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Buchvorstellung: Bildungsberatung im Fernlernen

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Markus Jung

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Das broschierte Buch "Bildungsberatung im Fernlernen - Beiträge aus Wissenschaft und Praxis" wurde von Angela Fogolin in der Reihe "Berichte zur beruflichen Bildung" des Bundesinstituts für Berufsbildung (BiBB) herausgegeben und ist im wbv-Verlag (Bertelsmann) erschienen. Es ist zum Beispiel bei Amazon* oder direkt bei Bertelsmann für 27,90 Euro erhältlich. Der Umfang beträgt 260 Seiten und enthält etliche Tabellen und einige grafische Darstellungen (s/w). Die ISBN lautet 978-3763911509.

 

Das Vorwort stammt von Prof. Reinhold Weiß, dem Leiter des Forschungsbereichs am BiBB. Er weist auf die zunehmende Bedeutung der Lernform Fernunterricht und die Wichtigkeit einer guten Beratung hin. Mit dieser Beratung beschäftigt sich ein Forschungsprojekt am BiBB. Im Rahmen dieses Projekts ist auch der Sammelband zur Bildungsberatung im Fernlernen entstanden, der Teilergebnisse des Projekts vorstellt und durch Beiträge zur Konzipierung und Gestaltung des Fernlernens aus Sicht von Wissenschaft und Fernlehrpraxis ergänzt.

 

In der Einleitung stellt Herausgeberin Angela Fogolin die einzelnen Beiträge vor und gibt zu Beginn eine kurze Einführung dazu, was unter Fernlernen zu verstehen ist und wie der Weiterbildungsmarkt in diesem Bereich aufgestellt ist und sich in den letzten Jahren verändert hat, insbesondere in Form einer verstärkten Ausdifferenzierung.

Nachfolgend möchte ich die 13 Beiträge des Sammelbandes, die in sieben thematische Kapitel aufgeteilt wurden, kurz vorstellen. Die meisten Beiträge schließen mit, zum Teil recht umfangreichen, Literaturangaben ab.

 

Kapitel 1: Fernlernen als didaktische Methode

Im ersten Beitrag "Aus der Ferne Lehren und Lernen - zu den Grundzügen eines außergewöhnlichen Bildungsformats" geht Dr. Burkhard Lehmann (FernUni Hagen) zunächst auf das Format Fernunterricht ein, zum Beispiel was die verschiedenen, zum Teil synonym verwendeten Begriffe (in dem Artikel wird der Begriff "Fernlehre" bevorzugt) und die Abgrenzung des Fernstudiums von anderen Weiterbildungsformen angeht. Nach einem kurzen Blick auf den aktuellen Stand wird dann die Geschichte der Fernlehre unter verschiedenen Gesichtspunkten (institutionelle Geschichte, konzeptionelle Geschichte, pädagogische Rahmenbedingungen - hier liegt ein Schwerpunkt der Darstellung - und Mediengeschichte) dargestellt. Anschließend wird auf die Unterstützungsfunktionen in der Fernlehre (zum Beispiel fachliche und organisatorische Beratung) eingegangen und abschließend wird geklärt, was nach Ansicht des Autors Fernlehre ist: "Fernlehre ist mit anderen Worten "betreutes" und organisiertes, vor allem medienbasiertes Lehren und Lernen". Obwohl ich mich im Bereich Fernstudium auch schon recht gut auskenne, hat mir dieser Beitrag manche neue Information und einige Denkanstöße geliefert. Dr. Burkhard Lehmann berichtet auch regelmäßig in seinem Blog Online-Distance Education and more … über Entwicklungen im Bereich der Fernlehre.

 

Kapitel 2: Zur Konzeption berufsbegleitender (Fern-)Studienangebote - organisatorische und didaktische Aspekte aus hochschulischer Sicht

Im zweiten Beitrag werden die Ergebnisse einer HIS-Studie zu "Organisationsformen und Qualitätsdimensionen berufsbegleitender Studienangebote in Deutschland" vorgestellt. Die Ergebnisse basieren auf einer Vollerhebung berufsbegleitender Studienangebote an deutschen Hochschulen und Berufsakademien aus dem Jahr 2009. Untersucht wurden die Charakteristika Organisationsform (Fernstudium, Präsenzstudium, Mischform), Abschlussart (Bachelor, Master), Fachrichtung sowie Hochschulart und Trägerschaft (Uni staatlich, Uni privat, FH staatlich, FH privat) und die Qualitätsdimensionen Transparenz, Durchlässigkeit, Studienorganisation und Beratung. Dadurch liegt in diesen Teilbereichen Zahlenmaterial vor, das bisher oft vergeblich gesucht wurde. Natürlich hat sich seit 2009 schon wieder viel getan, aber viele Ergebnisse der Studie dürften auch noch auf die heutige Situation passen.

 

Weiter geht es mit zwei Beiträgen, in denen das Hagener Mangement Studium (HIMS) sowie die Fernstudienpraxis und der Beratungsbedarf bei der Zentralstelle für Fernstudien an Fachhochschulen (ZFH) dargestellt werden.

 

Kapitel 3: Fernlernen(de) und Bildungsberatung

Im Beitrag "Individuelle Beratungsbedarfe im Vorfeld der Belegung eines berufsbildenden Angebotes im Fernlernen" stellt Angela Fogolin die Ergebnisse einer Online-Erhebung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BiBB) aus dem Jahr 2009 vor, welche bei der Sicht der Fernlern-Interessierten ansetzt und der Frage nachgegangen ist, inwieweit sich diese hinsichtlich ihrer Beratungsbedarfe voneinander abgrenzen lassen. Insgesamt wurden 8.611 Rückmeldungen von Fernstudium-Interessierten, Fernstudenten/Fernschülern und gelegentlich auch Absolventen bei der Auswertung berücksichtigt. Es wurden die Beratungsanliegen "Vereinbarkeit mit Lebenssituation", "Persönliche Zugangsvoraussetzungen", "Angebotsrecherche", "Persönliche Karriereplanung", "Unterstützung bei der Auswahlentscheidung", "Berufliche Neuorientierung" und "Schwierige Lebenssituation" betrachtet, wobei die zuerst genannten den Befragten besonders wichtig waren. In die Betrachtung wurden die Merkmale Geschlecht, Alter, schulische Bildung, berufliche Vorqualifizierung, Erwerbsstatus und angestrebte berufliche Bildung mit einbezogen. Insgesamt wurden fünf Cluster gebildet, die einzeln betrachtet wurden: 1. Hilfesuchende mit umfassenden Beratungsbedarf, 2. Eigenständig Planende mit niedrigem Beratungsbedarf, 3. Durchschnittlich Beratungsbedürftige, 4. Karriereorientierte mit gezieltem Beratungsbedarf und 5. Bildungsplanende mit hohem Beratungsbedarf.

 

Im nächsten Text, Autorin ist Petra Risau, geht es um die Möglichkeiten der Online-Beratung im Rahmen der Bildungsberatung. Hier wird auf den Bildungsbereich allgemein eingegangen, nicht speziell auf die Weiterbildung per Fernunterricht. Die zentrale Erkenntnis, dass der Online-Beratung per Mail oder Chat eine wachsende Bedeutung zukommt, lässt sich aber sicherlich auch auf den Bereich der Fernlehre übertragen. Für die Zukunft erwartet die Autorin, dass auch vermehrt interaktive Elemente und multimediale Tools zum Einsatz kommen werden.

 

Kapitel 4: Lernberatung - Begleitung und Unterstützung im Lernprozess

Dr. Kirsten Huter stellt das smartLearn-Konzept der Hamburger Akademie für Fernstudien (HAF) im Beitrag "Kompetenzentwicklung und Lernberatung in der Praxis eines Fernlehrinstitus" vor. Das Konzept versteht sich als Lernprozessberatung, die sich an die Teilnehmer der Fernlehrgänge wendet und aus den Bestandteilen Lerntypentest, Ratgeber zu Lerntechniken und Lerntipps, Workshops, Persönliche Lernberatung, Virtuelles Lerncoaching und smartLearn-Zertifikat besteht.

 

Der nächste Artikel stellt die Entwicklung des Tele-Tutoring im Kontext von Online-Lernen dar und wurde von Thomas Jechle, Karsten Bieberle und Karen Markowski verfasst. Dabei wird unter anderem auf die Kompetenzfelder für Tele-Tutoren eingegangen und es wird ein Fallbeispiel für die Tätigkeit eines Tele-Tutors an der HFU Akademie Furtwangen ausgeführt.

 

Kapitel 5: Informierte Ratsuchende - eine Herausforderung für die Bildungsberatung?!

Im Beitrag "Nutzung von Informationsquellen bei der Auswahl eines berufsbegleitenden Angebotes im Fernlernen" von Angela Fogolin und Margit Ebbinghaus werden weitere Aspekte aus der oben bereits erwähnten Befragung des BiBB aus de Jahre 2009 betrachtet. Es geht hie darum, ob sich bei der Nutzung von Informationsquellen Unterschiede in Abhängigkeit zu ausgewählten Personenmerkmalen zeigen. Es wurden zwölf Informationsquellen, aufgeteilt in vier Kategorien betrachtet. Es handelt sich um die Gruppen "Face to Face" (persönliches Umfeld, Kolleginnen und Kollegen, Arbeitgeber), "Netzgestützt" (Diskussionsforen, Soziale Netzwerke, Blogs), "Eher allgemein informierenden Quellen" ((Fach-)Zeitschriften, Messen/Fachtagungen, Newsletter) und "Eher spezifisch informierende Quellen" (Weiterbildungstests, Checklisten, Probelektionen). Die Nutzung der Informationsquellen wurde dann in Abhängigkeit zur Vorerfahrung mit Fernlernen und unter Berücksichtigung von Alters- und geschlechtsspezifischen Unterschieden betrachtet.

Der nächste Text "Die Online-Community Fernstudium-Infos.de" stammt von mir. Mir wurde hier die Möglichkeit gegeben, Fernstudium-Infos.de als Informationsquelle vorzustellen und bin dabei unter anderem auf die inhaltliche und technische Entwicklung, das Geschäftskonzept sowie die Schwerpunkte bei der Nutzung eingegangen. Außerdem gibt es einen Ausblick auf die weitere Entwicklung.

 

Kapitel 6: Qualitätsentwicklung im Feld der Beratung in Bildung, Beruf und Beschäftigung

In diesem Beitrag gibt es nur den einen Beitrag "Beratungsqualität - auf dem Weg übergreifenden Qualitätsstandards für die Beratung in Bildung, Beruf und Beschäftigung: erste Ergebnisse des offenen Koordinierungsprozesses". Es wird der Zwischenstand eines Projekts vorgestellt, in dem Anforderungen an die Qualität von Beratung erarbeitet sowie ein Kompetenzprofil für Beratende entwickelt und erprobt werden soll. Im Anhang wird eine Übersicht über Qualitätsmerkmale vorgestellt. Insgesamt werden 19 Qualitätsmerkmale definiert, die den Systemebenen Beratungsprozess, Berater/in, Organisation und Gesellschaft zugeordnet werden. Vertiefende Informationen enthält die Projekthomepage http://www.beratungsqualitaet.net/.

 

Kapitel 7: Transparenz in der Weiterbildung - Ergebnisse empirischer Erhebungen

Im Beitrag "Zur Nutzung von Weiterbildungsdatenbanken - empirisches Ergebnisse des InfoWeb Weiterbildung" stellt Wolfgang Plum Ergebnisse aus der Online-Befragung zur Nutzung von Weiterbildungsdatenbanken aus dem Jahr 2011 vor und stellt diese zum Teil auch im Vergleich zu den Ergebnissen aus Vorjahren dar. Dabei wird unter anderem auf Geschlecht, Alter, Bildungs- und Berufsstatus, Bildungsausgaben, Nutzungsverhalten sowie eine Qualitätsbewertung durch die Nutzer eingegangen. Eindrucksvolle Zahlen gibt es gleich zu Beginn des Artikels: In Deutschland bietetn ca. 16.500 Anbieter jährlich knapp eine Million Weiterbildungsangebote an.

Im letzten Text des Sammelbandes (Autor: Helmut Kuwan) geht es um ausgewählte empirische Ergebnisse und Schlussfolgerungen zur Weiterbildungstransparenz sowie zum Informations- und Beratungsbedarf zur Weiterbildung aus Sicht der Nachfragenden. Dabei geht es sowohl um persönliche Weiterbildungsberatung, als auch um die Informationssuche zu Weiterbildung im Internet, die zunehmend an Bedeutung gewinnt. Interessante Einblicke erlauben dabei auch die qualitativen Ergebnisse, die über Interviews ermittelt wurden. Als Ansatzpunkte zur Verbesserung der Weiterbildungstransparenz sieht der Autor vor allem den Ausbau träger- und bildungsbereichsübergreifender Beratung, den Ausbau von Weiterbildungstests, die Nutzung von Web 2.0-Anwendungen in der Weiterbildung sowie eine optimierte Abstimmung von Informations- und Beratungsangeboten.

 

Insgesamt hat mir dieser Sammelband viele wertvolle Informationen und Hintergründe geliefert und ich werde es bei meiner täglichen Redaktions- und Beratungsarbeit sicherlich immer wieder mal aus dem Regal nehmen. Ja, die Informationen und weiterführenden Hinweise auf Webseiten und Literatur sind so umfangreich, dass ich manches in nächster Zeit noch "nacharbeiten" werde. Ich würde mir wünschen, dass es künftig mehr Veröffentlichungen dieser Art zum Themenbereich Fernstudium geben würde, die einerseits fachlich fundiert sind, andererseits aber auch praxisrelevant sind.

 

* = Affiliate-Link


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