Springe zum Inhalt
  • Einträge
    118
  • Kommentare
    592
  • Aufrufe
    7.472

Ausbleibender Erfolg + Ursachenanalyse

Vica

390 Aufrufe

Das erste Semester im MSc war ja notentechnisch eher ein Satz mit X :) 
Man kann hinschmeißen - kann aber auch versuchen, sich neu aufzustellen. 
8 Wochen hatte ich nun "frei" und konnte ein wenig Ursachenanalyse betreiben und ein paar Dinge entdeckt, die mir als Stoplersteine im Weg liegen und lagen. Dient als Notiz an mich selbst - inspiriert vielleicht aber auch andere. 

 

Problem Nr.1: Vollzeit statt Teilzeit
Das Studium möglichst schnell durchziehen um am Ende der Elternzeit Gewehr bei Fuß im Job stehen war eigentlich das Ziel. Ist aber leider an der Realität gescheitert. Denn in Hagen sind selbst die Teilzeitmodule stofftechnisch sehr vollgepackt. Fulltime-Job (Kinderbetreung von 7 bis 20 Uhr) und Vollzeitstudium verbindet sich in Hagen nur äußerst schlecht. Meiner Meinung nach gar nicht machbar!
Lösungsansatz: Im Zweifelsfall TZ, bis VZ möglich. Das kann man ja jedes Semester ändern. 

Problem Nr.2: Auf Lücke lernen 
Man kann nicht alles wissen? Hätte ich eigentlich gedacht. In Hagen wird dies leider vorausgesetzt. Mit der größten Selbstverständlichkeit werden Nebensätze aus Scripten in der Prüfung abgefragt. 
Lösungsansatz: Darum ist es unerlässlich, das Lernmaterial sehr sorgfältig durchzugehen und nichts auszulassen.  Am besten so gut, dass man zu allen Scripten/Vorlesungen ein Referat halten könnte. Das gilt auch für das Verständnis des Stoffs. Mir fehlten leider einige Vorlesungen am Schluss. 

Problem Nr.3: Falsche Lerntechniken
Was sich bei mir als schlecht erwiesen hat: Fast ausschließlich mit Altklausuren lernen, Stoff stur auswendig lernen (ohne ihn zu verstehen), sich an der in den Kursen empfohlenen Pflichtliteratur aufhalten (trockne, ellenlange Studien die nichts zum Verständnis beitragen), Vorlesungen auslassen und nur Scripte lesen, keine eigenen Notizen, sondern nur auf den Scripten mitschreiben, schlechtes Notizenschreiben, verschmähen sehr sinniger Lerntechniken wie z.B. Mindmaps oder Karteikarten, weil mir das alt und überholt vorkam. Nicht genutzte Möglichkeiten wie Speed Reading. 
Lösungsansatz: Musste meine alten Lern-Verhaltensweisen komplett über Bord werfen und neu erlernen. Dazu gibt es sehr viel Literatur, man muss nur mal Amazon durchstöbern.   

Problem Nr.4: German Sturheit
Um jeden Preis durchziehen und damit Lücken zu riskieren rechnet sich in Hagen nicht. Die Zeit bis zur Klausur ist seeehr knapp bemessen. Ich hatte einen echt schwierigen Winter: Keine Kinderbetreuung, schwanger und permanent (jeden Monat) krank mit übelsten Infekten und selbst die MM1 Prüfung habe ich noch mit Fieber geschrieben. MM2 habe ich abgeschickt, um wenigstens irgendwas abzugeben. Dabei rumgekommen ist nichts. 
Hier hätte es wirklich mehr Sinn gemacht, die Prüfung und Hausarbeit zu verschieben. Dass das nicht hinkommt, habe ich früh bemerkt, wollte es aber nicht wahrhaben. Verschieben ist hier ganz und gar keine Schande, erst recht da das Niveau in Hagen sehr hoch ist und die Benotung nicht unbedingt die wohlwollendste (finde ich). Eine gewisse Perfektion wird vorausgesetzt, was aber in manchen Umständen nicht machbar ist. 
Lösungsansatz: Im Zweifelsfall also lieber einen Gang zurückschalten. 

Problem Nr.5: Noch fehlende Flexibilität des Studiengangs 
Hagen ist beim Thema Flexibilität noch kein Vorreiter, finde ich: Es ist nicht möglich, Ausweichtermine für Klausuren bei Krankheiten einzurichten. Stattdessen darf man sich wieder ein Semester hintenan stellen, wenn man am Prüfungstag krank ist. Das erhöht den Druck, sich selbst dann noch unbedingt zur Klausur zu quälen. Hausarbeiten kann man verschieben, ist aber ein bürokratischer Aufwand, sobald das Thema mal verschickt ist. Es geht im Prinzip über Krankschreibungen. Aber finde mal jemanden, der einen krank schreibt, wenn Abgabe Montag ist und man freitags schon ganztags zur Klausur muss. Bei der OU war das wesentlich besser, weil hier individuelle Extensions vergeben werden konnten und auch Klausuren hatten Ausweichtermine, sogar in Deutschland. 
Möglich, dass sich die Sache in Hagen auch ändern wird, weil selbst der AStA dran ist, hier Verbesserungen zu bewirken.
Lösungsansatz: Trotzdem lieber in den sauren Apfel beißen und verschieben, wenn nicht anders möglich. 

Problem Nr.6: Pädagogik anyone?
Ich empfand es so, dass man ein wenig alleine dasteht mit allem möglichen. Ein direkter Draht zu den Profs war nicht möglich. Per Moodle antworten zumeist deren studentische Mitarbeiter. Die Uni meldet sich ansonsten nur, wenn etwas fehlt, zum Beispiel Belege. Man fühlt sich etwas allein. So kümmern sich die Studis untereinander. Das führt aber organisationstechnisch oft zu Halbwahrheiten und Gerüchten. Es bestand oft Unklarheit beim Stoff in Statistik (oder auch über Formulierungen bei der Aufgabenstellung der Hausarbeit) worüber mehrere Leute stritten - was nun am Ende stimmt, weiß immer noch keiner. Die Pädagogik funktioniert hier also schlecht bis gar nicht. 
Lösungsansatz schwierig - man muss Wissenslücken dann noch mehr über die für einen selbst passende Sekundärliteratur füllen. 

Problem Nr.7: Keine Rekonvaleszenz 
Obwohl einem als Vollzeit-Arbeiter jegliche Zeit fehlt, bin ich trotzdem nicht der Meinung, dass man alle vorhandene Freizeit für's Fernstudium aufopfern muss. Im letzten Semester habe ich mir gar nichts gegönnt - das ändert sich jetzt. Ich finde, dass man nur dann positiv ans Studium herangehen kann, wenn wieder vernünftig aufgetankt hat. Das bedeutet auch, dass man um mehr um Hilfe bitten muss - aber da über seinen Schatten zu springen lohnt sich echt. 

Problem Nr.8: Sich zu sehr mit anderen vergleichen 
Von den Kommilitonen zu lernen ist ja per se nicht schlecht. Wir sind nur eine sehr kleine Gruppe im Master und man merkt schon, dass das Niveau extrem hoch ist. Der Wissensstand meiner Mit-Studis ist bemerkenswert. Die Klausur und Hausarbeit scheinen einige im Vorbeigehen abzufrühstücken. Über eine 1,5 wird noch Trübsal geblasen. Schnell fällt aber auf, dass die Auswahl der Kommilitonen in der Tat die Crème de la Crème aus dem BSc Psychologie in Hagen ist. Sie sind sehr erfahren mit den hagener Gepflogenheiten, Klausuren und haben alle ihren Idealweg gefunden, damit umzugehen.  Alles andere ist längst vorher abgesprungen. Übrig blieb nur ein Trupp Elite, wie mir scheint. Als Externer (mein BSc kommt ja von einer anderen Uni) ist das alles extremes Neuland.
Lösungsansatz: Irgendwie reinfinden und sich Zeit geben und bloß nicht mit anderen Leuten vergleichen (was nicht heißt, dass man sie sich nicht zum Vorbild nehmen kann). 

Problem Nr.9: Nicht mit der alten Uni vergleichen
Englische und hagensche Pädagogik liegen so weit auseinander wie die Erde vom Mond. Während man bei der OU lerntechnisch abgeholt wurde, wo man steht und jeder Aufwand auch belohnt wurde, muss man in Hagen eher um jeden Punkt kämpfen. Es wird knallhart frontal durchgezogen. 
Lösungsansatz: Lernmethoden der alten Uni an den Nagel hängen und nicht erwarten, dass das, was vorher funktioniert hat, hier auch klappt. 

 

 

Das sind erstmal die groben Fehler, an deren Beseitigung ich gerade arbeite. Mal sehen, was bei rumkommt. 
  
 



10 Kommentare


Empfohlene Kommentare

Wow, eine echt umfangreiche Analyse.

Leider auch mit bitterer Erkenntnis.

 

Trotzdem drücke ich dir für die Überwindung aller Widrigkeiten die Daumen!

Diesen Kommentar teilen


Link zu diesem Kommentar

Ich fand deinen Beitrag sehr informativ. Und auch wichtig. Ich glaube, dass er sehr wertvoll für einige wird, auch wenn sie nicht in Hagen studieren.

 

Die Notengebung (die über die hier berichtet wird) irritiert mich auch. An der APOLLOn zum Beispiel gibt es (es sei denn es ist anders ausgezeichnet) immer 100 Punkte und es gibt kein Rütteln daran wieviel Punkte eine 1,0 oder eben 4,0 sind. Ist bei uns auch in der Prüfungsordnung festgelegt. Ich weiß also immer, dass ich mit Punktezahl x, die gleich Prozent X ist Note Z habe und da ändert sich auch nichts.

So weiß ich, ich bin z.B. immer dann durchgefallen, wenn ich weniger als 50 Punkte habe. Alles drüber ist bestanden. Würde ich wie in Hagen benotet wäre ich mehr als einmal durch meine Prüfungen durchgefallen. Und ich frage mich, macht es die Noten von Student x Uni Y und Student Z Uni W (oder Hochschule) auf einen Master noch vergleichbar? Wohl eher nicht, wenn bei euch eine Benotung mit ner Dampflock stattfindet

Diesen Kommentar teilen


Link zu diesem Kommentar

Das liegt u.a. in Hagen doch auch daran, dass es Multiple Choice Klausuren sind, oder?

Diesen Kommentar teilen


Link zu diesem Kommentar

Dass man Hagen und die OU nicht miteinander vergleichen sollte, ist dringend anzuraten. Es liegen Welten zwischen den beiden, auch wenn ich zur OU auch ein paar Kritikpunkte habe. Dennoch war es einfach nur entspannend, an der OU zu studieren. So entspannend, dass ich manchmal nur zum Spaß gerne ein Modul dort belegen würde. Ist aber einfach nicht mehr bezahlbar für mich. :(

Diesen Kommentar teilen


Link zu diesem Kommentar
vor 2 Stunden, Forensiker schrieb:

Das liegt u.a. in Hagen doch auch daran, dass es Multiple Choice Klausuren sind, oder?

Ich meine das hätte schon mal wer geklärt. Erinnert mich an meine Zeit in Kanada. Da war dann die Bestehensgrenze immer bei 60 Prozent genau deswegen

Diesen Kommentar teilen


Link zu diesem Kommentar

Hut ab für diese Analyse! Ich wünsche dir ganz viel Erfolg im nächsten Semester! :thumbup:

 

Mir persönlich ist wieder klar geworden, warum ich besser an einer Hochschule aufgehoben bin, die fürs lehren bezahlt wird. (jaj, arg pauschaliert, lest es mit einem Augenzwinkern)

Diesen Kommentar teilen


Link zu diesem Kommentar

Gute Analyse!  Es ist auch möglich in Hagen Teilzeit zu studieren und trotzdem ein Vollzeitpensum zu absolvieren.  Man hat dann für eine Hausübung z.B. Doppelt so lange Zeit. Ist einfach stressfreier.

Mach dir nicht zu viel Stress, du hast ja mittlerweile ja auch schon zwei Kinder und davon ein Baby, das allein ist schon sehr viel Arbeit und alles was noch nebenbei geht ist eine Höchstleistung.

Diesen Kommentar teilen


Link zu diesem Kommentar

Toll, dass Du es so strukturiert zusammengefasst hast. Für den Bachelor in Hagen gilt: nach M1 & 2 wird es besser. Hoffe das gilt auch für den Master und drücke Dir fest die Daumen fürs SoSe.

Diesen Kommentar teilen


Link zu diesem Kommentar
Am 12.5.2017 at 13:33 , TomSon schrieb:

Dass man Hagen und die OU nicht miteinander vergleichen sollte, ist dringend anzuraten. Es liegen Welten zwischen den beiden, auch wenn ich zur OU auch ein paar Kritikpunkte habe. Dennoch war es einfach nur entspannend, an der OU zu studieren. So entspannend, dass ich manchmal nur zum Spaß gerne ein Modul dort belegen würde. Ist aber einfach nicht mehr bezahlbar für mich. :(


Ich vermisse sie auch schmerzlich :( 
Hätte den Master sehr gerne da gemacht. Anno 2012 hatte ich das auch vor, als ich den BSc anfing. Dann war der Master ja allerdings plötzlich wegrationalisiert.

Und die, die es jetzt gibt sind ja nicht akkreditiert. Zum Heulen. 

Diesen Kommentar teilen


Link zu diesem Kommentar

Erstelle ein Benutzerkonto oder melde dich an um zu kommentieren

Du musst ein Benutzerkonto haben um einen Kommentar hinterlassen zu können

Benutzerkonto erstellen

Kostenlos ein neues Benutzerkonto erstellen.

Neues Benutzerkonto erstellen

Anmelden

Du hast bereits ein Benutzerkonto? Melde dich hier an.

Jetzt anmelden


×

Wichtige Information

Diese Website verwendet Cookies. Weitere Informationen: Datenschutzerklärung