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Eindrücke vom M6a-Tutorium - M6a Kapitel 1 bis 3

Lernfrosch

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Dieses Wochenende habe ich am ersten Teil des dreiteiligen Präsenztutoriums zum Modul 6a (Testtheorie) teilgenommen.

 

Das Tutorium geht über drei Wochenenden (Sa. und So. jeweils fünf Std.). An jedem Termin werden Teile des Studienbriefes durchgegangen, erklärt, besprochen usw.

Ich fand es ziemlich anstrengend, aber ich denke, es lohnt sich daran teilzunehmen. (Für M2 gibt es übrigens auch ein Tutorium ;))

Aufgefallen ist mir, dass die Veranstaltung so gar keine Ähnlichkeit mit Veranstaltungen hat, wie sie in meinem Präsenzstudium vorkommen; einerseits von der inhaltliche Aufbereitung und andererseits von den Teilnehmern her.

Vielleicht interessiert es den einen oder anderen, was im Tutorium so besprochen wurde. Grundlage ist der Studienbrief zu M6a. Meine Notizen  aus dem Tutorium zu den Inhalten, die mir bisher im Studienbrief unverständlich waren und mir nun klarer geworden sind, tippe ich mal ab; evtl. nützt es auch noch jemand anderem ein wenig beim Lernen oder gibt einen Einblick in die Inhalte von Modul 6a.

 

Los ging es mit Kapitel 1 - Grundlagen psychologischer Testverfahren.

Zuerst ging es um allgemeine Begriffsdefinitionen und grundlegende Zusammenhänge: Was ist... Test, Inventar, Subtest, Item usw.? Welche Kriterien für die Klassifikation von Tests gibt es? In welchem Zusammenhang stehen die Begriffe Item, Indikator, Konstrukt, latente und manifeste Variable?

Danach ging es weiter mit der Klassischen Testtheorie (KTT). Dabei ging es weniger um allgemeine Aussagen als um die statistischen Inhalte:

- Messfehler sind zufällig und deswegen unsystematisch; zufällige Messfehler korrelieren mit nichts; Messfehler können nicht korreliert werden; Reliabilität kann als Gegenteil von Messfehler aufgefasst werden (r liegt zwischen 0 und 1, 0=nur Messfehler, 1=keine Messfehler, je näher an 1 umso weniger Messfehler)

- KTT ist eine Messfehlertheorie

- Axiome der KTT

- Messwerte werden gemittelt, um Messfehler rauszumitteln und den wahren Wert zu ermitteln

- hohe Varianz ist erwünscht, wenn man Unterschiede messen möchte

- Testwertevarianz = wahre Varianz + Messfehlervarianz

- X = T + E (X=beobachteter Wert, T=wahrer Wert, E=Messfehler; T=C+B bedeutet, dass wahrer Wert zusammengesetzt ist aus dem wahren Wert C und dem systematischen Messfehler B (bias))

- KTT sagt nichts über Validität

- KTT setzt Eindimensionalität voraus (es wird nur ein Konstrukt gemessen)

 

Weiter ging es mit Kapitel 2 - Testkonstruktion: Von der Planung zum ersten Entwurf. Auch hier stand wieder die Statistik im Vordergrund und nicht so sehr die allgemeinen Aussagen.

Es ging um die Unterschiede der verschiedenen Konstruktionsprinzipien:

- rational (deduktiv): vom Allgemeinen zum Speziellen, von der Theorie/ Konstrukt zum Item; theoriegeleitet, Konstrukt > Herleitung von Items; CFA (konfirmatorische Faktorenanalyse)

- internal (induktiv): faktorenanalytisch; Items (> Faktorenanalyse>> Konstrukt); EFA (explorative Faktorenanalyse) danach immer CFA

- external: kriterienorientiert; z.B. Extremgruppe <-> Kontrollgruppe; Kreuzvalidierung (nochmal mit anderen Stichproben wiederholen); keine Faktorenanalyse

- typologisierend: Clusteranalyse; einem Typ zuschreiben; external + internal

- Prototypenansatz: idealtypischer/ prototypischer Vertreter einer Eigenschaft > Item > messen Eigenschaft

Danach ging es um die Möglichkeit, wie man Items generieren kann und was es mit Forced-Choice-Items auf sich hat:

- AFA: Prototypenansatz; Verhaltensweisen, die häufig genannt werden

- CIT: kritische Ereignisse/ Verhalten in kritischen Situationen

- Forced-Choice-Items: Mehrfachwahlaufgaben; erzwungene Wahl; künstliche Korrelation (für ein entscheiden und damit gegen alle anderen), negative Korrelation; ipsative Messung (Vergleich findet in Person selber statt); keine Berechnung von Reliabilität und keine Faktorenanalyse möglich

 

Damit war eigentlich auch schon das vorgesehene Wochenendpensum erfüllt. Eigentlich, denn es blieb noch genügend Zeit übrig um das gesamte Kapitel 3 - Itemanalyse: Kürzung und Revision des Entwurfs  durchzugehen. Kapitel 3 war jenes Kapitel, bei dem bei mir das Verständnis des Studienbrieftextes sich längst verabschiedet hatte...

Es ging also um die Itemanalyse. Zu deren Kennwerten gehören die Itemschwierigkeit und die Itemtrennschärfe.

Ertsmal wurden aber Grundlagen geklärt:

- Begriff "Schiefe": kann entweder negativ, Null, Positiv sein; Negativ ist rechtssteil, Positiv ist linkssteil; über +1 oder -1 ist viel, es soll möglichst nicht so schief sein; Null bedeutet symmetrische Verteilung

- H Null zu verwerfen heißt, dass etwas signifikant wurde

 

- Itemschwierigkeit:

-- Schwierigkeitsindex ohne Korrektur: liegt zwischen 0 und 1; P=(NR/N)*100; Beispiel P=(50/200)*100=25% bedeutet, dass 50 von 200 Leuten das Item richtig gelöst haben; je höher P desto leichter ist das Item; wenn z.B. P=2% dann kann man nur wenige Leute trennen/ unterscheiden; am meisten Leute kann man trennen, wenn P=50%

-- Schwierigkeitsindex mit Zufallskorrektur: Inangriffnahmekorrektur verändert N (nur die, die Item bearbeitet haben)

im mittleren Bereich ist Varianz am größten;

für dichotome Items gilt S^2=P*(1-P); hat man Schwierigkeit, kann man Varianz ausrechnen; jede Korrelation ist abhängig von Varianz (Stichprobe); homogene Stichprobe hinderlich für große Varianz und große Korrelation

 

- Trennschärfe (ist wichtiger als Schwierigkeit):

-- Eigentrennschärfe: Passt das Item zum eigenen Test?

je mehr Varianz desto höher die Trennschärfe (hohe Varianz, hohe Trennschärfe; niedrige Varianz, niedrige Trennschärfe; tendenziell meistens, nicht absolut immer); Trennschärfen sollen positiv sein; sollte nicht unter .3 sein

-- Fremdtrennschärfe: Passt das Item besser zu einer anderen, fremden Skala?

Item soll mit eigener Skala höher korrelieren als mit fremder Skala; Korrelation r zwischen -1 und +1

wenn für ein Item die maximale Fremdtrennschärfe höher ist als die maximale Eigentrennschärfe, dann wird es aus dem Test genommen; ist das nicht der Fall, kann das Item im Test drinnen bleiben

 

Anschließend ging es dann noch um die Probabilistische Testtheorie (PTT). Insbesondere ging es um das Rasch-Modell als wichtigstes Modell der PTT.

- dichotomes Rasch-Modell: bezieht sich immer auf dichotome Items, deswegen ICC; alle Items haben dieselbe Trennschärfe; Trennschärfe ist die Steilheit; x-Achse Theta (Personenparameter bzw. Fähigkeitsausprägung) und Sigma (Itemschwierigkeit), Logit-Einheit; y-Achse Lösungswahrscheinlichkeit 0 bis 1; Sigma wird geschätzt

Lösungswahrscheinlichkeit:

Fähigkeit > Schwierigkeit, d.h  p >0,5

Fähigkeit < Schwierigkeit, d.h. p< 0,5

Fähigkeit = Schwierigkeit, d.h. p = 0,5

Fähigkeit ist abhängig von Schwierigkeit!

 

Begriffe:

- erschöpfende Statistik: Summenwert einer Person liefert alle Informationen über die Fähigkeitsausprägung der Person

- Eindimensionalität: Test misst nur eine Fähigkeit, dann gilt lokale Unabhängigkeit; lokale stochastische Unabhängigkeit (Wahrscheinlichkeit, zwei voneinander unabhängige Items beide zu lösen, es gilt:  P(Item 1)*P(Item 2); keine Korrelation >> lokale stochastische Unabhängigkeit

- Spezifische Objektivität: 2 verschiedene Personen können verschiedene Items bearbeiten, Ergebnisse sind trotzdem vergleichbar; 2 Items können in ihrer Schwierigkeit verglichen werden, egal welche Personen

- Grafischer Modelltest; Signifikanztest (Andersen-Likelihood-Quotienten-Test), man möchte keine Signifikanz (H Null: Schwierigkeiten in beiden Gruppen sind gleich; H Null soll beibehalten werden)

 

- Rasch-Modell: 1-Parameter-Modell; Sigma wird geschätzt

- Birnbaum: 2-Parameter-Modell; Sigma (Schwierigkeit) und Beta (Trennschärfe) werden geschätzt

- 3-Parameter-Modell: hinzu kommt Ratewahrscheinlichkeit Gamma

 

- Ordinales Rasch-Modell: Rasch dichotom = ICC; Rasch ordinal bzw. 3-kategorial = CCC; Antwortschwellen bzw.  Schwellenparameter; Schwellen müssen geordnet sein, dürfen sich nicht überschneiden; Wie wahrscheinlich wird eine Person eine bestimmte Antwortkategorie wählen?

 

- Mixed-Rasch-Modelle: nutzbar um zu sehen, ob Eindimensionalität vorliegt; kann Klassen bilden; wenn Leute in zwei Klassen, dann nicht eindimensional

 

Das Kapitel 4 - Skalenbildung: Faktorenanalyse, Aggregation von Items und Normierung und das Kapitel 5 - Evaluation psychologischer Testverfahren stehen bei den nächsten Tutoriumsterminen an.


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5 Kommentare


Ähhh, hört sich nach viel Lernen + Mathe an? Schwerer Stoff?

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Fernstudi_Psy

Geschrieben

Ich war auch da! 🤓

 

Danke, dass Du Deine Notizen aufgeschrieben hast. Ich bin gerade noch nicht bereit sie zu lesen- die 10 Stunden Testkonstruktion haben mich doch ganz schön geschafft! 

 

Aber es war -erwartungsgemäß- hilfreich und ich hatte viele Aha-Momente. Was eindeutig auch an der lieben Dozentin liegt bei mir. Sie schafft es einfach mich stundenlang, auch bei diesem Thema, bei der Stange zu halten. 

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Lernfrosch

Geschrieben

vor 15 Stunden, der_alex sagte:

Ähhh, hört sich nach viel Lernen + Mathe an? Schwerer Stoff?

Ich denke, man sollte das Modul nicht unterschätzen. Der Statistikanteil ist recht hoch. Schwierig... hmmm. Ich finde den Studienbrief zu dem Modul nahezu völlig unbrauchbar. Wenn ich den lese, habe ich den Eindruck überhaupt nichts zu verstehen. Anders erklärt, erschienen mir dieselben Inhalte schon wesentlich verständlicher. Als einfach würde ich es nicht bezeichnen, eher als eines der anspruchsvollsten Module.

 

vor 10 Stunden, Fernstudi_Psy sagte:

Ich war auch da! 1f913.png

Dann haben wir uns ja gesehen B)

Im Juli bist du auch wieder dabei?

 

vor 11 Stunden, Fernstudi_Psy sagte:

Danke, dass Du Deine Notizen aufgeschrieben hast.

Gerne.

Das ist allerdings nicht ganz vollständig; im Original habe ich mir noch etliche Skizzen gemacht und die Beispiele notiert.

 

 

vor 11 Stunden, Fernstudi_Psy sagte:

Aber es war -erwartungsgemäß- hilfreich und ich hatte viele Aha-Momente. Was eindeutig auch an der lieben Dozentin liegt bei mir.

Absolut. Die Dozentin hat das super gemacht. Und viele der Oh-je-Momente wurden auch bei mir zu Aha-Erlebnissen.

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Fernstudi_Psy

Geschrieben

vor 2 Stunden, Lernfrosch sagte:

 

 

Dann haben wir uns ja gesehen B)

Im Juli bist du auch wieder dabei?

 

 

Jetzt wo ich eine Weile darüber nachgedacht habe... hast Du in der ersten Reihe gesessen? Zumindest habe ich dort eine Unterhaltung mitbekommen, die in Richtung Medizinstudium ging. 🤓 Ich bin im Juli wieder da. Allerdings weiß ich noch nicht, ob ich es am 16. pünktlich schaffe, da wir dort gerade erst aus dem Urlaub kommen.

 

 

vor 2 Stunden, Lernfrosch sagte:

I

Gerne.

Das ist allerdings nicht ganz vollständig; im Original habe ich mir noch etliche Skizzen gemacht und die Beispiele notiert.

 

Ich habe mir alles direkt ins Skript geschrieben, da ich mit zu vielen Aufzeichnungen nebenher nicht so gut arbeiten kann.

 

vor 2 Stunden, Lernfrosch sagte:

Absolut. Die Dozentin hat das super gemacht. Und viele der Oh-je-Momente wurden auch bei mir zu Aha-Erlebnissen.

Wenn das bei EFA und CFA so weitergeht.... Das wäre ein Traum!

 

So ich kümmere mich jetzt mal um das CFA-Kapitel, damit ich hoffentlich bald mal mit dem ersten Durchlauf des Studienbriefes fertig bin. Er will und will kein Ende nehmen...

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Lernfrosch

Geschrieben

vor 57 Minuten, Fernstudi_Psy sagte:

hast Du in der ersten Reihe gesessen?

Ja (Fensterseite, zweiter Platz von links).

 

Ich glaube, das war das Gespräch mit Präsenzstudium (Psychologie und Medizin) in HH, klinischer Psychologie (allgemein und das Gerücht über Einführung vom klinischen Master an der FernUni), Sammeln von klinischen ECTS an anderen Hochschulen, Ansehen vom FernUni-Studium (u.a. im klinischen Bereich), Zugang zur Psychotherapeutenausbildung usw.

 

vor 58 Minuten, Fernstudi_Psy sagte:

So ich kümmere mich jetzt mal um das CFA-Kapitel, damit ich hoffentlich bald mal mit dem ersten Durchlauf des Studienbriefes fertig bin.

Ich werde jetzt bald mit EFA anfangen...

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      Ich bin aktuell wieder ganz der Alte und werde am Wochenende ein beachtliches Stück meiner Thesis fertig machen. Ich selbst darf mich nicht hängen lassen und habe zumindest im Vorfeld (auch in einem alten Blogbeitrag beschrieben) wirklich recht behalten mir diesen Betreuer auszusuchen und bin noch immer dankbar, dass er mich genommen hat und mir so den Rücken stärkt und mich motiviert.
       
      Desweiteren gibt es auch sonst noch Neuigkeiten, die Türe mir noch Wünsche zu erfüllen für die ich das Studium benötige, hat sich ein Stück geöffnet und eventuell kann ich da auch bald noch sehr schöne Neuigkeiten präsentieren. 2017 wird ein wichtiges Jahr um meine Zukunft zu gestalten. Ich werde dieses Jahr den Masterabschluß erhalten, ich werde vorraussichtlich das Promotionskolleg beenden um dann (wenn die Thesis Note passt) Ende 2017, Anfang 2018 Doktorant zu werden und beruflich werden sich (nach aktuellem Stand zum Bestandsjob) neue Türen öffnen. Es ist unglaublich wie schnell sich die Welt innerhalb ein paar Tagen drehen kann. Hoffen wir sie behält die Richtung bei.