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Markus Jung

Erfahrungsbericht Europ. Verwaltungsm. FH für Verwaltung und Rechtspflege Berlin

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Nachfolgend ein Erfahrungsbericht eines Absolventen der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege in Berlin, der exklusiv für Fernstudium-Infos.de verfasst wurde:

Europastudiengänge werden seit einigen Jahren vermehrt von verschiedenen (Fach-) Hochschulen angeboten. Mein nachfolgender Erfahrungsbericht bezieht sich auf den Masterstudiengang "Europäisches Verwaltungsmanagement", den die Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege in Berlin anbietet.

Das Studium „Europäisches Verwaltungsmanagement“ ist als postgraduales Fernstudium konzipiert, was heißt, dass Zulassungsvoraussetzung ein abgeschlossenes Erststudium (postgradual) ist. In der Praxis handelt es sich bei den Studierenden nach meiner Erfahrung vor allem um Beamte des gehobenen Dienstes. Die Studienzeit an den jeweiligen Fachhochschulen der öffentlichen Verwaltung während der Ausbildung wird dabei als Erststudium gewertet.

Bei erfolgreichem Abschluss erhält man den Titel eines "Master of European Administration Management", der den Status eines "Master of Arts" hat. Man kann allerdings auch das Studium ungefähr zur Hälfte beenden und erhält dann ein Zertifikat. In meinem Studienjahr haben dies zwei Kommilitonen so gemacht, da sie bereits einen Uni-Abschluss hatten und das Zertifikat dann als sinnvolle Ergänzung empfunden haben.

Auf der Website der den Studiengang anbietenden Fachhochschule finden sich weitere Einzelheiten zum Studiengang: http://www.fhvr-berlin.de/fhvr/53/. Nachfolgend möchte ich mich daher weitestgehend auf die dort nicht aufgeführten Informationen beschränken.

Das Studium ist in sieben Fachmodule unterteilt:

1. Europäische Integration

2. Institutionelle Strukturen und Finanzierung der EU

3. Europäisches Recht

4. Europäische Förderprogramme und Finanzierungsinstrumente

5. Interkulturelle Zusammenarbeit

6. European Governance and Management

7. Wirtschaftspolitik (erst zum Wintersemester 2006/07 eingeführt)

Mit diesen Fachmodulen lässt sich aus meiner Sicht die Studiumsausrichtung am besten als eine Mischung aus Politik-/Rechts-/Verwaltungs- und Soziologiewissenschaften, die sich thematisch alle auf die Europäische Union beziehen, zusammenfassen.

Für einen vertiefenden Einstieg in die Studieninhalte könnte folgende Website hilfreich sein, auf der die Studienbriefe zu diesen Modulen im freien Verkauf angeboten werden. In der Regel sind dabei die Inhaltsverzeichnisse der Studienbriefe kostenlos aufrufbar:

http://www.aww-brandenburg.de/kat_2.php?kat_2_id=26&id=6

Etwas zum Schwierigkeitsgrad zu sagen fällt mir schwer, da ich keinen Vergleich zu anderen Fernstudien habe und den Lernstoff bestimmt jeder unterschiedlich schwer empfinden wird. Nach meinem persönlichen Eindruck (ich möchte da wirklich unverbindlich bleiben), ist die Abbruchs- und Durchfallquote jedoch eher gering. Dies ist wahrscheinlich allgemein so bei Fernstudiengängen, da sich die Studierenden sich in Anbetracht des Aufwandes, den jedes Fernstudium mit sich bringt, die Sache vorher genau überlegt haben und auch sehr motiviert sind.

Hinsichtlich des Zeitaufwands war es bei mir so, dass mein Privatleben schon beträchtlich durch das Studium bestimmt wurde. Ein Sozialleben hatte ich aber trotzdem während der gesamten Zeit und ich habe auch nicht jeden Tag gelernt. Geballt hat es sich immer zum Ende der Semester, weil dann immer mehrere Abgabetermine zusammenfielen.

Zum Thema Fachliteratur gibt es zunächst zu sagen, dass die Studierenden zu jedem Fachmodul mit Studienbriefen versorgt werden. Es ist jedoch unerlässlich, sich darüber hinaus mit weiterer Fachliteratur zu versorgen. Dies heißt jedoch nicht, dass man mit vierstelligen Beträgen für den Kauf von Büchern rechnen muss. So bietet die Bundeszentrale für politische Bildung einiges an guten und überaus preiswerten Materialien gerade für die ersten beiden Fachmodule. Für das Modul Europäisches Recht empfiehlt sich möglicherweise die Beschaffung eines der gängigen Standardlehrbücher für EU-Recht (z. B. Streinz oder Koenig/Harratsch), die auch nur um die 30 Euro kosten. Des Weiteren sollte man sich einen Ausweis für die nächstgelegene Uni-Bibliothek besorgen (bzw. von der Möglichkeit des Fernausleihe Gebrauch machen). Für Studierende, die im näheren Umfeld vom Studienzentrum Brühl wohnen, kann ich die dortige Bibliothek wärmstens empfehlen (wie es bei den anderen beiden Studienzentren aussieht, weiß ich nicht). Zu guter letzt ist natürlich das Internet eine nicht zu unterschätzende Quelle des Wissens.

Ungefähr einmal pro Monat gibt es eine Präsenzveranstaltung (Dauer Freitag- bis Samstagnachmittag) am jeweiligen Studienzentrum, bei denen es auch einige Pflichttermine gibt. Zu den freiwilligen Veranstaltungen bin ich trotz größerer Entfernung auch meistens hingefahren. Zum einen wurden die Präsenzveranstaltungen in der Regel speziell auf die aktuellen Einsendeaufgaben ausgerichtet und zum kann man sich dann auch einmal den anderen Kommilitonen austauschen. Es gab allerdings auch Studierende, die außer zu den Pflichtterminen nie erschienen und trotzdem alles gut gepackt haben.

Einige Leistungsnachweise waren fremdsprachig zu erstellen (wahlweise englisch/französisch). Zudem erwies es sich manchmal als hilfreich, auch hinsichtlich der Fachliteratur englische Texte mit einzubeziehen. Zu guter Letzt brauchte man je nach Ort auch für das Auslandspraktikum Fremdsprachenkenntnisse.

Um jetzt damit keinen abzuschrecken: Nach meiner Einschätzung braucht man kein Überflieger in Englisch/Französisch (gewesen zu) sein. Man kann bezüglich Fremdsprachenkenntnisse häufig mehr als man so denkt.

Im Einzelfall hat die FH auch zugelassen, dass man das Praktikum im Inland absolvieren konnte. Die allermeisten haben es jedoch im Ausland absolviert. Zum Praktikum wurde bei uns direkt im ersten Semester einiges erzählt, daher hier nur ein paar kurze Eindrücke von mir:

· Man sollte sich frühzeitig um eine Stelle kümmern, da einige Anbieter bis zu einem Jahr im Voraus ausgebucht sind.

· Die FH gibt zwar eine Liste mit Anbietern aus und hilft auch notfalls, aber mit etwas Eigeninitiative und Kreativität kann man auch selbst ohne Probleme unterkommen. Man glaubt gar nicht, wo man überall ein Praktikum machen kann, wenn man einfach mal im Internet surft und eine unverbindliche Anfrage per E-Mail schickt.

· Vielleicht hat man ja ein Lieblingsland, wo man gerne hinfährt oder immer schon einmal gerne hingefahren wäre. Ansonsten ist nach meinem Empfinden Brüssel der am besten geeignete Ort für das Praktikum, da nun mal alles in der EU zusammenläuft.

Zum Schluss noch meine persönliche Einschätzung, was man mit dem Abschluss anfangen kann. Wie bereits erwähnt, sind der überwiegende Anteil der Studierenden (wie auch ich) Beamte des gehobenen Dienstes. Von daher beschränke ich mich hier auch auf die Aussichten in der öffentlichen Verwaltung.

Der Masterabschluss bei diesem Studiengang ist vor einiger Zeit als universitärer Abschluss akkreditiert worden und eröffnet somit grundsätzlich den Zugang zum höheren Dienst. Dies ist jedoch alles andere als eine Garantie dafür, dass man nach dem Studium eine Stelle in dieser Laufbahn erhält.

Formell sind durch einen Erlass des Bundesministeriums des Inneren die besonderen Modalitäten für einen Laufbahnwechsel der „Master“ geregelt (Einzelheiten dazu gerne auf Anfrage). Es ist allerdings so, dass das Ansehen des Studiengangs bei vielen Behörden nicht sonderlich hoch ist, wenn es um die Frage geht, ob man durch die beiden absolvierten Studiums (FH-Zeit während der Anwärterausbildung und eben dieser postgraduale Studiengang) auch materiell die Kompetenzen erlangt hat, die für eine Tätigkeit im höheren Dienst erforderlich sind. Dies sollte jeder bedenken, der vor allem wegen der Laufbahnbefähigung zum höheren Dienst viel Zeit und Geld in dieses Fernstudium investieren will.

Auf der EU-Ebene übrigens berechtigt das Studium zur Teilnahme an den Concours für die AD-Laufbahn, die der des deutschen höheren Dienstes entspricht.

Wenn man sich zumindest zunächst damit begnügt, im gehobenen Dienst zu bleiben, öffnet einem das Studium natürlich viele Möglichkeiten in entsprechenden Bereichen mit starkem EU-Bezug unterzukommen.

Für mich habe ich etwas über ein Jahr nach Beendigung des Studiums folgendes vollkommen subjektives Fazit gezogen: Wenn man sich für den Bereich Europäische Union interessiert und in diesem Feld arbeiten will, kann ich das Studium empfehlen. Es vermittelt einen guten querschnittlichen Überblick zum Thema EU (die Module 5 – 7 gehen sogar darüber hinaus). Je mehr man es jedoch aus rein karrieretechnischen Gründen machen will (Stichwort höherer Dienst), desto mehr sollte man sich ernsthaft überlegen, ob das gewünschte Ziel hiermit am besten erreicht werden kann.

Ich hoffe, ich konnte mit diesem Bericht einige hilfreiche Infos geben und gebe auch gerne weitere Auskünfte (meine private E-Mail kann über den Moderator des Portals erfragt werden).

Heiko Hildebrandt, 25.01.2007

Herzlichen Dank an Heiko für diesen sehr hilfreichen Bericht.

bearbeitet von Markus Jung

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