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Modulbericht: Präsentieren

kurtchen

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Das Modul "Präsentieren & Moderieren" wird in den IT-Studiengängen von Springer Campus dem Wahlkatalog 1 "Basiskompetenz Beruf" zugeordnet. Es gehört damit zu den Soft Skill-Modulen dieser Studiengänge. Andere Module aus diesem Katalog sind "Selbst- und Zeitmanagement", "Kreativitätstechniken", "Rhetorik" und "Soziale Kompetenz". Auch das Modul "Wissenschaftliches Arbeiten" gehörte in diese Gruppe, es ist aber inzwischen ein Pflichtmodul. Angehende Web- und Medieninformatiker wählen ein Soft Skill-Modul, die Wirtschaftsinformatiker zwei. Zu den Modulen "Rhetorik" und "Präsentieren & Moderieren" gehört aus naheliegenden Gründen eine mündliche Prüfung. Die Klausur fällt dafür nur einstündig aus.

 

Normalerweise wählt man diese Module ganz zu Beginn des Studiums. Ich war mir unsicher, was ich hier belegen sollte, weil ich viele Themen interessant fand. Lediglich das Modul zu den Kreativitätstechniken hätte ich nicht belegen wollen, weil ich hier - bedingt durch meine Ausbildung - schon relativ viel kannte. Für das Modul Präsentieren habe ich mich entschieden, weil ich annahm, es sei eine gute Vorbereitung für die Präsentation der Bachelorarbeit. Die Entscheidung fiel gegenüber Rhetorik sehr knapp aus. Den Ausschlag für Präsentieren gab dann das Thema Umgang mit Präsentationsmedien, das im Modul Präsentieren natürlich stärker ausgeprägt ist. Rhetorik konzentriert sich stärker auf den mündlichen Vortrag und die Argumentation.

 

Wer das Hochschulzertifikat "Requirements-Engineer" oder "Software-Manager" erwerben will, muss Präsentieren belegen.

 

Das Lehrbuch

 

Das Lehrbuch "Moderieren, Präsentieren, Faszinieren" ist von Petra Motte. Es hat an die 300 Seiten und enthält viele Abbildungen, insbesondere in den Kapiteln zum Umgang mit Präsentationsmedien. Der Schreibstil unterscheidet sich natürlich deutlich von einem Informatik-Lehrbuch. Aber auch im Vergleich zum Modul Wissenschaftliches Arbeiten merkt man hier, dass man im Bereich der Soft Skills ist. Präsentation und Moderation haben viel mit der Person des Moderators zu tun, mit seiner Haltung, seiner Persönlichkeit, seinem Auftreten. Im wissenschaftlichen Arbeiten geht es stärker um etablierte Konventionen und Regeln. Das wirkt im Vergleich "faktisch". Beim Präsentieren geht es stärker darum, seine Persönlichkeit einzubringen, mit eigenen Stärken und Schwächen zu arbeiten. Das Buch ist daher im Vergleich zu einem Informatik-Lehrbuch eher in einem Tonfall verfasst, der den Leser persönlicher anspricht. Es zeigt eher Wege und Möglichkeiten auf als eine Handlungsanweisung vorzulegen.

 

Deutlich wird dies zum Beispiel im Kapitel 3, in dem es um die Person des Moderators geht. Anhand von Photos (oder auf der Lernplattform auch kleinen Videos), werden Aspekte wie Körpersprache, Mimik und Gestik behandelt. Das Thema Umgang mit Lampenfieber spielt eine Rolle. Im Vergleich dazu geht es im Modul Wissenschaftliches Arbeiten stärker um das fachliche und die sachgerechte Aufbereitung der Inhalte. Hier steht mehr im Mittelpunkt, dass die Inhalte durch die Person des Präsentierenden zur Geltung kommen. Darum ist es sinnvoll, sich auch mit sich selbst und seiner eigenen Wirkung zu befassen.

 

Im Kapitel 4 geht es um die Vorbereitung und Gliederung einer Präsentation. Hier geht es vor allem um einen gelungenen Spannungsbogen, der das Publikum weder über- noch unterfordert. Auch Themen wie Zeitmanagement und Umgang mit Störungen spielen eine Rolle. Die Perspektive ist stärker didaktisch. Im Vergleich zum Modul Wissenschaftliches Arbeiten wird hier stärker dem Umstand Rechnung getragen, dass Zuhörer eine begrenzte Aufnahmekapazität und Aufmerksamkeit haben. Sie können aus einem Vortrag aussteigen, wenn sie sich langweilen, ermüden oder sich überfordert fühlen. Diese Aspekte waren im Modul Wissenschaftliches Arbeiten weniger präsent als hier.

 

Das recht ausführliche Kapitel 5 widmet sich den verschiedenen Präsentationsmedien. Nicht überraschend beginnt es mit der Bildschirmpräsenation oder dem, was man einen Beamer-Vortrag nennt. Hier geht es freilich nicht um konkrete Software-Produkte oder dem Umgang damit, auch wenn der Name PowerPoint fällt. Vielmehr geht es darum, die Vorzüge und Nachteile verschiedener Medien zu kennen und gegeneinander abzuwägen, um für jede Situation das geeignete Medium wählen zu können.

 

Auch der vermeindlich altmodische Overhead-Projektor kommt vor, z.B. wegen der Möglichkeit Folien während des Vortrages zu bearbeiten. So etwas ist zwar heute auch mit digitalen Hilfsmitteln möglich, aber die Arbeit mit den Folienstiften hat eine hohe Unmittelbarkeit und ermöglicht zum Beispiel auch, Teilnehmer einzubeziehen, die im Umgang mit digitalen Medien wenig versiert und gehemmt sind.

 

Noch unmittelbarer ist die Moderation mit einer Flipchart. Auch sie ermöglicht eine direkte Einbeziehung und Interaktion mit Teilnehmern, eignet sich allerdings eher für kleinere Gruppen. Mit dem Medium Whiteboard ist im Kapitel noch nicht das sogenannte interaktive Whiteboard sondern tatsächlich die weiße Tafel gemeint, die ebenfalls mit Folienstiften bemalt und mit Zetteln beklebt werden kann. Sie ist eher als Nachfolger der klassischen Kreidetafel zu sehen. Schließlich geht es um die Pinwand-Moderation, die ebenfalls viele Möglichkeiten zum aktiven Mitmachen und zur Arbeit in Kleingruppen bietet.

 

Im Verlauf des Kapitels wird auch langsam ein Bogen zu Arbeitsformen geschlagen, bei denen nicht mehr der Vortrag des Moderators sondern die Beiträge der Teilnehmer im Mittelpunkt stehen. Auch wenn die mündliche Prüfung in diesem Modul ein Vortrag ist, hat es mir gut gefallen, dass hier interaktive Arbeitsformen mit Gruppen betont wurden, denn schließlich halten Informatiker nicht nur Fachvorträge.

 

Das Kapitel 5 betont interaktive Methoden in der Moderation. Hier geht es um den Einsatz von Mind Maps, um Methoden des Brainstormings und Brainwritings und die Moderationsformen Open Space, World Café und Zukunftswerkstatt. Open Space ermöglicht es zum Beispiel, mit sehr großen Gruppen in einer Weise zu arbeiten, die den Austausch untereinander und das Sammeln fachlicher Beiträge der Teilnehmer unterstützt. Hier geht es nicht mehr darum, dass der Moderator als Wissender seinem Publikum Informationen vermittelt. Er soll vielmehr einen Austausch in Gang bringen, in dem die Teilnehmer ihr eigenes Wissen teilen und miteinander in Kommunikation kommen. Die Teilnehmer werden also eher zu Teilgebern. Sie und nicht der Moderator präsentieren Ergebnisse ihrer Arbeit in Kleingruppen.

 

Im Rahmen dieses Kapitels kommt dann auch das sogenannte interaktive Whiteboard zur Sprache, dass ja mit großem finanziellen Aufwand an immer mehr Schulen Einzug hält. Ichpersönlich störe mich ein wenig an dem Begriff, weil er mir zu implizieren scheint, das klassische Whiteboard sei nicht interaktiv gewesen. Ein hohes Maß an Publikumsbeteiligung erreicht man nicht allein durch ein bestimmtes Medium sondern in erster Linie durch die Arbeitsform. Hier bieten klassische analoge Medien noch immer viele Vorteile, weil sie unmittelbar zu benutzen sind. Gerade für Menschen, die mit digitalen Medien weniger Erfahrung haben, sind sie "niedrigschwellig".

 

Das letzte Kapitel wagt einen Blick in die Zukunft der Moderation. Hier geht es auch um eine wahrgenommenen Veränderung in der Rolle des Moderators, der heute stärker die Selbstlernkräfte seiner Teilnehmer aktivieren soll. Um Raum für Beiträge der Teilnehmer zu schaffen, muss der Moderator sich selbst stärker zurücknehmen.

 

Tests und Aufgaben

 

Die Einsendeaufgaben fordern einen in diesem Modul natürlich anders als in anderen Modulen im Informatikstudium, wo vor allem abstraktes Denken und Logik gefragt sind. Hier geht es eher ums Abwägen oder darum, sich in Situationen einzufühlen, Möglichkeiten und Wege zu skizzieren. Für mich war das eine willkommene Abwechslung, vor allem im Kontrast zum Modul "Text Mining", welches das abstrakte Denken sehr forderte. Insofern kann ich empfehlen, so ein Soft Skill-Modul mit einem als sehr schwierig empfundenen Modul zu kombinieren. Man zehrt dann beim Lernen von unterschiedlichen Ressourcen. So kommt man gut voran.

 

Die Rückmeldungen meiner Tutorin kamen schnell. In diesem Modul wurde ich auch mal telefonisch betreut, weil ich eine Frage hatte, die auf diesem Wege besser zu klären war. Betreut wurde ich von der Autorin des Buches, der man anmerkt, dass sie für ihr Thema und ihren Beruf brennt.

 

Klausur und mündliche Prüfung

 

Schrifliche Einsendeaufgaben eignen sich bei diesem Modul natürlich nur bedingt zur Kontrolle des eigenen Lernerfolges. Als entscheidenden Baustein empfand ich darum die mündliche Prüfung. Hier ist ein (Beamer-)Vortrag zu einem Thema auszuarbeiten, dass mit Informatik nichts zu tun haben muss. Ich hatte z.B. ein Thema, bei dem es um die deutsche Sprache ging. Aus Gesprächen mit Kommilitonen weiß ich, dass die Themen oft beinhalten, eine eher offene Fragestellung zu beantworten, eine eigene Position zu einem Thema zu finden und argumentativ zu vertreten.

 

Im Gegensatz zum Modul Wissenschaftliches Arbeiten reicht man hier keine Vorschläge ein. Man bekommt das Thema zwei Wochen vor der Prüfung vom Studienbüro. Es ist also ein "Überraschungei". Ich war ganz zufrieden mit dem, was ich bekommen habe.

 

Für mich war es schön, mal zu einem ganz anderen Thema zu recherchieren. Und mir zu überlegen, wie ich das in begrenzter Zeit rüberbringe. Im Gegensatz zum Modul Wissenschaftliches Arbeiten, bei dem formale Korrektheit eine große Rolle spielt, geht es hier stärker darum, die Sache ein bisschen interaktiv zu gestalten. Für mich war jedenfalls die mündliche Prüfung die Messlatte dafür, ob ich aus dem Modul etwas mitgenommen haben. Mir hat es großen Spaß gemacht.

 

Die Klausur dauert in diesem Modul nur eine Stunde. Sie war absolut fair gestellt. Leider war mir neben der Vorbereitung der mündlichen Prüfung und dem Lernen für Text Mining kaum Zeit geblieben, den Stoff des Lehrbuches in diesem Modul zu wiederholen. Das habe ich ein bisschen zu spüren bekommen. Mal sehen, wie sich das auswirken wird.

 

Klausur und mündliche Prüfung gehen gleichermaßen in die Endnote ein. Das Ergebnis der mündlichen Prüfung erfährt man unmittelbar danach. Das ist auch schön, Feedback einmal so unmittelbar zu bekommen. Ich habe daraus noch ein paar Anhaltspunkte für die Präsentation meiner Bachelorarbeit mitgenommen, die ja nächstes Jahr fällig wird.

 

Die mündliche Prüfung in diesem Modul erfordert allerdings auch viel Vorbereitungszeit. Man muss ziemlich schnell ein Thema recherchieren, das mit dem Studium und dem Modul nicht viel zu tun hat. Auch die Vorbereitung der Folien kostet Zeit. Schließlich möchte man üben, ob man mit der Zeit auskommen wird. Ich hätte rückblickend betrachtet die Klausur zu diesem Modul vielleicht eher auf den nächsten Termin schieben sollen, um mich voll auf eine Sache konzentrieren zu können. Vielleicht wollte ich diesmal zu viel auf einmal.

 

Zu den mündlichen Prüfungen ist noch zu sagen, dass sie nur in Dortmund stattfinden. Es gibt zu jedem Prüfungstermin drei Slots am Vormittag. Mündliche Prüfungen müssen etwas früher angemeldet werden als schriftliche, weil der organisatorische Aufwand höher ist. Die Details dazu stehen in jeder Einladung zum Prüfungstag, die man als Studierender per E-Mail bekommt.

 

Fazit

 

Ich glaube schon, dass das Modul Präsentieren mir für die Verteidigung der Bachelorarbeit im nächsten Jahr noch einmal etwas bringen wird. Das war für mich ein Grund, es zu belegen. Es bisschen wehmütig bin ich auch, denn Rhetorik hätte mich schon auch interessiert. Der Schwerpunkt lag hier stärker auf dem Umgang mit Medien und auf interaktiven Arbeitsformen mit Gruppen. Im Modul Rhetorik spielt das Argumentieren anscheinend eine größere Rolle. Auch interessant! Aber man kann nicht alles machen.

 

Allmählich wird es übersichtlich. Im Januar möchte ich noch die Module "IT-Projektmanagement" und "Electronic Business" abschließen. Die Klausuren möchte ich voraussichtlich in Heidelberg schreiben. Dann steht die Bachelorarbeit an. Insgesamt muss ich also nur noch einmal nach Dortmund reisen. (Vielleicht ein zweites Mal, um den nächsten Präsenztag mitzunehmen.) Schade, dass Springer Campus keinen Master anbietet, der an diesen Bachelor anschließt, denn die Anbindung an die staatliche FH Dortmund gefällt mir sehr.



3 Kommentare


Empfohlene Kommentare

Wie lief denn die mündliche Prüfung ab? - Bestand diese rein aus dem Vortrag deiner Präsentation, oder wurden dann von den anderen Teilnehmern auch noch Fragen gestellt, so wie es ja oft bei Präsentationen im echten Leben üblich ist? Und wie lang sollte die Präsentation sein?

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Der Vortrag soll 20 Minuten dauern. Überzieht man oder füllt die 20 Minuten nicht, gibt es Punktabzug.

 

Danach stellen die Prüfer Fragen, so dass es insgesamt eine halbe Stunde dauert. In meinem Fall hat der Prüfer geschaut, ob man nicht doch noch einen Zusammenhang mit der Informatik herstellen kann.

 

Für den offenen Teil ist es natürlich günstig, wenn man noch ein bisschen was in der Hinterhand hat. 20 Minuten sind ja auch nicht viel, wenn man sich in ein Thema eingelesen hat. Insofern hatte ich noch ein paar Themen, die ich gerne mit reingenommen hätte, aber aus Zeitmangel streichen musste. Davon konnte ich im offenen Teil etwas einbringen. Der offene Teil bietet sich auch für einen Medienwechsel an. Im Raum standen Kreidetafel und Flipchart zur Verfügung.

 

Im Gegensatz zum Modul Wissenschaftliches Arbeiten habe ich bei diesem Modul versucht, im Vortrag ein bisschen Publikumsinteraktion einzubauen.

 

Theoretisch könnten andere Studierende an der Prüfung teilnehmen. De facto war es früh am morgen, so dass außer dem Prüfer und der Beisitzerin niemand mehr da war.

 

So in etwa läuft es ab. Bei den Inhalten möchte ich nicht genauer werden. Der Prüfer hat zwar signalisiert, dass sich ein Prüfungsthema so nicht wiederholt, aber die Beisitzerin war sich nicht ganz so sicher, ob es wünschenswert ist, das Prüfungsthema hier im Blog zu nennen. Ich habe extra nachgefragt, weil das hier ja doch ein etwas breiterer Rahmen ist als wenn man in der Mensa mit Kommilitonen plaudert.

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Das Ergebnis zur schriftlichen Prüfung und damit auch das Gesamtergebnis des Moduls kam heute per Mail. Obwohl ich aus Zeitmangel bei der Wiederholung des Stoffes Abstriche machen musste, ist meine Klausur doch besser ausgefallen, als ich gedacht hätte. An manchen Stellen musste ich "einen Schuss ins Blaue wagen" und darauf hoffen, dass mein Gedächtnis mich auch bei länger zurückliegenden Themen nicht ganz im Stich lässt. Ein paar Themen hatte ich wiederholen können, aber gerade die waren nicht drangekommen. So etwas verunsichert natürlich. Aber anscheinend hatte ich ein bisschen Glück, denn die Note der schriftlichen Prüfung war erfreulich. Damit ist nun auch das Modul Präsentieren endlich geschafft. Die mündliche Prüfung hat mir ja noch ein paar Anhaltspunkte geliefert, was ich bei der Präsentation meiner Bachelorarbeit besser machen könnte. Insofern bin ich recht zufrieden, dass ich genau dieses Soft Skill-Modul gewählt habe.

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