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Fehlerkorrektur an der iu - ein Lustspiel in 3. Akten


DerLenny

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Eine Bekannte belegt gerade einen Kurs bei der iu, den ich schon länger abgeschlossen habe. In diesem Kurs waren ein paar kleinere Fehler drin, die ich damals auch gemeldet habe. Es gibt glaube ich einen guten Einblick in den normalen Umgang mit Fehlern an der iu.

 

Erster Akt

Da sich die  Definition der Lasswell Formel im Skript Kommunikationspsychologie von der im SKript Medien- und Kommunikationswissenschaften unterschieden hat, hab ich mir mal die Quelle angesehen. Bei Kommunikationspsychologie ist dies ein Buch aus 2001 [1]. In dieser Ausgabe wird die Quelle falsch zitiert - bzw. aus einer andere Quelle[2] zitiert , aber Lasswell attributiert. Mehr dazu in Akt 2.

Also der Tutorin Bescheid gegeben.

 

Ihre Aussage war, dass sie nicht sagen kann, ob hier die Originalquelle, oder die Sekundärquelle korrekt ist.

 

Also erstmal mental abgehakt. Das war Anfang Juni 2020.

 

Zweiter Akt

In der Klausur hatte ich eine Frage, in der die "Lasswell Formel" aus dem Skript wortwörtlich zur Beantwortung gebraucht wird.

Also eine Mail an das Prüfungsamt geschrieben. Hierzu Screenshots der Lektüre von Frindte[1], Lasswell[3] und Braddock[2] beigelegt.

 

 

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Laut Prüfungsamt wurde dies am 12.06.2020 dem Korrektur Management mitgeteilt.
 

Mail von der Kursverantwortlichen. Laut ihr ist Lasswells Ansicht zur "Lasswell" Formel nur eine von vielen. Auf verweis dass eine Ansicht die Primärquelle ist, gab es ein lapidares "Ja es sollten Primärquellen verwendet werden."

Auf die Frage wie man hier vorgehen sollte war die Antwort: "In eigenen Arbeiten sollte man es richtig machen." Guter Punkt. Absolut richtig. Also nochmal gefragt, ob dies im Skript angepasst werden würde. Keine Antwort. 

 

Dritter Akt

Beim Verlag nachgefragt. Fehler bestätigt bekommen. In der aktuellen Ausgabe[4] wird nun auch korrekt Braddock zitiert. Dies der Kursleitung mitgeteilt. Antwort war, dass man sich dann mal in der Tat überlegen sollte, das Skript zu korrigieren. Dies war am 18.06.2020.

Stand heute (17.09.2021): Keine Änderung. Die falsche Version wird immer noch falsch unterrichtet und in der Klausur abgefragt. Es haben wohl auch schon andere Studierende darauf hin gewiesen was dann mit "ja, das wurde schon mal gemeldet" beantwortet wurde.

 

 

Epilog

Fehler können passieren. Aber der Umgang mit Fehlern ist bei Mulitplikatoren wichtig. Ich hatte damals noch angenommen, die iu hätte Interesse daran, ihre Studierenden korrekt zu unterrichten. Nach dieser Geschichte habe diesen Glauben verloren und auch angefangen Skripte etwas kritischer zu betrachten. Was übrigens eine gute Idee ist. 

 

Aktuell gehe ich mit anderen Kommilitonen Kurse durch, die ich vor dieser Episode bearbeitet hatte, und bei denen mir damals nichts aufgefallen ist. Jetzt sieht das anders aus. Vieles macht einfach aus Sicht eines Studierenden eines späteren Semesters keinen Sinn.  Ich nutze das immer, um den Kommilitonen zu zeigen, wie wichtig es ist, die Quellen zu lesen und sich eben nicht auf dasSkript zu verlassen. Wäre schön, wenn die Skripte korrekt wären. Ist aber leider nicht so.

 

 

 

Quellen

[1] Frindte, W. (2002): Einführung in die Kommunikationspsychologie, Beltz, Weinheim.D 

[2] Braddock, R. (1958): An Extension of the “Lasswell Formula”, in: Journal of Communication, Jg. 8, Nr. 2, S. 88–93.

[3] Lasswell, H. D. (1948). The structure and function of communication in society. The communication of ideas, 37(1), 136-139.

[4] Frindte, W./Geschke, D. (2019): Lehrbuch Kommunikationspsychologie, Beltz Juventa, Weinheim.

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4 Kommentare


Empfohlene Kommentare

Mein Eindruck ist, dass der Umgang mit Fehlern in den Skripten bzw. allgemein die Aktualität dieser auch von der wissenschaftlichen Leitung des Kurses abhängt.
 

Positivbeispiele sind hier die Kurse ‚Einführung in das Gesundheitsmanagement‘ und ‚Rahmenbedingungen des Gesundheitsmarktes‘. In diesen Kursen wurden damals (habe sie 2019 und 2020 bearbeitet)Aktualisierungen/Änderungen an den Skripten mittels einer ‚Änderungsverfolgung‘ nachvollziehbar bekanntgegeben. 

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vor 4 Minuten schrieb Lukas:

Änderungen an den Skripten mittels einer ‚Änderungsverfolgung‘ nachvollziehbar bekanntgegeben. 

 

Das ist eine sehr gute Lösung. Ich hoffe, das wird in allen Kursen eingeführt.

 

In anderen Kursen scheint gesammelt zu werden (ohne die bekannten Fehler zum Beispiel als Errata Download verfügbar zu machen) um dann bin einer geplanten Überarbeitung alle zu korrigieren. Ich glaube der Turnus für Überarbeitungen liegt bei drei Jahren, bin da aber nicht sicher.

 

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TheHumanHunter

Geschrieben (bearbeitet)

Ist die Formel in Frindte 2001 wirklich "falsch" angegeben oder ist sie nur ergänzt worden? Sieht für mich stark nach letzterem aus. Wenn Ja unter welchen Gesichtspunkten, hat das der Verlag angegeben? Das ist ja bei z. B. Shannon/Weaver heutzutage auch der Fall dass diese "alten" Formeln so ein bisschen an die heutige Zeit angepasst werden bzw. herausgefunden wurde das manches halt oft nicht so "einfach" darzustellen ist wie ursprünglich gedacht.

Wenn eine Formel ergänzt wurde sollte das aber natürlich auch entsprechend so angegeben werden.

Bearbeitet von TheHumanHunter
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vor 19 Minuten schrieb TheHumanHunter:

Ist die Formel in Frindte 2001 wirklich "falsch" angegeben oder ist sie nur ergänzt worden?

 

Das "oder" macht mir Sorge.

 

Das ist auch bei Shannon/Weaver nicht anders. Wenn du ihre Grafik oder ihren Text zitierst, dann nur mit dem was in dem Text drin steht oder das Diagramm abbildet. Oder man zitiert andere Werke, die das Original erweitert haben.

 

Das Diagramm, das oft gezeigt wird (mit den Störquellen bei allen Schritten) findet sich übrigens nicht in Shannon, C. E./Weaver, W. (1963): The Mathematical Theory of Communication, University of Illinois Press.

Hier findet sich dieses Diagramm von Claude E. Shannon:

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Und dieser Text von Warren Weaver:

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Daher werden diese Diagramm auch meist als "Eigene Darstellung nach Shannon/Weaver" beschriftet, oder eben eine andere Quelle angegeben.

 

Wenn auch der Rückkanal abgebildet wird, sollte ebenfalls noch Norbert Wiener erwähnt werden.

 

Es ist eigentlich recht simpel: Primärquellen nutzen, wenn man etwas über die Primärquellen schreibt. Sollte man eigentlich nicht sagen müssen.

 

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