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Science for minorities

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Rumpelstilz

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Gerade versuche ich noch den Stoff für die übernächsten beiden Wochen, wo ich in den Ferien bin, zu lesen. Es geht um "Science for minorities".

Grundlage ist die Situation, dass die Naturwissenschaften überwiegend westlich, männlich, weiss und akademisch geprägt sind ( mit akademisch ist gemeint, dass Naturwissenschaftler übeerwiegend Kinder von Akademikern sind).

Im ersten Teil geht es um das naturwissenschaftliche Verständnis von nicht-westlichen Kulturen. Ausführlicher behandelt werden Beispiele von 'first nations' ('Indianer') in Canada, von Inuit und bestimmte Afrikanische Völker. Alle haben ein weit umfassendes Wissen über die sie umgebende Natur. Dieses Wissen wird auch umgesetzt in Technologie, d.h. in von Menschen entwickelte Dinge, die verwendet werden, um den Alltag zu erleichtern. Trotzdem findet das Wissen dieser Völker kaum eingang in die akademische Naturwissenschaft und Vertreter dieser Völker machen kaum akademische Karrieren. Warum?

Ein Problem ist, dass das Wissen und die Erkenntnisse dieser Völker oft durchaus wissenschaftlichen Charakter haben. D.h. es beruht auf Beobachtung und wurde getestet. Die Erklärungen allerdings sind oft unwissenschaftlich und untrennbar mit spiritueller Haltung verbunden.

So gibt es z.B. ein Volk in der Südsee, das genaua Kenntnisse über Ebbe und Flut hat und diese höchst geschickt für die Landwirtschaft etc. nutzt. Ihre Erklärung dafür ist aber, dass Ebbe und Flut daher rührt, dass die Riesenseeschildkröten in diesem Rhythmus ihre Höhlen verlassen und wieder aufsuchen.

Für dieses Volk ist diese Erklärung schlüssig und vor allem: sie reicht aus, um ihnen ein gutes, sicheres Leben auf ihrer Insel zu ermöglichen.

Das westliche Denken hält aber die Suche nach "korrekten" Erklärungen stets für erstrebenswert, weil es "Entwicklung" ermöglicht. Für viele indigene Völker ist dies jedoch Aberglauben (!) weil der westliche Mensch davon ausgeht, dass er durch dieses Wissen in der Lage ist, die Natur zu dominieren. Und die Entwicklung zeige ja, dass dies nicht funktioniere. Deswegen sind für solche Völker die spirituellen Erklärungen "richtig", weil sie ermöglichen, im Einklang mit der Natur zu leben.

Schwierig, das so verkürzt wiederzugeben... Das Ganze wurde sehr eindrücklich an Beispielen von den oben genannten Gruppen veranschaulicht und Wege präsentiert, wie versucht wird, in den dortigen Schulen das Wissen dieser Völker in Kontext mit dem westlichen Wissen zu setzen.

Dann ging es um die feministische Perspektive auf die Naturwissenschaften. Vieles davon war mir bekannt, ist ja auch schon ein älteres Forschungsgebiet. Die Frage ist nach wie vor: Ist Science 'männlich' und müssen Frauen diese 'männliche Kultur' übernehmen, um Zugang zu dieser Welt zu erhalten? Oder ist Science deswegen Männlich, weil überwiegend Männer dort tätig sind und würde es weniger männlich, wenn mehr Frauen in diesem Gebiet arbeiten würden? Die Begriffe und deren Entstehung (nature vs. nurture) wurden natürlich auch diskutiert.

Dann ging es um den sozialen Hintergrund, das Selbstbild von Lernenden, die Gründe warum Science oft als "schwierig" empfunden wird und warum vor allem Jungs aus einer gehobenen Bildungsschicht darin erfolgreich sind. Gerade die Thematik Motivation-Selbstbild ist spannend.

Alles in allem äusserst interessante Themengebiete. Trotzdem zieht sich das Ganze, weil ich fertig werden will.

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2 Kommentare


Empfohlene Kommentare

Das was du schreibst ist sehr interessant. Ich habe bislang überhaupt noch nicht bemerkt, dass die Wissenschaft ein Geschlecht hat. Ich kann mich spontan auch nicht mit dieser Erkenntnis anfreunden und gehe deshalb auch den zweiten Schritt ("Es gibt weniger Frauen in der westlichen Wissenschaft, weil sie männlich ist") nicht gleich mit. Aber wie gesagt: sehr interessant und bestimmt einen zweiten Gedanken wert. Danke ;)

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Mir geht es ähnlich wie dir: Mein vordergründiges Gefühl ist auch, dass es so nicht sein kann.

Doch es wurden viele Studien präsentiert, die mich weiterdenken lassen: Leistungsmässig sind Mädchen den Jungs ebenbürtig, nur entscheiden sich, je höher die Bildung desto weniger Mädchen für Naturwissenschaften. Es gab auch Untersuchungen, dass Mädchen eher bei naturwissenschaftlichen Fächern bleiben, wenn diese kontextorientierter gelehrt werden. Jungs empfanden dies eher als Zeitverschwendung. Usw.

Ich musste auch erstaunt feststellen, dass ich genau so ein Mädchen war: Ich habe mich immer für Naturwissenschaften interessiert, habe technische Museen besucht, Ferienaktivitäten zu Natur- und Technikthemen, hatte eine Modelleisenbahn etc. Aber die Schule hat mir die Naturwissenschaften abgewöhnt. Dabei hatte ich gute Lehrer und ich hatte mich nie als Mädchen benachteiligt gefühlt. Es war einfach so, dass ich die Themen in der Schule als nicht interessant empfand. Ich hatte den Eindruck, dass mir das minuziöse Berechnen der Dinge zu schwierige war. Heute glaube ich, dass es daran nicht gelegen haben kann oder zumindest nicht nur.

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