. Danach habe ich diese Stichworte selektiert und auf drei Themen eingegrenzt. Zum Schluss nahm ich auch hier wieder ein Problem mit größtmöglichem Praxisbezug, das gehäuft in meinem Umfeld zu Konflikten führte und dessen Lösung ich selber interessant fand. Im Gegensatz zur ersten HA benötigte ich für diesen Suchprozess nur ein paar Tage.

Die größte Schwierigkeit bei dieser HA betraf die Verschriftlichung der Literaturrecherche. Man sollte explizit aufführen wann man wo welche Treffer erzielt hatte und nach welchen Kriterien diese ein-oder ausgeschlossen wurden. Auch so eine Pflichtübung, die mehr Geduld forderte als ich sie hatte. Nun ja… Alles andere war zwar kein Spaziergang, aber sehr gut ohne größere Komplikationen machbar. Abgesehen von besagter Zitation, die mir wohl in jeder HA zu schaffen machen wird...

Fazit:

Mir fallen gar nicht so viele Adjektive ein wie ich brauche, um das dritte Semester angemessen in Worte zu fassen :blink:. Eine wahre Feuertaufe und bis jetzt das härteste Halbjahr. Aktuell frage ich mich, ob das 5. Semester in der Lage ist, das noch zu übertreffen... Ich jedenfalls komme mir so dermaßen abgeklärt vor, dass mich scheinbar nichts mehr erschüttern kann. Aber für mich ist gerade das ein Erfolg.

LG Higgins

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2 Kommentare


Empfohlene Kommentare

Das Studium an der HFH hört sich für mich sehr anspruchsvoll an, nach allem, was Du schreibst.

Es macht wirklich Spaß Deinen Blog zu lesen, ich freue mich schon auf den nächsten :)!

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Nicht dass jetzt hier ein falscher Eindruck entsteht: Das Studium an der HFH ist mit Sicherheit anspruchsvoll (was ich gut finde), aber nicht unmöglich. BRE war ein absoluter Sonderfall und ich persönlich habe es bis jetzt als das schwerste Fach empfunden. Das ist aber sehr subjektiv, d.h. jemand mit mehr Interesse, Vorerfahrung oder Talent denkt da vielleicht ganz anders drüber.

Ansonsten: Freut mich, dass es dir hier gefält :)

LG Higgins

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