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Tools zum Schreiben wissenschaftlicher Arbeiten


DerLenny

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Nachdem ich in den letzten Posts etwas zur Literaturrecherche geschrieben habe (Teil I, Teil II, Teil III), möchte ich jetzt etwas auf das eigentliche Schreiben eingehen.

 

Word

 

Microsoft Word ist wohl eines der am häufigsten genutzten Programme. Der primäre Nachteil sind diverse Probleme, sobald das Programm eine gewisse Komplexität überschreitet.

Ich will hier gar nicht so sehr auf Word eingehen, sondern auf nützliche Plugins.

 

Zotero und andere Literaturverwaltungs Plugins

Ich nutzte Zotero als Literaturverwaltung, wobei die meisten Literaturverwaltungsprogramme ähnliche Plugins anbieten.

Vorteil: Einbinden von Zitat-Referenzen und automatische Erstellung von Literaturverzeichnissen.

Dies spart eine Menge Zeit, und wenn man direkt sicherstellt, dass die Einträge in der Literaturverwaltung passt, dann hat man hier eine Sorge weniger. Ein genauer Blick auf alle Zitatreferenzen und das resultierende Literaturverzeichnis ist jedoch immer hilfreich, da es doch hin und wieder mal Probleme bei der automatischen Übernahme gibt.

 

Duden Mentor

Duden Mentor ist ein kostenpflichiger Service des Dudenverlags, der eine automatische Prüfung auf grammatikalische und stilistische Probleme in Word anbietet. Der eigentliche Service ist mit Kosten behaftet, kürzere Abschnitte kann man auch kostenlos auf der Webseite von mentor.duden.de prüfen lassen.

 

LanguageTool

LanguageTool hat ähnliche Funktionen (und Preise) wie Duden Mentor, und kann auch als Browser-Plugin eingesetzt werden. Letzteres erlaubt es, das Tool auch in Online Editoren (wie zum Beispiel Overleaf) einzusetzen. Was allerdings etwas stärkere Nevren braucht, da hier nicht zwischen text und Auszeichnung unterschieden wird, und die LaTeX Anweisungen ebenfalls korrigiert werden.

 

Grammerly

Wenn man die Arbeit in Englisch verfasst ist Grammerly ein ähnlicher Service wie Duden Mentor. Grammerly prüft Rechtschreibung und Grammatik sowie diverse stilistische Aspekte.

Plugins für Grammerly sind für viele Programme verfügbar, inklusive Word.

 

Allerdings ist Grammerly nicht unbedingt für akademische Tete ausgelegt. Die Meinungen gehen hier recht weit auseinander. Wenn man neben akademischen Texten auch sonst viel in Englisch schreibt, ist es sicherlich eine gute Wahl, wenn man nur ein Tool sucht, das akademische Texte prüfen kann, sind evtl. andere Tools besser geeignet, insbesondere wenn man in den "härteren" Wissenschaften unterwegs ist.

 

Writefull

Writefull ist ein ähnliches Tool für Grammerly, bietet allerdings weitere Funktionen an, die für akademisches Schreiben nützlich sind. Beispiele hierfür sind ein Titel Generator, Tools zum Paraphrasieren und Hinweise wie bestimmte Formulierungen zu nutzen sind.

Ich persönlich nutze hier eher Literatur wie "The Only Academic Phrasebook You'll Ever Need: 600 Examples of Academic Language" und "How To Write A Scientific Paper: An Academic Self-Help Guide for PhD Students" (Kindle Ebooks).  

 

LaTeX

LaTeX ist ein Textsatzprogramm und für Arbeiten im Mathematik / Physik/ Informatikbereich der Standard, da dieses Tool wirklich für sehr gut gelayoutete Texte sorgt und insbesondere bei der Darstellung von Formeln glänzt. Da die Texteingabe in Plaintext erfolgt, gibt es auch keine seltsamenen Nebeneffekte (solange man keinen Fehler macht). 

Aktuell nutze ich hier VS Code mit LaTeX Plugins, ich überlege mir allerdings auf Overleaf umzusteigen, da dies einige Komfortfunktionen bietet.

Wer mit LaTeX liebäugelt, aber keine Vorerfahrung hat, dem würde ich "Wissenschaftliche Arbeiten schreiben mit LaTeX: Leitfaden für Einsteiger" und ein ruhiges Wochenende empfehlen. Danach hat man ein gutes Gefühl für den Prozess entwickelt.

Der große Vorteil von LeTeX ist wirklich gut aussehender Text, und dass man komplette Kontrolle über die Ausgabe hat. Das bei Word sehr häufige Verzweifeln über sehr seltsame Nebeneffekte entfällt hier. Man braucht allerdings etwas Zeit sich einzugewöhnen, insbesondere wenn man nicht aus einem technischen Bereich kommt. Diese Zeit ist meiner Meinung nach jedoch gut investiert.

 

Overleaf

Overleaf ist ein online LaTeX Editor. Vorteile sind, dass man sich nicht mit Kommandozeilen rumschlagen muss, sondern einfach einen Knopf drücken kann und das Ergebnis sieht. Auch gibt der Editor direkt beim Tippen Feedback, und (in den bezahlten Stufen) kann man auch gemeinsam einen Artikel bearbeiten. Ein weiterer großer Vorteil von Overleaf ist, dass man seine in Zotero gespeicherte Literatur direkt nutzen kann, und diese nicht manuell in ein eigenes Verzeichnis überführen muss.

Da Overleaf eine im Browser laufende Applikation ist, funktionieren kann man hier auch auf die Plugin Version von Tools wie Grammerly  zugreifen. Für Writefull gibt es ein dediziertes Overleaf Plugin.

 

Scrivener

Ich bin für (nicht akademische) Texte ein großer Freund von Scrivener, da ich das Programm echt ideal finde, wenn man versucht en größeres Projekt zu stemmen. Leider gibt es keine native Unterstützung einer Literaturverwaltung. Es gibt zwar einige Workarounds, allerdings ist mir der zusätzliche Aufwand für die kurzen Arbeiten an der iy (max 10 Seiten) etwas zu viel. Bei längeren Projekten kann es sich aber durchaus lohnen, insbesondere wenn man es von der Konzeptionsphase nutzt.

Hätte Scrivener eine Möglichkeit eine Literaturverwaltung einzubinden, dann wäre dies das das Tool, dass ich zum Schreiben vorschlagen würde, da es wirklich auf den eigentlichen Prozess abgestimmt ist. Für akademische Artikel sind die Reifen durch die man springen muss, damit die Referenzen passen, allerdings für mich ein zu großer Aufwand.

Es gibt allerdings einige, die einen Workflow gefunden haben, um dies in Scrivener zu ermöglichen - mir persönlich ist es allerdings viel Aufwand für den geringen Mehrwert. Bei einer Arbeit > 100 Seiten kann ich mir aber gut vorstellen, dass der Mehrwert durch die wirklich extrem guten Strukturierungs- und Planungsoptionen das wieder wett machen.

Tools wie Mentor, Grammerly und Writefull können nicht direkt in Scrivener genutzt werden. Es gibt allerdings einen Workaround, der zum Beispiel von der Princeton University erläutert wird.

 

Fazit

Welches Tool man nutzt ist eine sehr persönliche Entscheidung. Wer bisher nur Word kennt, sollte sich jedoch LaTeX auf jeden Fall einmal für ein Wochenende ansehen, um ein Gefühl dafür zu bekommen. Selbst wenn am Ende die Entscheidung gegen dieses Tool ausfällt, ist es dann wenigstens eine Entscheidung, anstatt Word weiterhin aus Gewohnheit zu nutzen. Gerade bei längeren und/oder komplexeren Arbeiten sind seltsame Nebeneffekte nicht selten. Und die kosten eine Menge Zeit und Nerven.

Persönlich tendiere ich bei Arbeiten mit wenigen Formeln und Diagrammen zu Word. Bei längeren Arbeiten, oder Arbeiten mit vielen Formeln und/oder Diagrammen fühle ich mich mit LaTeX deutlich wohler.

Ich glaube nicht, dass es aktuell "one Tool to rule them all" gibt. Die Entscheidung sollte anhand der Situation gefällt werden. Um eine solche Entscheidung zu treffen, sollte man jedoch definitiv ein paar Optionen getestet haben.

Bearbeitet von DerLenny
Language Tool eingefügt / Link zum Referenz Workaround für Scrivener eingefügt

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7 Kommentare


Empfohlene Kommentare

Für Scrivener gibt es Integrationsworkflows mit Zotero, dass bei mir ganz gut geklappt hat. Da werden individuell Codes in Scrivener je Zitat hinterlegt und später in einem Prozess durch die richtigen Quellenangaben ersetzt. An die Bequemlichkeit eines richtigen plugins kommt es jedoch nicht heran. Dafür, wie du sagst, ist Scrivener stark für die Konzeption. Mit genannten Workaround auch für Hausarbeiten einsatzfähig. 

Bearbeitet von Muddlehead
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vor 36 Minuten schrieb Muddlehead:

Für Scrivener gibt es Integrationsworkflows mit Zotero

 

Jo. Das ist aber keine Integration. Du nutzt verschiedene Plugins und nen Workaround um an Ende hoffentlich da gewünschte Ergebnis zu haben.

 

Scrivener glänzt bei längeren Texten. Und genau das möchte ich nicht am Ende aus Paranoia jede Referenz checken müssen.

 

Und es sind ja nicht nur die Referenzen, der Export in ein passendes Format selbst ist schon nicht ganz zu ideal.

 

Die Bitte eine Literaturverwaltung zu integrieren wird schon ewig immer wieder im Forum gestellt. Ich tippe, dass sie sich auf ihre Kernzielgruppe konzentrieren wollen, und sich nicht offiziell den Schuh anziehen wollen. 

Mit dem Workaround und dem RTF Import kann man es ja hinbekommen.

 

Da würde ich mir lieber ein kleines Tool schreiben, dass sich eine Verzeichnisstruktur schnappt, und daraus ein LaTeX File baut, dass diese in der richtigen Reihenfolge importiert.

Dann hätte man viele der Vorteile von scrivener in plain LaTeX und wenn dann was schief läuft, dann wäre es a) offensichtlich und b) zur not in Plaintext fixbar.

Und ehrlich gesagt erwarte ich auch Scrivener ähnliche Funktionen in anderen Tools.

 

Ich hatte mir auch ein Tool abgesehen, dass direkt zum Schreiben wissenschaftlicher Texte gedacht ist, aber eben nicht mit den Features der anderen mithalten kann.

 

Bei den Tools ist es immer ein Abwägen. Und ohne Nadine Unterstützung für Referenzen ist mir bei Scrivener die Unsicherheit so hoch, dass ich es nicht empfehlen möchte. 

 

 

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vor 23 Minuten schrieb DerLenny:

 

Jo. Das ist aber keine Integration. Du nutzt verschiedene Plugins und nen Workaround um an Ende hoffentlich da gewünschte Ergebnis zu haben.

 

Da ich den Workflow vor (!) Schreibbeginn konfiguriere und 1-2 Teste, ist es kein Prinzip Hoffnung. Für mich war das kein hiesiges Problem 80Quellen+ zu managen. Wer mit LaTex umgehen kann, ist sicherlich besser bedient, keine Frage. Und ich werde aus Spass an der Freude beim nächsten Mal dein Beitrag rauszerren und die anderen Tools anschauen.

 

Thema Paranoia habe ich sowieso immer bei dem Thema, egal welches Tool :-D .

Bearbeitet von Muddlehead
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vor 1 Stunde schrieb Muddlehead:

Für Scrivener gibt es Integrationsworkflows mit Zotero

Ich habe den Link zu einer der Workaround Anleitungen in den Beitrag eingefügt. 

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Ich habe Citavi Plug-in für Word verwendet. Das funktioniert so ähnlich wie Zotero.

Das Plugin wurde damals von der Hochschule vorgeschrieben, weil das Institut einen custom Zitierungsstyle vorgeschrieben hat. Das hat auch ganz gutr geklappt mit dem automatischen Literaturverzeichnis mit den speziellen Format.

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  • Community Manager

Als Alternative zu Duden Mentor habe ich mir https://languagetool.org/de angeschaut und das sagt mir sogar noch etwas mehr zu und werde ich vermutlich mal ausprobieren, unter anderem für meine Texte hier, bei denen ich sehr oft etwas übersehe, wenn ich schnell und viel schreibe. Ich werde dann gerne auch mal über meine Erfahrungen berichten.

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Ui, das Tool ist nice :)

Das schaue ich mich auch mal an! Vielen Dank!

 

ich habe es direkt mal in die Liste mit aufgenommen.

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