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Das Skript steht über dem Gesetz


DerLenny

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Steht im Gesetz X ist strafbar, aber im Skript ist angegeben, dass X ist nicht strafbar ist, so wird die Aussage im Skript als korrekt betrachtet. Aussage des Prüfungsamts. Man tut also gut daran, keinen Blick in die Gesetzestexte zu werfen, wenn man eine gute Note will.

 

Oder anders gesagt: Skript > Gesetz.

 

"Ja," mag man erwidern wollen, "aber sowas kommt doch nicht vor, oder?"

IU Skript: "Hold my Beer."

 

Laut Skript, ist Computersabotage nur bei einem  "fremden System" strafbar. Durch Fragen in der Prüfungszulassung wird dieser Punkt auch noch mal ausdrücklich betont. § 303b StGB (Computersabotage) sieht das hingegen anders. Aber, an der iu ist Skript > Gesetz.

 

"Aber, das wird doch bestimmt angepasst?"

Kurze Antwort: Nö.

Lange Antwort: Evtl. wird das irgendwann mal angepasst, oder das Skript wird ersetzt - aber es hat definitiv keine Priorität. Da das Skript auch an vielen anderen Stellen zumindest sehr unpräzise und inkonsistent ist, wäre Ersetzen wohl die richtige Wahl.

Andererseits scheint dieser Kurs generell eine sehr geringe Priorität zu haben. Keine tutorielle Betreuung, kein Ansprechpartner, das QM schweigt sich aus. Drei Monate und nicht ein Piep zu den inhaltlichen Fehlern.  Den Kurs gibt es schon länger.

 

Die iu vermittelt hier seit Jahren falsche Sachverhalte. Mit potentiellen strafrechtlichen Konsequenzen. Und es ist ihr schlicht und ergreifend nicht wichtig.

Dass solche Fehler natürlich auch dafür sorgen, dass das komplette Vertrauen in diesen Kurs zerstört wird, wird in Kauf genommen. Oder man hofft, dass es niemandem auffällt. Ich schiele jetzt natürlich nach dem Kurs so ein bisschen auf die  anderen Rechtskurse und den Studiengang Wirtschaftsrecht.

 

Wenn in Jura Kursen das Gesetz an zweiter Stelle steht, dann ist das irgendwie nicht so gut.

 

 

Bearbeitet von DerLenny

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8 Kommentare


Empfohlene Kommentare

TheHumanHunter

Geschrieben (bearbeitet)

In 303b Absatz zwei steht:

 

(2) Handelt es sich um eine Datenverarbeitung, die für einen fremden Betrieb, ein fremdes Unternehmen oder eine Behörde von wesentlicher Bedeutung ist, ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe.

 

Qualifiziert dies erst nicht 303b Abs 1?

Generell, wenn Computersabotage 303 Sachbeschädigung untergeordnet sein sollte, sind nicht immer nur "fremde" Dinge angesprochen?

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DerLenny

Geschrieben (bearbeitet)

vor 36 Minuten schrieb TheHumanHunter:

Generell, wenn Computersabotage 303 Sachbeschädigung untergeordnet sein sollte, sind nicht immer nur "fremde" Dinge angesprochen?

Nein.

Das wäre auch schlecht. Beispiel: Du bist Angestellter in einer Firma und sabotierst deren System. Sei es aus Unzufriedenheit, Rache oder welchen Motiven auch immer.

 

Laut Skript wäre das straffrei: 

Zitat

Die Verwirklichung des Tatbestandes richtet sich dabei auf einen für den Handelnden fremden Betrieb, ein fremdes Unternehmen oder eine fremde Behörde. (Einwirkungen auf eigene IT-Systeme schließt die Verwirklichung des objektiven Tatbestandes aus.)

 

(2) erhöht das Strafmaß, wenn es sich um "einen fremden Betrieb, ein fremdes Unternehmen oder eine Behörde von wesentlicher Bedeutung" geht. Der lustige Punkt hier ist, dass es "weniger strafbar" ist, wenn die Behörde keine wesentliche Bedeutung hat, da es dann maximal drei anstatt maximal fünf Jahre gibt.

 

Also, laut Gesetz: eigener Betrieb bis zu drei Jahre. Fremder Betrieb bis zu 5 Jahren (oder Geldstrafe).

 

Die Formulierung im Skript würde es Dir auch erlauben, dein System straffrei zu sabotieren, auch wenn dort Inhalte anderer Firmen gespeichert sind. Du wärst dann laut Skript maximal im Rahmen des Vertragsrechts belangbar. 

 

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@DerLennyWas wäre aber denn, wenn ein IT-Spezialist eine Sicherheitslücke in seiner Firma aufdecken möchte und dazu sein eigenes System hackt? 

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DerLenny

Geschrieben (bearbeitet)

vor 3 Minuten schrieb Vamala:

@DerLennyWas wäre aber denn, wenn ein IT-Spezialist eine Sicherheitslücke in seiner Firma aufdecken möchte und dazu sein eigenes System hackt? 

Das wäre keine Sabotage.

Hier würde 202a greifen. Man beachte hier die Einschränkung auf unbefugten Zugriff. Daher wäre es auch nach 202a nicht strafbar, wenn er es im Auftrag seiner Firma oder Rahmen seiner normalen Tätigkeit macht.

 

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TheHumanHunter

Geschrieben

vor 27 Minuten schrieb DerLenny:

Beispiel: Du bist Angestellter in einer Firma und sabotierst deren System. Sei es aus Unzufriedenheit, Rache oder welchen Motiven auch immer.

Hier wäre die Frage ob 303b überhaupt für diesen Fall greift. Der Angestellte könnte den PC ja auch einfach zerstören, statt Daten zu löschen etc. Ich denke das unterliegt dann nicht unbedingt gleich dem Strafrecht. Das Gesetz ist aktuell wohl eher gegen organisierte Cyberkriminalität ausgelegt und noch unscharf definiert.

 

vor 32 Minuten schrieb DerLenny:

Die Formulierung im Skript würde es Dir auch erlauben, dein System straffrei zu sabotieren, auch wenn dort Inhalte anderer Firmen gespeichert sind.

So gesehen ja, wenn nur 303b berücksichtigt wird. Ich denke hier fehlt einfach noch der eindeutige Hinweis dass das Arbeitsrecht (Haftung von Arbeitnehmer bei Schadensverursachung etc.) noch eine Rolle spielen kann.

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DerLenny

Geschrieben

vor 1 Minute schrieb TheHumanHunter:

Der Angestellte könnte den PC ja auch einfach zerstören, statt Daten zu löschen etc.

Der Fall wird in 303b, Absatz 1 Unterpunkt 3 behandelt.

vor 2 Minuten schrieb TheHumanHunter:

Das Gesetz ist aktuell wohl eher gegen organisierte Cyberkriminalität ausgelegt und noch unscharf definiert.

Eigentlich nicht.

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Am 1.2.2022 um 10:41 schrieb DerLenny:

Also, laut Gesetz: eigener Betrieb bis zu drei Jahre. Fremder Betrieb bis zu 5 Jahren (oder Geldstrafe).

 

 

Ich bin kein Jurist, aber: Bist Du sicher, dass der Begriff "fremd" hier wirklich gemeint ist im Sinne von "in einem Betrieb, in dem der Täter nicht angestellt ist"? Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass das Strafrecht hier einen Unterschied macht. 
Ich würde vermuten, dass in §303b StGB der Absatz 1 (Systeme eines "anderen") halt eine natürliche Person und deren Datenverarbeitung gemeint ist. Und in Absatz 2 dann eben explizit eine juristische Person (Behörde, Betrieb, Unternehmen). 

Wenn ein Angestellter A, der im Unternehmen U angestellt ist, absichtlich die Daten von U löscht, dann wären das "fremde" Daten und Systeme, denn die gehören ja der juristischen Person U und nicht der natürlichen Person A.

Straffrei wäre demnach nur, die eigenen Daten zu löschen (das wäre ja sonst auch seltsam). Alles, was nicht mein eigen ist, wäre als "fremd" zu betrachten, auch die Daten meines Arbeitgebers.

Ist aber nur eine Vermutung.

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DerLenny

Geschrieben (bearbeitet)

Fremd ist hier im Sinne von 303 wenn sie im Eigentum einer anderen Person steht. Das ist bei Daten wieder so ein Ding, weswegen der 303b ja auch notwendig wird.

 

"Aus der alten Fassung des § 303b StGB wurde Abs. 2 übernommen, der eine erhöhte Strafdrohung bestimmt, wenn es sich um eine Datenverarbeitung handelt, die für einen fremden Betrieb, ein fremdes Unternehmen oder eine Behörde von wesentlicher Bedeutung ist."

 

Durch Bildung der Umkehrung ergibt sich dadurch die Menge der von Abs.1 betroffenen Systeme.

 

(Dabei ist natürlich zu beachten, die Störung sich auf für andere erhebliche Daten bezieht. Sind die Daten unerheblich greift er nicht. Dies ist aber unabhängig davon, ob das System das eigene ist, oder nicht)

Bearbeitet von DerLenny
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