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Das Buch "Differenzierte Studienformen: Eine empirische Forschungserhebung in Deutschland" von Matthias Klumg und Irna Rybnikova ist im W. Bertelsmann Verlag (wbv) erschienen und umfasst 213 Seiten. Es enthält in 10 Kapiteln 149 Tabellen und sechs Abbildungen. Hinzu kommen drei Anhänge.

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Differenzierte Studienformen: Eine empirische Forschungserhebung in Deutschland*

Als zugrunde liegende Studienformen wurden für die Untersuchung das Präsenzstudium in Vollzeit und Teilzeit, das Fernstudium sowie das duale Studium definiert und analysiert. Ich werde mich in meinen Ausführungen auf den Bereich Fernstudium konzentrieren.

Die Studie geht der Vielfalt der Studienformen in anderen Ländern (...) nach und fragt dann nach dem Maß der bereits in Deutschland sichtbaren Variantenbreite sowie nach den Potentialen und Wahrscheinlichkeiten einer wachsenden Differenzierung der Studienformen in Deutschland.

Den Autoren ist es wichtig hervorzuheben, dass mit der Studie nicht die Frage nach einer "richtigen" Studienform beantwortet werden soll, sondern dass eine Heterogenität der Studienformen angestrebt werden sollte und eher die Frage ist, in wieweit diese schon ausgeprägt ist und wo die besonderen Merkmale der verschiedenen Studienformen liegen.

Die Aufgabe der Studie soll gemäß Zielsetzung der Autoren darin bestehen, die Organisationsmerkmale unterschiedlicher Studienformen mit Hilfe von empirischen Daten zu vergleichen.

Im Vorfeld der Untersuchung wurden acht Thesen aufgestellt. Unter anderem, dass durch eine Ausdifferenzierung der Studienformen eine höhere Studienquote erreicht werden kann und dass verschiedene Studienformen aber auch verschiedene Vorgehensweisen hinsichtlich der Didaktik, Studienberatung, Betreuung, Lernstrategien aber auch des Lehrkörpers erfordern.

Die Untersuchungskonzeption besteht aus vier Teilen:

  1. Analyse der internationalen und nationalen Statistiken zu Studienformen
  2. Internetbasierte Befragung von Studierenden, Hochschullehrern und Unternehmen
  3. Telefonische Befragung von Hochschulexperten
  4. Analyse von Akkreditierungsberichten ausgewählter Studiengänge

Zunächst werden die vier zugrunde gelegten Studienformen definiert. Zum Fernstudium heißt es dabei, dass das Fernstudium zum größten Teil ortsunabhängig von der Hochschule absolviert werden kann und eine individuelle Zeit- und Lerneinteilung ermöglicht. Didaktisch wird dies durch den umfangreichen Verzicht auf Präsenzveranstaltungen möglich, was mit Fernlehrmedien kompensiert werden soll.

Als nächstes wurde die Verbreitung unterschiedlicher Studienformen in einigen ausgewählten Ländern (Australien, Großbritannien, Litauen, Singapur, Vereinigte Staaten von Amerika sowie Deutschland). Dabei wurde festgestellt, dass die direkte Vergleichbarkeit der Daten äußerst schwer ist, weil die Konzepte der Studienformen in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich sind. Es kann aber zumindest festgestellt werden, dass in Deutschland das klassische Präsenz-Vollzeitstudium dominiert und alternative Studienformen einen deutlich geringeren Anteil ausmachen als in den meisten anderen betrachteten Ländern.

Die empirische Untersuchung wurde auf die Fokusgruppen Studierende, Hochschuldozenten, Unternehmen (Internet-Befragung) sowie Hochschulexperten (telefonische Befragung) ausgerichtet.

Nach einigen Erläuterungen zur Methodik werden dann die Ergebnisse der Befragungen der verschiedenen Gruppen vorgestellt.

Im Bereich Fernstudium waren die AKAD, die FernUni Hagen sowie die FH Niederrhein beteiligt.

In einer Matrix werden dann die Ergebnisse dargestellt, in dem die Antworten der verschiedenen Studienform-Gruppen gegenüber gestellt werden.

Zum Beispiel bei der Frage nach der Berufserfahrung der Studierenden wurde vertikal unterschieden nach:

- vor dem Studium

- während des Studiums

- nach dem Studium

- sowohl als auch

- weder noch

und horizontal nach:

- Präsenzstudium (Vollzeit)

- Präsenzstudium (Teilzeit)

- Fernstudium

- Berufsbegleitendes Studium (Duales Studium)

Nachfolgend möchte ich einige der untersuchten Fragestellungen vorstellen (weitgehend ohne auf die Ergebnisse einzugehen - einige Bemerkungen habe ich eingefügt), um Interessenten an dem Buch die Entscheidung zu erleichtern, ob sich die Anschaffung lohnt.

Fragen an die Studierenden (Auswahl)

  • Berufserfahrung
  • Merkmale, zum Beispiel
    - Alter
    - Berufserfahrung vor dem Studium
    - Lernmotivation (im Fernstudium am höchsten!)
  • Motivationsquellen
  • Zugangsvoraussetzungen
  • Studiengebühren
  • Organisation
    - Präsenzanteil
    - Selbststudium-Anteil
    - Selbstbestimmung des Studienverlaufs
  • Didaktik der Lehre
  • Studienberatung
  • Fachliche Betreuung
  • Erfolg, zum Beispiel:
    - Studiendauer
    - Zufriedenheit der Studierenden
    - Studienabbrecher
  • Lehrpersonal
  • Karriereberatung
  • Befürwortung differenzierter Studienformen

Die Fragen an die Hochschullehrer waren ähnlich. Zusätzlich wurde zum Beispiel noch die Frage nach der angestrebten Zielgruppe (im Fernstudium demnach 100 Prozent Berufstätige - es lagen in dieser Gruppe aber auch nur zwei Antworten vor. So weisen dann auch die Autoren darauf hin, dass die Ergebnisse für den Bereich Fernstudium mit Vorsicht zu betrachten sind).

Bei der Befragung der Unternehmensvertreter fällt auf, dass die Teilnehmer mit dem Fernstudium kaum vertraut waren, dafür aber sehr stark mit dem dualen Studium. Das liegt vermutlich daran, dass Studierende aus dem dualen Studium gebeten wurden, ihre Arbeitgeber anzusprechen, ob sie Interesse an der Teilnahme an der Studie haben.

Auch hier wurden wieder ähnliche Fragen wie bei den Studierenden gestellt.

Die Befragung der Hochschulexperten (Hochschulvertreter und Wissenschaftler sowie Unternehmensvertreter) erfolgte telefonisch. Der Fragenkatalog war wieder ähnlich, allerdings konnte am Telefon ggf. eine direkte Klärung bzw. ein Nachfassen erfolgen.

Ergänzend zu den Befragungen erfolgte eine Analyse von Akkreditierungsberichten. Hier wurden allerdings nur solche Berichte untersucht, die zu einer erfolgreichen Akkreditierung geführt haben, da solche über abgelehnte Anträge nicht zur Verfügung standen. Es wurden unter anderem die Häufigkeiten ermittelt, mit denen verschiedene Kriterien in Akkreditierungsberichten genannt werden (zum Beispiel internationaler Bezug oder zeitliche Studienorganisation).

Am Ende des Buches steht die "Zusammenfassung der Ergebnisse und Ausblick" sowie ein "Handlungsmodell alternative Studienformen", in dem einige handlungsleitende Thesen aufgestellt werden. Unter anderem geht es dabei darum, ob die Konzentration der Diversifikation einzelner Studienformen auf einzelne Hochschulen (zum Beispiel Fernstudium an der FernUni Hagen) erfolgen sollte, dass die Doppelbelastung durch Studium und Beruf für ein berufsbegleitendes Studium beachtet werden sollte und was allgemeingültige Mindeststandards bezüglich der Lehrqualität sein sollten.

Es schließt sich das Literaturverzeichnis an sowie in den Anhängen die verschiedenen Fragebögen.

Das Buch liefert einige interessante Hinweise und auch ein paar Überraschungen bei den Ergebnissen. Problematisch sehe ich jedoch, dass nur Studierende etc. sehr weniger Hochschulen befragt wurden, was gerade bei Fragen nach zum Beispiel der Betreuungsqualität schnell ein verzerrtes Bild erzeugen kann. Dieses Problem zeigt sich meiner Meinung nach auch sehr deutlich bei den befragten Unternehmensvertretern, da sich die Studienteilnehmern hier aus Empfehlungen von Studierenden des dualen Studiums generiert haben. Dadurch wird die Aussagekraft der Ergebnisse meines Erachtens deutlich geschmälert.

* = Affiliate-Link

bearbeitet von Markus Jung

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