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Das liebe Geld...


Vica

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Was viele meiner Kollegen neben den teilweise schwierigen Zugangsbedingungen, die noch während des Studiums Druck erzeugen, abhält, die PP/KJP-Ausbildung anzufangen, sind die horrenden Kosten der Ausbildung.
Die Kosten sind immer relativ zum Bundesland, Ausbildungsinstitut, Fachrichtung und können daher nur ganz exemplarisch wiedergeben werden. Im Endeffekt sind die "Probleme" aber überall dieselben. 


20.000€ ist so ein Durchschnittswert bei einer verhaltenstherapeutischen Ausbildung, die so 3 bis 5 Jahre dauert. Tiefenpsychologische Ausbildungen dauern manchmal länger und können (müssen aber nicht) das Doppelte kosten.
Wahlweise in einem Rutsch oder in Raten zahlbar.

 

20.000€ werden bei mir auch fällig, mit Vergünstigung (der Eintritt in den Dachverein) sind es ca. 1000€ weniger. 
Das macht dann ca. 390€ pro Monat bis zum Ende der Ausbildung. 
Für einen ehemaligen Fernstudenten bei einer privaten Hochschule ist diese Summe ein alter Bekannter (Vollzeit-Fernstudis bei Privat latzen sogar schonmal bis zu 700€). Bei der PFH hatte ich ca. 90€ weniger gezahlt. 
Nun ist es so, dass das für junge Leute (der Median ist so um die 25 Jahre, wenn er anfängt) eine enorme Summe pro Monat ist. Diejenigen, die Psychologie normal an der Uni studiert haben, sind mit solchen Ausgaben noch nicht in Berührung gekommen, abgesehen von der Miete ihrer Studi-Wohnung, wo aber oft etwas Studi-Job und Bafög mit einfloss (das fällt ab jetzt beides flach). Nun ist da die Ausbildung und ist eine ziemliche Mehr-Belastung zur Miete zusätzlich. Manche haben eine Beziehung, aber nur die wenigsten wohnen mit ihrem Partner zusammen, so dass die Miete auch nicht anteilig getragen wird. Verheiratet sind bis auf eine Ausnahme nur die Leute 30+ im Kurs. 
In der Konsequenz krebsen die jungen Leute am Existenzminimum herum. 

 

Im ersten praktischen Jahr verdient man ungefähr 1000€ Brutto (so die Theorie, häufig weniger). Das hat Jens Spahn so ausgeklüngelt. Die Idee war nicht schlecht, die Umsetzung hakt. Denn erstens sind es meistens weniger und Kliniken, die ihren Azubis mehr als das Doppelte gezahlt haben, berufen sich jetzt natürlich auf diese 1000€, somit ging der Schuss zum Teil nach hinten los. 
Die 1000€ gelten nicht für das zweite praktische Jahr. Hier sind zwischen 0€ + 5 Essensmarken bis hin zu 450€ realistisch.  (Darum harzen hier viele drauf - ein Nebenjob ist nicht immer machbar wegen Vollzeit). 
Im dritten Jahr, während man in einer Praxis arbeitet, kommt oft die Praxismiete obendrauf.  Hier wird nach Patientenanzahl bezahlt. Von denen darf man aber nur eine Hand voll haben, was in der Realität keinen Lohn ergibt, der zum Leben reicht: Darum arbeiten hier viele noch 30 Stunden woanders. 

 

Insofern ist die Ausbildung für junge Leute, wo nicht noch ein Verdiener im Hintergrund ist, eine harte Sache. Für uns "alte Knochen" ist die Ausbildung natürlich auch nicht so leicht wegsteckbar. Denn wir haben dafür andere Kosten am Laufen: Haus abbezahlen, Leasingrate, Kitaplatz (bei zwei Kindern locker weit über 450€ je nach Region), überhaupt Kids usw. :)Dennoch sind zwei Verdiener eine Sache, die das Ganze erleichtern.  

Manche lassen sich auch als klinische Psychologen anstellen und erhalten das komplette Psychologengehalt, zwischen 1700€ und 3500€ sind da schon drin. Das bedeutet aber dann Festanstellung, also nicht - wie viele es wollen - nach 1 Jahr wieder weg sein. Zusätzlich gibt's hier Nachteile; z.B. fehlende Freistellung für die Seminarzeiten, weniger Flexibilität und zudem kann es sein, dass die Ausbildungsinhalte (man brauch als PiA Supervision und eine gewisse Anzahl an Fällen und Patienten) hier nicht zusammenkommen. 

 

Ich persönlich habe paradoxerweise mehr Geld zur Verfügung als vorher, weil ich im Studium nicht berufstätig war und wir keine hohe Miete und auch abgesehen von der Kita keine hohen Ausgaben haben. Ich kann die Ausbildung nun alleine tragen und habe sogar noch was für meine Kaffeekasse raus. Damit bin ich sehr zufrieden. 
Was reinhaut bei der Ausbildung sind natürlich die Fahrtkosten zum Institut (1-3x im Monat schon so ca. 100€, also schlimmstenfalls ca. 300€). Falls ich jetzt eine Weiterbildungs-Klinik weiter weg finden würde, könnten ganz horrende Fahrtkosten draufkommen, die einen Großteil des Lohns verschlingen. Aber das muss man sehen. 
Zu meiner aktuellen (die ich verlassen muss, weil sie keine Ausbildungsstätte mehr ist), konnte ich zu Fuß gehen. 


Brutal teuer sind (freiwillige) Zusatzseminare. Gibt's auch in sämtlichen anderen Berufssparten. Sie gehen oft über ein Wochenende und werden manchmal von den Arbeitgebern getragen. Ich finde die eher semi-freiwillig, weil sie ein enormes Plus an Qualifikation bringen, worauf die Kliniken oft scharf sind (wird in den Stellen oft bei den Anforderungen mit genannt). Ich habe z.B. im November eins, welches nebenher zur Traumatherapeutin qualifiziert (~700€ - wie gut, dass man bis dahin sparen kann). 
Es gibt aber auch solche, die sich zB "Patientengespräche mit Patienten oberhalb der 65" nennen, aber mit 400 bis 500€ zu Buche schlagen. (Und ja, Seminare zu bekommen ist echt schwer. Ich schaffe es immer nur auf Wartelisten). 

Bevor jemand fragt: Die PP-Ausbildung wird nirgendwo gefördert; sie gilt als ähnlicher "Schnickschnack" wie Facharztausbildungen oder generell ein Fernstudium (von dem aber viele mittlerweile auch förderbar sind), was auch daran liegt, dass sie rechtlich komplett undefiniert ist.  Es gibt aber sogar Kliniken, die die Kosten komplett übernehmen. Eine Beteiligung daran ist häufiger. Wie viel steuerlich abgesetzt werden kann, wird sich zeigen :)

Es ist also in erster Linie eine Herzensangelegenheit. Mich spornt das an, eben lieber früher als später mit der Ausbildung durch zu sein. Leider hängt das aber auch von unbeeinflussbaren Faktoren ab: Klinikplätze, Corona, eventuell abgesagte Seminare usw. Man muss sehen. Letztlich ist es eine intensive Phase, die aber auf absehbare Zeit ein Ende hat :thumbup1:

Bleibt gesund & haltet zusammen

LG

 

Feature Foto: Karolina_Gabowska/Pexels 

Bearbeitet von Vica

4 Kommentare


Empfohlene Kommentare

Wie sind denn die langfristigen Verdienstaussichten? 

 

Man muss das aus meiner Sicht auch ein Stück vom Ende her denken, auch finanziell — vor allem bei diesem enormen Commitment, das von euch abverlangt wird.

 

Ich hatte die Diskussion mal mit jemandem, der vor der Wahl stand, die 10.000+ Euro für die Vorbereitungskurse für die Steuerberaterprüfung auszugeben, oder weiter als angestellter Fachwirt zu arbeiten. Für ihn war das eine riesen Summe, für mich aber trotzdem überhaupt keine Frage, dass sich das lohnt.

 

Heute ist er nicht nur total happy mit seinem Beruf, er druckt förmlich Geld. Finanziell hatte er das schon nach wenigen Monaten wieder rein.

 

Aber das kommt natürlich immer stark auf das jeweilige Berufsfeld an.

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vor 2 Stunden hat developer geschrieben:

Man muss das aus meiner Sicht auch ein Stück vom Ende her denken, auch finanziell

Bei solchen Summen (zumal im Anschluss an ein auch schon nicht ganz günstiges Fernstudium, möglicherweise Bachelor UND Master) sicherlich schon. Das zahlt man ja nicht mal eben aus der Portokasse.
 

Bei einem einzelnen Bachelor-Fernstudium (so wie bei mir jetzt, den Master wird es zu 99%  nicht mehr geben) kann man vielleicht, wenn man sich dafür nicht total verschuldet, auch mal nach Neigung und Interesse gehen. Investition in das eigene Seelenheil oder so. Am Beginn meines Studiums hatten wir mal ein Gruppen-Study Coaching, mit lauter Studenten der Sozialen Arbeit im 1. Semester. Erste Frage des Coaches: "Warum haben sie sich für das Studienfach entschieden? Das Gehalt kann ja wohl kaum der Grund sein." 😉

Bearbeitet von Anyanka
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Diese Summen erschrecken mich immer wieder, gepaart damit, beeindruckt darüber zu sein, welcher harte Weg zum Ziel bestritten wird, denn alleine die Ausbildung ist schon nicht ohne und dann noch "nebenbei" ausreichend Geld zu verdienen, sich diese und ein generelles Leben leisten zu können ist ein hartes Pensum.

 

In meiner Einrichtungen haben schon einige Sozialarbeiter*innen die Ausbildung zur/zum KJP gemacht wärhend sie in Teilzeit im Schichtdienst der stat. Kinder- und Jugendhilfe tätig waren. Aktuell ist eine Fachkraft kurz vor der Abschlussprüfung, eine weitere Fachkraft hat gerade erst begonnen. Auffällig ist hier durchgehend, dass eine sehr hohe Einsatzbereitschaft, Verbindlichkeit und Freude an der Arbeit mit den jungen Menschen gegeben war/ist und zumeist diejenigen die in dieser Doppelbelastung waren/sind bei Engpässen einspringen, mit in Gruppenurlaube fahren oder zeitlich befristete Einzelbetreuungsstunden übernehmen, um sich diese Mehrstunden auszahlen zu lassen. Bei uns gibt es die wunderbare Möglichkeit, nach Absprache, die Arbeitszeit für einige Monate zu reduzieren oder in ein Sabatical zu gehen. Dies wird zumeist für das Klinikpraktikum genutzt, um dies möglichst ohne Doppelbelastung, aber mit einem finanziellen Puffer zu meistern. Aufgrund des Schichtdienstes ist neben der Flexibilität im Dienstplan auch durch die Zuschläge für Nacht/Wochenende/Feiertage ein Anreiz, während der Ausbildung in dem Bereich tätig zu sein.

 

Jedoch höre ich immer einmal wieder, dass nach abgeschlossener Ausbildung die Kassensitze rar sind und in einem Angestelltenverhältnis nicht wirklich mehr verdient wird, als in unserem Bereich als Sozialarbeiter*in. So sind aktuell zwei meiner Fachkräfte weiterhin in Teilzeit bei mir und mit wenigen Wochenstunden in einer Praxis angestellt, um "drin" zu bleiben, bis es irgendwann einen Kassensitz in der Wunschstadt gibt und es in die Selbständigkeit gehen kann.

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