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Was mich im Sommersemester 2019 beschäftigt

Lernfrosch

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Über zwei Monate sind seit dem letzten Blogeintrag vergangen. Man möge es mir nachsehen; es hat sich nichts ereignet, worüber es sich zu berichten gelohnt hätte.

 

Das Semester ging zu Ende, ein neues begann. Die Wiederholung von MM1 und MM2 stünde nun an. In beiden Modulen konnte ich bisher keine Prüfungen ablegen. Momentan überlege ich, ob ich die MM1-Klausur anmelden werde. Dagegen spricht, dass in diesem Semester die Prüfungsmodalitäten verändert werden sollen. Statt einer vierstündigen Klausur wird die Bearbeitungszeit auf 1,5 Stunden verkürzt. Inwiefern sich die Art der Aufgabenstellungen, die Anzahl der Aufgaben, die Anforderungen etc. unterscheiden werden, ist mir bisher nicht bekannt. Bevor ich diese Prüfung anmelde, brauche ich weitere Informationen. So auf "Gut Glück" möchte ich nicht das Versuchskaninchen für diesen Umstellungsversuch sein. Ich möchte zumindest grob abschätzen können, worauf ich mich einlassen würde.

 

Ansonsten hadere ich noch immer mit den Studienmaterialien. Ich sage es mal ganz direkt: Es ist totaler Mist, ausschließlich digitale Materialien zur Verfügung zu stellen. Die Möglichkeit, gedruckte Hefte zu erhalten, gibt es nicht. Man stellt Videos ein und bietet die im Video gezeigten Vorlesungsfolien zum Download an. Es bereitet mir wenig Freude, massenweise ein- bis zweistündige Videos zu konsumieren. Ja, konsumieren. Ich sitze vor dem Bildschirm und werde von einem Vorleser dauerberieselt - es ist ein bisschen wie Fernsehen [Anm.: Ich besitze keinen Fernseher mehr.]. Wehleidig und fast schon sentimental schweift mein Blick immer wieder vom Bildschirm weg zu den Stapeln gedruckter Studienhefte, die mich die letzten Semester hinweg treu begleitet und das Lernen und Studieren zu einem genussvollen Erlebnis gemacht haben. Mein Blick schweift zurück, zurück zum Bildschirm, der mir Folgen der Digitalisierung vor Augen führt und Fragen aufwirft. Die Studieninhalte treten in den Hintergrund. Regressionen, Varianzanalysen,... mögen wichtig sein und die Beschäftigung mit ihnen berechtigt. Und doch wandern meine Gedanken immer wieder in Richtung der sog. neuen Medien und ihrem Einsatz im Bildungskontext.

 

Vielleicht werde ich dieses Semester mit dem Psychologiestudium pausieren, um mal wieder ein wenig über den Tellerrand zu schauen. Philosophie wäre nett; die FernUni bietet es an.

 

Außerhalb der Universität konfrontieren meine Nachhilfeschüler mich mit den jüngsten Entwicklungen im Bildungsbereich. Das Matheabitur, über das gefühlt halb Deutschland medienwirksam spricht, beschäftigt auch meine Schüler und mich. Habe ich erwähnt, dass ich meistens Mathestunden gebe? Wir diskutieren, ich lade meine Schüler zu einer kritischen Auseinandersetzung ein. Wir lesen Mathebücher und beschäftigen uns mit Weltgeschichte, den antiken Griechen, Römern und Puniern, wir befassen uns mit Literatur, Platons Höhlengleichnis, Saint-Exupéry und Fontane.

Und ich stelle wiederholt fest, dass Schule von heute wenig mit dem gemeinsam hat, was ich noch vor wenigen Jahren kennengelernt habe. Gut, so wenige Jahre sind es mittlerweile nicht mehr; ich wurde vor einem stolzen Vierteljahrhundert in die erste Klasse eingeschult. So vieles hat sich seitdem verändert! Schulgeschichten, Erlebnisse und Anekdoten aus meiner Schulzeit - manche Dinge ändern sich wohl nie. Und doch ist vieles, was ich noch als alltäglich kennengelernt habe, heute bereits ein Relikt vergangener Zeiten. Vieles ist gut so, aber längst nicht alles - jede Generation wird vor neue Probleme und Herausforderungen gestellt; das ist nichts Neues.

Vielleicht erklärt das zumindest ein bisschen mit, weshalb ich heute an der Universität mit der Ausgestaltung der Digitalisierung hadere.

 

Und dann fragt mich jemand, ob ich mir nicht vorstellen könne, ein Buch über Bildung zu schreiben. Eigentlich nicht, aber irgendwie schon. Also beginne ich zu schreiben. Und erste Textpassagen vorzulesen. Ich schreibe weiter. Ich weiß nicht, ob ich jemals auch nur  Auszüge aus meinen Aufzeichnungen veröffentlichen werde. Aber die Idee, vor dem leeren Blatt Papier zu sitzen und zu sehen, wie es sich langsam Wort für Wort mit meinen Gedanken füllt, fasziniert mich.

 

Warum ich das hier so ausschweifend erzähle? Nun, weil auch diese leisen, nachdenklichen Töne dazugehören. Das Studium und seine Bedingungen sind es, die mich zu diesen Themen hingeführt haben. Auch das gehört für mich zum Studieren dazu und sollte in diesem Blog berichtet werden.



9 Kommentare


Empfohlene Kommentare

Interessanter Post. 

 

Auch, wenn ich die Vorteile der Digitalisierung sehe und auch (an vielen Stellen) gutheiße - ein Lernen ohne ein Heft haptisch in Händen zu halten, halte ich für sehr schwierig. Das begrüße ich ebenso negativ, wie Du. 

 

Vielleicht klappt es ja, wenn Du irgendwie aktiv bei den Lernvideos mitwirkst. Die Aufgaben mitrechnest, die Schlussfolgerungen noch einmal mit eigenen Worten nachsprichst oder so etwas in der Art. So kommt man doch ein wenig aus dieser Passivität heraus, die nur ermüdend zu sein scheint. 

 

Ich gebe ebenfalls hin und wieder Nachhilfe in Mathe (und Physik) und auch da wurde diese Mathe-Geschichte, die in den Medien kursiert, kurz behandelt. Ich kenne die Prüfung nicht im Wortlaut, aber da sei wohl "nur" die Aufgabenstellung zu lang und zu verkompliziert gewesen zu sein. Naja, kann man vielleicht üben.

 

Als du das mit dem Vierteljahrhundert geschrieben hattest, musste ich mal kurz selber nachdenken *grins* Bei mir ist es noch ein bissl länger her. Wurde, glaub, 1993 oder so eingeschult. 

Dass auch mir so manche Änderungen nicht so ganz schmecken, könnte einen eigenen Forenbeitrag füllen :) Ich denke dabei zum Beispiel an das "Schreiben nach Gehör". Aber lassen wir das mal lieber ;) 

 

Viel Erfolg Dir weiterhin. 

 

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Ach ja, der Master Psychologie an der Fernuni ist schon zäh. Das musste ich auch feststellen. Ich kann dir sehr gut nachempfinden wenn du eher nach etwas Interessantem schaust statt das Notwendige zu tun. Ich hoffe trotzdem, dass es für dich irgendwie vorwärts gehen wird. 

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Zitat

 Bei mir ist es noch ein bissl länger her. Wurde, glaub, 1993 oder so eingeschult. 

 

1993 habe ich Abi gemacht... 

 

Zitat

Auch das gehört für mich zum Studieren dazu und sollte in diesem Blog berichtet werden.

 

Auf jeden Fall. Ich finde diese Überlegungen sehr passend, gerade wenn es darum geht auch über den Tellerrand zu schauen.

 

Problematischer als dass die Materialien digital sind finde ich in deinem Beispiel, dass schriftliche Unterlagen durch Videos ersetzt wurden. Ich finde das lernen mit Videos oft sehr ineffizient und mühsam und sitze dann meist davor und schreibe fleißig mit, was natürlich dann oft kein sehr strukturiertes Ergebnis mit sich bringt.

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vor 3 Minuten, Markus Jung schrieb:

Problematischer als dass die Materialien digital sind finde ich in deinem Beispiel, dass schriftliche Unterlagen durch Videos ersetzt wurden.

 

Wobei hier die Frage ist, ob die Fernuni in Hinblick darauf, dass es jetzt um einen Master geht, nicht einfach die Latte etwas höher gehängt hat. Und immerhin muss man im Präsenzstudium ja ähnlich vorgehen: Man hört einem Dozenten dabei zu während er referiert, schreibt mit, versucht das zu strukturieren bzw. legt dann kurz vor der Klausur einige Nachtschichten ein, um doch anhand der eigenen Aufschriebe und weiterführender Literatur mit dem "vermittelten" Stoff zurechtzukommen.

 

Wobei es natürlich eine berechtigte Frage ist, ob das so sein muss... gibt da meines Erachtens keine Regel, die das vorschreibt (siehe die privaten Anbieter). ;)

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vor 4 Stunden, MichiBER schrieb:

Auch, wenn ich die Vorteile der Digitalisierung sehe und auch (an vielen Stellen) gutheiße - ein Lernen ohne ein Heft haptisch in Händen zu halten, halte ich für sehr schwierig. Das begrüße ich ebenso negativ, wie Du. 

da bin ich voll eurer Meinung

 

Ich mag Vorlesungsvideos grundsätzlich, aber nicht als Ersatz fürs Skript sondern als Ergänzung/Zusammenfassung - also so eine Art Repetitorium

 

vor 39 Minuten, TomSon schrieb:

 

Wobei hier die Frage ist, ob die Fernuni in Hinblick darauf, dass es jetzt um einen Master geht, nicht einfach die Latte etwas höher gehängt hat. Und immerhin muss man im Präsenzstudium ja ähnlich vorgehen: Man hört einem Dozenten dabei zu während er referiert, schreibt mit, versucht das zu strukturieren bzw. legt dann kurz vor der Klausur einige Nachtschichten ein, um doch anhand der eigenen Aufschriebe und weiterführender Literatur mit dem "vermittelten" Stoff zurechtzukommen.

glaube ich nicht. Gibt es das nicht auch im Psychiologie Bachelor?

ich glaube dass es eine reine Kostenoptimierung keine Skripte zu schicken/zu schreiben, genauso wie die elektronischen reinen MC-Klausuren

 

 

 

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Du schreibst, was ich auch denke. Schon jetzt im Bachelor wird immer mehr auf digital umgestellt. ICH mag das nicht. ICH hätte gerne nach wie vor gedruckte Unterlagen per Post!

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Ich begrüße auch durchaus die Möglichkeiten, die sich durch technischen Fortschritt ergeben. Ich finde es faszinierend, was alles bereits möglich ist! Aber ich möchte eben auch die Wahlfreiheit haben, selbst mitzuentscheiden, wie ich gegenwärtige Medien - und damit meine ich sowohl digitale als auch analoge - nutze.

 

Ich habe mich jetzt an der FernUni für den Kurs „Theoretische Philosophie“ aus dem B.A. Kulturwissenschaften eingeschrieben.

Ich habe vor, (irgendwann) die Prüfung dazu abzulegen. Es ist mein zweiter Philosophiekurs in Hagen; ein Modul „Praktische Philosophie“ habe ich schon mitgemacht.

 

Ansonsten ging es bei mir in den letzten Tagen mit dem Psychologie-Studium noch nicht voran. Ich glaube, ich brauche davon gerade ein bisschen Abstand um meine Gedanken zu sortieren.

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Und wenn du für Psychologie zu einem anderen Anbieter wechselst? Es gibt da ja z.B. Master die eher in Richtung Gesundheitspsychologie gehen und somit eine sehr gute Ergänzung zum Medizinstudium wären. Oder ist das finanziell einfach nicht drin?

 

Zuerst war meine naive Vermutung ja noch, dass die Fernuni aufgrund der vielen Beschwerden die Psychologie überarbeitet. Die neuen Informationen hier lassen für mich aber ganz klar auf Kostengründe schließen und so weiß ich auch das nervöse Zucken in den Augen der Universitätsbibliothekarin in Hagen auf meine Frage nach dem Verbleib der Studenbriefe in Psychologie zu deuten... 

Deine Gedankungen zum Thema Bildung würden mich sehr interessieren! 

 

 

 

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vor 21 Stunden, clairvoyant schrieb:

Und wenn du für Psychologie zu einem anderen Anbieter wechselst?

Nein, kommt für mich nicht in Frage. Einerseits sind die Kosten entscheidend; die privaten könnte ich schlicht nicht bezahlen. Und andererseits möchte ich, wenn es denn Psychologie sein soll, genau diesen Studiengang studieren; ich habe ihn mir wegen der inhaltlichen Ausrichtung ausgesucht. Und ich möchte gerne an einer Universität studieren statt an einer Fachhochschule. 

 

vor 21 Stunden, clairvoyant schrieb:

Deine Gedankungen zum Thema Bildung würden mich sehr interessieren! 

Ja, wie gesagt, ich schreibe sie gerade auf. Es wird wohl weniger eine streng wissenschaftliche Abhandlung werden, als eine Sammlung von Gedanken und Thesen über Bildung auf dem Hintergrund eigener Erfahrungen mit Bildungssystemen. Es gibt jetzt die ersten Überlegungen, in welcher Form man etwas davon veröffentlichen könnte.

Ein paar meiner Gedankengänge sollen wahrscheinlich schon mal nächsten Monat auf einem Weiterbildungsseminar für (Schul-) Lehrer vorgestellt werden und eine Diskussionsrunde einleiten :wink:

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