Markus Jung

BIBB: Weiterbildungsabschlüsse verbessern Aufstiegschancen

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In Deutschland werden jährlich mindestens 720.000 Abschlüsse und Zertifikate in der Weiterbildung vergeben. Allein in Berlin gibt es pro Jahr rund 5.000 abschlussbezogene Kurse mit knapp einer Million Unterrichtsstunden.

Weiterbildung ist nützlich beim nachträglichen Erwerb von schulischen Abschlüssen, sattelt auf früher erworbene Qualifikationen und Kompetenzen auf und hilft dabei, in Phasen des Umbruchs Nachweise zu erwerben, um sich neuen Rahmenbedingungen besser anpassen zu können. Doch wer behält angesichts der fast unüberschaubaren Vielfalt noch den Überblick? Wie lässt sich für die Beteiligten der tatsächliche Nutzen einschätzen? Eine neue Publikation des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) belegt, dass es sehr wohl viele Abschlüsse und Zertifikate in der Weiterbildung gibt, die die Nachfrage der Arbeitswelt punktgenau bedienen. Weiterbildung, so das Fazit, ist deutlich besser als ihr Ruf.

Rund 70 % der Inhaber und Inhaberinnen eines IHK-Zertifikats berichten von einem anschließenden beruflichen Aufstieg oder einer Einkommensverbesserung. 67 % der Arbeitslosen fanden spätestens sechs Monate nach dem Erwerb eines staatlichen Abschlusses wieder eine Arbeit. Der (nachträgliche) Erwerb eines Hauptschulabschlusses ist laut Studie längst zur Mindestvoraussetzung für den Zugang zur Arbeitswelt geworden. Bundesweit boomt das Abitur per zweitem Bildungsweg trotz stagnierender oder rückläufiger öffentlicher Förderung. Außerdem wurde im Rahmen der Untersuchung erstmals exemplarisch für das Land Berlin eine Detailanalyse durchgeführt.

Was aber laut Studie fehlt, sind stärkere Bemühungen um eine Strukturierung und Systematisierung des sowohl für Laien als auch für Expertinnen und Experten wenig überschaubaren Marktes der Weiterbildungsabschlüsse. Zu wenig werde getan, um den Wildwuchs in transparente und effiziente Bahnen zu lenken. Vielen Lernenden falle es schwer, Qualität und Akzeptanz der zahlreichen Nachweise einzuschätzen. So werde allzu oft allein aufgrund von Mund-zu-Mund-Propaganda oder aufgrund des Prestiges des Anbieters entschieden, wo und welchen Kurs man besucht.

Um diese Situation zu verbessern, regt die Studie in ihren Empfehlungen an:

- Es sollte eine staatliche Weiterbildungsstatistik aufgebaut werden, die regelmäßig, umfassend und trägerübergreifend die abschlussbezogene Weiterbildung erfasst.

- Es sollten Zertifikatssysteme in Baukastenform eingeführt werden, die einrichtungsübergreifend von Flensburg bis Füssen gelten und europäische Entwicklungen berücksichtigen. Gerade der Europäische Qualifikationsrahmen (EQR) und das Europäische Credit System für die berufliche Bildung (ECVET) bieten ein großes Potenzial, um die Transparenz und die Vergleichbarkeit von Abschlüssen und Zertifikaten zu verbessern.

- Da bislang nur wenige wissenschaftliche Untersuchungen zu diesem Thema vorliegen, sollten weitere empirische Studien gefördert werden, die noch detaillierter und langfristiger den Nutzen von Weiterbildungsnachweisen in der Bildungs- und

Erwerbsbiografie erforschen.

Quelle: Presse-Mitteilung des Bundesinstitutes für Berufsbildung

bearbeitet von Markus Jung

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Meine Meinung zu dem Artikel in der Rundschau und zu den darin aufgeführten Forderungen ist:

Von den angebotenen Weiterbildungen und Fernstudiengängen wird nur ein Teil nach den Vorschriften des BBiG ausgerichtet und unterfällt daher der Kompetenz der IHK`s bei der Vergabe der Zertifikate oder der Durchführung von vorbereitenden Lehrgängen. Hat der Interessent erst mal Klarheit über ein Bildungsziel, ist der nächste Schritt, einen Studiengang auszuwählen, zumal in der heutigen Zeit mit den angebotenen Medien, bei weitem einfacher als in der Studie festgestellt. Die Studie legt offenbar die Prämisse zugrunde, der Interessent sei eher unmündig, eigenverantwortliche Entscheidungen zu treffen. Aber gerade der Mut des Interessenten, einen anderen Weg einzuschlagen, zahlt sich nicht selten auch für ihn aus.

Wovon die Bildungsbranche, aber auch das hohe Gut der beruflichen Bildung in Deutschland, m. E. am wenigsten profitiert, sind weitere Vorschriften in Form von Gesetzen und Verordnungen, die in Gesetzessprache gehalten sind und dadurch kaum zur Klarheit beim Interessenten beizutragen vermögen. Außerdem sollte bei der Aufstellung der Forderungen dargelegt werden, ob deren Umsetzung den Bedarf der Arbeitgeber auch berücksichtigt. Die Arbeitgeber benötigen individuell befähigte Mitarbeiter. Mitarbeiter, die in einem Studium ihre individuellen Stärken gezielt ausgebaut haben. Die Studie unterschätzt die Arbeitgeber insofern, weil diese sehr gut in der Lage sind, geeignete Mitarbeiter zu identifizieren. So sind z. B. deutlich die Vor- und Nachteile der europaweit einheitlichen und gleichförmigen Bologna-Reform sichtbar.

Anstatt Unmengen an finanziellen Mitteln dafür zu vernichten, es wissenschaftlich untersuchen zu lassen, wer was leisten kann "gemäß seiner Weiterbildung oder seines Studiums", sollte sich ein Weiterbildungsangebot und dessen Existenz nach Angebot und Nachfrage regeln, nicht aber durch bezuschusste Verbände oder den von diesen beauftragten Wissenschaftlern.

Die in der Studie geschasste Mund-zu-Mund-Probaganda ist in Wirklichkeit ein hocheffektives Mittel der Studenten, sich zu informieren über alle Belange im und rund um ein Studium.


Assessorreferent jur. (FSH) - Abschluss Mai 2011

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