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Zwischenbericht, Praktikum Medizin

Lernfrosch

255 Aufrufe

Mal ein kurzer Zwischenbericht:

 

Heute begann im Medizinstudium mein erstes Blockpraktikum Allgemeinmedizin in einer Arztpraxis.

Der erste Tag war super, in jeder Hinsicht:

- super informativ

- super nette Patienten, die kein Problem damit hatten, dass eine unerfahrene Zweitsemestlerin sich an ihnen "austobt"

- super viele verschiedene Krankheitsbilder mit allem was dazugehört

- super viele unterschiedliche Situationen (von "normaler" Vormittags- und Nachmittags-Sprechstunde über Gutachtentätigkeit bis Heimbesuche)

- super spannend

- super anstrengend

- super langer Tag mit Überstunden (Arbeitszeit 10 Stunden und 45 Minuten; zwischendrin Gelegenheit sogar zweimal fünf Minuten Pause zu machen und eine Mittagspause von ~15 Minuten am Stück, "Verschnaufpause" während der Autofahrten zu den Heimbesuchen)

 

Fazit Tag 1 (<< klingt komisch, aber jetzt egal):

Ich habe sogar ein paar medizinischen Dinge verstanden! Okay, nicht vollständig, bei weitem nicht... aber mit manchen Dingen konnte ich etwas anfangen. So ein paar grundlegende Dinge zum Thema Bewegungsapparat und Herz-Kreislauf-Lunge habe ich im Studium schon mal gehört...

Ich war im Sprechzimmer mit drinnen und habe die meiste Zeit daneben gesessen und zugehört. Zugesehen beim Blutabnehmen und bei diversen körperlichen Untersuchungen. Blutdruckmessen, zusehen und eigenständig durchführen. Herz abhorchen. EKG-Ableitung zusehen und mir als erste den Ausdruck ansehen können. Hinterher, in Abwesenheit des Patienten, Fragen stellen oder gestellt bekommen.

Alles in allem gefiel mir der Tag gut. Ich habe viel mitbekommen: Höhen und Tiefen, sehr persönliche Lebensgeschichten, teils sehr tiefe Einblicke in das Leben mir fremder Menschen.

 

Nur die viel gepriesene Verbindung der Medizin zur Psychologie... Danach suche ich weiterhin. In Grundzügen erahnbar. Aber nicht das, was ich mir vorstelle. Ich suche also weiter.

 

Ich hoffe, dass das Berufspraktikum im Psychologiestudium, dass irgendwann noch ansteht, ähnlich interessant und lehrreich sein wird.

 

Aber ich glaube, ich habe mit dem Medizin- und dem Psychologiestudium zwei für mich passende Fächer gefunden.


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6 Kommentare


Markus Jung

Geschrieben

Klingt gut, wenn auch anstrengend. Wie lange geht dieses Praktikum? Wirst du dann mit der Zeit weitere Aufgaben auch selbst übernehmen?

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Am 20. September 2016 at 13:21 , Markus Jung sagte:

Wie lange geht dieses Praktikum?

Das ist das Pflicht-Blockpraktikum in der Allgemeinmedizin.

 

Dieser Praktikumsteil, über den ich berichte, dauert eine Woche.

Die tägliche Arbeitszeit ist meist länger als geplant. Ich habe bisher jeden Tag Überstunden gemacht - und dabei wurde ich teilweise schon freundlicherweise früher nach Hause geschickt, während der Arzt noch weiterarbeitete und sich anschließend noch um die Bürokratie kümmern musste... :huh:

 

Der zweite Teil des Praktikums findet in einem späteren Semester statt. Dieser wird dann (leider) in einer anderen Praxis sein und nochmals eine Woche dauern. Danach gibt es eine abschließende Prüfung über die im Praktikum gelernten Inhalte.

 

Am 20. September 2016 at 13:21 , Markus Jung sagte:

Wirst du dann mit der Zeit weitere Aufgaben auch selbst übernehmen?

Je nach Möglichkeit, ja.

Es ist ja so, dass ich jetzt sehr viele Dinge noch gar nicht machen kann und darf, weil ich noch lange nicht so weit bin. Das schränkt die Möglichkeiten schon ziemlich ein. Aber es wird schon geschaut, dass ich zunehmend mehr "kleinere" Sachen übernehmen darf.

 

Am ersten Tag war es so, dass z.B. beim Blutdruckmessen sowohl der Arzt als auch ich am selben Patienten gemessen haben. Dann wurden die Werte verglichen, sodass ich sehen konnte, ob ich die Methode so beherrsche, dass ich es zuverlässig anwenden kann. Am nächsten Tag hat der Arzt dann auf die "Kontrolle" verzichtet. D.h., dann habe nur ich das gemacht und er hat meine Werte so übernommen und in der jeweiligen Patientenakte dokumentiert. Und auch nicht nur bei den Patienten, für die es bereits frühere Vergleichswerte gab, sondern auch bei neuen Patienten, die erstmalig da waren.

 

Nach Patienkontakten wurde ich vom Arzt teilweise darum gebeten, meine Einschätzung des Patienten vorzunehmen (bei Erkrankungen, die ich schon mal gehört hatte), andere wurden mir kurz erklärt. Ich durfte z.B. sagen, was ich im konkreten Falle einer gerichtlichen Begutachtung (bei der ich dabei war) eines Patienten für einen Eindruck hatte, was mir bei der Untersuchung aufgefallen ist, wie ich den Fall sehe und einschätze, was ich dazu denke und vor allem, warum. Meine Meinung wird zwar natürlich keinen Einfluss auf das Gutachten nehmen (meine Meinung war erst gefragt, nachdem der Arzt sich bereits abschließend festgelegt hatte), aber es war spannend dabei sein zu dürfen.

 

Oder bei meinem zweiten EKG durfte ich dann in Anwesenheit einer MFA (und der Abwesenheit des Arztes) dem Patienten, bei dem das erstmalig gemacht wurde, die Untersuchung erklären und seine Fragen beantworten.

 

Oder heute wurde ich dann auch erstmals alleine zu einem Patienten geschickt um zu schauen wie es dem gerade geht (Patient war uns zuvor kollabiert und lag zur weiteren Abklärung und Erholung im Nebenzimmer). Da war es dann meine Aufgabe, mich bei den MFA, die den Patienten regelmäßig überwachten, zu erkundigen, mir selbst ein Bild zu machen, Gespräch mit dem Patienten zu führen, Vitalparameter zu erheben, zu einer Einschätzung zu kommen und dem Arzt Bericht darüber zu erstatten.

 

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Wir hatten seinerzeit zwei oder drei Wochen Pflichtpraktikum.

 

Eine Verbindung zwischen Medizin und Psychologie findest du in den Gesprächen zwischen Arzt und Patient.

Wie ist es mit der Compliance? Die kann kann durch Empathie und Selbstkongruenz des Arztes deutlich gesteigert werden.

Manche, besonders ältere und alleinstehende Menschen, wollen einfach nur mal reden und sind gar nicht "wirklich" krank".

 

Oder Patienten mit Suchtproblemen oder Übergewicht, usw. - es kann ganz entscheidend sein, WIE der behandelnde Arzt mit den Patienten umgeht.

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Markus Jung

Geschrieben

@Lernfrosch: Vielen Dank für eine Einblicke. Eine Woche erscheint mir jetzt ziemlich kurz - ich hatte gedacht, das würde deutlich länger gehen. Aber vermutlich ist auch eine Woche schon anstrengend genug 😉.

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Am 21.9.2016 at 18:48 , psychodelix sagte:

Eine Verbindung zwischen Medizin und Psychologie findest du in den Gesprächen zwischen Arzt und Patient.
(...)

Ja, sehe ich genauso.

Das war von mir ungenau formuliert. Das ist das, was ich meinte mit "in Grundzügen erahnbar"; eine Form angewandter Psychologie im klientenzierten Gespräch. Ich finde das auch absolut wichtig und unabdingbar.

Mit "nicht das, was ich mir vorstelle" meinte ich etwas anderes. Schwierig zu beschreiben. Mehr die Sichtweise des Patienten, mehr in Richtung subjektives Krankheitserleben, ganzheitlichere Sichtweise, "sanfte" Medizin (ohne gleich in Richtung alternative Heilmethoden zu schauen...). Nicht das, was man unter Medizinischer Psychologie zusammenfassen kann; auch nicht im Sinne von "Medizin oder Psychologie". Das ist nicht das, was ich mir vorstelle. Mehr in Richtung Integration beider Disziplinen (teils methodisch, teils inhaltlich), aber nochmal auf eine etwas andere Art...

 

Am 21.9.2016 at 18:48 , psychodelix sagte:

(...) es kann ganz entscheidend sein, WIE der behandelnde Arzt mit den Patienten umgeht.

* unterschreib *

Wobei es auch von Bedeutung sein kann, wie der Patient mit dem Arzt umgeht... Auch wenn man sich bemüht jedem gleich gegenüberzutreten und individuellen Bedürfnissen gerecht zu werden. Kann aber auch schon mal in Einzelfällen schwierig werden (z.B. Patient vom Typ aggressiv-besserwisserischer Choleriker, der sich ausgiebig im Internet auf dubiosem Niveau über diverse Krankheiten, die er angeblich haben müsste, informiert hat und dem Arzt, der anderer Meinung ist, jegliche Kompetenz abspricht und dabei ausfallen wird...).

 

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Am 22.9.2016 at 18:22 , Markus Jung sagte:

Vielen Dank für eine Einblicke.

Gerne.

 

Am 22.9.2016 at 18:22 , Markus Jung sagte:

Eine Woche erscheint mir jetzt ziemlich kurz - ich hatte gedacht, das würde deutlich länger gehen. Aber vermutlich ist auch eine Woche schon anstrengend genug 😉.

Eine Woche kann auch ziemlich lang sein. Es war zwar echt anstrengend. Aber total schön. Ich habe gemerkt, wie viel Freude ich bei der Arbeit hatte und das ich mir gut vorstellen kann, später als Ärztin zu arbeiten - evtl. sogar im ambulanten Bereich in der bisher von mir favorisierten Allgemeinmedizin. Von mir aus hätte dieses Praktikum auch gerne ein paar Wochen länger dauern können; aber das ist seitens der Uni nicht möglich.

Die Patientenkontakte waren meistens sehr nett. Ich war erstaunt, wie viel Vertrauen mir von den Patienten entgegengebracht wurde, obwohl die mich nicht kannten und ich doch "nur" die medizinstudentische Praktikantin war; nicht nur in der Praxis bei Gesprächen und Untersuchungen, sondern auch bei Heim-/Hausbesuchen, wenn ich als fremde Person z.B. ganz selbstverständlich in die Wohnung des Patienten herein gebeten wurde. Das hätte ich so nicht erwartet und das hat mich gefreut.

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