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Die lieben Arbeitskollegen (Who is Who auf Station)


Vica

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Auch auf die hat das Studium klinische Psychologie nicht im Geringsten vorbereitet¬†ūüėĀ¬†Dabei w√§re tats√§chlich ein Exkurs im Thema¬†"Stationsablauf" gar nicht so √ľbel, um mal einen groben √úberblick zu bekommen. F√ľr alle angehenden (klinischen) Psychologen hier also ein kleiner √úberblick, wer auf Station wer ist.¬†
(Nat√ľrlich nur wieder auf uns bezogen, variiert √ľberall leicht)¬†

Klinikleitung
Die Klinikleitung ist jemand, den man nur aus Sagen und Legenden kennt. Sie trifft alle Entscheidungen f√ľr jede Station und die Zukunft des Hauses, hat aber √ľberhaupt gar keine Bodenhaftung zur Station. Viele wissen nicht mal den Namen der Leitung und wer √ľberhaupt dahinter steckt. Nicht mal wo sein B√ľro ist ist bekannt, und seine Telefonnummer kennt nur die Verwaltung. Ist nur in seltenen F√§llen ein Arzt, h√§ufig eher betriebswirtschaftlicher Lebenslauf.
Hat bei uns so in etwa den Rang einer Sagengestalt à la Loreley. Gibt es ihn wirklich? Einige haben ihn mal gesehen, aber kann man das glauben?...

Direktor
Sozusagen der Chef aller Chef√§rzte. Der Direktor ist zwar nie auf Station, dennoch omnipr√§sent. Er veranstaltet und leitet Klinikkonferenzen und verschickt regelm√§√üig Rundmails, wo z.B. wichtige Dinge wie K√ľndigungen, Stationszukunft oder Dienstpl√§ne angesprochen werden -¬†¬†wodurch alle an seinen Lippen h√§ngen. Er gibt auch regelm√§√üig Zeitungsinterviews und ist √ľberhaupt das mediale Gesicht der Klinik.¬†Ist wie gesagt Arzt, auf den Stationen sieht man ihn hingegen aber nie.¬†

Hat sowas wie den Status von Gott, manche erstarren richtig in Ehrfurcht, wenn sie ihm zufällig begegnen. 

Chefarzt
Dem Chefarzt unterstehen alle Stationen eines Klinikteils (z.B. Allgemeinpsychiatrie, 4 Stationen oder Suchtklinik, 5 Stationen etc.). Er ist auch ein wenig sowas wie Gott. Wenn er seinen Besuch ank√ľndigt, fangen alle nerv√∂s an, aufzur√§umen etc. Hat so eine gewisse Autori√§t, die er vor sich herschiebt, ist wissenstechnisch brillant, aber gef√ľrchtet f√ľr seine Kritik.¬†Auf Station ist er eher selten zu sehen, aber immerhin zum Fixtermin, n√§mlich der Chefarztvisite. Er ist sowas wie der direkte Vorgesetzte der Psychologen + Stations√§rzte und untersteht nur dem Direktor. Hei√üt: Krankmeldungen, K√ľndigungen etc. gehen alle an ihn. Anders als der Direktor schl√ľpft er manchmal aber dennoch in die Rolle eines Stationsarztes, z.B. um den Oberarzt zu vertreten. Kommt gut aus mit anderen √Ąrzten, h√§lt aber nicht so viel auf die Meinung der anderen Stationsmitarbeiter.¬†¬†

Oberarzt 
Ist sozusagen der Kopf aller Stationsärzte einer Station. Ist ein Facharzt und als solcher höhergestellt als die normalen Stationsärzte, Der Oberarzt ist freilich kein Chefarzt, aber die Grenzen verschwimmen total. Er ist direkter Teampartner des Chefarztes, doch letzterer ist zu selten da, um wirkliche Teamarbeit zu leisten. Sieht sich aber auch als direkter Vorgesetzter der Psychologen. Ein Posten mit viel Aktivität, aber im Gegensatz zum Chefarzt sehr nahbar. Der Oberarzt ist immer zugänglich. Er macht neben Visite auch Kurvenviste, Entlassungsplanung, spricht regelmäßig auch Patienten, aber nicht so oft wie z.B. Stationsärzte.  Greift auch aktiv in die Ausbildung des Psychologen ein, hilft, verwaltet und organisiert. Hält viel von der Meinung anderer Stationsmitarbeiter. 

 

Stationsarzt

√Ąrzte, die noch¬†jung und noch "unverbraucht" sind, es gibt aber welche, die auch 50+ sind.¬†Arbeiten unglaublich hart und effizient. Haben dasselbe Aufgabengebiet wie der klinische Psychologe, blo√ü dass er medikament√∂s vorgeht und keine psychologischen Interventionen anbietet. Arbeitet als direkter Teampartner des klinischen Psychologen. Fehlt einer von beiden, wird es f√ľr den anderen schwierig. Ist auch sehr eng mit der Pflege; sind optisch oft nicht von der Pflege zu unterscheiden, da sie dasselbe tragen.¬†

Psychologische Psychotherapeuten (Approbierte)

Haben √§hnliche Kompetenzen und Zust√§ndigkeitsbereiche wie der Oberarzt. Ihre Arbeit ist im Gegensatz zum Psychologen mehr therapieintensiv, also auf Patientengespr√§che und Gruppen ausgerichtet, weniger das Drumherum wie psychopathologische Befunde und √ľberhaupt die ganze Diagnostik. Leiten bei uns Supervisionen, also die "Therapie" f√ľr die Psychotherapeuten in Ausbildung.¬†
Direkter Vorgesetzter und direkter Teampartner ist der Chefarzt; kommen aber besser mit dem Oberarzt klar.  

 

Psychologen
Was genau ein klinischer Psychologe macht, habe ich hier etwas intensiver beschrieben:


Sozialarbeiter
Meistens der Held/die Heldin der Station. Hat unglaublich guten Draht zu Patienten, Pflege UND √§rztlich-therapeutischen Personal. F√ľr die Patienten der greifbarste Mitarbeiter, da diese nat√ľrlich viele Angelegenheiten regeln, mit denen der Patient nicht mehr klarkommt: Pflegegrad, Heimanbindung, Geld, Langzeittherapiema√ünahmen. Besichtigt auch noch Unterbringungen mit Patienten und organisiert Veranstaltungen. L√∂scht nebenher noch kleine Br√§nde, z.B. Teamkonflikte, setzt sich wie ein Anwalt f√ľr Mitarbeiterbelange beim Chefarzt an. Braucht regelm√§√üig psychologische Gutachten.¬†Hat besonders guten Draht zum Pflegepersonal und ist skeptisch gegen√ľber Psychologen.
Es lohnt sich, sich mit dem Sozialarbeiter gut zu stellen und gleich mit ihm ein Team zu bilden!  

Pflege
Tragen die gesamte Station auf ihren Schultern. Leisten √úbermenschliches vom Arbeitspensum. Haben oftmals unglaublich breites¬†medizinisches Wissen, haben Pr√§sentationstalent (√úbergabesituationen) und sind die gr√∂√üten Arbeits-Organisationstalente, die ich kenne. Haben einen sehr kumpelhaften Draht zu den Patienten und in Krisensituationen immer eine L√∂sung. Erscheinen gegen Ekel absolut immun und sind vor allem bemerkenswert mutig. Sind im Grunde dauer√ľberlastet, machen trotzdem √úberstunden bis zum Mond. Eine ganz faszinierende Gruppe, von der man selbst viel lernen kann.¬†
Sind skeptisch gegen√ľber √Ąrzten und Psychologen (gut stellen sehr wichtig!). Werden vom Chefarzt leider nicht ernst genug genommen und daher oft nicht gut auf diesen zu sprechen.¬†

Pflegeleiter
Ist sozusagen der Chefpfleger der Station, aber nicht deren Vorgesetzer, sondern ein Primus Inter Pares. Hat ein unglaubliches Organisationstalent und bildet eine kommunikative Br√ľcke zwischen allen Stationsangeh√∂rigen. Kann auch gut mit allen Arztversionen und Psychologen. K√ľmmert sich und ist ein absoluter Macher. Setzt Belange aller Mitarbeiter beim Betriebsrat durch.¬†¬†

   

Putzpersonal 
Meine Hochachtung vor allen, die im Krankenhaus putzen. Gerade bei Patienten, die keine Kontrolle mehr √ľber ihre K√∂rperausscheidungen haben, sind sie sehr h√§ufig im Einsatz. Mit dem Putzpersonal am besten gleich gut stellen. Ich mache manchmal Pause mit ihnen. Haben sehr guten Draht zu den Patienten.¬†

Richter & Polizei
Sind keine wirklichen Mitarbeiter unserer Station, aber mehrmals t√§glich bei uns, so dass man h√§ufig per Du ist. Sie haben gar kein Wissen √ľber psychische Erkrankungen, entsprechend distanziert ist nat√ľrlich der Patientenkontakt.¬†¬†


Dies¬† also mal als "kleiner" √úberblick aller wichtigen Organe, die eine Station zusammenhalten. Bestehende Hierarchien sollte man meiner Meinung nach ignorieren und jeden auf Augenh√∂he betrachten und entsprechend ernst nehmen. Das gilt auch f√ľr das Putzpersonal. So erreicht¬† man nicht nur die beste Stimmung, sondern auch die effektivsten Ergebnisse. Und das kann der Station schonmal den Hintern retten, wenn sie von der Schlie√üung bedroht ist.¬†

LG 

Feature Foto: Tima_Miroshnichenko/pexels.com 

Bearbeitet von Vica

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3 Kommentare


Empfohlene Kommentare

lukasvagyok

Geschrieben

Ich fand deinen Schreibstil schon immer genial, aber man merkt wirklich, dass du dich auch in den Schreiblehrgang reinkniest! :)

 Lese deinen Blog sehr gern!

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Silberpfeil

Geschrieben

vor 2 Stunden hat lukasvagyok geschrieben:

Ich fand deinen Schreibstil schon immer genial, aber man merkt wirklich, dass du dich auch in den Schreiblehrgang reinkniest! :)

 Lese deinen Blog sehr gern!

Dem schließe ich mich absolut an! Wenn Du mal ein Buch schreiben solltest, bin ich auf jeden Fall Kunde.

Auf jeden Fall ein sehr spannender Einblick in die (f√ľr mich nicht ganz so) fremde Welt der Psychiatrie. Auch wenn das nicht mein Fachbereich war, gibt es sehr viele √úberschneidungen. Und wie Du schon schreibst, schade, dass¬† man im Studium nicht auf diese Welt vorbereitet wird.

 

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Ich liebe Deine Berichte. Toll, wie Du das Gelernte aus dem Studium in die Praxis umsetzt und uns dabei mitnimmst. 
Ich √ľberlege schon lange, ob ich nach dem Master genau so fit sein werde wie Du. Einer meiner Schwerpunkte ist zwar Klinische, aber das scheint mir nur marginale Kenntnisse zu vermitteln, obwohl ich mich tats√§chlich reinh√§nge. Aber ich habe ja noch ein Jahr.

Oder hast Du da Geheimtipps?

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