Eraco

Erfahrungen zum Fernstudium

7 Beiträge in diesem Thema

Hallo,

hier möchte ich meine Erfahrungen mitteilen:

Erst mal war auch ich skeptisch, ob ein Fernstudium wirklich befähigt, als Legasthenietrainer mit Kindern und Erwachsenen zu arbeiten. Aber diese Frage kann ich definitiv mit JA beantworten.

Die Skripte sind sehr umfangreich und auch die zusätzliche Pflichtlektüre ist absolut sinnvoll. Das Schöne an diesem Fernlehrgang ist die Fülle der Materialien, die man entweder im Script als Kopiervorlagen oder über das eigene Internet-Forum kostenlos verwenden kann.

Außer Kopiervorlagen zu den verschiedenen Sinneswahrnehmungsgebieten gibt es auch viele Vorlagen für das Aufmerksamkeitstraining und das Symptomtraining.

Über eine öffentlich zugängliche Internet-Seite können auch Eltern oder anders Interessierte Arbeitsblätter oder Spiele runterladen.

http://www.arbeitsblaetter.org/

Im internen Forum, welches nur über Passwort zugänglich ist, tauschen sich die Legasthenietrainer aus aller Welt aus. Hier kann man auch zu konkreten Problemen Fragen an erfahrene Trainer stellen.

Der Praxisteil besteht aus insgesamt 50 Std. Arbeit, wobei 20 Std. reines Training mit Trainingskindern ist. Die ersten 3 Module werden mit der Einreichung einer Hausarbeit bestehend aus 10 Fragen zum Script eingereicht und bewertet. Noten gibt es allerdings keine, man bekommt den Bescheid ob man das Modul bestanden hat oder nicht!

Das letzte Modul besteht aus 8 Fragen, einer Fehleranalyse zu 5 Texten und den Unterlagen des praktischen Trainings. Hierzu müssen Stundennachweise für alle 20 Std. eingereicht werden, zusätzlich die Unterlagen zu den Testergebnissen, Pädagogischen Gutachten die man hierzu erstellt hat und den Anamnesebogen, die man von den Angehörigen erhalten hat und mit in die Diagnostik einbezogen hat.

Nach Einreichen dieser Abschlussarbeit bekommt man nach Bestehen dann seine Diplomurkunde, in der die insges. 50 Std. bescheinigt werden und die Bereiche genannt werden, für die man sich qualifiziert weitergebildet hat:

Legasthenie, LRS und Dyskalkulie. Das Fernstudium ist nicht nur ZFU-zugelassen, es hat auch die EFQM-Zertifizierung und bietet auch nach Abschluss des Studiums weiterhin Online-Weiterbildungen die auch bescheinigt werden. Ich selbst führe die Bezeichnung Legasthenietrainer des EÖDL.

Die Betreuung findet per Email statt, es sei denn, man wohnt in der Nähe von Klagenfurt. ;) Auf Fragen bekommt man meist innerhalb eines Tages Anwort. Die Kommentare sind immer sehr kompetent und hilfreich.

Nach Abschluss kann man sich auf einer Internet-Seite kostenlos bewerben lassen.

http://www.legasthenietrainer.de/

Ein Highligt ist auf jeden Fall die kostenlose Fachtagung, die einmal im Jahr in Salzburg stattfindet.

http://www.fachtagung.com/

Es treten immer sehr gute Referenten auf und das umsonst, man hat lediglich die Anfahrtskosten sowie evtl. die Übernachtungs- und Verpflegungskosten.

Mein Fazit:

Es ist eine bezahlbare Ausbildung die sich in jedem Fall bezahlt macht. Es wird vor allem an die Menschlichkeit im Training mit Betroffenen appeliert. Die AFS-Methode ist eine offene und umfassende Methode des Trainings mit legasthenen und dyskalkulen Menschen.

Erstmals wurde deren Wirksamkeit in einer 6-jährigen Langzeitstudie, veröffentlicht im neusten Buch von Fr. Dr. Astrid Kopp-Duller und Mag. Livia R. Pailer-Duller, bestätigt.

http://www.legasthenie.com/neu/

Das macht Mut für die Zukunft. :)

Liebe Grüße,

Eraco

bearbeitet von Eraco

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Der Praxisteil besteht aus insgesamt 50 Std. Arbeit, wobei 20 Std. reines Training mit Trainingskindern ist.

Hallo Eraco,

vielen Dank für Deinen ausführlichen und sehr interessanten Beitrag.

Wie darf ich mir den Praxisteil vorstellen? Wo kommen die *Trainingskinder* her?


Viele Grüsse

Zippy

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Hallo Zippy,

die Trainingskinder muss man sich selbst suchen, entweder man nimmt Kontakt zur Erziehungsberatunsstelle, zur Schule oder zum Jugenamt auf oder man sucht sich selbst welche. Ich habe auch kleine Plakate ausgehängt, daraufhin haben sich Eltern gemeldet. Eine Mutter hatte meine Adresse vom Jugendamt, denen hatte ich Flyer geschickt und eine Mutter hatte mein Plakat beim Hausarzt gesehen.

Bei mir auf dem Plakat stand: Suche 3 Trainingskinder mit Verdacht auf Legasthenie, LRS oder Dyskalkulie für meine Abschlussarbeit als Legasthenietrainer. Meine Leistungen umfassen die Diagnostik, die Auswertung, die Beratung und das Training. Alle Leistungen sind im Rahmen der Abschlussarbeit kostenlos ! Das ist eine wichtige Voraussetzung, die vom EÖDL vorgegeben ist, man darf für die Abschlussarbeit nichts verlangen.

Die 50 Std. setzen sich so zusammen:

Du führst erst mal ein Beratungsgespräch, dass kann ja schon mal eine halbe bis eine Stunde dauern. Darin klärt man die Eltern erst mal auf, welche Teilleistungsstörungen es gibt, welche Arten der Diagnostik man anwendet usw. Dann macht man einen Termin für die Diagnostik aus.

Die Diagnostik dauert je nach Umfang 1 bis 2 Std. Danach fängt dann aber erst die eigentliche Arbeit an: Du wertest die Ergebnisse aus, du schreibst ein Pädagogisches Gutachten, in dem dann die Eltern nochmals die Details nachlesen können und du erstellst einen individuellen Trainingsplan. Das alles kann auch nochmal 2-3 Std. dauern.

Dann kommt das Auswertungsgespräch, du erklärst den Eltern das Ergebnis der Diagnostik und die Folgen. Hier kommt dann oft der sogenannte AHA-Effekt! ;)

Dann besprichst du mit den Eltern, wie weiter vorgegangen wird, bzw. wie das Training, auch zu Hause, ablaufen wird. Du gibst den Eltern Material mit (CD oder Kopien) und machst einen Termin für das erste Training aus.

Das Training läuft dann nach Trainingsplan ab, aber am Ende jeder Stunde musst du noch eine Nachbearbeitung machen. Du reflektierst die Übungen: Waren sie dem Kind zu schwer, zu leicht? Muss ich evtl. nächstes Mal ein anderes Material anwenden usw.

Jede Trainingsstunde wird individuell vorbereitet, aber es kann sein, dass du aus einem besonderen Anlass das Training umgestalten musst, weil z.B. eine wichtige Arbeit ansteht oder ein Thema gerade ganz wichtig ist usw.

Je nachdem, wie sich das Kind dann entwickelt, musst du regelmäßig das Training neu überdenken und umgestalten. Es wird dann auch nach ein paar Wochen wieder ein AFS-Test gemacht um zu überprüfen, ob sich etwas verändert hat um dann darauf einzugehen.

Da die Arbeit neben dem Training (die 20 Std.) die meiste Zeit einnimmt, werden dann auf der Diplom-Urkunde 50 Std. bescheinigt.

Liebe Grüße,

Conny

bearbeitet von Eraco

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Hallo Conny,

vielen Dank für Deine aufschlussreiche Antwort.

Eine letzte Frage bliebe noch: Wenn Du in diesem Bereich arbeiten würdest, wie rechnest Du ab? Wird das von den Krankenkassen getragen oder zahlen die Eltern privat?


Viele Grüsse

Zippy

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Hallo Zippy,

diese Frage ist keine leichte Frage und auch nicht ganz so einfach zu beantworten.

Es sieht in Deutschland so aus, dass zwar die sogenannten Teilleistungsstörungen, dazu zählt auch eine Legasthenie/LRS/Dyskalkulie, zwar im ICD 10, also bei den Krankheiten erfasst ist, aber nicht als solche anerkannt ist.

Sicherlich ist es auch nicht richtig, 15% der Bevölkerung als krank oder "gestört" zu bezeichnen.

Das bedeutet auf jeden Fall es ist keine Kassenleistung, also wird nichts bezahlt!

Man kann es über das Jungendamt gemäß $35a SGB IV versuchen, die sind aber meist auch nicht in der Lage, ein LRS-Training zu bezahlen und verweisen ihrerseits dann wieder zurück zur Schule. Da man aber den Schulen das Budget gekürzt hat, haben die oftmals nicht die finanziellen Möglichkeiten solche Kurse anzubieten.

Du siehst es ist ein Teufelskreis! :mad:

Wichtig ist es aber in jedem Fall zu wissen: Wenn man einen Nachteilsausgleich hat und auch ein Gutachten, dass eine seelische Krankheit droht, wenn es trotzdem kein Training gibt, können Eltern beim Verwaltungsgericht kostenlos eine Klage einreichen, sofern das Jugendamt weiterhin ein Training verweigert!

In der Regel ist es aber so, dass die Eltern das Training selbst aus eigener Tasche bezahlen. Die Preise sind regional unterschiedlich und evtl. bei vorliegender Bedürftigkeit (Arbeitslosigkeit oder ähnl.) verhandelbar.

Ich weiß von einem Fall, da geht die Mutter mit ihrem Kind schon seit 4 Jahren zum Training und bis jetzt hat es noch nichts gebracht!

Deshalb muss man wissen, dass Training nicht gleich Training ist.

Man sollte sich schon sehr genau informieren nach welcher Methode oder mit welchen Möglichkeiten jemand arbeitet. Je offener die Methode umso mehr Erfolgschancen! Aufklärung und Beratung sollten so sein, dass man sich wohl fühlt.

Man muss sich auch von Anfang an darüber klar sein, dass man die Symptome (Rechtschreibfehler) einer Legasthenie/Dyskalkulie nicht über Nacht wegtrainieren kann. Es dauert in der Regel zwischen 1,5 bis 2 Jahren.

Zur Abrechnung: Zu Beginn eines Trainings wird ein Vertrag geschlossen, in dem ist festgeschrieben, welches Training gemacht wird, wie lange es in Minuten dauert, wieviele Termine im Monat stattfinden und der Betrag, der ausgehandelt wurde. Wichtig ist auch, dass nur Termine bezahlt werden, die auch tatsächlich wahrgenommen wurden. Ausgenommen davon bleiben Termine, die unentschuldigt versäumt wurden. Ich stelle eine Rechnung über die erbrachten Leistungen aus, ohne MWSt nach $19 UStG (Kleingewerbe).

Ich hoffe, damit ist deine Frage einigermaßen beantwortet. ;)

Liebe Grüße,

Conny

bearbeitet von Eraco

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Hallo Eraco!

Ich befinde mich gerade in der "Endspurtphase" zum Legasthenietrainer und kann deine Erfahrungen nur bestätigen!

Bei der Organisation des Praxisteils bin ich aber jetzt doch etwas unsicher und hoffe, dass du mir vielleicht in zwei Punkten weiterhelfen kannst:

1. Müssen es mehrere Testkinder sein, oder reicht es, wenn ich mit einem Kind 20 Stunden arbeite?

2. Die Mutter meiner Testperson möchte nicht, dass Name und Adresse ihres Kindes vollständig in meiner Arbeit erscheinen. Was tun?

Es wäre super, wenn du mir antworten könntest!:)

Vielen Dank!

Toppo1210

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Hallo Toppo,

ups, da hab ich wohl deine Frage übersehen, sorry. Auch wenn es jetzt mit Sicherheit schon zu spät ist, vielleicht kann ich die Frage für andere Interessierte trotzdem beantworten.

1. Es ist einem selbst überlassen, ob man ein Kind oder mehrere nimmt. Bewährt hat sich eine Anzahl von 2 bis 3 Kindern, weil man ja auch diese 20 Termine zeitnah abschließen will. Wenn man nur mit einem Kind arbeitet, bei einem Training wöchentlich, bedeutet das, dass man 20 Wochen arbeiten muss, evtl. noch mehr, da es ja auch noch Ferien gibt. Außerdem bieten mehrere Kinder auch immer mehr Erfahrung mit unterschiedlichen Problematiken und man lernt im Endeffekt mehr, wie ich finde.

2. Ich habe meine Eltern alle vorher darüber aufgeklärt, dass die Daten gemäß dem Datenschutzgesetz verwendet werden und nur mir und dem EÖDL zur Bewertung meiner Arbeit zur Verfügung stehen. Es haben auch alle eine Erklärung zum Datenschutz unterschrieben. Somit war es bei mir kein Problem. Wenn aber Eltern das nicht wollen, kann man die entsprechenden Daten schwärzen, allerdings muss man sich dann beim EÖDL erkundigen, wie das dann mit der Verwendung für die Abschlussarbeit aussieht. Wenn alles geschwärzt ist, wie soll man dann überprüfen, ob die Angaben tatsächlich der Wahrheit entsprechen? Man könnte ja einfach irgend einen Namen reinschreiben und die Stundenblätter aufüllen. Vielleicht ist es hier dann besser, wenn man sich ein neues Trainingskind sucht, bzw. sich erst gar nicht darauf einlässt.

Liebe Grüße,

Conny

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