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Psychiatrie, Woche 3: Die Bedenken der anderen


Vica

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Wieder ist eine ereignisreiche Arbeitswoche mit komplexen Störungsbildern, interessanten Patienten, netten Kollegen und spannenden Aufgaben zu Ende gegangen. Ich muss tatsächlich sagen: Was Besseres als dieses Praktikum konnte mir nicht passieren. Klar gibt's überall mal was zu verbessern, nicht alles ist rund, für die harte Arbeit könnte es auch Bezahlung geben. Oder zumindest, dass man beim Mittagessen noch einen Beilagensalat oder 1 Stück Obst inklusive hätte. Aber ich bin soweit sehr zufrieden - auch gefällt mir diese Art Alltag sehr. Ich bekomme sogar noch Schwung mit, Dinge zu erledigen und ich merke, wie sich generell der Horizont weitet - eine tolle Sache! :) 
Hätte ich das Praktikum in der Mitte des Studiums gemacht, wie es auch vorgesehen war, hätte das meine Motivation fürs Theoretische nochmal mehr verstärkt. Jetzt ist es allerdings anders herum, dass ich ziemlich gut auf die Inhalte des Studiums zurückgreifen kann und sie mit den Tätigkeiten verkabele. Eine gute Erfahrung. :) 

Zum Glück bin ich auch nicht mehr alleine, weil 4 Mädels dazugekommen sind. Das ist schön, wieder Gesellschaft zu haben und sich auch mal fachlich auszutauschen :D 

Thema Standesdünkel und Hierarchien: 
In dieser Woche wollte ich auch mal die "heilige Hierarchie" austesten. Angeblich darf ein Praktikant niemals einen PiA oder gar Therapeuten um Hilfe bitten. Wenn man zum Beispiel ein technisches Problem mit einem Gerät zur HRV-Messung hat, gilt es als Sakrileg, beim Psychologen anzurufen und zu fragen, was man tun könne und womöglich falsch macht. Auch eigenständig Hospitationstermine besorgen etc. sei etwas, was die Praktikumsleitung ja gar nicht gerne sieht. Das erschien mir sehr unlogisch und nicht lösungsorientiert. Meine Erfahrung mit Menschen ist da grundsätzlich anders. Die meisten freuen sich, wenn sie helfen können und tun das gerne. 
Genau so war es dann auch! 
Alle Therapeuten/Psychologen, die ich gefragt habe, haben sehr gerne geholfen und würden sich sogar über mehr Rückmeldung freuen. Sie sind auch sehr gerne selber mit auf die Suche nach Dingen, z.B. Akten gegangen. Dabei fiel ihnen selbst auf, dass sie selbst auch seit einiger Zeit Fehler in gewissen Bereichen machten, über dessen Entdeckung sie nun froh waren.
Und die Praktikumsleiterin war sogar begeistert, wenn man eigenständig Hospitationstermine ausmacht. Das bedeutet ja auch weniger Arbeit für sie. 
Ebenso sieht es aus mit "Gott" ( dem Chef). Der wird von den jungen Leuten eher gemieden und sitzt immer allein am Tisch. Ist aber Quatsch. Der freut sich, wenn man auf ihn zugeht. 

Der Ursprung dieser Gerüchte ist wohl das junge Alter der Praktikanten von vorher. Ende 30 und älter ist von Anfang 20 aus gesehen einfach sehr weit weg und die haben wohl noch etwas mehr Scheuklappen gegenüber (vermeintlichen) Autoritätspersonen, anstatt sich da auf Augenhöhe zu sehen. 

 

Auch das ist schön: 

  • Völlig unvermittelt bekam ich das Angebot, über das Praktikum hinaus bei einem der Therapeuten arbeiten zu können, wenn ich möchte. Das fand ich toll. Nur leider kommt es nicht infrage, da es Nachtschichten und Wochenendarbeit geben wird, was für mich mit zwei kleinen Kindern aber tabu ist. Trotzdem hat es mich gefreut, dieses Angebot zu bekommen :) 
     
  • Man lernt hier eine Menge zum Thema Approbationsausbildung. Ich würde sagen, das Thema wird völlig entmystifiziert. 
     
  • Das Ergebnis der letzten Studienklausur kam rein und betrug 1,7 :D Somit steht dem Ziel "Psychologe" nicht mehr im Weg, weil ich nicht davon ausgehen, durch die Masterarbeit zu fallen :) 

 

 

Und Corona?
Bei uns gibt es keine weiteren Corona-Verdachtsfälle :) Leute melden sich zwar krank, jedoch nicht mehr wegen Quarantäne, sondern wegen Infekt und werden auch nur 3 Tage krank geschrieben. Angeblich laufen die Krankschreibungen beim Hausarzt wieder. Als Pfleger abgezogene PiAs werden nächste Woche zurückkehren, da nicht mehr benötigt - es gibt fast gar keine Intensivpatienten hier. 
Wenn ich nachmittags nach Hause gehe, sehe ich Leute voller Lebensfreude auf der Straße. Klar, sie halten Abstand. Am Montag sollen angeblich über 90% der Geschäfte bei uns öffnen. Abgesehen von einigen Restriktionen (Schulen und Kitas zu etc.) hat man gar nicht das Gefühl, dass wir gerade von einem Virus beherrscht werden.
Trotzdem hatte ich die Woche einen Schreckensmoment, als mein Mann anfing zu husten. 😕 Ich fand, dass die Symptome alle passen. Laut seines Arztes ist es aber eine besonders üble Variante seines Heuschnupfens. In diesem Jahr sind viele stärker betroffen, weil die Natur eher explosionsartig innerhalb weniger Tage von Frost in den Frühlingsmodus umgeschaltet hat. Sehr viele hätten das Problem, was natürlich in der jetzigen Zeit für viel Verunsicherung sorgt. Sein Heuschnupfen hat zwar Jahr für Jahr zugenommen, aber nun hat er eine neue Stufe erreicht und man spricht von allergischem Asthma. Mit Spray bessert sich die Sache schlagartig. Ohne Augentropfen kann er kaum was sehen. Es ist auch blöd, von letzterem abhängig zu sein, aber erleichert war ich dennoch, dass es "nur" (!!!) das ist. 

 

Euch ein schönes Wochenende. Denkt positiv und haltet zusammen. 

LG

Feature Foto: Miguel A Padrinan | Pexels.com

5 Kommentare


Empfohlene Kommentare

Schön, dass dir das Praktikum so gut gefällt. Genau so soll es ja sein. Eine positive Erfahrung! Und eine bessere Rückmeldung als so ein Jobangebot gibt es ja kaum, auch wenn du es nicht annehmen kannst.

Das mit dem Heuschnupfen kann ich übrigens total bestätigen, bei mir ist es schlimm wie schon lange nicht mehr, und das erste Mal seit mehreren Jahren habe ich auch wieder eine (zum Glück leichte) Asthma-Symptomik dabei. 😝 Nervt sehr, nehme ich aber trotzdem immer noch zehnmal lieber als Du-weisst-schon-was. 🙄

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Das klingt alles richtig gut! Nachdem ich hier deinen ganzen Master-Weg mit dem Hin und Her verfolgt habe, freut es mich richtig für dich, dass sich jetzt langsam alles zu fügen scheint. Und dass der gewählte Weg anscheinend wirklich gut zu dir passt. 

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  • Admin
Zitat

Mit Spray bessert sich die Sache schlagartig. Ohne Augentropfen kann er kaum was sehen. Es ist auch blöd, von letzterem abhängig zu sein, aber erleichert war ich dennoch, dass es "nur" (!!!) das ist. 

 

Wenn ich einen Asthma-Spray mit Cortison nehme in der Allergiezeit (Foster), gehen meist auch die anderen Symptome (Nase, Augen) mit zurück.

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Am 19.4.2020 um 01:39 , der_alex schrieb:

Wegen KjP: hast du es nur mit Kindern zu tun? Oder ist es durchmischt im Praktikum?


Leider ist die KiJu-Station die einzige, zu der ich keinen Zutritt habe :( 
Sie ist nicht mal physisch anwesend bei uns im Hause, sondern 3 Straßen und 1,5 km woanders. Das finde ich auch bedauerlich. Andererseits meinte mein Prof, es seit generell sehr förderlich, erstmal auf einer "normalen" Psychiatrie Erfahrung zu sammeln, das würde immer gerne gesehen, auch im KiJu-Bereich :) 


Ich überlege schon, ein freiwilliges Praktikum in einer KiJu anzuschieben, um die Wartezeit bis zur Ausbildungszeit zu überbrücken. Andererseits sind die ja zum Teil schon krass ausgebucht 😢

LG

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