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    Coaching für Fernstudenten - Interview mit Sabine Kanzler


    Markus Jung

    Bereits im letzten Jahr hat ein Video-Interview mit Sabine Kanzler von Kanzler Coaching stattgefunden. Aufgrund von technischen Problemen bei der Übertragung ist das Video entfernt worden und Frau Kanzler ist auf meine Themen und Fragen in dem nachfolgenden Text eingegangen.

     

    Ein Wunsch aus der Community: mehr von mir als Person zu erfahren … 
    Deshalb: Meine Motivation für meine Tätigkeit als Coach und mein Weg dorthin

     

    Ausgangspunkt ist die Tatsache, dass ich ursprünglich einen „helfenden“ Beruf gewählt habe. 

    •  Studium der Sozialpädagogik, verschiedene Stationen: die entscheidende Station war die Arbeit in einem stadtteilorientierten Beratungszentrum in einem als problematisch bekannten Stadtteil. Dort waren verschiedene Angebote unter einem Dach zu finden: vom offenen und weitgehend unverbindlichen Treff für Kinder und Erwachsene bis hin zu therapeutisch orientierten Angeboten. Das Ganze als Modellversuch und deshalb  unter wissenschaftlicher Begleitung über 5 Jahre hinweg.
       

    Also nicht nur „Hilfe“, sondern Hilfe inkl. der ständigen Reflexion, wie diese Hilfe auf das System wirkt: die Familien, die Peer-Groups, die involvierten Bildungsträger, den Stadtteil.

     

    Daraus ergab sich quasi von selbst die Entscheidung zu systemischen Fortbildungen
    TZI, Psychodrama und systemische Familientherapie – im Gegensatz zu eher individual-therapeutisch ausgerichteten Methoden.

     

    Privates beeinflusste mich auch – natürlich!

    • Heirat und damit Einblick in ein ganz anderes berufliches Milieu, Umzug, Arbeit bei einem Bildungsträger, der fürs AA Seminare angeboten hat.
    • Wechsel in die Beratungsarbeit und ins Coaching in beruflichen Bezügen und mit Erwachsenen auch ein Stück Zufall, aber im Grunde eine logische Fortsetzung meiner persönlichen  Entwicklung.


    Entscheidung zum berufsbegleitenden Aufbaustudium „Marketing und Betriebswirtschaft“ an der Marketingakademie der European Business School  Oestrich-Winkel, um die „Psycholastigkeit“ meiner Kenntnisse  zu ergänzen und mit Wissen über wirtschaftliche Zusammenhänge in ein Gleichgewicht zu bringen.

     

    •  Mehrere Jahre Gruppenoutplacement: bei der Auflösung eines Dienstleisters für die amerikanischen Streitkräfte in Mainz, bei Dornier und EADS in Friedrichshafen und Ulm, bei Banken und Versicherungen  an verschiedenen Standorten in Deutschland und im öffentlichen Dienst in Berlin bei der BVG.
       

    Die Nähe zum „helfenden Beruf“ bleibt: Der Bedarf an Hilfe ist im beruflichen Umfeld ebenso da wie im ersten beruflichen Leben. Aber die Handlungsspielräume derjenigen, die Coaching suchen, sind anders, größer.

     

    Für wen ist Coaching? Und was kann Coaching?

     

    Wer im Job nicht alles alleine geregelt bekommt, der gilt gerne mal als zu weich, unsicher, problemorientiert. Je höher jemand in der Hierarchie steht, umso mehr gilt das.

     

    Dabei ist Coaching nicht nur für Loser: es ist für alle, die sich mit beruflichen Themen herumschlagen – vom sog. kleinen Angestellten bis hin zum hochqualifizierten Ingenieur, zum Hochschulprofessor, zum Leiter eines Unternehmens.


    Coaching ist für alle, die von neutraler Seite Rückmeldung, den Blick von außen möchten: aufs eigene Handeln, auf Überlegungen und Planungen.

     

    Coaching hilft dem einzelnen, in seiner Beziehung zum Beruf, seiner Verantwortung und seinen Aufgaben, seinen Kollegen und Vorgesetzten konstruktiv zu gestalten. Auch die Beziehung zwischen Mensch und Organisation gehört dazu.

     

    Coaching bietet individuelle Unterstützung bei der Problembewältigung und Persönlichkeitsentwicklung. 

     

    Es ist zeitlich begrenzt und setzt in aller Regel auf die Entwicklung von Lösungen.


    Was will der Coachee durchs Coaching erreichen?

     

    Er will sein Problem lösen oder jedenfalls das, was er im Moment als sein Problem sieht. Für die Arbeit miteinander ist es aber wichtig, dass das „richtige“ Thema bearbeitet wird. 

     

    Also nicht (um mal ein Thema aus fernstudium-infos zu nehmen, das in ähnlicher Form immer wieder auftaucht) „Wer kann mir den günstigsten Anbieter zum Thema ‚Psychologischer Berater‘ nennen?“, sondern „Was wollen Sie mit diesem Abschluss erreichen?“ und „Wie realistisch ist es, dass Sie Ihre beruflichen Wünsche mit diesem Abschluss auch erreichen können?“

     

    Eine gemeinsame Themen- und Zielsuche ist die Grundlage jedes Beratungsprozesses, wird aber vom Coachee oft als störend und an „seinem“ Thema vorbei empfunden.

     

    Für mich taucht dann die Frage auf „Was macht ich als Coach damit, wenn ich den Eindruck hat, dass Grundlagen noch gar nicht bearbeitet sind bzw. gar nicht bearbeitet werden sollen?“


    Gibt es spezielle Themen für Fernstudenten?

     

    Wer eine längere Fernausbildung, ein Fernstudium beginnt, hat in der Regel mehr zu bedenken als jemand, der nach der Schule in eine Ausbildung geht. Er steht nämlich an einem ganz anderen Punkt seines Lebens.

     

    Viele Fernstudenten haben ja schon Familie und alle damit verbundenen persönlichen und finanziellen Verpflichtungen. Man kann also nicht mehr so locker „rumprobieren“ wie als ungebundener Schulabgänger.

     

    Fernstudenten, die ein Coaching buchen, beschäftigt eher die Frage nach den Konsequenzen ihrer Entscheidungen und zwar sowohl vor der Entscheidung, ob man sich auf die neue Ausbildung einlassen soll, was genau man machen will und wie es das Umfeld beeinflusst, als auch zum Ende der Fernausbildung.

     

    Da geht es dann klassischer Weise um Themen wie „neuer Arbeitsplatz“, „veränderte Rolle“, gerade, wenn man einen akademischen Abschluss gemacht hat.


    Sie bieten ja auch OnlineCoaching an. Geht das überhaupt?

     

    Klassischerweise geht man beim Coaching davon aus, dass die Gesprächspartner sich gegenüber sitzen. Wenn man das möchte, dann habe ich mein Büro in Ingelheim. Die meisten meiner Kunden wohnen aber über die ganze Republik verstreut.

     

    Wenn man sich für ein Online-Coaching entscheidet, dann verzichtet man auf den ständigen persönlichen Kontakt von Angesicht zu Angesicht. Das klingt erst einmal nach einer massiven Einschränkung. Dennoch ist diese Form der Beratung durchaus erfolgreich, besonders bei Themen, die (auch) eine intellektuelle Analyse der gegenwärtigen Situation erfordern.

     

    Je nach individueller Fragestellung erhält der Coachee von mir nach und nach verschiedene Arbeitsblätter, die er schriftlich bearbeitet. Der Zeitrahmen bleibt dem Coachee überlassen.

     

    Um seine Antworten zu finden braucht der Coachee Zeit. Er muss nachdenken, in sich hineinhören, seine Gefühle sortieren. Bei diesem Prozess des Denkens brauche ich dem Coachee nicht zuzuschauen – das spart meine Zeit und das Geld des Coachee.

     

    Die Antworten analysiere ich, kommentiere das Gelesene, frage nach, wo für mich Unklarheiten bestehen, äußere Vermutungen, biete veränderte Sichtweisen an …, tue also das, was normalerweise im Gespräch passiert. 

     

     Natürlich kann man dieses schriftliche Arbeiten immer auch durch Telefonate und/oder Treffen ergänzen.


    Wo hat Coaching Grenzen?

     

    Coaching ist nur sehr begrenzt so etwas wie „Nachhilfe“ für Leistungsträger und Führungskräfte. 

     

    Coaching ist vor allem keine Therapie und kann auch keine ersetzen. Über diese Grundtatsache sollte sich jeder, der als Coach arbeitet, im Klaren sein. Und er sollte auch erkennen können, wann er seinem Coachee eine ergänzende – therapeutische – Maßnahme empfehlen sollte.

     

    Das ist schwierig und klappt auch nicht immer. Aber er sollte dann nicht versuchen, selber am Symptom „herumzutherapieren“.

     

    Coaching findet also seine Grenzen dort, wo der Coachee nicht in der Lage (oder auch: nicht bereit) ist, sich auf die Anforderungen seiner beruflichen Umgebung einzulassen bzw. seine Einstellung dazu zu verändern.

     

    Beispiel: 

     

    Wer Angst hat aus dem Haus zu gehen, wer nicht mit Kollegen kommunizieren mag oder kann, der wird durch Coaching keinen Arbeitsplatz finden, und hätte er auch die beste Qualifikation. 


    Ist Coaching parallel zu einer Therapie eine Möglichkeit

     

    Das kann klappen, wenn alle Beteiligten ihre Themen gut voneinander abgrenzen. Der Coach könnte die Rolle übernehmen, die beruflichen Anforderungen einzubringen, Möglichkeiten durchzuspielen, den Realitätscheck immer wieder einzubringen.

     

    Der Therapeut würde die Ängste, die individuellen Hemmnisse, die psychischen Störungen bearbeiten – ganz kurz und knapp beschrieben.

     

    Was dabei nicht passieren darf: Man darf sich nicht gegeneinander ausspielen bzw. grundsätzlich in Frage stellen, was im anderen Beratungsrahmen passiert. Es ist auf alle Fälle schwierig.


    Wie sucht man nach einem Coach?

     

    Coach ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Jeder kann sich so nennen. Es gibt Zertifizierungen, die können bei der Suche ein Kriterium sein für Kompetenz. Ich habe eine Zertifizierung nie angestrebt – wg. Verbandsinteressen, Kosten, Mühe der Nachweise etc.

     

    Das schlägt sich auch in den Bezeichnungen nieder, unter denen Coachs firmieren. Sucht man  also den „Coach“ pur? Oder mit Zusätzen wie Burnout-, Wohlfühl-, Achtsamkeit-, Berufung- …?

     

     Es gibt eine Reihe von Coachs, die solche Zusätze in der Berufsbezeichnung führen

    •  … als Marketinginstrument
    • … weil sie daran glauben, es – sozusagen – ihr Thema ist,
    • … weil sie hoffen, dass der Kunde daran glaubt …

     Letzteres bedeutet ja eigentlich, dass es den Blick einengt – und Coaching sollte doch das Gegenteil tun.


    Wie erkennt man einen guten Coach?

     

    Die Frage davor: Was muss man als Coach können? Und was erwarte ich als jemand, der Coaching sucht, von ihm? Und ergänzend: Meine Antworten sind natürlich subjektiv und sicher nicht vollständig!

     

     Man braucht als Coach u.a. einen methodischen Ansatz, um mit dem Klienten/Coachee 

    •  … den Blick auf die empfundene Problemlage zu erweitern
    • … die genaue Fragestellung herauszuarbeiten, also aufs Problem zu fokussieren, damit man am richtigen Ende anfängt zu arbeiten
    • … die Konsequenzen zu benennen, die sich aus den diversen Entscheidungsmöglichkeiten ergeben – und durchzuarbeiten, wie der Coachee sich denen stellen möchte und kann. Wer das als Coach vermeidet, der arbeitet nach meinem Dafürhalten nicht seriös;
    • … einen Realitätscheck vornehmen zu können
    • … das berufliche Umfeld des Coachee einschätzen zu können. Er muss wissen, wie man dort denkt, welches Selbstbild z.B. Entscheider haben, welchen Abhängigkeiten sie ausgesetzt sind.


    Was sollte ein Coach können, wenn er zu berufsbezogenen Themen Coaching anbietet? Was sollte er wissen? Welche Erfahrungen sollte er haben?

     

    •  Ein Therapeut muss eine eigene Analyse seiner Person, seines Umfeldes gemacht haben, um Übertragungen zu verhindern; ein Coach braucht mit Sicherheit reflektierte und kritisch hinterfragte Erfahrungen.
    • Er sollte Gesprächsführung „können“, Gesprächs- und Fragetechniken beherrschen, Kenntnisse haben zum Thema „Wie funktionieren Systeme?“ und „Wie werden sie beeinflusst?“. Er sollte Berührung mit Führungskräften gehabt haben, also wissen, wie sie „ticken“, welchen Anforderungen sie ausgesetzt sind, was sie umtreibt.
    • Er braucht Kenntnisse über das Funktionieren des Arbeitsmarktes, betriebliches Miteinander, über Personalauswahl, auch Rechtskenntnisse (damit er weiß, wann er den Coachee zum Anwalt schickt). Er sollte sich für Wirtschaft interessieren – also einschlägige Tages-, Wochenzeitungen und Magazine lesen; und zwar nicht nur die, die seiner eigenen (wirtschafts-)politischen Überzeugung entsprechen.
    • Er sollte vor allem wissen, wo seine Grenzen sind.


     Warum ich gern mal ins Fettnäpfchen trete:

    • Ich bekomme ja via Internet so einiges über die Arbeitsweise meiner Kollegen mit. Da gibt es diejenigen Kollegen, die auch mal unbequeme Meinungen vertreten und die Coachees dazu ermutigen, einen Realitätscheck zu machen, was von ihren beruflichen Wünschen denn eigentlich realistisch ist.
    • Es gibt aber auch Coachs im Bereich der Berufwegplanung, die ihre Arbeit beinahe als "Wellnessveranstaltung" für ihre Coachees verstehen, ihnen das Blaue vom Himmel versprechen und ihnen mehr oder weniger nach dem Mund reden.
    • Aber es ist doch so: Es ist nicht alles leicht im Leben und man kann auch durch Coaching nicht alles leicht machen.
    • Ich gehöre ganz klar zu Typ eins - den realitätscheckenden, (empathisch) nervenden, unbequemen Vertreter der Zunft - die zusammen mit ihren Klienten langfristige Jobperspektiven und Vorgehensweise erarbeitet, 
    • Meine Arbeitsweise ist nachhaltig und zielorientiert - aber es braucht dafür Coachees, die diese Arbeitsweise "aushalten", damit umgehen können und wirklich an sich arbeiten wollen.
    • Ach ja, es gibt in den Coachings trotzdem oft etwas zu lachen. Man kann also auch bei so einer Arbeitsweise Spaß haben!
       

    Kosten

     

    Die Kosten pro Zeitstunde bewegen sich ab  ca. 100 Euro aufwärts, wenn der Coach in  Unternehmen unterwegs ist. Nach oben gibt es da – eigentlich – wenig Grenzen, aber ich behaupte mal, dass über den Stundensatz von 300 Euro nur ganz wenige kommen. Auch Unternehmen rechnen nach, was eine Stunde wirklich wert sein kann.

     

     Für Privatzahler bieten viele Coachs geringere Stundensätze an.

     

    Ich berechne 89,25 € pro Zeitstunde . Das sind 75,00 € zzgl. der üblichen 19 % Mehrwertsteuer. Die aufgewendete Zeit wird im 10-Minuten-Takt abgerechnet.

     

    Vor Beginn eines Coachings gibt es ein kostenfreies Vorgespräch, in dem Themen und Umfang gemeinsam festgelegt werden. Das wird in einer vertraglichen Vereinbarung festgehalten.

     

    Ein begleitendes Coaching zu einem Thema dauert bei mir erfahrungsgemäß zwischen 5 und maximal 10 Stunden. Dann ist das Thema durchgearbeitet. 

     

    In welchem Zeitraum diese Stunden abgerufen werden, hängt vom Thema und der individuellen Situation des Coachees ab. Zu einer Mindestdauer würde ich mich übrigens nicht verpflichten, wenn ich einen Coach engagiere. 

     

    Frau Kanzler ist bei Fernstudium-Infos.de aktiv, vor allem im Forum Bewerbung und Vorstellungsgespräch. Ihre Homepage ist unter http://kanzler-coaching.de/ zu finden. Frau Kanzler ist außerdem Autorin des Buchs "Die perfekte Bewerbung - Das persönliche Erfolgskonzept bei der Jobsuche"*.

     

    * = Affiliate-Link

    Bearbeitet von Markus Jung

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