Fernstudienakademie

Interview mit Markus Jung: Arbeiten in einem Autorenteam - Spaß oder Kampf?

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Wie ja vielleicht bereits der ein oder andere mitbekommen hat, bin ich gerade dabei, die Entstehung eines neuen Fernkurses der Fernstudienakademie zum Thema „SachbuchautorIn“ in einem Blog zu begleiten.

Im Verlauf der Arbeit an diesem Fernkurs bin ich auf den Gedanken gekommen, dass die späteren Teilnehmer sicherlich nicht immer nur meine Sicht der Dinge (als Sachbuch- und Lehrgangsautorin) erfahren wollen, sondern auch mal die Standpunkte anderer Fachleute aus der Buchbranche kennen lernen möchten.

Daraus entwickelte sich die Idee, Interviews mit Autoren, Lektoren, Layoutern und einigen anderen Personen in den späteren Fernkurs zu integrieren. Den Anfang macht unser Ober-Forist Markus Jung, mit dem ich ja vor einiger Zeit den Ratgeber „100 Fragen und Antworten zum Fernstudium“ veröffentlicht habe.

Anne Oppermann: Du hast ja gemeinsam mit mir das Ratgeberbuch „100 Fragen und Antworten zum Fernstudium“ verfasst; und zu diesem Buchprojekt möchte ich Dir gerne ein paar Fragen stellen. Könntest Du Dich vielleicht zunächst einmal kurz vorstellen?

Markus Jung: Gerne. Mein Name ist Markus Jung, ich habe per Fernstudium Informatik studiert und außerdem einen Journalismus-Fernlehrgang absolviert. Da mich das Thema Fernstudium von Anfang an begeistert hat, habe ich dazu nach und nach ein Informationsportal im Internet rund um diese Lernform aufgebaut und mich 2007 mit Fernstudium-Infos.de selbstständig gemacht.

A.O.: Wie kam es zu der Idee, gemeinsam ein Buchprojekt zu starten?

M.J.: Es gab ja schon vorher einen regen Austausch mir Dir, der immer besonders spannend war, da wir das Thema aus zwei Perspektiven betrachten – Du aus der Anbietersicht und ich eher aus der Verbrauchersicht. Uns beiden gemeinsam ist aber aufgefallen, dass zum Teil immer wieder die gleichen Fragen gestellt werden und dass es gut wäre, diese gesammelt in einem Buch zu beantworten. Naja, und irgendwann kam dann halt ein Anruf von Dir, der den Anstoß gegeben hat, diese Idee in die Tat umzusetzen.

A.O.: Was hast Du Dir von diesem Buchprojekt erhofft? Haben sich Deine Hoffnungen erfüllt?

M.J.: Zunächst einmal war mein Wunsch, noch mehr Menschen fundiert über das Thema Fernstudium zu informieren und Fragen aus dem Weg zu räumen. Insbesondere wollte ich mit dem Buch auch Menschen erreichen, die das Internet noch nicht so sehr nutzen. Von den bisherigen Rückmeldungen her scheint sich diese Hoffnung zu erfüllen. Auch eine gewisse Steigerung des Bekanntheitsgrades spielte eine Rolle. Das ist schwer in Zahlen zu fassen, aber gelegentlich werde ich schon auf das Buch angesprochen.

A.O.: Inwieweit hast Du dieses Projektidee vielleicht als Wagnis empfunden?

M.J.: Ich selbst hatte aus dem Verlagsbereich noch überhaupt keine Erfahrungen. Außerdem hatte ich Sorge, dass ich neben meinen Hauptaufgaben den zeitlichen Anforderungen des Projekts nicht gewachsen sein könnte. Es hat mir da aber sehr geholfen, dass Du schon Erfahrungen als Autorin hast.

A.O.: Wie kann man sich eine solche Zusammenarbeit zweier Autoren ganz praktisch vorstellen?

M.J.: Also vor allen Dinge gab es eine endlose Anzahl von E-Mails. Würde man die alle ausdrucken, würden sicherlich Aktenordner gefüllt werden. Bei komplexeren Themen, oder auch wenn es mal Diskussionen gab, war es auch sinnvoll, einmal zu telefonieren. Außerdem hatten wir uns ja zu Beginn zusammen mit unserem Lektor und Unterstützer in vielerlei Hinsicht (und „nebenbei“ Deinem Mann) einmalig in Münster getroffen, um grundlegende Entscheidungen zu treffen – aber noch mehr um uns zumindest einmal begegnet zu sein. Das hat den sonst rein „virtuellen“ Austausch deutlich erleichtert. Bei diesem Treffen haben wir dann ja auch grundsätzlich aufgeteilt, wer sich um welche Teile des Textes kümmern soll. Dabei haben wir darauf geachtet, dass es halbwegs gleichmäßig verteilt wird und jeder bei den Fragen aktiv wird, bei denen er ein besonders ausgeprägtes Expertenwissen hat.

A.O.: Die Texte wurden ja bei Google Docs verwaltet; so hatten beiden Autoren zu jeder Zeit Zugriff auch auf die Texte des anderen. Kannst Du dieses Programm einmal kurz vorstellen?

M.J.: Google Docs ist ein Dienst von Google, der allen bei Google angemeldeten Benutzern kostenlos zur Verfügung steht. Man kann sich das wie eine Online-Textverarbeitung vorstellen. Allerdings ergänzt um die Funktion, gemeinsam an Dokumenten arbeiten zu können. Über Veränderungen werden die Autoren informiert und können dann darauf reagieren, ohne dass man die Dokumente mit Mails durch das Land schicken muss und die Gefahr eingeht, später mehrere Versionen zu haben und nicht mehr zu wissen, welche die aktuelle ist.

A.O.: Was kann man bereits im Vorfeld dafür tun, dass bei den Autoren nicht der TEAM-Effekt („Toll – ein anderer macht’s“) eintritt?

M.J.: Zunächst einmal sollte man sich nur mit einem Partner zusammentun, der auch mit Engagement an das Projekt herangeht. Und dann ist es wichtig, klare Absprachen zu treffen und diese auch schriftlich zu fixieren, möglichst auch mit Zeitangaben (also wer macht was bis wann) und Erledigungsvermerken. Bei unserem Projekt war es zum Beispiel so, dass wir in einer Tabelle über Google Docs immer sehen konnten, woran der Andere gerade gearbeitet hat. Und wenn der Schreibpartner da mal schneller war, war das ein Ansporn auch selbst wieder in die Tasten zu hauen.

A.O.: Die Arbeitsstile zweier Menschen unterscheiden sich ja immer – mehr oder weniger – voneinander. Welche Unterschiede gab es bei diesem Buchprojekt? Führten sie zu Schwierigkeiten?

M.J.: Sicherlich hat jeder so seine eigenen Schreibgewohnheiten. Wir haben aber von Anfang an akzeptiert, dass die Texte in etwas unterschiedlichem Stil geschrieben sind. Und wichtige Punkte haben wir vorab festgelegt, zum Beispiel in welcher Person der Text verfasst wird. Außerdem hat dann auch das intensive Lektorat für eine gewisse Angleichung gesorgt.

A.O.: Was hat Deiner Meinung nach bei diesem Buchprojekt besonders gut geklappt? Was aber auch vielleicht weniger gut?

M.J.: Die Kommunikation und den Austausch zwischen den Beteiligten fand ich hervorragend. Das gilt auch für die Zusammenarbeit mit dem Verlag. Schwierig fand ich es, dass es immer wieder Phasen gab, in denen „eigentlich“ gar keine Zeit für das Buchprojekt war, es aber trotzdem weiter voran gehen musste.

A.O.: Das gemeinschaftliche Schreiben kann sehr gut gelingen und viel Spaß machen, es kann aber auch zu einem echten Krampf werden. Für welchen Autorentyp ist eine solche Art des Schreibens vielleicht besonders geeignet? Wer sollte aber Deiner Meinung nach doch lieber die Finger davon lassen?

M.J.: Man sollte schon bereit sein, Kompromisse einzugehen, sich einerseits aufeinander einzulassen und Vereinbarungen einzuhalten. Andererseits müssen auch allen Autoren Freiräume bleiben und keiner sollte den anderen dominieren. Wichtig ist dabei die regelmäßige Kommunikation. Wer wirklich nur still vor sich hin schreiben möchte, sollte das vielleicht eher alleine tun.

A.O.: Würdest Du ein solches gemeinschaftliches Schreibprojekt auch noch ein weiteres Mal in Angriff nehmen?

M.J.: Auf jeden Fall. Es war für mich eine sehr spannende Erfahrung, bei der ich viel gelernt habe – sowohl fachlich als auch was die Organisation eines solchen Projekts etc. angeht. Außerdem ist es doch einfach noch viel schöner, sich dann gemeinsam freuen und einen virtuellen Sekt aufmachen zu können, wenn das Buch fertig ist und man es zum ersten Mal in Händen halten kann.

A.O.: Vielen Dank für Deine spannenden Antworten!

M.J.: Sehr gerne. Vielen Dank für Dein Interesse.

bearbeitet von Markus Jung
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Anne Oppermann / Fernstudienakademie

 

 

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