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Man darf doch auch mal Glück haben, Hochsensibilität im Fernstudium....und Geduld in Ungeduld (2)


Ida_Pfeiffer

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Aktuell residiere ich in einer alten Villa in einer durchaus Luxuriösen Ferienwohnung, die ich mir definitiv eigentlich nicht leisten kann. Der Weg dahin passt eigentlich mal wieder zu mir. Das mit dem Wasserschaden bzw. dem Geräuschpegel hat mich psychisch an meine Belastungsgrenze gebracht. Ich hatte ja am Rande schon einmal geschrieben, dass ich Hochsensibel bin (Nein das ist keine Krankheit, man würde ja auch niemanden als Krank bezeichnen nur weil er 1,90 groß oder 1,50 klein ist).

Um nicht einfach mit Wörtern um mich zu werfen, ganz nach dem Vorbild wissenschaftlicher Arbeiten, in denen man bestimmte Begriffe definiert hier eine kurze Erklärung dazu.

 

Zitat

Hochsensibilität - Was ist das? (Auszüge aus dem Flyer des IFHS e.V. Bochum)

Jeder Mensch nimmt Informationen aus seiner Umwelt auf und verarbeitet sie. Bei fast allen Menschen wird ein Großteil der Informationen jedoch aus der Wahrnehmung herausgefiltert. Dieser Filter ist bei hochsensiblen Menschen (HSP)  weniger stark ausgeprägt. Hochsensible nehmen viel mehr Informationen auf. Sie nehmen feine Einzelheiten in einem größeren Spektrum wahr. Manche HSP nehmen z. B. Gerüche, optische und akustische Eindrücke intensiver oder facettenreicher wahr, andere bemerken beispielsweise feine Nuancen in zwischenmenschlichen Beziehungen, können manchmal gar fühlen, ob eine Person lügt. Wenn HSP nun permanent wesentlich mehr Informationen aufnehmen als normal sensible Menschen, so liegt es in der Natur der Sache, dass bei ihnen die Speicher schneller voll und die Akkus schneller leer sind. Die hohe Anzahl an Informationen, die sie aufnehmen, will verarbeitet ("verdaut") werden. Ihre Nerven brauchen nach Zeiten der intensiven Stimulierung früher eine Phase der Regeneration. Da die Intensität ihrer Informationsaufnahme höher ist als bei anderen Menschen, geraten sie schneller an ihre "Schmerzgrenze". Der Ausdruck passt in der Tat: Überstimulation kann Schmerzen verursachen. Bei HSP sind schneller Leitungen überlastet - der Körper wehrt sich. Infolge dieser Begrenzungen sind Hochsensible, von außen betrachtet, scheinbar weniger belastbar - laute Musik, der Andere ohne Probleme zuhören können, führt bei ihnen zu Unwohlsein, gar zu Schmerzen.

 

(Wer mehr Infos sucht, oder sich belesen möchte, der Link zum Informations- und Forschungsverbundes Hochsensibilität e.V. in Bochum findet sich im Text.  Und wer sich noch fragt, ob das sich das nicht wie das Autismus vom Asperger Typ anhört (da bin ich in einer Diagnostik tatsächlich gelandet u.a.wegen Gefühlen der Überforderung in sozial schwierigen Situationen, häufige Abneigung gegen Smalltalk ) dem empfehle ich die Seite oder die Literatur von Zartbesaitet )

 

Tja und das, was für jeden normalen Menschen schon anstrengend ist ist für jemanden wie mich gleich einem Dauerbeschuss. Da man die Kondensatoren und Überdruckpumpe nicht wegzaubern kann und sie eine gewissen Zeit laufen müssen, bin ich in die letzten Tage immer wieder in eine extreme Überstimulierung gerutscht, die bei mir in massiven Depressiven Erschöpfungszuständen und dem Körperlichen Schmerz geendet hat, bis ich eben den Schlussstrich gezogen habe. Ich hatte am Wochenende ausprobiert, ob es mir besser geht, wenn ich in einer ruhigen Umgebung bin und dem war so. Ich konnte mich wieder auf Dinge konzentrieren, meine Studienhefte lesen, denken. Gestern bin ich in 8 Stunden so abgerutscht naja. Ende vom Lied, nach einem Hin und Her, weil das Hotel eine Vorauszahlung der Kosten für 14 Tage oder für die Ferienwohnung für 14 Tage wollte (sie bieten beides an) und dies mehr als mein Monatseinkommen umfasst musste ich weitersuchen. Ich hatte zu dem Zeitpunkt schon die Deckungszusage der Versicherung und es wurde mir ein nicht unerheblicher Betrag angewiesen, auch stand in den AGBs des Hotels, dass die Rechnungsstellung bei längerem Auftenhalt ohne Vorkasse möglich sei (nicht aber für mich, man hatte der Drachen heute Haare auf den Zähne, die Absprachen von gestern mit der Kollegin, die auch einen Vermerk gemacht hatte galten nicht nicht mehr. ALso neu gesucht. Angerufen und am Ende fünf mal besser gelandet in einer geräumigen Maisonettewohnung in einer alten Villa mit einer so unkomplizierten Menschen, alles kein Problem und kein Zeitdruck dass ich in 14 Tagen raus muss, falls es länger dauert und die Versicherung hat auch mitgespielt. Jetzt mache ich Buchstäblich Urlaub im eigenen Wohnort. Ich verfüge aktuell über eine Dachterasse und viele andere Gimmiks.

 

 

Aber in meinem Titel steckt ja noch mehr. Unter anderem auch das Thema Fernstudium als HSP. Seit ich weiß, dass ich die Veranlagung habe, kann ich manches auch anders und besser einordnen. Ich musste z.B. lernen anders zu Lernen und mir meine Lernumgebung anders zu gestalten, damit ich mich nicht reizüberflute. Ich habe immer im ÖPNV, während meiner Nachtdienste oder auch in einem Café und ich habe mich gewundert, WARUM ich zwar viel weiß, aber danach oft vor allem nach intensiven Intervallen massive und lange Regenerationsphasen oft von einigen Wochen brauche. Als HSP musste ich ein anderes Gefühl für Grenzen kennenlernen und auch, wie ich diese identifiziere, denn oft merkt man die Erschöpfung erst, wenn es schon "zu spät" ist. Ich lerne nur noch mit Wecker, nur noch in Stillen Räumen und nur noch in Maximalintervallen von 40 Minuten mit danach mind. 1 Stunde Pause. Auch achte ich darauf einen Methodenmix beim Lernen zu haben, der unterschiedliche Sinne zu unterschiedlichen Zeiten anspricht, damit nicht immer das gleiche Sinnesorgan belastet wird und Störquellen wie Handy, Telefon, Email und Türklingel sind tatsächlich ausgeschaltet.

 

Es ist gerade manchmal, wie das Studium neu anzufangen und das Lernen wieder neu zu lernen und gewiss auch nicht leicht, aber durchaus leichter als das Gefühl vorher einfach nicht mehr kognitiv Leistungsfähig zu sein aufgrund einer Psychischen oder Somatischen Erkrankung. Fluch und Segen zugleich. Aber ich versuche das Positive in dem Ganzen zu sehen, vor allem dieses Geschenk Informationen intensiver aufzunehmen, welches mir oft dabei hilft Sachverhalten nur einmal lesen zu müssen und sie dann verinnerlicht zu haben vorausgesetzt ich gebe den Informationen (Modulinhalten) die notwendige Zeit zum sacken.

 

Ich werde bestimmt noch einmal ausführlicher auf einzelne Aspekte des Themas HSP und Fernstudium und worauf man (naja ich) achten sollten eingehen, da ich mir sehr sicher bin, dass es noch den ein oder anderen draußen gibt, der noch in der Phase des "wunderns ist".

 

Ansonsten trainiere ich weiter die Geduld in Ungeduld. Ich hatte am Montag Morgen noch mal die APOLLON angeschrieben, ob mitterlweile alle Entscheidungsträger erreicht werden konnten. Leider habe ich darauf noch keine Rückmeldung, aber angesichts der noch bis heute herrschenden Jahreszeit und der Tatsache, dass heute wohl die Telefonanlage umfangreich gewartet wurde und eine entsprechende schlechterer Erreichbarkeit angekündigt wurde übe ich mich dann weiter in Geduld.

 

Aber ich Habe mich schon mal mit meinen Gepackten Koffern vor die Haustür gesetzt, denn jetzt könnte das Taxi wirklich mal bald kommen, denn ich habe im Prinzip, was die Thesis geht den Startschuss fürs Exposé und die Erstellung der konkreten Forschungsfrage bekommen, im Moment warten sowohl Frau Dettmann, die mein Erstgutachten macht, als auch ich darauf, dass es endlich los gehen kann. Ich bin wirklich froh, dass sie so geduldig mit mir ist und mich nach fast zwei Jahren Pause weiter betreut (wobei jetzt sind es ziemlich genau 2 Jahre).

 

 

upps das war lang und nicht nur auf das Fernstudium bezogen, aber manchmal ist das so vielschichtig, dass ich gar nicht weiß, wie ich es am besten Verpacke, um doch die Zusammenhänge klar zu machen. Aber was solls, das bin eben ich :D.

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8 Kommentare


Empfohlene Kommentare

psychodelix

Geschrieben

Zum Glück wohne ich am Ende einer Sackgasse am Ortsrand - himmlische Stille, vor allem nachts.

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Ida_Pfeiffer

Geschrieben

Das macht heimweh :D aber mein Ort ist nicht groß wohne Zentral und mega ruhig höre nichts.... aber ich komme daher wo nur zwei mal am Tag der Bus fährt zur 1. und 6. Stunde und man dann immer noch 4km zu Fuß (bei Abkürzung durch einen Wald) zur Haltestelle laufen darf. Aber aktuell ist Land unmöglich so ganz ohne Auto (darf noch nicht wieder fahren, habe das damals zwar freiwillig wegen der Dissos aufgegeben ohne dass er eingezogen wurde aber ohne MPU ist nicht, was ich persönlich gut und wichtig finde).

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Markus Jung

Geschrieben

Interessant, gerade auch die Hintergründe. Ich denke, insgesamt kommt ein Fernstudium hochsensiblen Menschen ja schon sehr entgegen, weil sie sich die Rahmenbedingungen oft selbst gestalten und oft in der gewohnten (und meist ja ruhigen) Umgebung lernen können.

 

Ebenso genieße ich es sehr, in einer für mich passenden Umgebung arbeiten zu können und obwohl ich es ja könnte, wäre für mich das digitale Nomadentum als Dauerzustand wenig geeignet, sondern ich kann am besten in meiner gewohnten Umgebung arbeiten - sofern nicht mal gerade wieder die Laubgebläse etc. vor dem Fenster tanzen ;).

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psychodelix

Geschrieben

Der Tag der Klausur in Hamburg. Auf der Hinfahrt, ein Wochentag um kurz vor 12 Uhr mittags und ich ahnte nichts Böses, steigt ein paar Stationen später eine Frau ein und setzt mich mir gegenüber und legt einen Blumenstrauß auf den Tisch zwischen uns. :sad:

 

Rückweg:

Mit der S-Bahn vom Uni-Hauptgebäude zum Hautbahnhof. Die Durchsage, dass kein Zug Richtung Süden fährt. Wegen Personen im Gleis ist die Strecke gesperrt!

Am Hauptbahnhof erfragt, welchen der beiden möglichen Züge ich am besten nehme und hin. Da nichts abfahren konnte, standen wir wie die Ölsardinen in der Büchse im Zug. Auch auf der Treppe zur 1. Klasse, wo ich mich dann hinsetzte, war alles dicht gedrängt. Und es dauert noch eine gefühlte Ewigkeit, bis der Zug dann endlich abfuhr. :sad:

Die Durchsagen am Bahnsteig hat man bei geschlossenen Türen nicht verstanden und im Zug wurde nichts durchgesagt.

 

Ich war fix und fertig, als ich wieder zu Hause war und brauchte noch den nächsten Tag, um mich davon zu erholen.

 

Die Klausur war nichts dagegen.

 

Kann ein "normaler" Mensch vielleicht nicht nachvollziehen.

 

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Ida_Pfeiffer

Geschrieben

Mir reicht die Beschreibung.... und solche Erfahrungen... 23.Dezember 2013 wisst ihr noch was da war? Die meisten werden sich an den Stress für die Freien Tage erinnern... ich hatte gerade mein GP in Bremen vorgestellt und bewertet bekommen... wir alle sind zum Bahnhof und der War gepackt voll, und dann die ernüchternde Erkenntnis nach dem ICE den wir alle nicht gebucht hatten weil wir eigentlich noch nicht fertig gewesen wäre stand nur noch fällt aus. 

 

Was war also am 23.Dezember 2013? Aufgrund der Ausschreitungen um die Rote Flora ging in Hamburg und somit in Bremen im Fernverkehr so gut wie nichts mehr gen Süden. Ich habe meine Zugbindung aufheben können. 

 

Es war der einige Zug nach Stunden und für Stunden der wenigstens meine Region kratzte und dort blieb, aber dann standen wir wieder da alle die noch weiter nach Süden westen oder südwestn mussten.... und da bei beidem nur das mitkommen zählte, um nicht auf ungewisse Zeit in Bremen oder einem der Bahnhöfe zu stranden wo man nachts nicht allein sein will rein in die Sardinendosen oder auf die Bahnsteige, die dem glichen. 

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  • Community Manager
Markus Jung

Geschrieben

Wenn es finanziell halbwegs passt (und oft passt es sogar sehr gut, also kaum Mehrkosten) nehme ich gerade auf längeren Strecken die erste Klasse, vorab Einzelplatz gebucht und dann kann ich die Fahrt meist sehr genießen und mich auf die Arbeit konzentrieren (sofern die anderen Fahrgäste sich halbwegs ruhig verhalten ;) und der Zugteil mit meiner Reservierung auch wirklich fährt und ich die Anschlüsse bekomme usw. ;)).

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Ida_Pfeiffer

Geschrieben

vor 9 Minuten, Markus Jung schrieb:

 (sofern die anderen Fahrgäste sich halbwegs ruhig verhalten ;) und der Zugteil mit meiner Reservierung auch wirklich fährt und ich die Anschlüsse bekomme usw. ;)).

Die vielen wenns der deutschen Bahn... 

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psychodelix

Geschrieben

vor 7 Stunden, Markus Jung schrieb:

Wenn es finanziell halbwegs passt (und oft passt es sogar sehr gut, also kaum Mehrkosten) nehme ich gerade auf längeren Strecken die erste Klasse, vorab Einzelplatz gebucht und dann kann ich die Fahrt meist sehr genießen und mich auf die Arbeit konzentrieren (sofern die anderen Fahrgäste sich halbwegs ruhig verhalten ;) und der Zugteil mit meiner Reservierung auch wirklich fährt und ich die Anschlüsse bekomme usw. ;)).

 

Sind bei mir normalerweise nur gute 30 Minuten Zugfahrt und hin war es erwartungsgemäß leer.

Witzigerweise hatte ich noch überlegt, ob ich beim Onlinebuchen doch mal die 1. Klasse nehme. 

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