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Alltag mit zwei Studiengängen und ein paar Studieneindrücke

Lernfrosch

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So langsam beginne ich mich mit der nicht mehr ganz so ungewohnten Situation zweier parallel belegter Studiengänge zu arrangieren.

Was ich mal über die FernUni, speziell M1 geschrieben habe, dass es so stark getaktet sei... ich revidiere meine Meinung: An der FernUni hat man eine riesengroße Freiheit, was die Gestaltung eines Tages innerhalb eines Semesters innerhalb eines Studiums betrifft! Das habe ich jetzt erst so richtig schätzen gelernt, nachdem ich den Vergleich mit der Medizin habe. Dort habe ich einen individuellen Stundenplan erstellt bekommen, der jeden Tag auf die Minute durchplant.

 

Psychologie läuft soweit ganz gut. Erwartungsgemäß hänge ich zeitlich zurück, aber das ist in Ordnung. Die Skripte zu M3 sind alle gelesen und von M5 sind die ersten eineinhalb von vier Skripten gelesen. Gelernt habe ich noch nicht richtig, aber bald sind ja Weihnachtsferien und ab Mitte Februar, also etwa ab zwei Wochen vor der Klausur, ist dann auch wieder freie Zeit. Wird wahrscheinlich nicht für supergute Noten genügen, aber das ist auch nicht unbedingt mein Anspruch; bestehen genügt mir.

 

Medizin läuft auch; manchmal super, manchmal schleppend, manchmal holprig, aber (zumeist) mit Freude. Das erste sechswöchige Modul ist "Unfall und Bewegungsapparat".

Das Studium unterscheidet sich meines Empfindens sehr stark vom Psychologiestudium. Trotz teilweise fachlicher Nähe erscheint mir die Denkweise und methodische Herangehensweise beider Fächer sehr unterschiedlich. In jedem Fach vermisse ich teilweise Aspekte des anderen, einen Austausch der Sichtweisen. Das Lernen unterscheidet sich, das Lernpensum nicht unbedingt.

Aber die Sichtweise vom "romantischen" Medizinstudium kann ich nicht teilen ;). Es gibt vieles, was ich unglaublich toll finde und was mir Freude macht. Es gibt aber manches, was mich Überwindung kostet, womit ich zu kämpfen habe. Sei es Theorie oder Praxis.

Ein kleiner Einblick, längst nicht vollständig und auf das beschränkt, was mich gerade am meisten beschäftigt, mir wichtig ist und wovon ich denke, dass es für Außenstehende interessant ist zu erfahren, was in den ersten Wochen so u.a. gemacht wird, wie ich das so erlebe usw.:

Aktuell steht die erste kleine modulbegleitende Hausarbeit aus dem Bereich Medizinische Soziologie zum Themenkomplex "Kranksein und Krankenversorgung aus Patientensicht/ Arzt-Patienten-Beziehung" an. Es ist selbstständig ein Gespräch im Stil eines Interviews mit einem (echten!!!) Patienten über dessen Krankheitsgeschichte, Erfahrungen mit Kranksein und Versorgung sowie dessen Meinung zu Gesundheitsförderung etc. zu führen. Darüber ist dann in anonymisierter Form ein Bericht zu schreiben und auch ein wenig über das eigene Erleben der Situation zu reflektieren.

Und dann ist da noch u.a. die Anatomie. Ein komplexes und superspannendes Fach. Neben der Theorie gibt es zwei Kurse; einen Übungskurs mit Modellen und einen Präparierkurs. Vor dem Präpkurs hatte ich vorher Bedenken und zugegeben auch etwas Angst; das erste mal mit weißem Kittel im Präpsaal der Anatomie und nicht so genau wissen, was jetzt auf mich zukommt und vorallem wie ich damit umgehen soll. Es war gleichzeitig meine erste direkte Konfrontation mit dem "Tod". Die Heranführung daran war seitens der Dozenten sehr sensibel und würdevoll gestaltet. Die erste Kursstunde war für mich neben den Lehrinhalten eine persönliche Bereicherung. Das klingt vielleicht für Außenstehende merkwürdig, aber wenn ich dank eines Menschen, der seinen Körper der Lehre gespendet hat, durch den Tod für das Leben lernen darf... Ich kann das mit Worten nicht angemessen beschreiben; ich empfinde dafür eine zutiefst aufrichtige Dankbarkeit. Dieses Gefühl begleitet mich durch den Kurs, wenn ich auf eine Weise einen menschlichen Körper studieren darf, wie es sonst nirgends möglich wäre.

Meine Einstellung zum "Tod" beginnt sich zu verändern. Ich dachte vorher oft, das sei ein endgültiger unüberwindbarer Kontrast. Aber jetzt, wo Leben und Tod auf so engem Raum zusammentreffen, erscheint es mir natürlich. Es ist mir nicht mehr fremd, es ist ganz konkret und gegenwärtig. Ich lerne, mich emotional zu distanzieren und doch "da" zu sein. Es ist kein "emotionales Abstumpfen" oder unberührt sein; ich lerne gerade das Leben als solches neu zu entdecken und wertzuschätzen. Wahrscheinlich klingt auch das wieder merkwürdig; aber ich finde es sehr bedeutsam dieses Erfahrung machen zu dürfen.

 

Ich habe in den letzten Tagen immer wieder an den Hochschulzertifikatskurs denken müssen, den ich bei der Apollon Hochschule absolviert hatte ("Ethik in der Gesundheitswirtschaft"), an die Inhalte der FernUni aus dem Modul zur Praktischen Philosophie im Kurs Medizinethik, an die Inhalte aus Psychologie im allgemeinen. Das alles sind Inhalte, die ich jetzt nicht missen möchte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



2 Kommentare


Empfohlene Kommentare

Aber die Sichtweise vom "romantischen" Medizinstudium kann ich nicht teilen

Die hatte ich zum Glück nie.

Straff durchorganisiert war es damals schon. Deshalb genieße ich Hagen auch sehr. ;)

Lieber Abends mit einer Flasche Wein auf dem Sofa sitzen, als von Termin zu Termin hetzen. 

Danke für deinen Bericht. Ich verfolge deinen Blog auch weiterhin.

 

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Ich muss zugeben, deine Blogbeiträge lese ich aktuell besonders gerne. Weil sie eine Abwechslung sind, weil mir dein Schreibstil gefällt und auch weil sie neue Einblicke eröffnen. Und so merkwürdig finde ich es gar nicht, was du da über deine Eindrücke und Empfindungen schreibst. Ich kann mir gut vorstellen, dass solche Erfahrungen einen nachhaltig verändern bzw. seine Sicht auf verschiedene Zusammenhänge.

Wenn du es schaffst, neben Medizin auch in Psychologie am Ball zu bleiben und deine Klausuren zu bestehen, finde ich das unabhängig von der Note sehr beachtlich. 

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