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Fernabi - mündliche Abiturprüfung Latein

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Lernfrosch

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Die von mir so gefürchtete Lateinprüfung liegt hinter mir.

Meine Erwartungen - 1 Punkt - wurden nicht erfüllt; im positivsten Sinn wurden alle meine Erwartungen übertroffen!!!

Aufgabe

Der lateinische Text war in angemessenes Deutsch zu übersetzen.

Text:

Ein leicht veränderter Textauszug aus dem 1. Buch des Bellum Gallicum, Kapitel 31, Textabschnitte 13, 14 und 16 (die Bedrohung Galliens durch Ariovist, Rede des Diviciacus; woher der Text kam war nicht angegeben) mit einem kurzen, deutschen Einleitungssatz.

Zu Beginn wurde mir der geplante Prüfungsablauf mitgeteilt: zuerst einen Satz auf Latein vorlesen, anschließend die Übersetzung, Zwischenfragen, nächster Satz usw. und anschließend dann der Interpretationsteil.

Ich wurde einleitend gefragt, ob ich mit dem Text gut zurecht gekommen sei und ob ich während der Vorbereitung mit der Übersetzung fertig geworden bin. Die Übersetzung hatte ich abgeschlossen. Zurechtgekommen? Nunja, ich hatte ja aus größter Verzweiflung vor einiger Zeit angefangen den Bellum Gallicum auswendig zu lernen (bis kurz nach dieser Stelle war ich gekommen...); Glück gehabt. Ich meinte, so im großen und ganzen ja, Unsicherheiten bei kleineren Sachen.

Dann habe jeden der vier Sätze vorgelesen und übersetzt. Es gab mehrere kleine Ungenauigkeiten in der Übersetzung, aber der Sinnzusammenhang stimmte. Die grammatikalischen Fragen, die kamen, konnte ich nicht beantworten (welche Form ist dieses Verb usw.) Ich habe ein wenig geraten, was aber bis auf zwei Ausnahmen (ich habe einen Ablativ absolutus und einen Nominativ erkannt) nicht erfolgreich war.

Dann kam der Interpretationsteil. Ich sollte den Textausschnitt in den Gesamtzusammenhang einordnen. Dann gab es Fragen, was davor im Gallischen Krieg war (Helvetierkrieg). Da habe ich dann einiges erzählen können. Anschließend ging es um Ariovist. Ich habe dann über die Auseinandersetzung gesprochen, den Bau der Rheinbrücke in 10 Tagen und Ariovists unbekanntes Schicksal.

Dann kam die Frage, ob ich weitere Personen im Gallischen Krieg kenne. Ich habe zuerst Vercingetorix genannt, sein Rolle verdeutlicht (Anführer im gesamtgallischen Aufstand) und sein Schicksal dargelegt (gefangengenommen, inhaftiert, 6 Jahre später nach Cäsars Triumphzug erdrosselt). Dann habe ich Critognatus genannt (ebenfalls ein Arverner) und auf seine Rede und die Entscheidungsschlacht bei Alesia hingewiesen. Anschließend habe ich noch Dumnorix erwähnt, ein Häduer, bekennender Romhasser, der auf Befehl Cäsars ermordet wurde.

Dann kam die Frage, wie es mit Cäsar nach dem Gallischen Krieg weiterging. Da habe ich von seinem Bestreben, erneut Konsul zu werden erzählt, von dem Ausbruch des Bürgerkriegs nach Überschreiten des Rubikon, der Flucht der Senatoren nach Griechenland und der Flucht des Pompeius nach Ägypten, wo dieser dann ermordet wurde. Dass Cäsar Diktator wurde, später Konsul und dann beides. Dass er schließlich mit 23 Messerstichen ermordet wurde auf Bestreben von Brutus und Cassius.

Es kam die Frage, ob ich ein lateinisches Zitat von Cäsar kenne. Das war mir entfallen und ich bekam den Hinweis an den Rubikon zu denken. Da konnte ich es dann nennen: Alea iacta est - Die Würfel sind gefallen. Ob ich noch ein zweites kenne. Bin ich wieder nicht drauf gekommen. Veni, vidi, vici. Zumindest habe ich beide Cäsars Text über den Bürgerkrieg zuordnen können.

Zu allen Dingen, die ich angeführt habe, habe ich jeweils die entsprechenden Jahreszahlen genannt.

Abschließend kam die Frage, ob es etwas gebe was mir so zum Thema einfallen würde, was in der Prüfung gar nicht angesprochen wurde. Da meinte ich dann, dass ich mich beim Lernen öfters gefragt habe, was wohl gewesen wäre, wenn Cäsar nicht in der Antike, sondern heutzutage gelebt hätte. Meine Gedanken dazu durfte bzw. sollte ich als kurzes Gedankenexperiment ausführen. Ich habe Cäsars Situation im Altertum benannt (Machtmensch, Politiker, die Ämterlaufbahn - Cursus honorum - zielstrebig durchlaufen). Dann habe ich gemeint, dass Cäsar heute als machtbesessener Politiker denkbar wäre. Ich habe darauf hingewiesen, dass er bereits damals den Bellum Gallicum geschrieben, also die Medien seiner Zeit für seine Zwecke intensiv genutzt hat. Ich meinte, dass Cäsar heutzutage noch sehr viel Möglichkeiten hätte, die er bestimmt auch nutzen würde. Da meinte der eine Prüfer, dass sei gut möglich, manche Politiker machen das ja heute so.

Dann war die Prüfung zuende.

Ich habe wieder kurz danach meine Note erfahren:

9 Notenpunkte

Fazit:

Als ich die Note hörte, stand ich zuerst unter Schock. Ich habe dann nochmal nachgefragt, ob ich das richtig verstanden habe. Ja, hatte ich. Mir wurde erklärt, wie die Note zustande kam. Für den Übersetzungsteil hatte ich 8 Punkte, für die Interpretation und die geschichtlichen Hintergründe 12 Punkte; als Gesamtnote dann 9, weil die Übersetzung 2:1 gewichtet wird. Frau M. von der Schulbehörde meinte zum Abschluss noch, dass mir jetzt nur noch ein einziger Punkt bis zum Abi fehlt und ob ich schon ausgerechnet habe, welche Gesamtnote bei mir herauskommen könne.

Gerechnet habe ich: Momentan stehe ich auf 2,0. Zur 1,9 fehlen mir noch 3 Punkte und das bestmögliche Ergebnis, dass ich morgen noch erreichen könnte ist eine 1,7.

Jetzt wird es nochmal richtig spannend!!!


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8 Kommentare


Danke für deine ausführlichen Berichte :) Daumen drücken scheint zu helfen ;)

Herzlichen Glückwunsch und toi toi toi weiterhin!

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Glückwunsch zu den 9 Punkten. Morgen drücke ich dann noch ein mal die Daumen!

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Freue mich irgendwie jeden Tag auf deine Berichte und staune nicht zum ersten Mal darüber, wieviel man doch eigentlich zur Abizeit wusste... und später vergisst. Ich glaube, mein Allgemeinwissen war nie wieder auf dem Stand. Vielleicht sollte ich nach dem Master mal daran arbeiten ;)

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Markus Jung

Geschrieben

Danke für deinen Bericht und Glückwunsch zur Note! Du schilderst das alles sehr lebendig.

Ich bin enorm beeindruckt, wie viel Wissen für so viele Fächer hier in kurzer Zeit parat gehalten werden muss. Echt heftig.

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Ich glaube, mein Allgemeinwissen war nie wieder auf dem Stand. Vielleicht sollte ich nach dem Master mal daran arbeiten ;)

Wobei man sich fragen könnte, ob das Abiwissen alltagsrelevant ist ;) Zumindest das meiste davon brauche ich nicht im alltäglichen Leben; da gibt es wichtigeres.

Ich bin enorm beeindruckt, wie viel Wissen für so viele Fächer hier in kurzer Zeit parat gehalten werden muss. Echt heftig.

Es ist viel - aber ich finde es ist gut zu bewältigen, sofern man sich darüber schon während der Vorbereitung Gedanken gemacht und das Lernen entsprechend geplant hat.

Es kam mir vor, als würde in den Prüfungen ein gesamter Querschnitt an Grundlagenwissen zu den gewählten Hauptthemen abgefragt und in einzelnen Bereichen, die man allerdings vorher nicht kennt, Fragen nach Details gestellt.

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Markus Jung

Geschrieben

Stimmt, ob das im Abi vermittelte Wissen später nochmal relevant ist, sei mal dahin gestellt... Ich habe vieles davon auch nie wieder benötigt.

Sehr nützlich kann es allerdings später bestimmt sein, sie so viel Wissen in so relativ kurzer Zeit für die Prüfungen aneignen zu können. Gerade bei Studiengängen wie zum Beispiel Medizin ist das bestimmt sehr hilfreich.

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Sehr nützlich kann es allerdings später bestimmt sein, sie so viel Wissen in so relativ kurzer Zeit für die Prüfungen aneignen zu können. Gerade bei Studiengängen wie zum Beispiel Medizin ist das bestimmt sehr hilfreich.

Sehe ich auch so.

Nützlich ist die Fernabierfahrung bestimmt z.B. auch für Psychologie an der FernUni, wenn ich daran denke, dass dort in einer Klausur jeweils das Wissen des gesamten Moduls abgeprüft wird. Das hat neben dem hohen stofflichen Umfang auch wieder etwas von diesem alles-oder-nichts-Prinzip wie jetzt beim Abi, wo nur die jeweilige Prüfung zählte.

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