chillie

Studium ohne Abi - ein Fall für den Mittelstand?

9 Beiträge in diesem Thema

Hallo,

gestern flatterte die neue "Junge Karriere" in meinen Briefkasten. Nach einigem Blättern ist mir eine Überschrift ins Auge gestochen, die sicherlich viele Leser hier auch interessieren könnten. Es geht um das Studieren ohne Abitur.

Der Artikel selbst beschreibt dabei 3 Personen mit ihren unterschiedlichen Zugangsvoraussetzungen. Leider ist das ganze zu sehr auf die Universitären Abschlüsse ausgelegt.

Viel interessanter fand ich allerdings den Kommentar eines HR-Spezialisten des Personaldienstleister "Access" ... der den Studienabgängern ohne Abitur eher geringe Chancen in Aussicht stellt bei den großen Firmen und den bekannten Consultinghäusern unterzukommen, da dort sogar nach Jahren das Abitur und die Abiturnote bei der Einstellung noch berücksichtigt werden würden.

Zudem würden Spät-Studierende evtl. den "faden" Nachgeschmack haben, das sie in der Schule nicht gewusst hätten, in welche Richtung es gehen soll darum der späte Richtungswechsel.

Die letzte These setzt dann noch einmal etwas oben drauf ... ein älterer Spätstudierender Quereinsteiger wäre dann für die Firmen nur ein Absolvent wie die jungen Leute auch, die allerdings durch das Alter mehr Geld verlangen würden und somit teurer wären.

Die Chancen lägen damit meist bei kleinen und mittelständischen Unternehmern, wo der Chef den Akademiker mit praktischen Kenntnissen sucht.

Alles in allem stößt mich persönlich dieses Thema schon etwas sauer auf - diese Betrachtung ist sehr einseitig und zeigt leider wie hochnäsig die deutsche Wirtschaft mit Fachkräften umgeht. Auf der einen Seite gibt es Fachkräftemangel auf der anderen werde Menschen aussortiert nur weil sie keinen aalglatten Lebenslauf haben?

Schon allein das finanzielle Thema ist wenigstens für mich im kaufmännischen Bereich ein Witz. Die wenigsten Leute verdienen allein durch das Alter soviel wie ein Absolvent im Einstieg - dieses Argument ist somit meiner Meinung nach sehr weit hergeholt. Sicher ist in den technischen Berufen die Kluft nicht so groß wie im BWL Sektor, allerdings kostet eben die Berufserfahrung auch - die bei dieser Betrachtung völlig aussen vor gelassen wurde.

Den allergrößten Hohn finde ich allerdings zu unterstellen, das Spät-Studierende in der Schule nicht gewusst hätten wo sie hin möchten - es soll ja schließlich Leute geben die in jungen Jahren gar nicht die Möglichkeiten hatten. Oder es gibt andere Gründe - ich persönlich war eben mit 15 der Meinung das man mit einer mittleren Reife durchaus etwas erreichen kann, und vor 12 Jahren war das auch noch deutlich realistischer als heute.

Wie seht Ihr dieses Thema? Ist es eher die vereinzelte Meinung eine Vertreters einer eher elitär geprägten Branche - oder vllt. das Spiegelbild unserer Wissensgesellschaft die noch nicht das lebenslange lernen akzeptiert hat?

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Hallo Chillie,

die Argumente kenne ich,

mein Gegenargument lautet:

- was bringt ein 40 oder 50-jähriger, der vor 20 - 30 Jahren sein Studium abgeschlossen hat und in der Zwischenzeit keine Fortbildungen gemacht hat???

- das beste Gegenargument ist die Bevölkerungspyramide, da wird man in Zukunft keine große Auswahl haben

- wir haben ein Wirtschaftswachstum jetzt von ca. 1,8 und die Wirtschaft schreit schon nach Fachkräften, der Markt ist in vielen Bereiche leergefegt!!!

Gruß und keine Panik, für uns kann nur noch alles besser werden

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Viel interessanter fand ich allerdings den Kommentar eines HR-Spezialisten des Personaldienstleister "Access" ... der den Studienabgängern ohne Abitur eher geringe Chancen in Aussicht stellt

Hallo,

seien wir realistisch. Es wird immer Leute geben, die über irgendwas die Nase rümpfen...

Und seien wir dann noch mal realistisch. Früher war es normal, dass man lebenslang das machte, was seine Eltern lebenslang gemacht hat.

Dann wurde es normal, dass man lebenslang in einer Firma blieb.

Dann wurde es normal, dass man im Leben ein paar mal die Firma wechselt.

Und heute ist es normal, dass man ein paar mal im Leben einen neuen Beruf lernen muss. Ein Mensch der heute noch die gleiche Tätigkeit wie vor vierzig Jahren machen will ... wo will der noch arbeiten?

Mich persönlich würde eher das Alter des befragten HR-Menschen interessieren. Ein junger Hüpfer ohne Lebenserfahrung? Ein Mensch der selbst viele Karrierestationen hinter sich hat, sich hochgearbeitet hat?

Seien wir zum dritten mal realistisch: Die Zeit des Jugendwahns ist zu Ende. Der Jugendwahn ist in den 80igern, angesichts des damals als tendenz bereits sichtbaren Strukturwandels entstanden. Aber der Jugendwahn ist eigentlich vorbei. Ok, manche Marketingleute haben es noch nicht mitbekommen, aber das ist ein anderes Thema.

Viele Grüße

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Ich hatte mich mal vor 4-5 Jahren auf eine Postition im mittleren Management bei BASF beworben. Die Unternehmensberatung, die das Bewerbungsverfahren durchgeführt hatte verlangte von mir meine Schulzeugnisse ab Klasse 7. Weiterhin mußte ich im Fragebogen den Namen der Grundschule angeben.

Nein, ich verärsche Euch nicht, war wirklich so.

hotknife


„Wir neigen dazu, Erfolg eher nach der Höhe unserer Gehälter

oder nach der Größe unserer Autos zu bestimmen,

als nach dem Grad unserer Hilfsbereitschaft

und dem Maß unserer Menschlichkeit.“

(Martin Luther King)

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Ich hatte mich mal vor 4-5 Jahren auf eine Postition im mittleren Management bei BASF beworben. Die Unternehmensberatung, die das Bewerbungsverfahren durchgeführt hatte verlangte von mir meine Schulzeugnisse ab Klasse 7. Weiterhin mußte ich im Fragebogen den Namen der Grundschule angeben.

Ich kann da nur den Kopf schütteln.

Was bin ich froh, dass ich selbständig bin. Meine Kunde haben immer genau zwei Fragen: 1. Was hast du studiert und 2. Welche Erfahrungen hast du.

Manchmal wollen sie noch Referenzen.

Viele Grüße

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Hallo zusammen :-)

Also um es vorweg zu nehmen: Ich stehe solchen Artikeln in solchen "Karrierezeitschriften" sowieso skeptisch gegenüber. Es wird hier den jungen Absolventen ein Bild gezeigt, welches nun absolut nicht überall in der Wirtschaft der Realität entspricht. Unsere Wirtschaft braucht Praktiker und Akademiker...und am besten ist es, die Mischung aus beidem vorweisen zu können. Man redet immer über Abschlüsse und große Firmen und die großen Consulter. Mal ehrlich, wer von uns, der auf dem zweiten Bildungsweg seinen Abschluss nachholt (ich beziehe mich hier mal auf akademische Abschlüsse) wird denn zu den "oberen Zehntausend" der Topmanager gehören? Wohl die Wenigsten. Und diesen Anspruch haben wohl auch die wenigsten. Das ist genau wie diese ewige Diskussion um die Master-Abschlüsse. Hier wollen einem diese Karriereblätter auch meist weismachen, dass man es ohne einen Master aus dem Ausland, am besten noch Oxford & Co., auch gleich seinlassen kann. Völliger Blödsinn!

Aber zu den einzelnen Punkten will ich noch etwas äußern:

1. Es mag Unternehmen geben, wo man die über 30-jährigen Fach- und Führungskräfte noch nach ihrer Abiturnote beurteilt. Ich kenne aber viel mehr Unternehmen, wo bestimmte Positionen sogar ohne Bewerbungsmappe vergeben werden. Oder man legt Wert darauf, ob man überhaupt Abitur hat oder einen akademischen Abschluss vorweisen kann. Es kommt halt immer drauf an. Wenn hier dann noch die Abi-Note zählen soll, dann frage ich mich, was hier für sinnlose Maßstäbe gelten. Für Absolventen mag dies anders sein. Welche Maßstäbe soll man in deren kurzem Leben sonst gelten lassen?

2. Zum Thema Spätstudierende: Auch hier kenne ich genug Personaler, die keine gradlinigen Lebensläufe mögen. So eine "Patchwork-Vitae" hat ihren Reiz, zumal diese Menschen meist über den Tellerrand geschaut und sich ausprobiert haben. Gerade meine Branche (Medien) ist gezeichnet von Quereinsteigern, die sowas von gut sein können. Man kann ja spät studiert haben, soange das, was man vorher gemacht hat, irgendwie ins berufliche Konzept, quasi in den roten Faden passt. Und hey, diese Bildungshungrigen haben einen Vorzug für den Arbeitgeber: Sie tun mehr für Ihre Qualifikation als diejenigen, die nichts dafür tun ;-) Und davon gibts viele...

3. Die dritte Aussage halte ich ebenfalls für Quatsch. Ein Spätstudierender wird genauso gewertet wie ein Jungabsolvent? Hm, es gibt massig Führungspositionen, wo der erfahrene Praktiker mit akademischem Abschluss gefragt ist. Woher dieser Abschluss dann kommt ist oft zweitrangig, zumal er meist einfach nur ein Kriterium des Anforderungsprofiles ist. Es gibt genug Positionen, wo mich ja der Teufel geritten haben müsste, wenn ich dort einen jungen unerfahrenen Absolventen positionieren würde. Beispiel Verkaufsleiter: Einen guten Verkaufsleiter zu finden ist sehr schwer. Und wenn ich einen einstellen würde, dann einen, der fit in seinem Metier ist, der Erfahrung hat, Kniffe kennt, den Markt einschätzen kann, Mitarbeiter führen kann. All das kann ein junger Absolvent höchstens suboptimal. Dass solch ein qualifizierter Mitarbeiter dann mehr Geld kostet, als ein Berufseinsteiger, sollte klar sein.

Was sind das für Unternehmen, die die ihre Mitarbeiter direkt aus Oxford rekrutieren und die noch zwanzig Jahre nach dem Abi auf die Noten schauen? Helft mir doch mal auf die Sprünge ;-)


Wirtschaftsrecht 4. Semester, HFH

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Den allergrößten Hohn finde ich allerdings zu unterstellen, das Spät-Studierende in der Schule nicht gewusst hätten wo sie hin möchten - es soll ja schließlich Leute geben die in jungen Jahren gar nicht die Möglichkeiten hatten. Oder es gibt andere Gründe - ich persönlich war eben mit 15 der Meinung das man mit einer mittleren Reife durchaus etwas erreichen kann, und vor 12 Jahren war das auch noch deutlich realistischer als heute.

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Ich hatte mich mal vor 4-5 Jahren auf eine Postition im mittleren Management bei BASF beworben. Die Unternehmensberatung, die das Bewerbungsverfahren durchgeführt hatte verlangte von mir meine Schulzeugnisse ab Klasse 7. Weiterhin mußte ich im Fragebogen den Namen der Grundschule angeben.

Nein, ich verärsche Euch nicht, war wirklich so.

hotknife

Hallo,

vor zwanzig Jahren habe ich Bewerbungen für einen Job gescannt. Der Job war anspruchsvoller und ich wollte Ältere mit Lebenserfahrung. Manche Bewerber waren fünfzig und älter.

Da gab es welche, die haben es tatsächlich fertig gebracht und haben mit fünfzig noch ihre Volksschulzeugnisse beigelegt. Die Erfahrung war für mich eher unangenehm.

Das was da hängen bleibt ist schlicht: Die Leute haben nur einen Grundschul"abschluss". Und der noch mal nicht mal gut. Dreien und Vieren. Können ja nur Loser sein.

Die Wahrheit ist aber: In der Nachkriegszeit gab es für die breite Masse auf nur die Volksschule. Das war damals normal und ist heute nicht mehr wichtig.

Viel wichtiger ist, welche Erfahrungen haben diese Leute in ihrem Leben gesammelt. Wie haben sich entwickelt. Und das kann man in meinen Augen am besten anhand der letzten Jahre beurteilen. Was haben die Leute die letzten Jahre getrieben, wo, als was und wie haben sie gearbeitet.

Wie diese Leute auf diese Positionen gekommen sind, ist dagegen weniger wichtig.

Interessant könnte noch sein: Welche Startbedingungen hatte ein Mensch und wo steht er heute.

Mfg

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Interessant könnte noch sein: Welche Startbedingungen hatte ein Mensch und wo steht er heute.

Viele Personaler denken heute leider noch nicht so. Allerdings wird in den nächsten Jahren, aufgrund fehlenden "jungen" Nachwuchses, ein Umdenkungsprozess stattfinden müssen. Wenn immer weniger junge nachkommen, sehe ich dann für "ältere" wie mich, die keinen astreinen, druchgeplanten Lebenslauf haben, die Chance auf eine bessere Position. Von solchen Berichten lasse ich mich nicht aufhalten!! Wäre wünschenswert, wenn es heute schon mehr Personaler von dieser Sorte gäbe.

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