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Konfrontation II

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Lernhilfentk

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Ich war dabei.

Es war anstrengend.

Und, um es vorwegzunehmen: Es hat sich gelohnt.

Gestartet haben wir mit einigen Präsentationen von Kommilitonen. Da ging es um verschiedene Projekte und Ansätze der Konfrontativen Pädagogik, aber z.B. auch um die Rolle der Väter in der Erziehung.

Auch die Technik des "heißen Stuhls" kam zum Einsatz, die ich bislang sehr kritisch gesehen hatte, und als praktische Übung für sehr zweifelhaft für Studenten halte. Doch die Kommilitonen, die diese Technik vorstellten, machten dass sehr clever: statt eines Freiwilligen aus der Studiengruppe stellte sich eine der Vortragenden zur Verfügung, auf dem heißen Stuhl Platz zu nehmen, und sich durch Kommilitonen mit "ihren Taten" konfrontieren zu lassen, z.T. auch lautstark. Dabei nahm sie die Rolle eines straffällig gewordenen Hooligans ein - die Tatsache, dass sie selbst eine zierliche Frau ist, trug sicher dazu bei, dass es in der Folge beim Rollenspiel blieb und nicht persönlich werden konnte. Trotzdem war leicht zu sehen, dass diese Technik für denjenigen, der konfrontiert wird, nicht einfach ist. Trotzdem konnte ich nochmal einen anderen Zugang zu dieser Technik erhalten.

Anschließend konnte ich mich noch überzeugen, dass es wesentlich schlimmeres als den heißen Stuhl gibt. Persönliche, zum Teil sogar sexualisierte Angriffe (Anspielungen auf Körpergewicht, Aussehen, sexuelle Orientierung gehörten aus meiner Sicht zu den milderen Attacken) und derbste Konfrontation mit persönlichen Themen.

Das war nicht nur für diejenigen anstrengend, die die Übung freiwillig mitmachten, sondern auch für die Zuschauer. Ich selbst war kurz davor, als Zuschauerin abzubrechen, da ich den Tränen nah war.

ABER: Der Dozent sagte diesmal VOR der Übung, für welche Gruppen diese Übungen nicht geeignet seien. D.h. diejenigen, die zufällig einer solchen Gruppe angehörten, konnten verschiedene Möglichkeiten wählen, sich herauszuziehen. Er führte schrittweise an die immer härteren Konfrontationen heran, für die er auch zwei externe Helfer hinzuzog, die mit dieser Materie vertraut sind. D.h. Freiwillige konnten vor und während der Übung jederzeit abbrechen. Leute die sich zurückzogen wurden persönlich im geschützten Rahmen angesprochen, ob alles okay sei. Eine Person, die die Übung abgebrochen hatte, wurde direkt vom Dozenten im geschützten Rahmen begleitet und gestärkt. Daher konnte ich auch das oben beschriebene Zuschauen noch aushalten, da ich wusste, es wird begleitet, jeder übernimmt hier die Verantwortung für sich selbst, bzw. begleitet wenn es aus dem Ruder zu gehen droht.

Auch die Gruppe agierte diesmal völlig anders, so kümmerten sich verschiedene Studenten von sich aus um diejenigen, die am Rand saßen, und achteten auf die gegenseitige Befindlichkeit. Aktive Teilnehmer der Übung bekamen Applaus und wurden befragt, ob alles okay sei. Es gab hierzu keinerlei Aufforderung durch den Dozenten. Im Feedback meldeten viele zurück, dass es für sie sehr anstrengend war, mit soviel Gewalt konfrontiert worden zu sein. Daher denke ich, dass das Gewaltniveau derart hoch war, dass allen wirklich bewusst wurde, dass es möglicherweise Leute gibt, die das nicht aushalten können. (Vermutlich war das Niveau beim letzten nicht hoch genug, um hierfür sensibilisiert zu werden.) Trotzdem waren alle- diesmal auch ich- dankbar für die Erfahrungen.

Was konnten wir aus diesen Erfahrungen lernen? Zum einen war es grundsätzlich erstmal die Konfrontation mit heftigen Gewalttaten, wie z.B. das Eintreten auf ein am Boden liegendes Opfer (mit Boxutensilien nachgestellt): Welche Mechanismen gibt es da bei Tätern und Opfern? Welche Möglichkeiten gibt es, aus der Opferrolle zu kommen? ( Um es gleich zu sagen, einen Königsweg gibt es nicht).

Wie gehe ich mit Provokateuren um? Dabei gab es für diejenigen, die sich den o.g. Angriffen stellten, auch ein persönliches, an den Stärken orientiertes Feedback.

Für diejenigen, die mit entsprechendem Klientel arbeiten war es auf jeden Fall ein ansprechendes Wochenende, diejenigen, die überlegen, mit einem entsprechendem Klientel zu arbeiten, überlegen jetzt :) Auch für die anderen ist das sicher hilfreich, schnell ist man in Situationen, von denen man vorher nur aus dem Fernsehen gehört hat.

Ich ganz persönlich bin recht emotional nach Hause gefahren, aufgewühlt durch die Provokationen. Und ich hatte nocheinmal ein persönliches Gespräch mit dem Dozenten gesucht und rückgemeldet, dass es mir aufgrund der Tatsache, wie dieses Mal mit möglichen Schwächen der TN umgegangen wurde, gut gefallen hat. Der Dozent hat mir dann auch noch eine persönliche Rückmeldung bzw. besser gesagt einen Tipp gegeben, den ich hier nicht offenmachen möchte, soviel sei aber gesagt: Es ging um Authentizität und wie ich diese ganz persönlich (gerade in schwierigen Situationen) steigern kann. Nicht dass ich nicht authentisch wäre, nein, dass ist sicher eine meiner Stärken, aber es macht einfach Sinn, in konfliktreichen Situationen vermehrt die eigenen Stärken einzusetzen.Ich kann das gut annehmen, und ich weiß, dass mich dieser Hinweis weiter bringen wird. Und nein, es war nicht so, dass er meine Kritik nicht annehmen hätte können. :)

Trotzdem hat mich auch das noch bewegt ( aber recht positiv:thumbup:).

Ob das alles nun seine Aufgabe als Dozent ist, weiß ich nun erstmal nicht. Ist mir auch gerade nicht wichtig. Es war letztlich eine runde Sache. Und damit hat es sich gelohnt.

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7 Kommentare


Empfohlene Kommentare

Mir scheint, diesmal wurde deutlich bewusster mit der Problematik umgegangen als du es beim letzten Mal geschildert hast. Entweder hat eure Reaktion etwas bewirkt (ihr hatte das doch damals zurückgemeldet?) oder es war den Dozenten klar, dass so etwas Extremes aufgefangen werden muss.

Danke für die Schilderung!

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Mir ist ja nicht klar nach dieser Schilderung, was das Lernziel einer solchen Veranstaltung sein soll. Bekomme ich Aufklärung?

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Ich denke ,das es vermutlich als Training für Leute die sich mit sowas auseinandersetzen müssen gedacht ist....

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Was da beschrieben wurde, das KANN nicht als Training gedacht sein. Wenn eine bestimmte Intensität überschritten wird - und das passiert beim "Heißen Stuhl" recht leicht - dann gehört das in einen geschützten Rahmen und nicht in ein Präsenzwochenende von Fernstudenten.

Das ist dann eher eine Vorführung. Denn was soll man dabei lernen? Wie so etwas geht? Damit man es selber anwenden kann? Oder als Warnung, die Finger davon zu lassen?

Ich versteh's nicht.

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@Rumpelstilz: Ja ich meine auch, dass da bewusster mit umgegangen wurde, als beim ersten Mal, und daher hat es mich auch weniger auf die Palme gebracht:)

@KanzlerCoaching: Laut Modulhandbuch: Theoretische Grundlagen einer Methode und Ausführung derselben erlernen. Einordnen der Methode. Und jetzt der Knaller: Fähigkeit zur ethischen Reflexion professioneller Standards:rolleyes:. Tatsächlich wird inhaltlich hierfür das praktische Training der Methode angegeben, sowie deren Reflexion.

Ganz praktisch frage ich mich allerdings schon auch, wie das alles sein kann, war auch beim ersten Wochenende in Konfrontation mein Thema. Denn wir haben das ja nicht ausgesucht, sondern das ist einfach unsere Pflichtveranstaltung.Tatsächlich sehe ich da auch einen Unterschied zwischen dem, was man Präsenzstudenten zumuten kann und was den Fernstudenten.

Der heiße Stuhl war okay, da es ein Rollenspiel war- die anderen Konfrontationen waren die, wo es durchaus auch persönlich wurde. Trotzdem hat es mir ganz persönlich sogar was gebracht- auch wenn ich die ganze Aktion insgesamt für sehr fragwürdig halte.

Aber soll mal einer noch sagen, Fernstudium wäre zu theoretisch:sneaky2:

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ja ich finde es auch sehr spannend was es so alles gibt.... da lobe ich mir meine heile Welt von Nullen, Einsen und den seltsamen Dingen die Strom so anstellt.

Ihr habt meinen größeten Respekt,definitiv "none of my business"

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