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Ich bin angewidert!

Forensiker

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Hallo liebe Blogleser,

 

ja! Ich bin angewidert! Das mag hart klingen, aber ich habe wochenlang überlegt, wie ich es am besten ausdrücken kann. Und "angewidert" ist der einzige Begriff, der es aktuell trifft, wie ich dem Studium gegenüber stehe.

Inzwischen denke ich, dass die ganze Weiterbilderei in den letzten 11 Jahren ein großer Fehler war. Ein riesen Egotrip! Was hat es mir wirklich gebracht? Nichts, was es mir es mir aus heutiger Sicht wert war! Im Grunde diente es doch nur dem Zweck, es mir selbst beweisen zu müssen. Wie armselig! Mangelndes Selbstbewusstsein - nichts anderes waren die Gründe für das Studium! Der Preis dafür? Ich habe kaum mitbekommen, wie meine Kinder groß geworden sind. Immer keine Zeit, alles in Hetze! Viele leere Versprechungen, weil ich Versprochenes nicht einhalten konnte. So bin ich letztlich gar nicht mehr glaubwürdig gegenüber meinen Kindern.

Sicherlich habe ich eine persönliche Weiterentwicklung durchgemacht, aber zu welchem Preis? Und: Hätte ich die durch Lebens- und Berufserfahrung nicht sowieso erreicht?

So habe ich also meine Zweifel, ob meine Entscheidung richtig war, im fortgeschritten Alter, vor allem mit Familie, noch zu studieren.

Mittlerweile bin ich so weit, dass ich jedem nur (ab)raten kann(.), sich gründlich zu überlegen, ob ein (Fern-)Studium mit Vollzeitjob und Familie oder sonstiger Lebenssituation in Frage kommen kann. Ohne Abstriche, in irgendeinem Bereich, geht es definitiv nicht, kann ich mittlerweile aus Erfahrung sagen. Jeder sollte sehr sehr gut entscheiden, ob es einem das Wert ist. Arbeit ist nur ein Teil des Lebens, der eigentlich dazu dienen sollte, sein Leben finanziell zu bestreiten. Man arbeitet, um zu leben. Man lebt nicht, um zu arbeiten.

 

Das Verrückte ist: Je mehr ich Widerstand gegen das Studium verspürt habe, desto besser war das Prüfungsergebnis. Für die letzten beiden Prüfungen am 4. und 11.5. konnte und wollte ich nichts mehr tun und habe mich auf meine Berufserfahrung verlassen. Letztlich bin ich mit LMAA-Einstellung hin. Na, welche Note bekam ich? Eine 1.0 - das ist doch pervers!

 

Gut, das ist mein aktuelles Gefühlsleben. Das Positive? Jetzt heißt es bis August nur noch auf die Note der Master-Thesis zu warten. Endlich habe ich wieder Zeit. Vor allem für meine Kinder. Mein Sohn wartete bereits 2 Jahre darauf, dass ich mit ihm sein Gartenhaus aufbaue, was er sich 3 Jahre lang zusammengespart und schließlich gekauft hatte und lange unter einer Plane im Garten lag. In der Woche vor der Prüfung habe ich mir einfach dafür Zeit genommen - und für nichts Anderes.

 

Dass vieles völlig unwichtig ist, sieht man immer schnell, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert. Kurz nach Ostern wollten wir eigentlich ein paar Tage nach Rom - Kultur und so. Leider wurde aber meine Frau unverschuldet von einem Auto überfahren. Ihr geht es inzwischen besser. Rom kann warten. Das Leben ist wichtiger.

 

In diesem Sinne,

 

Euer Forensiker

 

 



11 Kommentare


Empfohlene Kommentare

Danke für den Post. Nein, wirklich. Ich kann deine Gedanken nachvollziehen. Ich bin kurz vor Abschluss meines ersten Fernstudiums und überlege, ob ich noch etwas dranhänge. Beruflich hätte das keinen Nutzen, im Gegenteil – ich würde damit weitere Jahre prokrastinieren anstatt endlich das zu tun, was ich mir schon länger vorgenommen habe. Und auch privat wären die Opportunitätskosten enorm – denn ich habe in den letzten Jahren auch schon viel Zeit mit der Prüfungsvorbereitung verbracht, die ich hätte meinen Kindern und mir widmen können. Insofern ist dein Post für mich Anlass, noch einmal in Ruhe über alles nachzudenken ... danke :).

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So sehr ich Dich verstehen kann, so sehr möchte ich auch hinzufügen, dass man dies nicht verallgemeinern kann (das Abraten). 

Jeder ist seines Glückes Schmied. Niemand hat gesagt, dass so ein Fernstudium leicht von der Hand geht. Natürlich gilt es immer wieder, Entscheidungen zu treffen wie z.B. "jetzt lernen, oder mit den Kindern was spielen/machen?".

Sei doch stolz darauf, was Du geschafft hast. Das würde ich gegenüber den Kids als Vorbildfunktion nutzen bzw. zu schätzen wissen. 

Das Studium ist (fast) vorbei, das ganze Leben mit deiner Familie ist doch noch vor Dir. Ich seh' da nicht so das Drama :) 

 

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Ich bin ja ein Fan Deines Blogs und danke Dir auch für diesen sehr ehrlichen Beitrag.

Ich kann Dich verstehen. Das Fernstudium neben Familie und Leben fordert einem schon viel ab, und wir bringen eine Menge Opfer. Wie viel Freizeit verbringen wir mit dem Studium, anstatt uns mit Familie und Freunden und Hobbys zu beschäftigen.

 

Andererseits muss ich sagen, dass ich ohne mein Studium nie diesen beruflichen Sprung gemacht hätte - und der bringt mir auch ein Vielfaches an Lebensqualität.

 

Daher meine Frage, was sich beruflich für Dich verändert hat? Wo wolltest Du ursprünglich hin? Und was hat sich nicht erfüllt?

 

Alles Gute für Dich!

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HI Forensiker,

bitte versinke nicht in Selbstmitleid und Anschuldungen. Es war zu der damaligen Zeit immer deine Entscheidung was du tust & deine Familie hat hiner dir gestanden. Du hast es nun endlich geschafft & daraus eben deine Lektion gelernt. Gut so, nur durch soetwas sammelt man Erfahrungen, die du später auch an deine Kinder weitergeben kannst.

Immer nach vorne gucken, irgendwann wirst du darüber lachen können & dennoch stolz auf das Erreichte sein.

 

Alles Gute für dich, deine Familie & gute Genesung an deine Frau.

 

 

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Kann ich alles nicht nachvollziehen - Bildung ist das höchste Gut - sich das leisten zu können, absolutes Glück. Gibt zig Millionen (Milliarden) Menschen mit Kindern, die nie so eine Möglichkeit haben werden.

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Die Gründe für dieses denken kann ich verstehen,  aber sei nicht so kritisch zu dir selbst. Hast du denn von dem Studium wirklich gar nichts? Und meinst du, du hättest zu 100% diese Zeit alternativ den Kindern gewidmet? Jede Mama / Papa brauch auch Zeit für sich. Klar ist, dass während dem Fernstudium bestimmt mehr Zeit in Anspruch genommen wird, aber kannst du dadurch deinen Kindern nicht auch mehr bieten? 

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