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Letters from the Homeschool-Front...


PantaRheia

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...ja, nun folgt auch von mir ein COVID-Update, am Beginn von Woche 5 der Maßnahmen in Österreich.

 

Woche 5... das heißt für mich konkret: es beginnt bereits Woche 6 meines Home Offices, da rein zufälligerweise mein Filius bereits am Beginn der Woche vor den Schulschließungen krank wurde und zu Hause war - und ich mit ihm. Also bin ich bereits seit 5 Wochen zu Hause und versuche, halbwegs sinnvoll zu arbeiten. Dazu muss ich sagen: Home Office ist etwas, das ich immer schon wie die Pest vermieden habe und ich grundsätzlich nur in Anspruch nehme, wenn es wirklich notwendig ist - zum Beispiel, wenn ein Arzttermin ansteht, oder eben ein Kind krank ist, oder man sonst irgendeinen Termin zu Bürozeiten hat. Der Grund dafür ist simpel: ich kann zu Hause nicht auf dieselbe Art und Weise produktiv sein, wie ich es im Büro bin. Die Ablenkungen sind zu übermächtig... es ist immer gerade ein Geschirrspüler auszuräumen, oder eine Waschmaschine einzuschalten, sonst irgendetwas zu tun... aber wem erzähle ich das, mittlerweile haben wir ALLE ja ausführlichste Erfahrungen mit dem Thema.

 

Und ich bewundere alle, die das gut können.

 

Nun bin ich 5 Wochen zu Hause... und seit 4 Wochen zusätzlich die Lehrerin meiner Kinder. Also, eigentlich 3 Wochen, denn letzte Woche waren ja Osterfeiern - oder wären Osterferien gewesen, wenn mein Filius und ich es geschafft hätten, mit dem Soll in den 3 Schulwochen durchzukommen und fertig zu werden. Sind wir aber nicht. Drum arbeiten wir auch in den Osterferien. Ihr seht vermutlich schon, worauf ich hinaus will: 

 

I AM NOT GOOD AT THIS HOMESCHOOLING THING!!!

 

Es gibt sehr gute Gründe dafür, warum ich den Lehrberuf nie auch nur ansatzweise für mich in Betracht gezogen habe - und wenn man diese Gründe mit der Lernschwäche meines Sohnes und dem allgemeinen Chaos der Situation "Vollzeit-Homeoffice-Teilzeit-Lehrerin-Teilzeit-Putzfrau-Teilzeit-Versorgerin-Teilzeit-Studentin-Null-Metime" kombiniert, kann man sich in etwa vorstellen, wie es uns hier so geht. Ich kann von Glück reden, dass meine Filia sehr selbstorganisiert und selbstständig ihre Arbeit macht und mich sehr wenig dafür braucht, aber die Arbeit mit meinem Sohn bringt mich wahrlich an meine Grenzen. Nach Woche 1 des Homeschooling Desasters hat der Alphanerd dann den Ernst der Lage erkannt und die Betreuung des Filius fast zur Gänze übernommen, um mir den Rücken freizuhalten für meinen tatsächlichen Job. Zumindest in der Theorie, denn in der Praxis bin ich nach wie vor sehr viel eingebunden und mit Abgrenzung hatte ich immer schon meine Schwierigkeiten, zumal wir alle im selben Raum sitzen.

 

Mein Chef - er lebe tausendfach hoch - hat ebenfalls die Schwierigkeiten seiner Mitarbeiterinnen mit Kindern erkannt und lässt uns (inoffiziell) sehr viel Spielraum, was unsere tatsächliche Arbeitszeit betrifft. Soll heißen: er ist sich dessen voll bewusst, dass die Zeitvorgabe von 38,5 Stunden/Woche im Moment eher utopisch ist, und legt den Fokus daher stattdessen im Moment auf: "Hauptsache, die Arbeit wird gemacht und es bleibt nichts Wichtiges liegen und wir sind zumindest immer erreichbar". Dafür könnte ich ihn endlos umarmen, denn ohne diese Nachsicht könnte ich meinen Job wohl an den Nagel hängen.

 

Dass in dieser Situation irgendetwas definitiv zu kurz kommt, ist klar. Das bin zum einen natürlich ich selbst, aber zum anderen ist das leider auch mein Fernstudium. 

 

Während beim Alphanerd, der eine ganz normale Präsenz-FH besucht, das Werkl gerade mehr oder weniger komplett steht und keiner so genau zu wissen scheint, wie es laufen und/oder weitergehen soll und alle sehr in der Luft hängen, hat sich an der FernFH per Definition zunächst einmal grundsätzlich nichts geändert: das Semester läuft weiter, die ESAs sind termingerecht abzugeben. Fernstudium ist Fernstudium ist Fernstudium - darauf sind wir ja ausgerichtet. Nur, dass meine äußeren Umstände gerade so radikal anders und so inherently exhausting sind, dass meine Energie- und Aufmerksamkeitsreserven am Abend den absoluten Nullpunkt erreicht haben. Ich erinnere mich an einen besonders heftigen Tag, als ich am Abend auf der Couch lag, Laptop am Schoß, und unbedingt bei meiner aktuellen Serie auf Netflix weiterschauen wollte, aber die Energie nicht aufbringen konnte, die Maus zu bewegen, um das Programm zu starten. Wieviel Zeit ich letztendlich damit verbracht habe, sinnlos auf den Laptop zu starren, Hand schlaff auf der Maus neben mir, und versucht habe, Netflix per reiner Willenskraft zu starten, weil ich zu mehr nicht mehr imstande war, kann ich nicht sagen. In weiterer Folge habe ich zum ersten Mal ever eine ESA-Abgabe versemmelt und erst mit ca. einer Woche Verspätung abgegeben. Mit meinem Soll, was die Skripten betrifft, bin ich ebenfalls weit hintennach.

 

Die COVID-bezogenen Änderungen an meiner FH sehen nun folgendermaßen aus: sämtliche Präsenzveranstaltungen des Semesters sind entsprechend der Vorgaben der Regierung ausgesetzt. Das heißt natürlich, dass alle Prüfungen ins Wasser fallen. Für den ersten Semesterblock wurden die Modalitäten bereits geändert: statt Prüfung gibt es nun extra ESAs, bzw. ist in einem Fach eine online Präsentation abzuhalten. Klingt alles sehr machbar... zumindest vermutlich für Menschen, die sich im Zuge der Maßnahmen und der Selbst-Isolation gerade "entschleunigt" fühlen und Energie haben, wie nie zuvor. 

 

(Wie ich dieses Wort mittlerweile HASSE!!! Ich freue mich für alle Menschen, die das wirklich gerade so erleben... "Entschleunigung"... Zeit für Familie, Zeit für sich selbst, Zeit für Dinge, die man "immer schon mal machen wollte, aber nie die Zeit dazu hatte"... jo, eh! Genießt es. Ich bin nach dieser Zeit vermutlich reif für's Sanatorium. Und viele, viele Menschen mit mir, die von "Entschleunigung" vermutlich so weit weg sind, wie die Erde vom Mond.) 

 

Ich merke gerade, dass mein Tonfall mehr oder mehr abrutscht und ich grantiger und grantiger werde, je mehr ich schreibe - also erkläre ich diesen Blogbeitrag hiermit für beendet und ziehe mich wieder zurück in mein pit of despair und wappne mich innerlich für morgen, wenn es wieder heißt: 

 

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3 Kommentare


Empfohlene Kommentare

Kann ich gut verstehen. Wir haben einen in der dritten und einen in der ersten Klasse. Als es in der ersten Woche anfing, hieß es für die Erstklässler, 2 Seiten täglich im Mathebuch. In der zweiten  gab es dann nur noch eine Vorgabe bis zu den Ferien. Das witzige ist, dass das dann plötzlich 4 Seiten am Tag waren. Das wohlgemerkt nur in Mathe. Wir haben es natürlich nicht geschafft fertig zu werden. Ich habe auch den Eindruck die Lehrer machen tatsächlich Ferien. Das ist alles so lieblos hingerotzt...Entschuldige meine Ausdrucksweise.Die letzten Wochen waren die Hölle. Kann deine Ausführungen also einigermaßen gut nachvollziehen.

 

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Aber Dein Blogtitel ist ein Knaller und kein bisschen grantig. 😃

Ich drücke die Daumen, dass es bei Euch bald ein Licht am Ende des Homeschooling-Tunnels gibt!

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Ich kann dich auch gut verstehen. Ich habe noch nie Home-Office gemacht (als Apotheken Mitarbeiterin eher schwer möglich) und glaube nicht, dass ich dafür prädestiniert bin.

Was das Homeschooling angeht: ich bin recht froh, dass meine drei noch zu klein sind, um eine Schule zu besuchen. Gleichzeitig Wird es auch hier immer anstrengender, die Mäuse bei Laune zu halten, wir gehen inzwischen alle auf dem Zahnfleisch. 
ich kann dir nur gutes Durchhaltevermögen wünschen und würde nur zu gerne meine verbliebenen Lindt-Schokohasen mit dir teilen, um deine Laune etwas zu heben. 

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