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Verzweifelt gesucht: Praktikumsplatz


Vica

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Das Studium ist fast zu Ende. Moment, war da nicht noch was?! Ach ja, das Pflichtpraktikum!


Pflicht eben darum, weil es ein fester Bestandteil des Studiums ist. Ohne Praktikum kein Master! Pflicht heißt es auch nur rein rechtlich. Denn das ist der Zeitpunkt, wo man endlich mal in die Hände spucken kann und sein über Jahre erworbenes Wissen mal praktisch anwenden kann. Endlich mal ,,echter Psychologe" sein...nach dem, was man so hört, benötigt man bei der Suche nach einem Platz bald selbst einen. Alles nur Gerüchte? 

Wir sind eine Stadt mit sehr vielen psychiatrischen Kliniken - ob privat oder aus einem Verband, mit Träger, konfessionell oder nicht. Alles da. 
Klingt doch gut?! Da muss doch ein Platz frei sein??
Tja, aber die Rechnung hat man nicht mit der örtlichen Universität und FH gemacht. 

Denn diese haben ebenfalls Psychologie-Studis aller Couleur und Schwerpunkte im Angebot. Und wisst ihr was? *trommelwirbel* Die haben das Pflichtpraktikum ebenfalls. 
Weiterhin ist der Bewerbungszeitraum echt krass spät ewesen, wenn man bis September fertig sein will. Anders war es aber mangels Kitaplatz gar nicht möglich. Kann man also das Schicksal so herausfordern? Mal sehen... :D 


Dringend gesucht: Praktikum in einer psychiatrischen Klinik 
So sieht's aus: Pro Klinik sind 3 bis 5 Praktikumsplätze vorhanden. 
Zeitraum: 360 Stunden, 9 Wochen, Vollzeit, am Stück 
Good to know: Aufteilen auf mehrere Institutionen/Zeitäume geht nicht
Challenge: Gegen Psychologiestudis antreten, deren Uni und FH die Kliniken bestens kennen.  

Challenge 2: Das soll alles bis September diesen Jahres im Sack sein, denn dann ist das Studium zu Ende. 

 

Als Fernstudi konkurrenzfähig?

Es ist zwar "nur" ein Praktikum, d.h., die Kliniken gehen kein Risiko ein. Man arbeitet 9 Wochen für Umme und ist nach Ablauf der Zeit ja wieder über alle Berge. Dennoch sind diese Stellen so hart umkämpft, dass es schon ein kleiner Gradmesser für den Arbeitsmarkt ist. 


Ich habe mich erst mal bei 7 Kliniken beworben (teilweise schon im letzten Jahr) und mir natürlich erstmal eine blutige Nase geholt. Mit dem Studium hatte das aber nichts zu tun. Stattdessen bekam ich Antworten, dass die Praktikumsstellen zum Teil bis 2022 ausgebucht sind. Jede Klinik war bereit, meine Bewerbung zu berücksichtigen, falls ich 2023 antreten will. Dann waren zum Teil auch kurzfristig Gespräche möglich. Jedoch konnte das aus Datenschutzgründen nicht überall so umgesetzt werden. Bei manchen hätte ich mich daher spätestens Januar 2022 nochmal bewerben müssen. In einem Fall bekam ich eine falsche Zusage, weil man dachte, ich wolle ein Pflegepraktikum machen :35_thinking: (offenbar Bewerbung verwechselt). Das war natürlich etwas bitter. In nur einem Fall gab es eine klare Absage, weil es kein Praktikantenprogram für mich gab. In der Klinik arbeiteten lediglich Ärzte und kein einziger PP, KJP oder Psychologe. 😕  
Auf die Angebote konnte ich nicht eingehen, da ich 2023 schon drei Jahre mit den Studium durch sein will. 

 

Also lieber woanders?

Bekanntlich soll man ja die Flinte nicht gleich in's Korn werfen. Von dem großen Ziel "Klinisches Praktikum" bin ich zunächst mal abgerückt, auch wenn ich's schade fand. Wie sah es denn in anderen Branchen so aus, die auch was für Psychologen dabei haben?

- Die Schulpsychologie der Stadt: 2020 alles zu. Bewerbungen für Ende 2021 ab Ende 2020.  
- Kliniken im Umland: Zeitlich schwer machbar, da Fahrtweg zum Teil 2 Stunden 
- Polizei, Bundeswehr, Gefängnis: See you in 2022. 

- Kinderheim: Erst ab Oktober (zu spät), aber leider keine psychologischen Angebote, trotz Schwerpunkt Traumatherapie (die wird aber von Sozialpädagogen ausgeübt). Eventuell externen Psychologen dazwischen schalten, ist aber fummelig und ich muss ihn selber finden.  

- Forschungspraktikum: Einem Prof in der Uni assistieren und sich das als Praktikum anrechnen lassen - leider alles mit den eigenen Psychologiestudis besetzt, Stellen gehen unter der Hand weg. 

- Stationäre Jugendhilfe: Könnte das machen, hat aber kein psychologisches Angebot. 

- Private Praxen: Nope, nur Büropraktikum (Terminabsprachen etc.)

 

Unverhofft kommt aber oft

Das sah schlecht aus, und das Studium um 2 Jahre verlängern nur für das Praktikum war keine Option. Aber so wirklich niedergeschlagen war ich noch nicht. Was ich letztlich gemacht habe, war mich per Mail an den Personalverantwortlichen eines großen Klinikverbundes zu wenden, von dem 3 Kliniken schon voll besetzt waren. Der gab mir den Tipp, mich bei den jeweiligen Abteilungen der Kliniken zu melden. Der war auch so nett, alle Kliniken des Verbundes aufzulisten INKLUSIVE der Mail der jeweilen Ansprechpartner. Und wer hätte es gedacht, da waren tatsächlich noch mehr Möglichkeiten, die ich so in der ersten Runde nicht gefunden habe: Eine forensische Klinik (etwas neben meinem Fachgebiet, aber sehr interessant) und zwei Privatkliniken, die das gesamte Spektrum an klinischen Erkrankungen abdeckten. Eine davon antwortete noch am selben Tag und bedankte sich für die Bewerbung. Ich hatte das unglaubliche Glück, dass jemand am Vortag erst sein Praktikum abgesagt hatte.  Die eine Stelle war damit wieder frei. Und das schon zu April :D Ich bekam einen Termin zum Vorstellungsgespräch in 1 Woche. 

 

Hurra!! Ach nee, doch nicht...?!

Weiß noch jemand, dass der letzte Blog-Eintrag damit endete, dass ich etwas "für die Psychologie einkaufen muss, was mir keinen Spaß macht" :) ? Es handelte sich dabei um einen Anzug für's Vorstellungsgespräch :D Ja, ich gehe furchtbar ungerne Klamotten shoppen. Für mich ist das Stress pur und immer ein blödes Gerenne. Aber nach 5 Jahren Elternzeit hab ich fast nur Sportliches und vor allem Ausgelatschtes hier. 

Normalerweise sind Vorstellungsgespräche Situationen, wo ich punkten kann. Dieses aber komischerweise nicht. Ich war im Anzug total overdressed, merkwürdig nervös schon im Voraus, und habe mich ganz anders vorbereitet. Es gab überhaupt keine fiesen Fragen, aber natürlich wollte die Personalerin wissen, wie ich auf die Klinik gekommen bin und was ich so darüber in Erfahrung gebracht hätte. Blöd nur, wenn man da einen Riesen-Blackout bekommt. Ich habe echt gestammelt, gestottert und einmal so krass gepatzt, dass selbst die Personalerin mich mitleidig ansah. Zusätzlich fiel mir vieles nicht mehr so wirklich ein, nicht einmal der Praktikumszeitraum. Meine vorher gut überlegten Fragen natürlich auch nicht mehr. Darum habe ich irgendwas gefaselt. Ich erinnere mich nicht mal mehr genau dran. 

Ich wurde auch nach der Kinderbetreuung zu tun, im Krankheitsfall oder die Abholsituation. Denn damit habe man schlechte Erfahrungen gemacht, immer wenn die Kinder krank waren, fehlten die Praktikanten. Oh je. 
Die Ansage, dass noch weitere Kandidaten gehört werden und man sich frühestens in 1 Woche meldet (WE nicht mitzgezählt), habe ich auch nicht wirklich als gutes Omen hingenommen. Ich war echt mega enttäuscht von mir und völlig überzeugt, es versemmelt zu haben. 

Beim Studium war übrigens nicht weiter interessant, ob es sich um ein FH-, Fern- oder Campusstudium handelte. Hauptsache der Schwerpunkt und die Studienrichtung stimmte. Ein Einladegrund waren bei mir auch die Noten gewesen und zudem dass das Studium schon so recht nah am Ende ist, was natürlich suggeriert, dass schon ein paar Kenntnisse mehr sitzen. So wurde es auch offen gesagt. 

 

Auflösung

Aber was soll ich sagen: Schon 2 Tage später bekam ich wieder Rückmeldung von der Personalerin, dass sie mir die Stelle gerne anbieten wollen :D Es hat also geklappt! Im April kann ich loslegen. Ich freue mich darauf, endlich mal etwas Praktisches in der Psychologie zu tun! Zusammen mit 4 anderen. Ich bin so gespannt, dass ich am liebsten schon loslegen würde. Aber es ist erst im April, was auch gut ist, so kann man sich noch ein wenig vorbereiten! 

 

 

Ein paar mutmachende Lehren für euch. 

- Nicht entmutigen lassen, auch wenn man sich spät bewirbt. Es kann immer mal sein, dass jemand abspringt. 
- Auch wenn man auch spät noch hoffen darf - Praktikumsplätze besser so früh wie möglich abklären. 1 Jahr im Voraus würde ich es auf jeden Fall versuchen, dann habt ihr eventuell noch die freie Auswahl. 

- Keine Klinik hatte an der Art des Studiums etwas zu bemängeln. Für alle kam ich prinzipiell in Frage. 
- Schlechte Vorstellungsgespräche können wirklich nur rein subjektiv schlecht sein. Möglicherweise wirkt man trotzdem viel sympathischer/kompetenter, als man denkt. 

- Im Internet stehen viele schlechte Bewerbungstipps. Die meisten davon suggerieren, man dürfe sich nicht den allerkleinsten Fehler erlauben, sonst sei man sofort weg vom Fenster. Finde ich echt nicht gut. 

- Nicht googlen, ob gewisse Aussagen "Melden uns in 1 Woche" etc. gute oder schlechte Zeichen sind :D Es ist Käse, was man da so liest. 

 

 

Und nun?
Heute nochmal Power-Learning für die letzte Klausur morgen. Ich kann mich gar nicht richtig motivieren dafür...:D  

LG

Feature Foto: Pixabay| pexels.com

3 Kommentare


Empfohlene Kommentare

Glückwunsch. Auch ich habe gehört, dass es schwer ist, Praktikumsplätze zu ergattern. Umso schöner, dass es jetzt klappt. Damit rückt das Ende des Studiums ja wirklich in greifbare Nähe. 🥳

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Wow, was für ein Krimi. 🙈

Toll, dass es geklappt hat. Ich gratuliere und wünsche dir ein tolles Praktikum!

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Glückwunsch zum Praktikumsplatz. Hört sich ja nach einem wahren Kraftakt an... Und für mich vor allem danach dass ich ein wenig Spät bin mit bewerben, wenn ich in oder nach den Sommerferien anfangen will...

 

Naja die erste Bewerbung ist gestern raus. ;)

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