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Bericht: Kolloquium

kurtchen

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Das Abschlusskolloquium ist die letzte Prüfungsleistung in den Informatik-Studiengängen bei Springer Campus. Die Bachelorarbeit wird in einer Präsentation vorgestellt, die 20 Minuten dauern soll. Es folgt ein Prüfungsgespräch mit Erst- und Zweitprüfer. Ich hatte bei Abgabe meiner Bachelorarbeit damit gerechnet, dass es bis zum Kolloquium recht lange dauern würde. Unsere Studiengangskoordinatorin hatte ich mich bei Abgabe der Arbeit nach meinen beruflichen Plänen gefragt. Ich hatte ihr signalisiert, dass ich es schon gut fände, wenn ich zumindest noch vor Jahresende abschließen könnte. Insofern hatte ich auf einen Termin kurz vor Weihnachten gehofft.

 

Mein Erstprüfer und Betreuer meldete sich dann aber schon knapp drei Wochen nach der Abgabe, um mir einen Termin für Ende November anzubieten; an einem Montag Nachmittag um 16 Uhr. Ich war erst ziemlich überrascht, dass er mit der Korrektur schon so weit fortgeschritten war. Andererseits hatte ich ihm während des Schreibens immer wieder Kapitel der entstehenden Arbeit geschickt, so dass er sie in weiten Teilen schon kannte. Zunächst war ich etwas angespannt, weil ich mich nach der Abgabe auf ein paar Wochen "La dolce vita" gefreut hatte. Nun musste ich die Abschlusspräsentation vorzubereiten. Andererseits war es auch verlockend, noch vor dem ersten Advent das Studium abzuschließen. Und ausnahmsweise einmal eine ruhige Vorweihnachtszeit zu genießen. Der nächste Termin wäre auch erst wieder im neuen Jahr möglich gewesen. Also habe ich zugegriffen.

 

Bei der Vorbereitung der Präsentation war mein größtes Problem, die umfangreiche Arbeit auf 20 Minuten einzudampfen. Letztlich lief es darauf hinaus, knapp vorzustellen, was das Gesamtkonzept war, und dann stichprobenartig einige Punkte vorzustellen, die mir besonders wichtig erschienen. Insgesamt kam ich so auf 13 Folien.

 

Themen waren:

  • Was unterscheidet funktionale Programmierung von objektorientierter Programmierung?
  • Was ist das Travelling Salesman Problem?
  • Was ist heuristische Optimierung?
  • Grobe Arbeitsweise des Sintflut-Algorithmus. (Die anderen Verfahren habe ich nicht vorgestellt.)
  • Wiederkehrende Muster funktionaler Programmierung in der Fallstudie: Funktionen höherer Ordnung und Funktionsverkettung.
  • Performanceunterschiede zwischen objektorientierter und funktionaler Programmierung.
  • Das Muster "Focussed Mutability" mit dem man die Performance-Nachteile funktionaler Sprachen z.T. ausgleichen kann.

 

Das Material meiner Arbeit musste ich nicht noch einmal durchgehen. Da die Abgabe noch nicht so weit zurück lag, war ich noch gut im Thema.

 

In der mündlichen Prüfung zum Modul "Präsentieren" hatte ich die Rückmeldung bekommen, dass meine Foliengestaltung recht "altbacken" wirkte. Insofern habe ich einen Tag investiert, um mir verschiedene Präsentationsframeworks anzuschauen. Auf einem unserer Präsentage hatte ich eine Beamerpräsentation von Prof. Jörges (FH Dortmund) gesehen, die er mit dem Framework reveal.js erstellt hatte. Da schreibt man seine Inhalte in HTML (oder Markdown) und braucht sich nicht um graphische Gestaltung kümmern. Das überlässt man einer CSS-Stilvorlage. Die Präsentation läuft dann im Browser. Man kann mit einem geeigneten Plugin die Folien auch in PDFs wandeln, die sich ausdrucken lassen. An dem Ansatz gefiel mir die Trennung von Inhalt und graphischer Gestaltung. Das erinnerte mich an LaTeX, wo ich ja auch nur beschreibe, WAS ich will, und es dem Satzsystem überlasse, WIE das layoutet wird. Das habe ich also mal ausprobiert und die Ergebnisse haben mir auf Anhieb ganz gut gefallen.

 

Alternativ habe ich auch mal in impress.js angeschaut. Das ist ebenfalls ein Javascript-Framework für Präsentationen. Hier können Inhalte frei in einem dreidimensionalen Raum platziert werden. Die Präsentation ist dann eine Kamerafahrt durch diesen Raum. Das kann sehr chic aussehen. Allerdings ist es auch nicht ganz trivial, diese Möglichkeiten sinnvoll auszuschöpfen.

 

Als dritte Variante habe ich das LaTex-Paket powerdot angetestet. Damit kann man recht übersichtliche Folien erstellen. Da ich in LaTeX gut eingearbeitet war, wäre ich damit wahrscheinlich am schnellsten voran gekommen. Die Stilvorlagen waren aber ziemlich nüchtern und erinnerten mich an meine mit LibreOffice Impress erstellen Folien. Empfehlen würde ich LaTeX, wenn man Folien mit vielen Formeln setzen muss oder regelmäßig Fußnoten in den Folien unterbringen möchte. Das geht damit sehr komfortabel.

 

Meine Wahl fiel schließlich auf reveal.js, das mit einem entsprechenden Plugin Formelsatz in LaTeX-Syntax ermöglicht. Wenn man ein bisschen HTML oder Markdown kann, aber nicht so gerne graphisch gestaltet, ist das eine ziemlich gute Möglichkeit, schnell eine Präsentation zu gestalten.

 

Dann galt es, meinen Vortrag zu üben, um die Inhalte frei sprechend aber eben in 20 Minuten rüber zu bringen. Anfangs lag ich regelmäßig über der Zeit, aber es wurde von Durchgang zu Durchgang besser, so dass ich zumindest in die Nähe der 20 Minuten kam.

 

Am Tag der Prüfung bin ich vor der Abreise nach Dortmund noch ins Schwimmbad gegangen, um Stresshormone abzuarbeiten. Ich bin dann ziemlich entspannt nach Dortmund gefahren. Auf der Fahrt bin ich meinen Vortrag noch ein paar mal gedanklich durchgegangen. In Dortmund blieb noch Zeit für ein verspätetes Mittagessen.

 

Gelegentlich möchten andere Studierende an so einem Kolloquium teilnehmen, aber da meines an einem Montag um 16 Uhr stattfand, herrschte im Haus schon allgemeine Aufbruchstimmung in den Fluren. Ich stand also lediglich vor meinen Prüfern.

 

Das Üben und Feilen an den Formulierungen hatte anscheinend etwas gebracht. Bei der Präsentation blieb ich erstmals knapp unter den anvisierten 20 Minuten. Dafür blieb Zeit, im anschließenden Prüfungsgespräch an der Flipchart vorzustellen, wie die in der Fallstudie verwendeten Mutationsoperatoren funktionieren. Dann ging es unter anderem um die Frage, ob die Performance-Nachteile funktionaler Sprachen eines Tages durch optimierende Compiler überwunden werden könnten. In Teilbereichen gibt es so etwas ja schon. Zum Beispiel übersetzt der Scala Compiler endrekursive Funktionen in Schleifen, weil die JVM gar keine Tail Call Optimierung unterstützt. Aber insgesamt ist nicht damit zu rechnen, dass es derartig optimierende Compiler geben wird, weil man bei funktionaler Programmierung nicht nur mit anderen Sprachen sondern auch mit anderen Datenstrukturen und Lösungsstrategien arbeitet.

 

Gefühlt ging das Prüfungsgespräch ziemlich schnell rum. Die Notenfindung dauerte auch nicht lange. Mit dem Ergebnis war ich zufrieden. Die Note ist eine Gesamtnote für die Bachelorarbeit und das Colloquium. Gewichtet werden diese beiden Prüfungsteile im Verhältnis 2:1. Da das Kolloquium einen recht großen Anteil an der Gesamtnote der Bachelorarbeit hat, ist es empfehlenswert, auch dieser Prüfungsleistung genügend Zeit und Aufmerksamkeit zu widmen.

 

Und damit ist das Studium nun rum. Insgesamt habe ich etwas mehr als 8 Semester gebraucht. Als es zwischenzeitlich mit den Modulen sehr schnell voranging, hatte ich ja sogar einmal gehofft, schon um Weihnachten 2018 fertig zu werden. Allerdings erwiesen sich dann die Projektarbeit und die Bachelorarbeit doch als recht aufwendig. Andererseits boten diese Module die beste Gelegenheit, eigenen Interessen zu folgen. Insofern hat es Spaß gemacht, hier Zeit zu investieren.

 

Auf der Rückfahrt habe ich angefangen, das Hörbuch "Krabat" zu hören. Ich erwähne das hier, weil ich in den vergangenen vier Jahren kaum fiktionale Literatur gelesen habe, obwohl ich eigentlich sehr gerne lese. Das war eines der Opfer, die ich für mein Studium bringen musste. Insofern ist es schön, jetzt auch wieder Zeit für solche Dinge zu haben. Auf mich wartet inzwischen ein halbes Billy-Regal voll mit Romanen, Comics oder auch Sachbüchern, die nichts mit Informatik zu tun haben. Es wird eine Weile dauern, bis dieser Stau aufgelöst ist. Seltsamerweise ist bei mir noch gar nicht so richtig angekommen, dass mein Studium nun vorbei ist. Es bleibt eine innere Unruhe, ein unbestimmtes Gefühl, mich bald wieder an den Schreibtisch setzen zu müssen, weil ich doch bestimmt noch etwas zu tun habe.

 

Nun bin ich natürlich gespannt darauf, die Urkunde in den Händen zu halten. Von Kommilitonen habe ich sehr unterschiedliche Erfahrungswerte gehört, wie lange so etwas dauern kann. Das wird dann wahrscheinlich einer meiner letzten Beiträge in diesem Blog.



4 Kommentare


Empfohlene Kommentare

Klasse! Gratuliere.

 

Bzgl. "Altbackene" Präsentationen...das steht und fällt mit dem Präsentator. Wer es drauf hat, dem reicht auch das Whiteboard.  Ich bin kein Fan von diesen ganzen tollen zoom effekten blablub. Damit wird ein schlechter Präsentator + Inhalt auch nicht besser. Daher halte ich diese Frameworks für absolut nutzlos.

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vor 2 Stunden, Muddlehead schrieb:

Bgl. "Altbackene" Präsentationen...das steht und fällt mit dem Präsentator. Wer es drauf hat, dem reicht auch das Whiteboard.  Ich bin kein Fan von diesen ganzen tollen zoom effekten blablub. Damit wird ein schlechter Präsentator + Inhalt auch nicht besser. Daher halte ich diese Frameworks für absolut nutzlos.

Prinzipiell gebe ich Dir recht, dass der Vortragende und die Inhalte am wichtigsten sind. Ich war bei Tagungen (pädagogischer Art) wo Rednerinnen ohne visuelle Hilfsmittel einen Saal mit mehreren hundert Zuhörern gefesselt haben. Und leider gibt es zu viele einschläfernde Powerpoint-Vorträge, bei denen einfach die Folien vorgelesen werden.

 

Ich habe damals im Modul "Präsentieren" meinem Prüfer - dem späteren Betreuer meiner Bachelorarbeit - gesagt, dass ich als Medium am liebsten Schiefertafel und Kreide genutzt hätte. Mein Prüfer äußerte, dass er dieses Medium selbst noch immer gerne nutze.

 

Allerdings ist der Beamervortrag eben nicht selten das vorgegebene oder zumindest erwartete Format. Ich hab schon verstanden, was mein Prüfer meinte. Meine Folien hatten so einen "90er Jahre Look". Und ich weiß, dass graphische Gestaltung nicht zu meinen Stärken gehört.

 

Ich fand es gut, so ein Framework zu nutzen, weil ich mir so nur Gedanken machen musste, was auf die Folien soll. Um's Aussehen kümmert sich das Stylesheet. Also wenn schon Beamervortrag, dann am liebsten so.

 

In meinem pädagogischen Arbeitsfeld musste ich natürlich immer wieder vor Gruppen sprechen. Das habe ich am liebsten frei und ohne Medienunterstützung gemacht. (Bzw. als "Backup" ein paar Kärtchen im Format A7 mit Stichpunkten in der Hand.) Damit bin ich eigentlich immer ganz gut gefahren. Es fiel mir so auch leichter, bei den Zuhörern zu sein. So ein Präsentationsmedium fordert ja immer ein wenig Aufmerksamkeit für sich. Wie viel, das ist wahrscheinlich auch eine Frage der Routine.

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Glückwunsch, dass du dein Studium jetzt noch in diesem Jahr so erfolgreich abschließen konntest.

 

Ich freue mich auf deinen abschließenden Beitrag, wenn du die Urkunde hast. Und vielleicht führen wir danach mal ein Video-Interview zusammen? Fände ich sehr interessant, gerade auch weil du ja fachfremd studiert hast.

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