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Psychiatrie, Woche 7: Corona auf Station + viel Umbruch

Vica

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Jetzt hat es ausgerechnet auf der gerontopsychiatrischen Abteilung einen Corona-Fall gegeben. Ein Pfleger ist betroffen - und dieser hatte schon recht intensiven Kontakt mit den Patienten, mit denen er auch zusammen die Mahlzeiten eingenommen hat, denn viele dort leiden an Essstörungen, so dass die Nahrungsaufnahme mit dem Personal zusammen erfolgt. Wo das jetzt noch herkommt weiß der Geier. Wir haben in der Stadt gerade sehr niedrige Fallzahlen. Gerade mal 1 - 4 Neuinfektionen werden in der Stadt vermeldet, Dunkelziffer natürlich nicht dabei. Aber dass es da gerade die Gerontopsychiatrie trifft, ist schon ein Hammer. 

Dort ist nun alles zu. Patienten werden dort nun alle kollektiv 3x getestet. An Kontakttag 1, 7 und 14. Der erste Test fiel schon negativ aus, aber man kann sich ja vorstellen, dass das nichts aussagt. Aufatmen können wird man wohl erst nach Tag 14. 

Raus dürfen die Patienten nicht, Besucher dürfen ohnehin nicht kommen, Gruppentherapien und Sport/Reha ist abgesagt. 

Ob Einzeltherapien stattfinden dürfen - da ist man geteilter Meinung. Einerseits finden unsere Ärzte, dass ja mit den Abstandsregeln, Masken, Händedesinfektion usw. nichts schiefgehen könne. Andererseits ist ihnen die Sache dann doch zu heiß. 

 

Generell ist viel im Umbruch gerade. Die psychotherapeutische Ambulanz will wieder öffnen (geplant seit April, wird aber immer wieder um 2 Wochen verschoben). Da wir für die Ambulanz zuständig sind, könnten wir bald wieder ganz schön viel zu tun haben in diesem Bereich: Dann hätten wir externe Intelligenz-, Depressions- und Autismustestungen, dürften Screeningfragebögen durchführen, die Psychoonkologie würde wieder Face-to-Face stattfinden statt nur am Telefon und viele Menschen könnten für die Akut-Sprechstunden vorbeikommen (natürlich nicht bei uns, sondern beim jeweiligen Therapeuten - wir verwalten diese Termine nur). 
Auch Besucher sind bald wieder geplant. Erstmal in anderen Räumlichkeiten. Wir sind gerade dafür verantwortlich, die Besucherräume coronakonform zu planen und umzubauen. 

Nimmt auch allmählich Form an.

 

Ansonsten hoffe ich wirklich, dass das Schlimmste in der Gerontopsychiatrie ausbleibt. Klar handelt es sich dort zum Großteil um pathologische Fälle, aber mit einigen Patienten hatten wir schon das Vergnügen und viele dort leiden an Depressionen, die überwiegend durch die Einflüsse der Umwelt zustande kamen: Vereinsamung, weil Freunde und Familie verstorben sind. Weil die Enkel nicht mehr kommen. Verbitterung über Krankheit und Kraftlosigkeit, die einem sämtliche Freude am Leben raubt. Angst vor dem Tod, der immer näher kommt und niemanden, den man im Alltag an seiner Seite hat. 

Man hat ja gesehen, wie schlimm es in den Altenheimen um sich griff und teilweise noch greift.

 

Euch eine schöne Woche und natürlich: Gesundheit!

LG

 

Feature Foto: Atranias |pixabay.de 



2 Kommentare


Empfohlene Kommentare

Dir ist richtig anzumerken, wie sehr du "angekommen" bist in deiner Tätigkeit und Teil des Ganzen bist. Kannst du nicht gleich dort bleiben nach deinem Praktikum 😉?

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Am 18.5.2020 um 15:23 , Markus Jung schrieb:

Dir ist richtig anzumerken, wie sehr du "angekommen" bist in deiner Tätigkeit und Teil des Ganzen bist. Kannst du nicht gleich dort bleiben nach deinem Praktikum 😉?


Es ist witzig, wie das alle sagen :D 
Tatsächlich waren gerade 5 Stellen ausgeschrieben, jedoch nur für Studis, was ich bald nicht mehr bin :) 

Als PiA wäre noch so einiges frei - he he!

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