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Letzter klinischer Ausbildungsblock: Bombe, Evakuierung, Schlussfazit


Vica

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Da war sie nun: Die letzte klinische Präsenzwoche! Kaum zu glauben, aber wahr: Damit sind alle Blöcke abgeleistet, die den Schwerpunkt ausmachen. Unglaublich! Was habe ich damals gehadert und überlegt und gerechnet und abgewogen nach dem überraschenden Aus für den klinischen Schwerpunkt im Fernstudium. Es erschien so unmöglich, Präsenzstudent zu werden, und nun ist diese Phase abgeschlossen! :) So wirklich angekommen ist das bei mir noch nicht. 

Diesmal war alles ein bißchen anders und irgendwie mehr "Studentenlebenfeeling". 
Aber nun zum Erfahrungsbericht:

Zeitraum:
1 Woche (inkl. Wochenende) von 9.30 - 17.00

Anreise:
Wie auch bei den anderen Blöcken bin ich gependelt und habe pro Tag 2 Fernreisen auf mich genommen, was sich wie üblich schlimmer anhört, als es im Endeffekt ist. Eigentlich sind es auch nur popelige 250 km, die man mit ICE schnell abfrühstücken könnte, doch leider nicht in einem Rutsch und so kann eine 4 Stunden Reise draus werden, wenn die Anschlüsse ungünstig sind (im Mittel so 2,5 - 3 Stunden.)
Auf der Hinfahrt brauchte ich meistens 2 Züge - einen nach Hannover und einen nach Göttingen. Am Sonntag fährt bei uns kein Zug zur passenden Zeit nach Hannover, so dass man über Kassel-Wilhelmshöhe fahren muss, um noch rechtzeitig anzukommen - demnach also von der anderen Richtung. 
Wichtig ist hier nur, 100% flexibel zu sein. Ein ICE-Wochenticket ermöglicht die Mitfahrt in allen Zügen zu jeder Zeit, vom IC über REs oder eben ICEs. Man braucht alle davon! Aussuchen tut man sich die Verbindung mit der Bahn APP, was wunderbar klappt! Es wird so auch recht stressfrei. 
Die freie Zugwahl ist eine absolute Voraussetzung für diese Art Reise. Mit Zugbindungen kommt man hier überhaupt nicht weit. Der Kostenpunkt liegt derzeit bei 239€ - zählt aber auch nur für die Reise zwischen meiner Heimatstadt und Göttingen. Zusätzlich ist dies so teuer, weil ich dafür gesorgt habe, dass ich nicht nur über Hannover, sondern eben auch Kassel fahren kann. 

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Um 5:15 Uhr geht's los - sogar die Sonne schläft noch.


Inhalte des Seminars
Wir hatten als Thema "Klinische Psychologie des Erwachsenenalters" mit allen interessanten, spezifischen Themen aus der KliPsy. Dazu gehörten zum Beispiel: Depression, Angststörungen, PTBS, Zwänge, Aufmerksamkeit, Essstörungen usw. Natürlich bei allen auch die Ätiologie und dazugehörige Diagnostik, geeignete Fragebögen (das alles wurde auch in Referaten vorgetragen, für die man sich einige Wochen vorher eintragen konnte). Eine ziemlich interessante Sache!
Vorgetragen haben neben dem Prof auch zwei PPs und natürlich die einzelnen Studis bei ihren Referaten. Bei einigen kam ich aus dem Staunen gar nicht mehr raus, wie unterhaltsam man eine PowerPoint-Präsentation vortragen kann. (Ich habe ungelogen schon schlechtere TV-Shows gesehen).  

Diesmal mehr Studentenleben 
Der Unterschied zu den anderen 3 Blöcken war, dass die Vorlesungen diesmal in einem echten Hörsaal stattfanden, nicht im Seminarraum. Mit Klapptstühlen und Klapptischen :) Lange habe ich geträumt, mal in sowas zu sitzen für das echte "Studifeeling" (nicht nur als Besucher). Ich hatte gar nicht mehr mit sowas gerechnet und war dann ganz erstaunt, als wir dort teilnahmen. Den Saal fand ich spitze, und da war diesmal sehr viele waren (über 50 Teilnehmer), machte das natürlich auch Sinn. Aber ein bißchen unpraktisch war das mit den Klappstühlen schon. Ich vermisste Steckdosen und wenn einer in der Mitte mal auf Klo muss, ist Völkerwanderung angesagt! :D 


Verpflegung 
Es gab genügend Pausen, so dass man die Möglichkeit hatte, immer wieder etwas zu futtern. Viele gingen in die Mensa, ich gerne zum Bäcker für belegte Stullen und zwischendrin brauche ich Schokoriegel. Und Unmengen Kaffee, Cola Light + Wasser.Ich hab's pragmatisch angehen lassen und diesmal nichts vorgekocht. 

Der Zwischenfall am Samstag 
Kurz vor Seminarstart war bekannt gegeben worden, dass in Göttingen ein Blindgänger gefunden worden sei, der es in sich hatte. Die PFH stand genau im Evakuierungsradius. Darum würde dort am Samstag kein Seminar stattfinden. Es ergaben sich daraus für uns Studis aber massive Probleme: Sämtliche umliegenden Hotels wurden evakuiert, in denen alle angereisten einquartiert waren. Die PFH hat aber auch Räumlichkeiten in der Uniklinik, auf die sie ausweichen konnte!
Der Evakuierungszeitraum war von 7.00 bis 21.00 angesetzt, was ich echt Wahnsinn finde (sind auch eine Stadt, in der immer wieder Blindgänger entschärft werden, aber sooo lange hab ich hier noch nie erlebt). Natürlich war auch der Verkehr lahmgelegt. Insbesondere hieß das leider auch: Der Bahnhof würde stillgelegt und kein Zug wird in Göttingen einfahren.
Für uns Pendlers war das natürlich das sofortige Aus für diesen Tag. Was war zu tun? Spontan haben wir uns zu der Interessensgemeinschaft "Bombengruppe" zusammengetan. Wir fanden heraus, dass wir an dem Tag theoretisch hätten in den Göttinger Vorort "Northeim" fahren sollen, um dort den Schienenersatzverkehr zu nutzen.
Aber: Der Evakuierungsradius wurde erweitert, so dass die halbe Stadt evakuiert wurde. Kein Schienenersatzverkehr. Die Busse und wenigen befahrbaren Straßen wurden für die Evakuierungen gebraucht. 
In Hannover wurde ich ausgelacht, als ich bei der DB fragte, ob es doch eine Möglichkeit käme, irgendwie hinzukommen. Wir wären wohl die einzigen gewesen, die an dem Tag versucht hätten, in die Stadt zu kommen. Das hieß leider für uns: Keine Anreise am Samstag. :( 

Übrigens wurde bei der Entschärfung festgestellt: War gar keine Bombe ;) Ist natürlich gut für alle. Was es wirklich war, hat man nicht erfahren. Bei Blindgängern ist die PFH wohl gebranntes Kind: 2010 ist in Göttingen wirklich einer explodiert! Dabei gab es Schäden am Gebäude. Im Hörsaal kann man noch gersprungene Fenster sehen. 
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Der Ausweichplan für Samstag

 


Tschüß, Göttingen 
Mir hat es wie immer sehr gut gefallen und ich habe viel dazu gelernt. Die ganzen Leute werde ich vermissen. Natürlich haben wir alle fleißig Nummern ausgetauscht, Facebookfreundschaften geschlossen und unsere WA-Gruppe gibt es ja auch noch. Ich denke schon, dass mit dem ein oder anderen Kontakt bestehen bleiben wird. Es war schön, Leute kennengelernt zu haben, die dasselbe machen wie du auch 🙂 Ich glaube, ich wäre eben doch ein Campus-Typ. 

 

 Noch was zur PP-Ausbildung?
Dazu gibt's momentan nichts Neues. In gewissen Bundesländern klappt es mit der Anerkennung eben gut (Niedersachsen, Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt), in anderen nicht so doll (Hamburg, Rheinland-Pfalz). Bei einer Kommilitonin würde sogar der Arbeitgeber die PP-Ausbildungs-Kosten übernehmen, doch der Abschluss der PFH ist im Bundesland noch nicht zugelassen (RLP). Zwei Kommilitonen sind in Hessen abgelehnt worden. Ob das in jedem Fall rechtens ist, ist aber fraglich.
Am meisten scheinen sich die LPAs daran zu reiben, was diese Gleichstellung genau bedeutet. 
Mein Eindruck ist: Hier hat sich nicht viel getan. In NRW auch nicht. Gut, dass ich so nah an Niedersachsen dran bin :). Königswege gibt es aber doch. Dazu demnächst mal mehr. 

Abschließende Fazits:
- Seminar toll, wieder ECTS in der Tasche! 
- Die Erwachsenen-Diagnosen interessieren mich auch sehr. Vor allem diagnostisch gibt's da mehr Möglichkeiten.
- Die PP-Ausbildung bleibt noch kniffelig in einigen Bundesländern. Beim KJP weiß ich es nicht genau, wie Erfahrungen außerhalb NDS, SA und BW sind - das will kaum einer werden. Jetzt scheint noch mehr Verwirrung da zu sein, wegen des neuen Studiengangs. 
- Es gibt sie doch - Menschen, die wie ich die Tiefenpsychologie machen möchten, nicht die Verhaltenstherapie! :D 
- Große Skandale gab es bei der Zugfahrt nicht (das Übliche: Wagenreihung falsch, ausgefallene Sitzplatzreservierungen usw.), aber: Erstaunlich viele Notarzteinsätze im Zug :( und 2x 30 Minuten in der Pampa stehen wegen spielender Kinder im Gleisbett 😮 (dass es das wirklich gibt! 😮)

LG

Featurefoto: Pixabay

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6 Kommentare


Empfohlene Kommentare

Na holla, das klingt nach aufregenden (und lohnenswerten Tagen). 

Bin gespannt, was sich für die PP-Ausbildung ergibt! 

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lilienthal

Geschrieben (bearbeitet)

Zitat

Übrigens wurde bei der Entschärfung festgestellt: War gar keine Bombe  Ist natürlich gut für alle. Was es wirklich war, hat man nicht erfahren. Bei Blindgängern ist die PFH wohl gebranntes Kind: 2010 ist in Göttingen wirklich einer explodiert! Dabei gab es Schäden am Gebäude. Im Hörsaal kann man noch gersprungene Fenster sehen. 

 

 

Im Juni 2010 ist nicht deine Hochschule in die Luft geflogen, sondern ein Teil des Schützenplatzes in Göttingen. Die Bombe ist - soweit ich weiß, ohne Anlass - lange vor der eigentlichen Entschärfung explodiert und das auch noch während der Evakuierung, und dabei sind drei Sprengmeister ums Leben gekommen - was die PFH vermutlich nicht erwähnt hat, als sie euch die gesprungenen Scheiben gezeigt haben. 

Mich hat es ziemlich gegruselt, als ich deine Überschrift gelesen habe, und ich würde die Verwendung von Bild+Titel vielleicht eventuell vor dem Hintergrund noch mal überdenken. So klingt es etwas nach "Whhhhoaaaaa! Sensation!!!" und eigentlich wars eher ziemlich schrecklich.

Bearbeitet von lilienthal
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vor einer Stunde, lilienthal schrieb:

 

Mich hat es ziemlich gegruselt, als ich deine Überschrift gelesen habe, und ich würde die Verwendung von Bild+Titel vielleicht eventuell vor dem Hintergrund noch mal überdenken. So klingt es etwas nach "Whhhhoaaaaa! Sensation!!!" und eigentlich wars eher ziemlich schrecklich.

 

@lilienthal: Sorry, jetzt bin ich neugierig : Bist du selbst auch aus Göttingen?

 

Aber du hast schon recht, ich habe es mal geändert. 😊

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Nicht direkt Göttingen, aber Umgebung. Und irgendwie ist das Ereignis recht kollektiv haften geblieben.

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vor 3 Minuten, lilienthal schrieb:

Nicht direkt Göttingen, aber Umgebung. Und irgendwie ist das Ereignis recht kollektiv haften geblieben.

 

@lilienthal Verstehe! Das tut mir leid, wenn dich der ursprüngliche Beitrag getriggert hat. Natürlich war der vor dem Hintergrund auch pietätenlos, daher danke für deine Rückmeldung . Tatsächlich habe ich von dem dramatischen Ausgang noch nichts gehört. Ich frage mich gerade, wie das Ding hochgehen konnte, bevor die überhaupt richtig rankamen 😥 Die Sprengmeister schienen auch nicht damit gerechnet haben. Das muss eines von der besonders miesen Sorte gewesen sein. Warum sind die Dinger nur so langlebig? 😔

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lilienthal

Geschrieben (bearbeitet)

Getriggert nicht, ich war ja in keinster Weise betroffen, aber irgendwie war es schon was anderes als einfach nur ein Arbeitsunfall.

 

Ich bin kein Bombenexperte, aber soweit ich mich entsinne, war es eine Bombe mit Säurezünder. Die hatten neben der Zerstörung noch einen psychologisch zermürbenden Effekt, weil der Langzeitzünder nicht zwingend beim Aufprall zündet, sondern "irgendwann" danach Stunden oder Tage - also dann, wenn alle wieder aus ihrem Luftschutzbunkern oder Kellern rausgekommen sind. Ein gewisser Prozentsatz hat allerdings (bisher!) überhaupt nicht gezündet.

Bearbeitet von lilienthal
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