Michael Knight

Bachelor - eine missglückte Reform?

12 Beiträge in diesem Thema

Gestern gab es einen sehr interessanten Bericht zu den neuen Bachelor-Studiengängen bei Frontal 21.

Mittlerweile ist der Bericht als Video in der ZDF-Mediathek zu sehen:

http://frontal21.zdf.de/ZDFde/inhalt/3/0,1872,7227555,00.html

Hier gehts direkt zum Video:

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/481496?inPopup=true

Der Bachelor kommt in dem Bericht _sehr_ schlecht weg. Einiges halte ich für etwas übertrieben, anderes für realistisch. Aber seht Euch das Video einfach mal an und macht Euch selbst ein Bild.

Ich hoffe, wir können in diesem Thread reichlich Gegenargumente sammeln, damit meine Lernmotivation so kurz vor der Klausur am Samstag noch wieder steigt :rolleyes:

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Schade, auf der Arbeit kann ich das Video leider nicht ansehen.

In meinem Bekanntenkreis habe ich ein paar Unistudenten die aktuell auf einen Bachelor-Titel studieren (Ingenieurswesen).

Einer davon hat sogar von Dipl. zu Bachelor gewechselt (um schneller etwas in der Hand zu haben). Dort höre ich ehrlichgesagt keine Klagen diesbezüglich - es gab vorher schon viele Klausuren und die gibt es jetzt auch.

Was ich mich allerdings frage - ist es ein Problem des Konzeptes, oder eher der Umsetzung in der Hochschullandschaft? Nach dem Bericht zu folge packt man in den BA den Inhalt des Diplom-Studiengangs? Warum? Und vor allem - was kommt danach? Welche Inhalte bleiben für den Master?

Warum überqualifiziert man Bachelor-Studenten. Fragen über Fragen ;)

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Ich kann das Video auf der Arbeit zwar nicht ansehen, aber in der neuen Ausgabe der WISU kommt der Bachelor auch nicht unbedingt gut weg. Es hängt wohl sehr viel davon ab, wie die Wirtschaft auf die Flut der Bachelorabgänger reagiert. Die werden zeigen müssen, dass man mit einem Bachelor auf die Aufgaben in der Wirtschaft vorbereitet ist.

Aus dem Artikel war folgendes zu entnehmen:

1. Die Mehrheit der Bachelors wird jung sein, da nur 6 Semester studiert werden.

Daraus folgt

2. Die Mehrheit der Bachelors wird - so erwartet es die Wirtschaft - kaum ausgeprägte Social Skills besitzen, da der Lernstoff in nur 6 Semester erlernt werden muss. Es bleibt so also kaum Zeit für die Studierenden Praktika oder gar Auslandsaufenthalte zu machen ... nicht ohne das Studium in die Länge zu ziehen.

Der Tenor war meines Erachtens sehr negativ. Es wird empfohlen noch den Master zu machen, der wohl aber auch nicht in der Regelstudienzeit zu schaffen sein wird.

Studieren ist schwerer geworden. Bei der Wahl des Bachelorstudiengangs sollte man sich bereits Gedanken machen, ob der auch zu dem angestrebten Masterstudiengang passt.

Ich persönlich hielt Bachelor/Master für eine gute Idee, werde aber immer unsicherer. Viele amerikanische Colleges/Universitäten erkennen den 6-Semester-Bachelorstudiengang nicht als vollwertig an, da dort die Studienzeit 8 Semester beträgt.

Bleibt noch der internationale MBA. Aber der ist nicht jedermanns Ziel.

Auf der anderen Seite sollte man sich heute möglichst vor dem Studium seine Zukunftsziele im Auge haben. Denn darauf kann man dann die Bachelor- und Masterstudiengänge abstimmen.

Meine Freundin hat dies leider nicht getan, sondern aus dem Bauch heraus entschieden. Nun hat sie zwar bald ihren Magister in Amerikanistik, aber keine Idee was sie machen soll.


AKAD - Wirtschaftsinformatik

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1. Die Mehrheit der Bachelors wird jung sein, da nur 6 Semester studiert werden.

Das war doch der Wunsch der Wirtschaft - wenn man Bachelor und Master getrennt betrachtet ist das sicher eine super Möglichkeit mit Praxis in die 2. Runde zu gehen. Nur sind die Hochschulen nicht so weit das zu unterstützen - stattdessen werden Masterstudiengänge meist direkt angehangen.

2. Die Mehrheit der Bachelors wird - so erwartet es die Wirtschaft - kaum ausgeprägte Social Skills besitzen, da der Lernstoff in nur 6 Semester erlernt werden muss. Es bleibt so also kaum Zeit für die Studierenden Praktika oder gar Auslandsaufenthalte zu machen ... nicht ohne das Studium in die Länge zu ziehen.

Das finde ich ein Scheinargument. Dafür erhält die Wirtschaft früher Fachkräfte, die weniger Einstiegsgehälter beziehen werden. Und ob ein Uni-Absolvent immer die notwendigen Skills mitbringt wage ich zu bezweifeln.

Das Studium in die Länge zu ziehen scheint auch mit der Bachelor Einführung ein Makel geworden zu sein ... wo sind den die Universtiätsabgänger die das Diplom in Regelstudienzeit geschafft haben?

Bleibt noch der internationale MBA. Aber der ist nicht jedermanns Ziel.

Das ist auch so ein Ding, ein MBA ist nunmal etwas, das man - wenn der Studiengang den Gedanken des MBA verfolgt - schwer mit einem bisher dagewesenen Abschluss gleichsetzen kann. Für viele scheint es ein Wundermittel zu sein.

Eines sollten wir bei der Diskussion natürlich nicht vergessen - wir reden hier über Universitäts-Studiengänge. Die Probleme und auch die Chancen kann man meiner Meinung nach nicht 1 zu 1 auf Fachhochschulen übertragen.

Das zeigt übrigens auch ein Bericht der aktuellen "Junge Karriere" - im dortigen Bachlor Ranking sind unter den 50 gelisteten Hochschulen fast ausschließlich Fachhochschulen zu finden.

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1. Die Mehrheit der Bachelors wird jung sein, da nur 6 Semester studiert werden.

Daraus folgt

2. Die Mehrheit der Bachelors wird - so erwartet es die Wirtschaft - kaum ausgeprägte Social Skills besitzen, da der Lernstoff in nur 6 Semester erlernt werden muss. Es bleibt so also kaum Zeit für die Studierenden Praktika oder gar Auslandsaufenthalte zu machen ... nicht ohne das Studium in die Länge zu ziehen.

Die verkürzte Studiendauer war doch Sinn und Zweck der ganzen Aktion, oder???

Ich persönlich hielt Bachelor/Master für eine gute Idee, werde aber immer unsicherer. Viele amerikanische Colleges/Universitäten erkennen den 6-Semester-Bachelorstudiengang nicht als vollwertig an, da dort die Studienzeit 8 Semester beträgt.

Was insofern ein Lacher ist, als dort 16-jährige High School-Absolventen starten und in den ersten zwei Jahren erstmal auf in etwa Abi-Niveau gebracht werden, das eigentliche Studium sind idR nur die letzten zwei Jahre.

Bleibt noch der internationale MBA.

Das läßt sich nicht vergleichen. Der MBA setzt Management-Praxis voraus, ist ein Crashkurs in BwL-Theorie und -Praxis für Praktiker, die einen Nicht-Bwl-Abschluß haben.

Gruß,

ulbiro


Absolvent Online-Studium zum

Master of Science in Information Technology

an der University of Liverpool

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So wie ich das verstanden habe, liegt das Hauptproblem darin, dass Bachelor-Absolventen sehr jung sind und keinen Praxisbezug haben. Ebenso fehlen ihnen die entsprechenden "social skills".

Das alles trifft auf uns im Großen und Ganzen nicht zu. Wir alle (oder die meisten) sind der Pubertät entwachsen ;), wir haben zum Teil jahrelange Berufserfahrung und wir wissen ganz genau, was wir wollen.

Jeder halbwegs intelligente Personaler wird diese Unterschiede erkennen und möglicherweise den Bachelor an sich nicht als das non plus ultra ansehen, aber - wie auch im Bericht erwähnt - dürfte die Kombination Alter, praktische Ausbildung, Erfahrung und dann ein Bachelor doch eine sehr begehrte Kombination sein.

Ich sehe das ganz gelassen und bin überzeugt davon, dass sich unsere Mühen lohnen werden!

Schönen Tag und frohes Lernen!


Michaela

BWL 1. Semester

HFH, SZ München

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Also ich kann das Video nicht anschauen, habe aber den Text gelesen. So richtig überzeugt mich das alles nicht. Was sind denn die Kritikpunkte:

- Zuviel Stoff, da der gesamte Diplomstoff in kürzerer Zeit gemacht wird. Ich glaube nicht, dass das die Regel ist. Die Studiengänge, die ich kenne, sind nicht "das Diplom in drei Jahren" und das wird sich nicht durchsetzten. Sicher gibt es Schwächen, aber die gabs beim Diplom auch.

- Es wurde nicht genügend reformiert. Ganz ehrlich, wie stellt man sich das vor? Das Fach ist das gleiche, die Studiendauer, die zum Master führt, ist die gleiche wie beim Diplom, das der gleichwertige Abschluss sein soll. Wie soll man denn das "ganz anders" machen? Außerdem war doch das Diplom angeblich die Krönung aller Wissenschaft, warum soll dann ein Bachelor/Master plötztlich so schlecht sein, wenn er Diplom-ähnlich ist. Bachelor/Master sei nur Diplom in zwei Teilen? Ja natürlich ist das im wesentlichen so, insbesondere in Fächern, bei denen der Stoffkanon ziemlich etabliert ist. Wie soll es denn auch anders sein?

- Die fachliche Tiefe würde leiden. Die Begründung dafür ist etwas fraglich, finde ich. Jedenfalls wird gleichzeitig Lüneburg gelobt, weil es da zwei Fächer gäbe. Abgesehen davon, dass das sooooooo ungewöhnlich nun auch nicht ist, steigt dadurch die fachliche Tiefe?

Ich kann auch die ganze Panikmache nicht ganz nachvollziehen. Letztlich hängt das Studium (im positiven wie im negativen) nicht an der Abschlussbezeichnung. Ebensowenig wie mit dem Bachelor/Master alles besser wird, hängt das Glück der Welt am Diplom (es gibt, man glaubt es kaum, ganze Länder, die seit Jahrhunderten ohne Diplom auskommen und ganze Weltreiche und Weltkonzerne wurden geschaffen, ohne Diplom). Guter Unterricht und intelligente und fleißige Studenten bringen gute Absolventen hervor, so oder so.

Zum Schluss noch eine persönliche Anmerkung: Ich kenne einen der Autoren persönlich und habe insofern nicht viel anderes erwartet. Es ist eben alles eine Frage der Perspektive. Hier war die Perspektive mehr die von jemandem, der ausführlich ein breites Spektrum im geisteswissenschaftlichen Bereich studiert hat, mit viel Einsatz und Neugierde. Dem kommt natürlich mancher Aspekt des neuen Systems nicht mehr so entgegen. Allerdings will das vielleicht nicht jeder (es gibt ja auch Leute, die erwarten an der Hochschule eine solide Aubildung mit einer klaren Arbeitsmarktperspektive) und es stellt sich natürlich die Frage, was gesellschaftlich (das heißt nicht wirtschaftlich, um das klarzustellen) sinnvoll ist. Einfach zu sagen, weil ich es so nett fand, soll es bitte für immer so bleiben, scheint mir etwas einfach gedacht. Und was mich etwas stört (nicht nur hier, sondern allgemein), ist dieses "weil es schon immer so war, muss es so bleiben". Die tatsächlichen Vor- und Nachteile der Systeme werden dabei gar nicht betrachtet.

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Ich kann die Kritik ganz gut nachvollziehen und bestätigen. In unserer Firma habe ich früher Diplomanden betreut bzw. einige davon haben bei mir ihr Diplom geschrieben. Jetzt habe ich einige Bachelor-Praktikanten zu betreuen.

Der Unterschied dabei ist erheblich. Die jetzigen Bachelor-Studenten, die bei uns in Rahmen des Praktikums sind, haben praktisch den gleichen Stoff zu bewältigen wie die früheren Diplomanden. Dabei bleibt das Recherchieren und fundierte Wissen etwas auf der Strecke. Die Studenten, welche bei mir waren und aktuell sind sagten mir selbst, dass sie auswendig lernen und schnell vergessen, was ich auch bestätigen kann, denn jetzt muss ich vielmehr erklären und nochmals auf Grundlagen hinweisen.

Eine unserer Studentin sagte mir kürzlich, dass in ihrer FH der Diplom-Studiengang einfach auf Bachelor umgetauft wurde. Damit hat bis vor kurzem diese FH in Ihrer Homepage auch geworben.

Damit ist m.E. das Ziel des Bologna-Prozesses klar verfehlt: eine Angleichung der Studiengänge in Europa damit der Globalisierung und der damit verbundenen Vergleichbarkeit Rechnung getragen wird.

Es geht nicht darum, dass aus einem Bachelor-Studiengang gleich Fachspezialisten heraus kommen, aber doch zunächst mal Allrounder, die sich später durch den Master spezialisieren können.

Da hier ein neues Konzept her muss liegt auf der Hand, aber dass es in Deutschland seit langem Probleme in Bildungsfragen gibt ist ja bekannt.

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Mich würde mal interessieren inwieweit die besagten Studiengänge akkreditiert sind. Eigentlich müßte man doch davon ausgehen, dass die Akkreditierungsagenturen (FIBAA etc.) die Studiengänge diesbezüglich überprüfen.

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Ich kann die Kritik ganz gut nachvollziehen und bestätigen. In unserer Firma habe ich früher Diplomanden betreut bzw. einige davon haben bei mir ihr Diplom geschrieben. Jetzt habe ich einige Bachelor-Praktikanten zu betreuen.

Der Unterschied dabei ist erheblich. Die jetzigen Bachelor-Studenten, die bei uns in Rahmen des Praktikums sind, haben praktisch den gleichen Stoff zu bewältigen wie die früheren Diplomanden. Dabei bleibt das Recherchieren und fundierte Wissen etwas auf der Strecke.

Dazu noch eine Anmerkung.

Ich war in meiner alten Firma 8 Jahre (1999-2007) IT-Ausbilder und habe u.a. auch Wirtschaftsinformatikstudenten betreut und Berufsakademiestudenten ausgebildet. Mir ist besonders ab dem Jahr 2003 aufgefallen, dass das Niveau der Studenten gesunken ist. Das fing von Aufmerksamkeit an, ging über die Aufnahmefähigkeit hin zu Motivation und Leistungsbereitschaft. Klar erkennbar war es auch an den Zeugnissen, mit denen sich die Personen bei uns beworben haben. Waren es zu Beginn noch viele 1er und 2er-Schnitte, wurde es stetig schlechter und Abi-Schnitte von 3-4 waren keine Seltenheit.

Die zitierte Anmerkung kann ich nachvollziehen und z.T. auch bestätigen. Nur gehe ich nicht unmittelbar davon aus, dass es mit dem Wechsel von Diplom auf Bachelor zu tun hat.

Gut, ich bin natürlich nicht repräsentativ. Aber habe ich viele Kollegen aus anderen Firmen, die mir diese Beobachtung und den Qualitätsverlust bestätigen.

Gruß Lutz


Eine Investition in Wissen bringt noch immer die besten Zinsen. (Benjamin Franklin)

(8. Semester BWL an der HFH und alle Prüfungen hinter mir)

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