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Von Eisbergen, Pyramiden, Tunneln und Windmühlen


DerLenny

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Es gibt so ein paar Formulierungen, bei denen ich physische Reaktionen zeige, wenn ich sie in Lehrbüchern finde.

 

Da steht ganz weit oben das "Eisbergmodell."

Manchmal wird es als Synoym für Freuds Topologisches Modell genommen, da könnte ich noch ein Auge zukneifen, weil "historisch gewachsen" und so. Aber dann taucht das halt auch noch im Bereich Kommunikation ständig auf. Hin und wieder mehr oder weniger wahllos bei anderen Dingen. Manchmal wird dann auch noch das Pareto Prinzip irgendwie mit reingeworfen.

 

Und ich leide. Insbes. wenn es um "wissenschaftliche" Texte geht. Und ganz speziell bei Lehrbriefen und - büchern.

 

Ein Modell ist eine (vereinfachte) Abbildung (eines Ausschnitts) der Realität.

Bei Freud war es eine Idee, die auf keinerlei empirischen Daten beruhte oder in irgendeiner Form bisher empirisch gestützt werden kann. Aber ja, ok, lang ists her, und das Ding hat den Namen halt.

Bei der Kommunikation hat aber irgendjemand sein Fachgebiet nicht kapiert, Müll rausgelabert und es ist populär geworden.

Wenn jemand der sich mit "Kommunikation" beschäftigt nicht den Unterschied zwischen einer Metapher und einem Modell kennt, dann ist das nicht ganz so prickelnd. Freud hat es als Metapher genutzt, aber in der Kommunikation wird dann echt versucht das irgendwie "modelliger" zu machen.

 

"Nur 10-20% der Kommunikation befinden sich auf der Sachebene" 

Ich meine, solange wir am unteren Ende (also den 10%) bleiben, dann ist wenigstens die Eisberg Analogie noch halbwegs passend. Wenn wir das Ding aber mal wirklich als Modell sehen, und der Bereich schwankt - wovon hängt die Schwankung ab? Wenn man beim Modell aus der Physik bleibt, dann wäre es ja das Verhältnis aus (Dichte der Flüssigkeit - Dichte des Objekts) / Dichte der Flüssigkeit). 

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Wie würde man die Terme in der Kommunikation bilden?

Oh, und auf keinen Fall nachfragen. 

Ich hab das mal für euch getestet (n=4) und die Ergebnisse waren immer recht nah beieinander.

Irgendwann kommt das Kommunikationsquadrat vom Friedemann, weil der olle Plagiat irgendwie populär geworden ist. So mit den 4 Seiten und eine davon ist halt die Sachebene. In so einem Fall NIE fragen, ob es dann nicht 25% beim Eisbergmodell sein sollten. Oder ob evtl. die untere Grenze dann auch nicht so genau definiert ist.

Nach ein paar Sätzen wird der Austausch meist etwas eisiger und es wird dann schon irgendwie zugegeben, dass das Modell evtl. nicht so ganz ein Modell, und der Bereich schon so über die ganze Breite schwanken kann. Es ist halt eher ein Sinnbild ist... dann nennt es halt Metapher.

Worte sind wichtig. Die haben eine Bedeutung. Warum muss man das Leuten sagen, die sich akademisch mit Kommunikation beschäftigen?

Und warum blubbert jeder Typ das Zeug nach, ohne mal ein kleines bisschen drüber nachzudenken?

 

Kommen wir von den Eisbergen zu den Pyramiden.

Warum findet sich in psychologischen Lehrbriefen a) der Begriff "Bedürfnispyramide" und b) dieses vermaledeite Bild eines Marketingheinis, das mit den eigentlichen Aussagen von Maslow wirklich nichts zu tun hat?

Und warum wird gerne wild durch aus allen seinen Werken zu diesem Thema zitiert, allerdings ohne wirklich die komplette Entwicklung und das Endergebnis zu präsentieren?

Wird sonst normalerweise "die aktuelle" Forschung benutzt, so scheint es hier Pflicht zu sein,  ein möglichst frühe Werk zu nehmen, es falsch zu betiteln und idiotisch zu visualisieren.

In LEHRbriefen.

Aber naja, es ja so bekannt und so. Und wie wir alle wissen, nimmt der Wahrheitsgehalt einer Aussage ja zu, je weiter diese verbreitet ist und so. Grundprinzip wissenschaftlicher Forschung.

 

Das gleiche Ding passiert mit Csikszentmihalyi Flow Modell. Ständig findet sich hier die Tunnel-Visualisierung. Die ist auch schön eingängig. Gut, sie ist widerlegt und im Laufe der Zeit verbessert worden, aber, mal ehrlich, sieht der Tunnel nicht total nice aus? Und ist auch so eingängig.

 

 

Und damit kommen wir zu den Windmühlen.

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Und wer mal versucht hat, auf solche Dinge hinzuweisen, versteht, warum man sehr schnell in die Figur des Ritters von der traurigen Gestalt rutscht.


--
Quelle des Bildes von der Berechnung des Anteils des Eisbergs über dem Wasser:
https://www.youtube.com/watch?v=LMPXaH8dyec

 

Bearbeitet von DerLenny
Bildquelle angegeben.

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