Matthias

Ist ein akademisches Fernstudium „vollwertig“?

14 Beiträge in diesem Thema

Hi,

wer stellt sich vor der Entscheidung zu einem Fernstudium an einem privaten Institut nicht die Frage, ob sein Geld wirklich gut angelegt ist oder ob der abschließende Titel nur erkauft und damit wahrlich wertlos ist?

Beliebtestes Argument gegen private Anbieter ist die Studienzeit.

Wie kann ein Studium an einem privaten Institut, beispielsweise zum Diplom 4 Jahre Teilzeit benötigen, wenn an einer normalen FH die Studiendauer 4 Jahre Vollzeit beträgt?

Argumente, dass bei den privaten Instituten eben an Umfang oder an Tiefe "gespart" wird, was zu einem subjektiv minderen Abschluss führt, machen natürlich die Runde.

Ich belege selbst bei einem privaten Institut namens AKAD den Studiengang Diplom Wirtschaftsinformatik (FH) und machte mir Anfangs auch diese Gedanken über den Wert dieses Studiums.

Nach einem Jahr kam ich zu folgenden Überlegungen:

fh.gif

* 2. Ergebnis der Google-Suche nach: vorlesungsfreie zeit fh,

Link: http://www.fh-hof.de/index.php?id=713&cat=2&name=Vorlesungsfreie%20Zeit

**Willkürliches Beispiel von der FH-Köln,

Link: http://www.studium.fh-koeln.de/pruefung/ordnungen/infos_zum_studiengang/u/01359.php

Leider ist es nicht möglich, den Zeitaufwand objektiv darzustellen geschweige denn die Effizienz der Kombinationen Präsenz- und Rekapitulationsphasen von den Instituten gegenüberzustellen.

Bei der Diploma, Euro-FH, HFH, PFFH und wie die anderen privaten Anbieter dürften die Punkte Praxissemester, Vorlesungsfreie Zeit, Erarbeitung Wissensstoff, Präsenzphasen & Lernort und Unterstützung durch Beruf ähnlich sein.

Nach diversen Gesprächen mit Kommilitonen, welche zuvor ein Präsenzstudium ablegten oder gar schon promovierten, konnte ich erfahren, dass diese Studenten ihr Fernstudium nicht als Schmalspurstudium empfinden.

Obwohl meine Überlegungen zu den öffentlichen FHs und der privaten FH sehr viele Unbekannten enthält sowie sehr viele Aspekte außen vor lässt und selbst keine Erfahrungen an einer öffentlichen FH vorhanden sind, dürfte der Unterschied zwischen den Instituten was den zu vermittelnden Lehrstoff angeht nicht sonderlich abweichen, was dahingehend auch unterstützt wird, dass letztendlich mein Diplomstudiengang wie an einer öffentlichen FH staatlich anerkannt ist.

Von Matthias

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Sehr interessante und gute Gegenüberstellung...


Wirtschaftsrecht 4. Semester, HFH

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Wirklich eine gute Gegenüberstellung.

Insbesondere den Punkt "Vorlesungsfreie Zeiten" kann ich aus persönlicher Erfahrung unterschreiben. Ich habe vor meinem Fernstudium den Diplom-Betriebswirt (FH) in einem Kurzzeitstudium an einer Verwaltungsfachhochschule des Bundes gemacht. Ein Semester hieß dort wirklich sechs Monate, nicht viereinhalb Monate wie so manches Sommersemester. Von vorlesungsfreien Wochentagen wollen wir gar nicht erst reden. Da kommt man dann auch mit weniger Semestern in der Summe aus, egal ob Fernlehre oder nicht.

Gruß

Stonie

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Ich glaube, dass dieses Forum in seiner Zeit des Bestehens diese grundlegene Frage schon wahnsinnig oft erörtert hat und zu folgendem Schluss gekommen ist: keine wissenschaftlich belegbare, allgemeingültige Aussage möglich!

Selbst bei staatlichen Präsenzhochschulen kann so eine Bewertung schwer vorgenommen werden. Zum Beispiel meine Heimatstadt Berlin: Hier kann man vielleicht die einzelnen FH's einordnen und auf Grund der langjährigen Ortskenntnis bewerten (z.B. durch Stimmen der ansässigen lokalen Unternehmen). Gehe ich aber mit meinem Abschluss von der FHTW nach Schleswig-Holstein, wird wohl mancher Personaler überhaupt nichts von dieser FH gehört haben, die in Berlin vielleicht einen spitzen Ruf genießt.

Und auch diese Uni-Rankings diverser Medien betrachte ich mit großer Vorsicht. Wer bitte würde sich denn für eine allgemeingültige Aussage verbürgen? Diesen Anspruch kann dochniemand erheben. Solche Bewertungen sind immer unter Einschränkungen vorgenommen.


Wirtschaftsrecht 4. Semester, HFH

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Natürlich kann man alles sehen und darstellen wie man will, aber der Vergleich hinkt.

Man könnte in allen Punkten Positives für das Präsenzstudium hinzufügen.

Vorlesungsfreie Zeit:

Vorlesung ist nicht gleich Lernen. Ein Präsenzstudent lernt auch zu Hause und muss auch verschiedene Aufgaben lösen. Während ein Fernstudent 40 Stunden in der Woche arbeiten geht, sitzt ein Präsenzstudent in der Schule und nimmt von dort auch etwas mit. Aber zu Hause lernen beide auch Samstags/Sonntags. Andersherum, welcher Fernstudent lernt denn 365 Tage im Jahr?

Erarbeitung Wissensstoff:

Als Fernstudent muss man erst den Stoff erstmalig lesen und verstehen, dann fängt man mit dem Lernen an. Bei einer guten Vorlesung hat der Präsenzstudent schon mal die Hälfte verstanden. Dazu kommen Laborübungen vor Ort, die einige Verständnisprobleme lösen.

Schau mal diese Vorlesungen hier:

http://mfb.informatik.uni-tuebingen.de/min_film_film_index.html

Das ist doch nicht für die Katz! Wenn ich so eine Vorlesung verfolge und mich nachher mit den Büchern beschäftige, habe ich doch einen großen Vorsprung.

Dazu kommt noch, dass auch die Literaturarbeit zum Lernen gehört. Wenn man ein paar Bücher durchwühlt um die wichtigsten Sachen herauszuholen, lernt man mehr als mit einem zusammengefassten Lehrbrief.

Unterstützung durch Beruf:

Die Fernstudenten haben Berufserfahrung und kommen in manchen Fächern schneller voran, aber was ist mit den schwierigen Fächern? Es hapert ja nicht bei Projektmanagement und Unternehmensführung, sondern an Mathematik, Statistik oder Operation Research. Während viele Fernstudenten noch das Wissen mit Bruchrechnung, Potenzrechnung und Klammer ausmultiplizieren auffrischen, steigt ein Präsenzstudent, der meistens auch ein Fachabitur/Abi hat und frisch aus der Schule kommt, direkt in die Hochschulmathe ein.

Verschiedene Schulen, gute oder langweilige Professoren etc… man könnte immer wieder Argumente für und wider bringen. Dass Expräsenzstudenten(bin selber einer) das Fernstudium in Ordnung finden, hat auch andere Gründe. Man ist älter, man arbeitet Vollzeit, man hat eine Familie und auch andere Probleme, da ist das Empfinden anders. 3 – 4 Stunden nach der Arbeit lernen kann viel anstrengender als 8 Stunden Vollzeit sein. Alles in allem: Vergleichen bringt kaum etwas, da jeder seine Argumente vorbringt und davon überzeugt ist. Das ist jetzt kein Angriff, sondern so kann man die Sache auch sehen.

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Exakt! @ Genti


Wirtschaftsrecht 4. Semester, HFH

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Danke, Matthias,

für die tolle Begründung, warum ein Fernstudent zumindest an einer FH (bei der ja Praxisorientierung und Berufserfahrung, die die allermeisten Fernstudenten haben, sehr wichtig ist) in vergleichsweise geringer Zeit ein Studium absolvieren kann. :)

Es ging nicht darum, Genti, dem Präsenzstudium Nachteile nachzuweisen. Warum auch ? Wer das Glück hatte, seine Jugend unbeschwert wissenschaftlichen Studien widmen zu können (und angesichts der extrem langen Studienzeiten wohl auch vielen anderen Dingen), braucht sich nicht zu ärgern. Das Studium an einer privaten Fern-FH ist in erster Linie für Leute gedacht, die ihr ganzes Leben gearbeitet haben und nun merken, daß ohne Hochschulabschluß eine (berufliche) Weiterentwicklung nicht möglich ist.

Leute, die bereits eine Berufsausbildung hinter sich haben, vielleicht einen Fachwirt oder ähnliches gemacht haben, und viele Jahre in ihrem Spezialgebiet gearbeitet haben, sind bei einem praxisorientierten Studium an einer Fern-FH klar im Vorteil gegenüber einem Schulabgänger, der nie zuvor gearbeitet hat.

Carsten

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Hi Genti,

Man könnte in allen Punkten Positives für das Präsenzstudium hinzufügen.

eigentlich wollte ich die Gegendarstellung objektiv bewerten, ist mir nicht ganz gelungen, was ich beim erneuten Durchlesen merkte ;-)

Wie schon unten zu lesen ist: "Leider ist es nicht möglich, den Zeitaufwand objektiv darzustellen geschweige denn die Effizienz der Kombinationen Präsenz- und Rekapitulationsphasen von den Instituten gegenüberzustellen."

von Matthias

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Ich kann ceggert nur zustimmen und finde die Begründung von Matthias sehr überzeugend.

Mir ist aber eigentlich die Fragestellung nicht ganz klar, obwohl ich natürlich weiß, daß die Unwissenheit im Lande - oder auch bewußte Ignoranz - sehr groß ist.

Ich verstehe nicht ganz, warum überhaupt die Frage gestellt wird, ob ein Studium an einer staatlich anerkannten Hochschule, sei sie nun privat oder staatlich, Präsenz- oder Fern-, "vollwertig" sei, wenn die Studiengänge von den jeweiligen Ministerien genehmigt und von den Akkreditierungsagenturen anerkannt wurden.

Eine ganz andere Frage ist, ob ein Personalverantwortlicher nun lieber einen Uni-Absolventen oder einen von der FH will, ob er nun einen jungen, noch formbaren oder einen bereits erfahrenen bevorzugt, oder eben ob er dem Absolventen eines Präsenz-Studiengangs dieser oder jener Hochschule den Vorzug gegenüber einem ehemaligen Fernstudenten gibt. Das hängt natürlich auch vom jeweiligen Unternehmen und der zu besetzenden Position ab, und vielleicht auch von irgendwelchen Rankings. Aber es hat überhaupt nichts mit der Frage zu tun, ob denn nun ein Fernstudium "vollwertig" ist oder nicht.

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Ich stimme Nothung da zu.

Mich würde mal interessieren, was ihr unter "vollwertig" definiert?

Was sagt denn letztendlich ein Präsenzstudium (FH/Uni) aus? Ein Personaler wird ja sicherlich nicht die Lehrpläne der einzelnen Studiengänge kennen und einschätzen können.

Wie will er das dann bei Fern-FHs/Uni können? Worin liegt also die Vergleichbarkeit für Personaler, wenn er 2 Bewerber mit einem Bachelor-Abschluß vor sich hat?

Ich bin mir auch sicher, dass er letztendlich den Bewerber mit dem Präsenz-Studium bevorzugen würde (sofern beide vom Auftreten her gleich wären).

Aber warum? Am vermittelten Wissensumfang kann es nicht liegen, da es subjektiv ist und an der Person gebunden ist. An der Qualität etwa? Ich bin mir sicher, dass kein Personaler dies im Detail vergleichen kann.

Evtl. liegt es an der Vermarktung, oder am Image.

So what? Unabhängig worin das ganze begründet liegt. Ich als berufstätiger habe keine Alternative und würde einen großen Fehler begehen, wenn ich es nicht machen würde. Da kann ich mich leider auch nicht um den Vergleich mit Präsenzstudenten kümmern.

Was mir bleibt ist das Wissen, dass ich etwas angepackt, durchgezogen und (hoffentlich) geschafft habe. Das Wissen, dass ich mich weitergebildet habe und das in meinem beruflichen Umfeld einbringen kann.

Ich werde sicherlich nicht auf Grund des Abschlußes befördert, oder mehr Geld bekommen. Aber ich habe das Wissen erworben, um es mir zu verdienen und zu erreichen. Ausserdem bin ich mir meiner Selbst in dieser Zeit bewusster geworden und weiß, was ich kann und was ich nicht kann.

Und damit trete ich gerne gegen einen Präsenzstudenten an :D

GN8 Lutz


Eine Investition in Wissen bringt noch immer die besten Zinsen. (Benjamin Franklin)

(8. Semester BWL an der HFH und alle Prüfungen hinter mir)

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