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Fernabi - mündliche Prüfung Religion

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Lernfrosch

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Die letzte Prüfung - Religion - liegt nun auch hinter mir.

Aufgabe 1:

Dietrich Bonhoeffer - Biografie und Theologie

1. Es sind die Begriffe Pflicht und Zivilcourage anhand des Textes herauszuarbeiten und zu erklären.

2. Es sind wichtige Punkte der Biografie und Theologie Bonhoeffers darzustellen.

3. Es ist an einem selbst zu wählenden Beispiel zu erläutern, wie sich die Begriffe Pflicht und Zivilcourage in der Kirche während der Zeit des Kirchenkampfes zeigten.

Material:

- ein Textauszug aus Bonhoeffers Essay "Nach zehn Jahren" (Teile der Abschnitte "Wer hält stand?" und "Civilcourage?")

Aufgabe 2:

Historischer Jesus, Reich-Gottes-Botschaft, moderne Menschenrechte

1. Die Vorstellungen der Kinder über das Reich Gottes sind anhand des Textes darzustellen.

2. Die Reich-Gottes-Botschaft Jesu ist mit geeigneten Beispielen auszuführen und mit den Aussagen der Kinder in Bezug zu setzen.

Material:

- sechs kurze Zitate (je ein bis fünf kurze Sätze) von Grundschülern , was sie auf die Frage, wie sie sich das Reich Gottes vorstellen, geantwortet haben.

Ich durfte mir auch diesmal wieder aussuchen mit welchen Thema ich beginnen wollte; Bonhoeffer.

Beim ersten Aufgabenteil habe ich zuerst den Textauszug dem Essay "Nach zehn Jahren" zugeordnet; dies ging nicht aus den Angaben zum Text auf dem Aufgabenblatt hervor, aber ich hatte den Text beim Lernen mehrfach gelesen. Die Pflicht habe ich mit der Ethik des Gehorsams gleichgesetzt und dann mit Textbelegen erklärt, was Bonhoeffer damit meinte: dass strikter Gehorsam zu Unmündigkeit führe, dem Einzelnen die Verantwortung für sein Handeln abnehme, den Menschen der Autonomie und seiner Würde beraube. Dann habe ich übergeleitet, welche Vorstellungen Bonhoeffer dem entgegengesetzt hat: Die Ethik der Zivilcourage. Diese habe ich wiederum mit Textbelegen erklärt. Dass es eine Verantwortung für eigenes Handeln gebe (u.a. Autonomie), dass die Begriffe Empathie und Freiheit von Bedeutung sei, Nächstenliebe und Gewaltverzicht, dass Zivilcourage darauf abziele, die Menschenwürde zu bewahren bzw. wieder herzustellen. Dann wurde ich aufgefordert zum zweiten Aufgabenteil überzugehen.

Ich habe zuerst herausgestellt, dass das besondere an Bonhoeffer sei, dass er "aus der Welt" in die Kirche kam, er kein stark christlich geprägtes Elternhaus hatte. Sein Theologiestudium in Berlin habe ich erwähnt. Auf die erste Amerikareise und die Bedeutung für sein weiteres Leben bin ich etwas ausführlicher eingegangen. Die Leitung des Predigerseminares und die Bekanntschaft mit E. Bethge, seinem späteren Freund und Biografen, habe ich erwähnt. Dann bin ich auf seine Erwartungen an die Kirche seiner Zeit eingegangen und habe den Unterschied zur Barmer Theologischen Erklärung genannt. Dann wurde ich aufgefordert auf die "Wende vom Christen zum Zeitgenossen" einzugehen. Da habe ich über die Beteiligung am Widerstand, seine Rolle darin, die Inhaftierung und die Briefe aus dem Gefängnis geredet. Dass sei Theologie eine Theologie im Dialog sei. Dass er unzusammenhängend die Lage des Christentums betrachtet/ kritische Bestandaufnahme des Christentums - religionsloses Christentum. Dass dies die Form des religiösen Lebens sei, die er selbst gelebt hat. Neuverständnis der Bibel und Neuauffassung im Gottes- und Glaubensbegriff. Da war die Zeit für die Frage auch schon um. Ich sollte dann noch kurz die Stichworte nennen, die wesentlich für Bonhoeffers Theologie sind (Zivilcourage, Dummheit, Letztes/ Vorletztes, immanente Gerechtigkeit).

Die dritte Frage habe ich damit beantwortet, dass der Gedanke der Zivilcourage innerhalb der Bekennenden Kirche z.B. in der Barmer Theologischen Erklärung zu finden ist. Ich meinte aber, dass es bei dem Gedanken blieb und es zur Umsetzung nur durch Einzelpersonen wie Bonhoeffer kam. Zum Begriff der Pflicht habe ich herausgestellt, dass die Bekennende Kirche evangelisch war und in der Tradition der lutherischen Lehre stand. Ich habe ausgeführt, dass Luther für eine Trennung von Staat und Kirche war, der Staat gottgewollt sei und eine Rebellion gegen den Staat ein Aufstand gegen Gott darstellen würde. Ich meinte, die Kirchenleute standen in dieser Tradition und kamen hierdurch in eine Art Konfliktsituation, da wesentliche Grundsätze der Glaubensüberzeugungen betroffen gewesen seien. Dann habe ich erwähnt, warum Bonhoeffer sich darüber hinwegsetzen konnte (> seine Aussage, dass es sich lohne, auch für die weltliche Freiheit zu sterben).

Abschließend erzählte die eine Prüferin, dass sie in einer ihrer Schulklassen die Schüler nach Bonhoeffer gefragt habe, was sie über ihn in Bezug auf Religion wissen. Sie meinte, sein Werk sei recht unbekannt gewesen... Sie fragte, ob sein Werk nicht auch heute bedeutsam sein könnte. Ich meinte, seine Theologie sei zeitgemäß und aktuell, da er die Wichtigkeit der Menschenwürde und Freiheit als wichtige und grundlegendste Güter betont. Was nicht mehr zeitgemäß ist, ist die Beschränkung auf Europa/ Deutschland. D.h., die Grundaussagen sind heue genauso gültig wie damals; zeitlos.

Die Zeit für die Aufgabe war um und ich musste zu Aufgabe 2 (Reich-Gottes, Jesus) übergehen.

Die Aussagen der Grundschulkinder waren ... Ich weiß nicht, wie ich das beschreiben soll. Irgendwie so kindlich naiv und ehrlich, offen, direkt, authentisch und bodenständig. Teilweise waren sie sehr klar und deutlich formuliert, sodass man es fast nur noch ablesen musste (z.B. "das Reich Gottes kommt nach dem Tod, hört man. Ich denke, es kann aber auch hier sein..." >Reich Gottes ist präsentisch und futuristisch). Die anderen Aussagen waren alle so ähnlich: "in der Kirche gemeinsam beten" >neue Form von Gemeinschaft; "Gott ist Licht" >Frieden bzw. Gewaltlosigkeit, lebensfördernd; "Frieden zwischen Menschen und Tieren" >Gewaltverzicht, Nächstenliebe.

Ich habe zum zweiten Aufgabenteil übergeleitet. Ich habe die Bestandteile der Reich-Gottes-Botschaft Jesu benannt: präsentisches und futuristisches Verständnis (u.a realisierte Eschatologie). Das sollte ich näher erklären. Ich habe ein Zitat aus dem Matthäusevangelium herangezogen (Matthäus 12,28; Bibel ist als Hilfsmittel zugelassen), dieses vorgelesen und und erklärt, dass die Krankenheilungen Jesu an dieser Stelle von Jesus als Gegenwart des Reiches Gottes gedeutet wird. Dann habe ich die Nächstenliebe angesprochen, die zur Feindesliebe ausgeweitete wurde. Dazu hatte ich ein weiteres Bibelwort aherausgesucht, nur leider ist mir beim Umblättern zuvor die Seite zugeschlagen, sodass ich es mittendrin nicht wiedergefunden habe. Ich sollte es dann in eigenen Worten umschreiben (Feind = Fremder, inklusive Barmherzigkeit usw.). Dann habe ich die Vorstellung von der neuen Gesellschaftsordnung genannt (Gottes Gebote gelten, Menschen herrschen nicht mehr über Menschen, Gewaltlosigkeit und Nächstenliebe). Den Begriff Nachfolge habe ich genannt (Leben wie es Jesus vorlebte). Ich habe jedem Begriff jeweils ein Zitat der Grundachüler zugeordnet und so eine Verbindung hergestellt. Dann kam eine Zwischenfrage, welche Bedeutung die Gleichnisse in diesem Kontext haben. Ich meinte, diese stehen symbolisch dafür, wie Jesus sich Gemeinschaft vorstellte. Da kam dann die Frage, welches Gleichnis mir in Erinnerung sei und mich besonders angesprochen habe. Mit dieser Frage hätte ich nicht gerechnet und mir sind die Gleichnisse ehrlich gesagt auch allesamt persönlich nicht von Bedeutung... Ich hatte aber gestern noch das gesamte Matthäusevangelium gelesen und meinte dann, das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg sei erwähnenswert. Dieses sollte ich dann nacherzählen (mache ich hier nicht: >Matthäus, 20,1-16) und sagen, was die besondere Aussage daran sei (> Gerechtigkeit und Solidarität). Danach kam die Frage, ob Jesus die Vorstellung der Apokalyptik hatte. Ich meinte, er teilte diese Vorstellung mit dem Judentum seiner Zeit; Jesu Tod könne in diesem Sinne vom Glaubensstandpunkt aus gedeutet werden (vor dem Reich Gottes Quälen erleiden/ Kreuzigung).

Dann war ich mit dem Beantworten der Aufgaben fertig und es waren noch zwei Minuten übrig. ich wurde gefragt, was wir mit der Zeit machen sollen. Ich meinte, mir könne gerne noch jemand irgendeine Frage zu einem der Themen stellen. Da fragte dann der eine Prüfer, was ich denke, ob die Reich-Gottes-Botschaft Jesu in heutiger Zeit bedeutsam sein könnte. Ich meinte, ich könnte das unter vier verschiedenen Aspekte ausführen; ich habe gefragt, ob ich mir einen aussuchen kann und wenn ja, dass ich mich gerne auf A. Schweitzer beziehen würde. Durfte ich. Ich habe gesagt, dass Schweitzer der Ansicht war, man müsse die zeitbedingten und zeitlosen Aussagen der Botschaft trennen und sich auf das Zeitlose beziehen. Er betonte die Nachfolge Jesu und u.a. das Engagement für den Frieden. Er war der Meinung, ein Leben in der Nachfolge der Botschaft Jesu, ein Leben für Frieden und Menschlichkeit, schaffe das Reich Gottes auf Erden. Jeder habe für sich die Aufgabe diesen Weg zu gehen (nicht nur auf Religion bezogen, auch aus rein humanitären Gründen) und eigenverantwortlich an der Umsetzung mitzuwirken; diese Umsetzung sei das Schaffen und Aufbauen des Reiches Gottes. Ich meinte, in diesem Sinne könne die Reich-Gottes-Botschaft heute noch bedeutsam sein.

Der Prüfer meinte, dass seinen schönes Schlusswort gewesen.

Dann habe ich wieder gewartet. Eine gefühlte Ewigkeit, aber es waren nur acht Minuten. Dann rief mich auch schon Frau M. zu sich um mir die Note mitzuteilen:

13 Notenpunkte

Fazit:

Ich habe mich über die Note sehr gefreut. Damit hatte ich nicht gerechnet, weil ich mir bei dem Jesus-Thema nicht so sicher war. Ich fand, es wurden Themen gefragt, die man mit den Heften gut lernen konnte. Ich war froh, dass ich mich nicht auf die Empfehlung der Fernschule verlassen hatte auf Sekundärmaterial zu verzichten. Das Wissen aus diesen zusätzlichen Materialien (Biografie von Bonhoeffer, Jesus, Schweitzer, diverse Dokumentationen zu Bonhoeffer und Jesus) habe ich in der Prüfung genutzt und gut brauchen können. Die Transferleistung in Religion fand ich sehr hoch, wesentlich höher als in den anderen Fächern (bis auf Geografie).


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2 Kommentare


Markus Jung

Geschrieben

Super, herzlichen Glückwunsch! :-) Ich finde, dass du sehr souverän und selbstbewusst aufgetreten bist, in dem du zum Beispiel konkrete Vorschläge gemacht hast, wie die verbleibende Zeit noch genutzt werden kann.

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Zu diesem Zeitpunkt war ich mir bereits relativ sicher, dass ich die Prüfung schon bestanden hatte. Und da ich mich in meinen Themen insgesamt relativ sicher gefühlt habe, habe ich gewagt diesen Vorschlag zu machen; das kam bei den Prüfern gut an. Die Alternative wäre gewesen, die Prüfung bereits zu beenden. Die Frage, die dann kam fand ich aber doch ziemlich anspruchsvoll.

Ich hatte generell den Eindruck, dass es gut sein kann, wenn man eigene Ideen ergänzend bei passender Gelegenheit am Rand miteinfließen lässt, wenn sich die Gelegenheit bietet. So war es ja auch in Latein, als ich gefragt wurde, was ich noch gerne zum Thema sagen würde.

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      Bleibt nur noch zu fragen:
      Alle Klarheit beseitigt?