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Dyslexia

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Rumpelstilz

80 Aufrufe

Heute habe ich ziemlich viel gelesen, es dreht sich alles ein wenig in meinem Kopf.

Hier eine Zusammenfassung, vor allem für mich selber:

Es ging um die Definition Dislexie und Abgrenzung gegenüber Leseverständnisschwäche und allgemeiner Lernschwäche.

Dyslexie wird dann diagnostizierz, wenn die Lese (also die Decodier-)fähigkeit um einen bestimmten Prozentsatz von der altersmässig zu erwartenden Lesefähigkeit abeweicht. Der generelle IQ muss aber im Normbereich liegen, ansonsten spricht man von einer allgemeinen Lernschwäche.

Dies wird so gehandhabt, um eben Kinder mit Dyslexie in Regelklassen besondere Bedingungen z.B. in Prüfungen zukommen zu lassen. Würde das generell bei allen "schwächeren" Kindern gemacht, könnte man sich die Noten auch schenken.

An sich ist das meiner Meinung nach ein sehr guter Ansatz, in der Praxis habe ich, wie ich im letzten Posting (in den Kommentaren) geschrieben habe, manchmal meine Mühe damit.

Im Anschluss wurden kurz verschiedene Theorien des Lesenlernens angerissen. Über diesen Bereich hätte ich gerne mehr gelesen, das wurde nämlich in meiner Lehrerausbildung sträflich vernachlässigt.

Weiter wurde die Diagnosemethodik besprochen. Es gab zwei Videos mit Beispielen. Die Kinder mussten Aufgaben lösen im Bereich graphischer Musteranalyse, autditiver Phonemselektion ("Was bleibt übrig, wenn ich von 'Haus' das 'H' wegnehme?"), Wortlesen, Nonsenswortlesen, Textverständnis lösen. Natürlich wurden eindeutige Fälle gezeigt. Trotzdem - das war sehr interesseant. Ausserdem konnte man sich ein Interview mit einem Professor (für irgend etwas Naturwissenschaftliches) anhören, der Dyslexie hat. Das war auch interessant, er schilderte seinen Werdegang und seinen Alltag.

Es wurden einige verschiedene Diagnostimethoden gezeigt und kurz beschrieben, wie man sie vergleichen kann.

Dann kam die Sprache auch noch auf die Unterschiede der Erscheinungsform von Dyslexie in verschiedenen Sprachen. Deutsch wurde als eine "orthographisch transparente" Sprache erwähnt, d.h. mehr oder weniger jeder Buchstabe entspricht einem Laut. Das ist in Englisch besonders schwierig, weil es wesentlich mehr Phoneme als Buchstaben gibt. Noch "transparenter" seien Türkisch und Tschechisch. Bei Kindern mit Dyslexie mit solchen Muttersprachen äussert sich diese primär in einem langsameren Lesetempo. Bei orthographisch intransparenten Sprachen wie Englisch tritt eine wesentlich grössere Fehlerquote auf, weil eben ein Buchstabe nicht zwingend durch einen bestimmten Laut representiert wird. Extrem schwierig seien für Menschen mit Dyslexie nicht-alphabetische Schrift-Sprachen wie Chinesisch.

So, das war's. Ich mag das Thema, es wird zwar wissenschaftlich besprochen, aber es ist sehr handfest und hat mit dem pädagogischen Alltag direkt zu tun.


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6 Kommentare


Beetlejuicine

Geschrieben

Wow, was für ein Thema.

Als Mutter eines 10 Jährigen finde ich es wahnsinnig klasse, dass Lehrer sich mit so etwas beschäftigen und wünsche mir, dass so eine differenzierte Betrachtung in die Schulen einzieht.

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Danke. Allerdings ist Dyslexie etwas, was meiner Erfahrung nach in der Schule gut erkannt wird (d.h. die Möglichkeit wird erkannt, zur Abklärung werden die Kinder weitergeleitet). Für den Umgang damit gibt es genaue Regelungen. Allfällige Begleitprogramme und Trainings sind wiederum nicht Sache der Schule, sondern werden nach der Diagnose eingeleitet.

Natürlich ist es sinnvoll, wenn Lehrer genauer über Dyslexie Bescheid wissen. Es gibt jedoch unglaublich viele Themen, bei denen es sinnvoll wäre, wenn Lehrer darüber genauer Bescheid wissen wollen. Und sorry, wir können auch nicht alles wissen und machen!

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Lernhilfentk

Geschrieben

Schön dass das heute so ist- ich kenne jemanden mit Dyslexie, der einfach aufgrund seines Alters durch das Raster gefallen ist: Damals gab es das alles noch nicht. Steht heute mit einem Hauptschulabschluss und Helferausbildung da, obwohl er zumindest aus meiner Sicht mehr könnte. Ich dachte eigentlich, das Dyslexie noch nicht beachtet wird zwischen den ganzen anderen Sachen. Wobei ihm persönlich einfach auch ein bisschen Verständnis von Seiten der Lehrer schon geholfen hätte, Nachteilsausgleich für ihn wäre mit Sicherheit gewesen, wenn ihm einer die Aufgaben mal vorgelesen hätte.

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eine Laienfrage , ist damit die allgemeine Lese -Rechtschreibschwäche gemeint, oder ist das noch was anderes?

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Lernhilfentk

Geschrieben

Ja das ist noch was anderes, steht auch oben: Leseverständnisschwäche. Die Leute mit Dyslexie können die Buchstaben einwandfrei, kriegen aber nicht raus, was der Sinngehalt des Geschriebenen ist. Also wenn da dann Haus steht, haben die nicht das Bild des Hauses vor sich, sondern nur die reinen Buchstaben. Oder die Buchstabenkette ( an der Stelle bin ich nicht ganz sicher?). Das ist beim Haus noch halbwegs zu bewältigen, ganz schlimm wird es aber, wenn die Leute mit neuen Begriffen konfrontiert werden, was ja in Schule und Ausbildung ständig vorkommt. Mein Bekannter musste quasi in der Ausbildung jedes einzelne neue Wort so erklärt bekommen, dass er eine Vorstellung davon entwickelt was das ist, das geschriebene Wort dann zuverlässig in Prüfungen wiedererkennt, und bei der Anwendung in der Praxis das Wort entsprechend einsetzen kann.

Da ist das, mit was wir hier so als Fernlerner und Fernstudenten ohne Dyslexie so kämpfen, echt noch ein Klacks dagegen.

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In meinem Kurs wird Dyslexie als Lese- Rechtschreibschwäche bei normaler Intelligenz definiert.

Es ist das, was - zumindest meiner Erfahrung nach - im normalen Schulumfeld "Lese-Rechtschreibschwäche" genannt wird.

Die "darf" sich an sich äussern "wie sie will", aber meist tritt sie wie von Lernhilfentk beschrieben auf: die Repräsentation gelesener Wörter sind im Gehirn ist schwach/schwierig (eine alternative Theorie sagt, dass die Repräsentation völlig normal ist, aber der Zugang zu dieser erschwert). Bzw. schon die Buchstaben-Phonem (Laut) -Kombination ist schwach repräsentiert.

Normalerweise lesen die Betroffenen flüssig, solange die Wörter gut bekannt sind. Weniger bekannte Wörter können sie schlecht lesen. Rechtschreibung ist extrem schwierig, da die Buchstaben-Lautentsprechung erschwert ist, bei Ausnahmen ist das natürlich noch extremer. Zuordnungen sind erschwert, was z.B. zu b/d Problemen und b/p-Problemen führt (schaut ähnlich aus/klingt ähnlich)

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