Springe zum Inhalt

Der Arbeitsplatz - Vorstellung und Wirklichkeit

Christopher_Wüst

831 Aufrufe

Ein lichtdurchfluteter, weißer Raum. Der große, feinsäuberlich organisierte Schreibtisch aus edlem Holz steht direkt vor dem Erkerfenster, welches den weitläufigen Garten preisgibt. Die Kinder schaukeln in der Abendsonne, im Nebenraum spielt ein Cello und mir erschließen sich nach und nach die Systemtheorien der großen Soziologen …

 

So in etwa war mein Anspruch als ich begann, den Arbeitsplatz für das Studium zu planen. Leider stellte ich schnell fest, dass ich nicht in einem viktorianischen Sommerhaus im Süden Englands, sondern mit fünf Personen in einer Vier-Zimmer-Wohnung in der Vorderpfalz wohne (immerhin Fachwerk). Auch hätte ich gerne die letzte Dividendenausschüttung meines erfolgreichen Start-Ups dazu genutzt, neue Büromöbel und vielleicht einen portablen Laptop zu kaufen. Leider habe ich kein Start-Up, sondern einen Halbtagsjob und die Pflicht, bis Mitte September eine recht hohe Steuervorauszahlung zu leisten -> 😊

 

Ok, wie auch immer. Ich arbeitete also mit dem was schon da war. Und das war eigentlich ne ganze Menge. Aus meiner Schul- und Ausbildungszeit hatte ich noch einen dunkelbraunen, ramponierten Schreibtisch und mehrere Ablagefächer. Im Flur stand außerdem ein Regal, das eigentlich für Deko und Fotos gedacht war.

 

Das Problem bei der ganzen Sache war folgendes: Ich bin nicht so der Typ „Ich-suche-mir-Tipps-einer-japanischen-Aufräumexpertin-um-meinen-workflow-zu-optimieren“, sondern eher der Typ „Wenn-ich-mal-studiere-bin-ich-bestimmt-so-ein-68er-Rebell-der-auf-ner-Matratze-in-ner-Altbauwohnung-zwischen-seinen-Büchern-schläft“. Das bedeutete: Entrümpelung!

 

Ich habe zuerst zwei Säcke Papier, wie alte Texte aus der Erzieherausbildung („die brauche ich bestimmt mal“), weggeworfen und alles was wirklich wichtig war, in neue Ordner eingeheftet. Jetzt konnte die Ablage wieder als Ablage dienen. Ich habe Ganesha und Buddha vom Flurregal verbannt und es stattdessen für Fachbücher reserviert. Der Schreibtisch, der bisher meine Musikanlage und etwas Aufnahmeequipment, sowie ein kleines Keyboard beherbergte, wurde wieder in den Zustand versetzt, seinem eigentlichen Zweck dienen zu können.

 

Nun hatte ich immer noch das Problem der Vier-Zimmer-Wohnung. Ich entschloss mich auf keinen Fall dort zu arbeiten wo ich schlafe, auch nicht dort wo ich koche und schon gar nicht in den schwarzen Löchern die alle wichtigen Dinge aufsaugen (auch Kinderzimmer genannt), sondern stellte den Schreibtisch ins Wohnzimmer - dahin, wo bisher der Fernseher stand. Schließlich gehören wir jetzt zum Bildungsbürgertum.

 

Was ich mit all dem sagen möchte: Klar, es geht immer irgendwie besser und, frei nach Nik Kershaw, "the grass is always greener over there". Aber selbst mit beschränkten Möglichkeiten, lässt sich immerhin mal ein Anfang machen. Ich finde, mein Ergebnis ist garnicht mal so schlecht geworden. Wie ist es euch bei der Gestaltung eures Arbeitsplatzes ergangen? Standet ihr vor ähnlichen Herausforderungen? Habt ihr euren Traum vom perfekten Lernort schon verwirklicht?

 

Feature Foto von Felix Seuffert (https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/rezept-gegen-unordnung-simplify-your-office-11527408/ziemlich-schraege-titel-wenn-s-11528433.html)

20190903_173149.jpg



6 Kommentare


Empfohlene Kommentare

Sieht doch recht gut aus, dein Arbeitsplatz! 

Ich bin mehr so nomadisch unterwegs und nutze abwechselnd den Esstisch und den Balkontisch.

Ein Schreibtisch im Wohnzimmer (wo ich ihn gerne gehabt hätte) ist auf zu großen Widerstand gestoßen, und nun steht er gemeinsam mit dem zugehörigen Stuhl im Schlafzimmer... und lagert Zeug. Ein Regal als Ersatz steht schon seit ne Weile im Keller... Ich teile, wie du, die Ansicht, dass im Schlafzimmer nicht gelernt wird und habe das konsequent durchgezogen ;)

 

Beim Präsenzstudium habe ich auch gerne in den Lernräumen oder leeren Seminarräumen gearbeitet, um eine klare Trennung zu schaffen. 

 

Wohin ist der Fernseher umgezogen? 

 

 

Diesen Kommentar teilen


Link zu diesem Kommentar

Mir tut jede Strukturierung gut, deshalb versuche ich erstmal einen festen Lernort zu etablieren. Auf der Arbeit werde ich evtl auch mal das Büro nutzen. 

 

Der Fernseher wurde tatsächlich gestrichen. Wir schauen zu 95% Mediatheksinhalte oder Netflix. Wenn dann doch mal was im Fernsehen läuft, haben wir ihn in 5 Minuten aufgebaut. 

Diesen Kommentar teilen


Link zu diesem Kommentar

Wenn es Dir geht wie mir, ist der zu klein. 😂 Gerade Literaturrecherche für Hausarbeiten und Ähnliches braucht Platz. Sieht aber trotzdem gut aus.

Diesen Kommentar teilen


Link zu diesem Kommentar

Ich hatte den Luxus, das Gästezimmer unseres Hauses als Büro umfunktionieren zu können.

Bei allem, was sich in über 2 Jahren Studium so angesammelt hat, war das auch wirklich gut. Es hat mir viel Struktur gegeben. 

An den Systemtheorien der großen Soziologen habe ich mir trotzdem ganz schön die Zähne ausgebissen. 😃

Diesen Kommentar teilen


Link zu diesem Kommentar

Hallo Christopher_Wüst,

 

na dann kann es ja bald losgehen. Ihr Schreibtisch sieht auf jeden Fall vorbildlich aus. 

Guten Start! 🙂

 

Viele Grüße,

Rebecca Reif

Online-Marketing/Redaktion

Bearbeitet von DIPLOMA

Diesen Kommentar teilen


Link zu diesem Kommentar

Ist doch eine ansprechende Lernecke! Und die weiße Wand bietet im Zweifelsfall genügend Platz für ein großes Poster, das zumindest einen Fenstereffekt simulieren kann... und zack, schaust du nicht in den weitläufigen Garten, sondern in einen beruhigenden Wald... oder eine aufregende Skyline... oder... endless possibilities. ;)

Mein Schreibtisch ist jedenfalls auch im Wohnzimmer. Mir steht eine kleine Nische zur Verfügung, 1,6 m lang und nur 1,2 m tief, in die wir (= mein Exmann) mit handwerklichem Geschick aus schwedischen Einzelteilen und einer Säge einen Schreibtisch gezaubert haben, der genau da rein passt und gleichzeitig auch schmal genug ist, dass ich auch noch einigermaßen beengt... ich meine, bequem dort sitzen kann. 

 

Sieht jetzt ungefähr so aus, minus die Pflanzen:

 

2018-11-15_01.thumb.jpg.2d0ece49348cf8cbefc437b1e55bd3af.jpg

 

Ich LIEBE meinen Arbeitsplatz, besonders auch dessen Nischendasein, dadurch ist er nämlich zwar im Wohnzimmer, aber gleichzeitig auch ein wenig abgegrenzt vom Rest des Raums. (Was man nicht sieht, ist die tatsächliche Nische an der ganzen Sache: wenn ich dort sitze habe ich ein halbhohes Mäuerchen im Rücken, das den Stiegenabgang ins untere Stockwerk begrenzt. In diesem Beitrag sieht man's ein bisschen: https://www.fernstudium-infos.de/blogs/entry/18439-warum-ich’s-nicht-an-die-große-glocke-hänge/)

 

"Perfekter" geht es unter meinen Bedingungen also nicht. Der Fernseher ist aber geblieben, obwohl wir auch ausschliesslich nur noch Netflix und co. bemühen...

Diesen Kommentar teilen


Link zu diesem Kommentar

Erstelle ein Benutzerkonto oder melde dich an

Du musst ein Benutzerkonto haben um einen Kommentar hinterlassen zu können

Benutzerkonto erstellen

Kostenlos ein neues Benutzerkonto erstellen.

Neues Benutzerkonto erstellen

Anmelden

Du hast bereits ein Benutzerkonto? Melde dich hier an.

Jetzt anmelden


×
×
  • Neu erstellen...