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Warum ich in Klausuren normalerweise keine sehr guten Noten erreiche...


DerLenny

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Ich gehöre zu den Leuten, die anderen Leuten Inhalte erklären, aber in der Klausur regelmäßig schlechtere Noten erhalten, als die Personen, denen ich das Zeug erklärt habe.

 

Das hat sicherlich viele Gründe, einer ist aber wohl, wie mein Hirn Fragen interpretiert.

 

Hier mal ein Beispiel:

Zitat

Frage:
Sie lassen einen Marmeladentoast zehnmal fallen und beobachten, dass er sechsmal
auf der Marmeladenseite landet. Weshalb ist das kein eindeutiger Beweis dafür, dass es
wirklich wahrscheinlicher ist, dass der Toast auf dieser Seite landet?

 

Ich weiss, dass in dem Kontext "Marmeladenbrot" als lustige Variante eines Münzwurfs anzusehen ist, aber dennoch... 

Wenn ich ein Marmeladenbrot fallen lasse, dann häng das Ergebnis stark von Parametern wie Fallhöhe und wie das Toast fallen gelassen wird ab. Wenn es dabei nicht kippt, oder die Fallhöhe nicht für eine Rotation ausreicht, wird die Unterseite beim Start des Falls auch die Unterseite beim Auftreffen auf den Boden sein.

Die ganze fällt auf die Marmeladenseite Geschichte wurde ja auch schon ausreichend erforscht* - und das ist ja auch so weird, dass es im Gedächtnis hängen bleibt.

 

Egal, der Punkt ist: Die Frage ist so gestellt, dass meine Antwort wahrscheinlich nicht der erwarteten entsprechen würde.  Gut, das ist jetzt ein sehr extremes Beispiel, aber ich verstehe die Fragen halt gerne mal "anders als gedacht."

Ein paar mal wurden Fragen auch aus der Klausur entfernt, nachdem ich auf die Probleme hingewiesen hab.

Wenn die Frage klar mehrdeutig ist, dann schreibe ich das gern auch mal irgendwo in der Klausur als Hinweis, mit der Info, wie ich es verstanden hab.

Wenn die Frage aber (aus meiner Sicht) eindeutig ist, allerdings der Fragesteller eine andere Intention hatte - naja, dann schreibe ich halt nichts dazu und gehe dann gern mal mit ner schlechteren Note raus.

 

Und das sind die "netten" Varianten. Dann haben wir stellenweise auch eher unsinnige Fragen oder Fragen die wohl auf falschen Grundannahmen basieren. Oder seltsame Formulierungen der Fragen. Regel 1 bei der iu: Wenn nach Unterschieden gefragt ist, sind die Unterschiede NIE Teil der erwarteten Lösung. Fragen mit dem Muster "Was ist der Unterschied zwischen A und B?" sind mit "A ist X. Im Gegensatz dazu ist B ein Y" zu beantworten. Das ermöglich (aus Sicht des Frageerstellers) auch Fragen wie "Was ist der Unterschied zwischen einem Vorhängeschloss und einer Verhütungs-Pille?" Wenn man allerdings versucht eine solche Frage wirklich mit dem Unterschied zu beantworten, dann kuckt man erst mal groß. Ich hatte so ein Ding mit dem Unterschied von nem Browser Cookie und einem Content Bereich hinter ner Pay-Wall. Und da kucke ich halt schon mal irritiert.

 

Und dann haben wir halt auch noch so ein paar Kurse, in denen eigentlich "harten" Themen eher weich/ unscharf behandelt werden. Und in den Kursen gibt es es jetzt viele alternative schriftliche Prüfungsformen. Was mich ja ein bissle wurmt, da ich halt in den schriftlichen Leistungen halt besser bin...  wenn ich die Kurse jetzt noch mal ablegen würde, würde sich mein Gesamtschnitt deutlich verbessern.

 

*seufz*

 

 

---

* Referenzen:

Bacon, M. E., Heald, G., & James, M. (2001). A closer look at tumbling toast. American Journal of Physics, 69(1), 38–43.
 
Cross, R. (2022). Four different ways that toast can fall off a table. European Journal of Physics, 43(3), 035001.
 
Drees, W. B. (2003). THIS VALE OF TEARS – THE BEST OF ALL POSSIBLE WORLDS? In Is nature ever evil (S. 1–8).
 
Matthews, R. A. (1995). Tumbling toast, Murphy’s Law and the fundamental constants. European Journal of Physics, 16(4), 172.

Bearbeitet von DerLenny

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6 Kommentare


Empfohlene Kommentare

Muddlehead

Geschrieben

Wie passend, genau über so eine Unterschied-Frage habe ich mich bei einer Musterklausur gewundert - wie trivial sie beantwortet wurde im vgl. wie sehr ich mir einen abgebrochen habe, den Unterschied detailliert bei der Antwort herauszuarbeiten.

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brotzeit

Geschrieben

Geht mir oft auch so. Leuten, denen ich den Stoff erkläre schreiben gelegentlich die besseren Noten. Das liegt aber am sehr klausurorientierten Lernen, denke ich. Die Leute wissen einfach besser was da jetzt in diesem Moment  gefragt ist.

Ich habe in manche Prüfungen ellenlange Texte geschrieben und dachte ich wusste alles, aber dann trotzdem „nur“ 2,0 bekommen. 

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KanzlerCoaching

Geschrieben

Das Problem kenne ich. Ich habe in meinem Aufbaustudium in der Klausur über Personalmanagement die schlechteste Note bekommen, obwohl ich dort definitiv - auch im Vergleich zu den Mitstudierenden - die größten Vorerfahrungen und Kenntnisse hatte. Was auch der Dozent innerhalb der Vorlesungen bemerkt hatte und mich dann fragte, wie es denn zu der verhältnismäßig schlechten Note gekommen sei.

 

Ich bin nicht der Typ, der gerne und gut eine Liste mit quasi vorgefertigten 3-Wort-Antworten auswendigt lernt oder lernen mag.

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Silberpfeil

Geschrieben

Vorwissen kann auch hinderlich sein, weil man sich da beim Antworten in Details verzetteln kann und sich weniger auf den Kern der Frage fokussiert. 
Ist mir passiert im Modul Innere Medizin. 🙄

 

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DerLenny

Geschrieben

Jo, I feel you.

Und wenn dann eine schriftliche Prüfungsleistung als Variante zur Klausur angeboten wird, dann deke ich mr so "Jo, macht bei dem Stoff eigentlich Sinn" - aber eben auch "Shoot, warum gabs das noch nicht, als ich den Kurs gemacht habe?"

 

So rein von den Noten scheint es laut Aussagen der Hochschule keinen großen Unterschied (in der Masse) zu geben, aber so rein für mich würde es schon einen merklichen Unterschied machen. Aber sobald mal ne Prüfungsleistung hinterlegt ist, kann man nichts mehr machen. Auch nicht bei Kursneustart, etc. Das schließt die Kurse mit ein, die neu gestartet wurden, weil sie nicht den Ansprüchen der HS entsprochen haben. Man hat also als Student:in keine Optionen einen inhaltlich sub-optimalen Kurs in der Neuauflage erneut zu belegen, sondern wird auf das "alte" Wissen festgelegt.

Hm.. ok, evtl. ist das jetzt so ein kleines bisschen "Grund suchen, warum man Kurse wiederholen können sollte" und hat wenig mit dem eigentlichen Thema zu tun 🙃

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Dazu kann ich nur sagen: Buzzwords, Buzzwords und nochmal Buzzwords!

Die Fragen an der IU orientieren sich in 80% der Fälle eins zu eins am Skript. Demnach wollen sie fast immer hören was dazu im Skript stand.


Ich gehe immer vom Offensichtlichen ins Detaillierte.
Wenn da steht erkäre den Zusammenhang/Unterschied zwischen A und B und dafür gibt es zehn Punkte sieht meine Antwort immer so aus:

 

A erklären, B erklären. Dabei alle Buzzwords zu A u. B in den Erklärungen unterbringen und miterläutern. Pro Buzzword kann man von einem Punkt ausgehen, pro Erklärung von noch Einem. Zum Schluss ein bis zwei Sätze zum Unterschied/Zusammenhang aus der Erklärung schlussfolgern (2 Punkte). Wenn ich mit dieser Formel nicht auf zehn Punkte komme, weiß ich dass mir höchstwahrscheinlich noch ein Buzzword oder eine Erläuterung fehlt. Mit Glück fällt mir dann auch noch was ein. 
Bisher bin ich in jeder Prüfung damit gut bis sehr gut gefahren und konnte jede Note ziemlich akkurat voraussagen. (mit Puffer für die Single-Choice-Fragen wo man nicht immer genau weiß ob man richtig lag)

Also:
Rational an die Lösung der Klausur gehen und zu jeder Sekunde überlegen wofür es Punkte geben könnte. Welche Begriffe will der Prüfer hören? Welche Begriffe standen in diesem Kontext im Skript? Welche Schlussfolgerung kann ich daraus ziehen (oder steht sogar im Skript)?
Wieviele Punkte würde ich mir für welchen Teil meiner Antwort geben?

Ich finde die Musterklausuren geben einen guten Einblick in die Bepunktung. Man sieht mit wie wenig Worten eine 10-Punkte-Frage beantwortet werden kann. Da kann man sich auch o. g. Fragen stellen. 

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