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kurtchen

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Beiträge erstellt von kurtchen

  1. Gleich vorweg: Ich studiere nicht mit OnCampus, kann hier also keine Einblicke aus Teilnehmersicht zum Besten geben.

     

    Mir scheint, dass OnCampus Verbundstudiengänge anbietet, die also von verschiedenen Hochschulen gemeinsam entwickelt und durchgeführt werden. Wenn Du Dir das Modulhandbuch des Studienganges runterlädst, werden als Modulverantwortliche Professoren verschiedener FHs genannt.

     

    Du musst aber an irgendeiner Hochschule konkret eingeschrieben sein, denn irgendwer muss ja am Ende Deine Bachelorurkunde ausstellen. OnCampus scheint die gemeinsame Plattform zu sein, über die die Verbundhochschulen ihr gemeinsames Studienangebot präsentieren. Vermutlich wird auch die Lernplattform gemeinsam betrieben.

     

    Der Vorteil für dich als Studierender wäre dann eher indirekt: Der Aufwand für Entwicklung, Vermarktung und Durchführung eines Online-Studienganges ist hoch. Indem Hochschulen so etwas gemeinsam machen, wird er beherrschbar. Dann kann man nicht nur Fächer mit vergleichsweise hohen Studierendenzahlen wie BWL und Wirtschaftsinformatik anbieten.

     

    Ich habe mich mal für den Studiengang B.Sc. Medieninformatik bei OnCampus interessiert. Unter den Wahlpflichtmodulen gab es auch eines zur Programmierung in C++. Das ist aber eigentlich ein Modul der TH Deggendorf (Bayern) und wurde von deren Professor Herbert Fischer entwickelt. Diese Kooperation erweitert also das Angebot an Wahlpflichtfächern. Was ich damit sagen will: Es gibt sehr unterschiedliche Formen der Kooperation zwischen Hochschulen und manchmal kann man bessere Angebote machen, indem man nicht jedes Mal das Rad neu erfindet sondern Ressourcen teilt. So scheint OnCampus zu funktionieren.

     

    Dass ich mich damals gegen OnCampus entschieden habe, lag nicht am Studiengang an sich. Ich brauchte aus beruflichen Gründen die Möglichkeit, Prüfungstermine flexibler zu schieben. Und ich wohne in Bayern, was für mich eine vergleichsweise weite Anfahrt zu Präsenzen und Prüfungen bedeutet hätte. Ansonsten finde ich deren Angebot gut.

  2. Beim Humble Book Bundle hab ich schon mal zugegriffen.

     

    Bei Manning kann man sich für den einen Newsletter registrieren. Da kriegt man immer wieder Angebote für EBooks zum halben Preis. Apress hat etwas ähnliches. Bei PragProg gibt's seltener solche Aktionen, aber üblicherweise im Juli schon.

     

    Es gibt auch von manchen Büchern kostenlose Online-Versionen. Beispiele wären Think Python, Eloquent Javascript, Clojure for the Brave and True oder Learn you a Haskell, um nur ein paar gute zu nennen. Das sind alles einführende Programmierbücher.

  3. Eines unserer Kinder beklagte sich mal nach einer nicht so erfolgreichen Matheklausur (Oberstufe): "Ich habe wirklich sooo viel gelernt. Von jedem Aufgabentyp habe ich eine gerechnet." Mir fiel Mathematik relativ leicht, aber wenn ich das so gemacht hätte, dann hätte ich kein Abi.

     

    Ich wundere mich auch, dass es möglich ist, in Deutschland die 11. Klasse einer FOS zu erreichen, ohne im Unterricht einen einzigen deutschen Literaturklassiker gelesen zu haben. Dürfte ja gerne etwas vergleichsweise einfaches sein. So etwas wie Pole Poppenspäler von Theodor Storm wäre mit fast 18 Jahren ja zumindest mal ein Anfang. Da jetzt nur noch knapp ein Jahr allgemeinbildende Schule übrig bleibt, wovon ja ein guter Teil auch für die Prüfungen draufgeht, habe ich mittlerweile die Hoffnung aufgegeben, dass so etwas noch passieren könnte.

     

    Ein anderes unserer Kinder (9. Klasse) möchte gelegentlich mal wissen, ob die eine oder andere Aufgabe in einer Matheklausur vom Lehrer korrekt bewertet wurde oder evtl. doch noch ein Punkt rauszuschinden wäre. Ich muss dann sagen, dass ich es leider nicht beurteilen kann, weil ich nicht in der Lage bin, die Schrift zu lesen und dem völlig unkommentierten Lösungsweg zu folgen. Als Erziehende haben wir dazu natürlich unsere Meinung zum Ausdruck gebracht. Leider sagt der Mathelehrer, er könne jede Schrift lesen. Ihm sei völlig egal wie die Kinder schreiben.

     

    Ich bin der Meinung, dass am Ende eines solchen Bildungsweges zwar eine formale Hochschulzugangsberechtigung aber keinesfalls Studierfähigkeit stehen kann. Allerdings halte ich es mittlerweile auch nicht mehr für ausgeschlossen, dass dieser Schlendrian inzwischen die Hochschulen erreicht hat. Ich lebe übrigens in Bayern, einem Bundesland, das sich ja gerne selbst auf die Schulter klopft, ein im bundesdeutschen Vergleich noch relativ forderndes Schulsystem zu haben.

  4. Ich halte die Wahl zwischen Informatik und Medieninformatik für weniger wichtig als die Klärung der persönlichen Voraussetzungen und Motivation. Auch Medieninformatik ist zunächst mal Informatik. Da würde ich dem Rat von Memento folgen und schauen, welche Themen dich stärker ansprechen.

     

    Das mit dem openHPI-Kurs klingt schon mal ganz gut. Da hast Du dann wahrscheinlich auch kleinere Programmieraufgaben bearbeiten müssen und schon mal Erfahrungen mit dem Fernlernen gesammelt. Als Testlauf nicht schlecht und auf jeden Fall schon viel mehr, als ewig drüber nachgedacht, was man mal müsste und könnte. (So was kennen wir aus dem Forum auch.)

     

    In deinem Fall möchte ich meinen ersten Buchtipp "Java lernen mit BlueJ" revidieren. Stattdessen empfehle ich "Informatik: Eine praktische Einführung mit Bash und Python" von Tobias Häberlein. Das sind knapp 250 Seiten. Abgedeckt werden:

    - Unix/Linux und Umgang mit der Bash (Komandozeile)

    - Programmierung in Python

    - Reguläre Ausdrücke (Hat ein bisschen Bezug zur theoretischen Informatik)

    - Datenbanken und SQL

    - Web-Programmierung

    - Nebenläufige Programmierung

     

    Damit kannst Du Dir in ziemlich kurzer Zeit einen guten Überblick verschaffen.

     

    Die Empfehlung für "Grokking Algorithms" behalte ich bei. Das Ding hat knapp 250 Seiten und liest sich schnell, weil es illustriert ist. Gibt es auch auf Deutsch als "Algorithmen kapieren", aber ich würde wirklich die englische Fassung empfehlen, weil du als Informatikstudentin viel Englisch lesen wirst, selbst wenn alle im Studium verwendeten Lehrbücher auf Deutsch sein sollten. Das Buch geht nicht sehr in die Tiefe, deckt aber verschiedene gängige Gebiete exemplarisch an ganz wenigen grundlegenden Verfahren ab. Das ist auch so ein schönes Buch, um einen Überblick zu gewinnen.

     

    Wenn Du das beides selbstständig in angemessener Zeit durcharbeiten kannst und danach Lust auf mehr hast, dann würde ich sagen, du kannst ein Fernstudium Informatik an einer FH wagen. Dann halte ich das auch nicht für so wichtig, ob das nun die IUBH oder ein anderer Anbieter ist.

  5. Da ist leider etwas dran. Dass es Eltern und Schülern schwer fällt, ein fachliches Niveau als gesetzte Marke zu akzeptieren, für deren Erreichung man sich eben abmühen muss, konnte man dieser Tage ja z.B. an der Aufregung ums Matheabitur beobachten. Mehr Weitsicht wäre aus meiner Sicht trotzdem von der Politik zu fordern.

     

    Von den Eltern sollte man sie auch erwarten dürfen. Da kann ich auch immer nur staunen, was es heute alles gibt.

  6. Die Informatikstudiengänge der IUBH sind recht jung. Insofern kann eigentlich noch niemand einen Überblick über das gesamte Studium haben.

     

    Eine Einschätzung, ob das Studium schwer ist, dürfte dir nicht viel nützen. Leicht ist, was man gelernt und durch Übung gefestigt hat. Leicht ist auch, was zum eigenen Begabungsprofil passt. Leichter fällt das Lernen, wenn man an den Inhalten ein Interesse hat, und regelmäßig (am besten täglich) am Thema dran bleibt. Das sind alles persönliche Erfolgsfaktoren.

     

    Ich halte die Klärung von drei Fragen für hilfreich:

    1. Sind die Inhalte des anvisierten Studium für dich überwiegend interessant und traust du dir zu, das fachliche Niveau zu erreichen. Dabei helfen können Modulhandbücher mit Literaturangaben. Ich würde empfehlen, vor der Entscheidung für das Studium wenigstens EIN einführendes Lehrbuch durchzuarbeiten. Du wirst viel in der Art lesen müssen, also solltest du checken, ob du dich mit dem "Literaturgenre" anfreunden kannst. Als gute Einführung in die objektorientierte Programmierung empfehle ich gerne "Java lernen mit BlueJ".

    2. Du solltest abschätzen, ob du ausreichende Vorkenntnisse hast. Relevant sind hier insbesondere solche, für deren Vermittlung sich Hochschulen  (zu recht) nicht zuständig fühlen. Zu nennen ist hier regelmäßig Mathematik. Zwar fangen viele Hochschulen hier noch einmal bei "Adam und Eva" an, aber das ist dann der Schnelldurchgang. Also checken, ob wenigstens die Mittelstufenmathematik noch sitzt. Falls du kein Abitur hast (oder es lange her ist), viel zusätzliche Zeit für die Mathemodule einplanen. Wichtig ist auch Lesefähigkeit im Englischen. Dazu könntest du z.B. ein einführendes fachbezogenes Buch auf Englisch lesen. "Grokking Algorithms" wäre einsteigerfreundlich. Wichtig ist ferner eine allgemein gute Lesefähigkeit. Wenn du z.B. eine ordentliche Zeitung liest, wäre das ein Indikator.

    3. Du solltest für dich klären, ob du das Durchhaltevermögen hast, eine anstrengende Sache weitgehend alleine über mindestens drei Jahre durchzuziehen. Ein wohlwollender Partner, der Zumutungen mitträgt, ist gut, leistet sozial und motivational aber nicht das gleiche wie eine Gruppe Mitstreiter, die man täglich sieht. Ein Fernstudium erfordert hohe Eigenmotivation und Selbstorganisation. Indikatoren für diese Eigenschaften könnten z.B. anspruchsvolle Hobbies sein, regelmäßiger Sport, das Spielen eines Instrumentes oder ehrenamtliches Engagement. Also alles, wo man sich selbst zu etwas motiviert, ohne dass ein Vorgesetzter oder eine soziale Gruppe Kontroll- und Erwartungsdruck aufbaut.

     

    Wenn du hier drei Häkchen machen kannst, kommt die Auswahl eines passenden Anbieters. Dabei können Erfahrungen aus Teilnehmerperspektive hilfreich sein. Allerdings dürfte es dann um andere Dinge gehen als schwer oder leicht.

  7. Wenn ich mir anschaue, mit wie wenig Lernen, Wissen und Können meine Teenager durch die Schule kommen, frage ich mich schon, inwiefern ein Abitur heute noch auf die Aufnahme eines Studiums vorbereitet. (Ich bin ja immer noch der Auffassung, dass das Abitur mehr sein muss als nur ein formales Zugangskriterium.)

     

    Herr Alt würde ja dem eigentlichen Studium gerne ein Jahr Studium generale vorschalten, dass dann die Studierfähigkeit herstellen soll. Als Steuerzahler finde ich, dass 12 bis 13 Schuljahre auch heute genügen sollten, um den für ein Studium nötigen allgemeinen Bildungsstand zu erreichen. Wenn sie denn einigermaßen effizient zum Lernen genutzt würden. (Es ist ja nicht so, dass wir früher vor lauter Lernstress keine Freizeit mehr gehabt hätten.)

     

    Falls Abiturienten nicht mehr studierfähig sind, soll gefälligst die Schule wieder lernen, angemessene Leistung zu fordern. Und nicht die Uni zur Schule gemacht werden.

  8. In meinem Umfeld erlebe ich immer wieder Leute, die die Vorstellung äußern, "etwas mit Beratung und Coaching" zu machen. Die Tätigkeit wird dabei relativ schwammig umschrieben. Die Berater in spe wollen helfen, eigene Ziele, Stärken und Potentiale zu erkennen, um so den richtigen Weg für sich zu finden. Beratung in diesem Sinne scheint vorauszusetzen, dass die Beratenen vor allem ein Problem damit haben, zu erkennen, wer sie sind und was sie wollen.

     

    Wenn ich mich beraten lasse, weiß ich in der Regel schon ganz gut, was ich will. Was mir fehlt sind Erfahrungen über eine erfolgversprechende Art und Weise, es zu erreichen: Technische Kenntnisse, handwerkliche Kenntnisse, rechtliche Kenntnisse, so was in der Art. Ich müsste viele Jahre investieren, um einen Stand zu erreichen wie ein Fachmann in dem jeweiligen Gebiet. Darum bin ich auf Beratung angewiesen.

     

    Ich bin eher skeptisch, ob Studiengänge mit einem Schwerpunkt Beratung sinnvoll sind. Vorstellen könnte ich mir so etwas als Aufbaustudiengang, der Fach- bzw. Sachkenntnis in einem Bereich voraussetzt, in dem man beratend tätig sein möchte, und der noch Soft-Skills nachrüstet. Meine Vermutung wäre, dass sich so etwas nicht so gut in einem Fernstudium vermitteln lässt und zumindest umfangreiche Präsenzen erfordern würde, etwa in Form von regelmäßigen Wochenendveranstaltungen oder Seminarblöcken.

     

    Für die Verwertung meines Studienabschlusses und für den angestrebten Wechsel des Berufsfeldes, der ja ein Neueinstieg in fortgeschrittenem Alter wäre, könnte ich wahrscheinlich Beratung brauchen. Meine bisherigen Berufserfahrungen waren sämtlich im Bereich Sozial- und Frühpädagogik. Mein angestrebtes Tätigkeitsfeld ist Softwareentwicklung. Ein großes Problem wird mein Alter sein. Daran kann ich nichts ändern. Ein anderes Problem ist, dass es sich um sehr unterschiedliche Arbeitskulturen handelt. Ich vermute, dass die Strategien, mit denen ich mich bislang erfolgreich beworben habe, in diesem anderen Umfeld nicht funktionieren. Hier könnte Beratung hilfreich sein. Zum Beispiel, um besser zu verstehen, wie ein Arbeitgeber im Bereich Softwareentwicklung auf meine Bewerbung schaut. (Vermutlich nicht gerade wohlwollend.) Zum Beispiel, um eine realistische Vorstellung von einem möglichen Einstiegsszenario zu entwickeln. Wo könnte eventuell trotzdem etwas gehen?

     

    Wichtig bei einer Beratung wäre, dass ich keinen "Honig ums Maul geschmiert" bekomme. Ich brauche niemanden, der mich motiviert und mir beim Träumen hilft. Ich brauche eher jemanden, der mich auf den Boden der Tatsachen holen kann, weil er die Tatsachen gut kennt.

     

    Ich vermute, es gibt zwei Arten von Leuten, die das leisten könnten:

    1. Leute, die in diesem Bereich arbeiten und schon oft erlebt haben, wie ein Quereinstieg abläuft. Also Leute mit einer Insider-Perspektive.

    2. Leute, die allgemein viel Erfahrung im Bereich Besetzung und Vermittlung von Stellen haben. Also Leute mit einer eher übergeordneten Perspektive.

     

    Auf einen Abschluss in irgendwas mit Beratung würde ich dabei keinen Wert legen.

  9. Richtig ist, dass man wissenschaftliches Schreiben, Techniken der Recherche und auch eine gute Studienorganisation i.d.R. im Studium lernen muss. Das ist etwas, das je nach Vorwissen viel Zeit kosten kann. Es gelernt zu haben, ist unabhängig vom Fach ein Nutzen des Studiums.

     

    De facto hat man mehr Zeit zum Lernen, wenn man nebenbei nicht oder nur in überschaubarem Umfang arbeitet. Dieses Privileg dürften vor allem junge Studierende mit gut verdienenden Eltern genießen. Allerdings mangelt es in dem Alter oft noch an der Selbstdisziplin und Selbstorganisation, um diesen Vorteil auch für einen zügigen Studienfortschritt zu nutzen. Das kriegt mancher Berufstätige mit Familie, der nur berufsbegleitend studiert, besser hin.

     

    Ich kam mit meinem berufsbegleitenden (pädagogischen) Studium besser zurecht als an der Präsenzuni, weil ich zufriedener damit war, eine richtige Arbeit mit Verantwortung und Gestaltungsspielraum zu haben als nur einen Job. Der Austausch mit Berufstätigen, die in der Praxis stehen, war für mich interessanter als der mit Studierenden. Meine Studienmotivation war höher, weil mir klarer war, wofür ich lerne. Darum kam ich zügiger voran.

     

    Motivation, Ziele und Sinn sind eigene Erfolgsfaktoren im Studium. Hier können Berufstätige Vorteile gegenüber solchen Schulabgängern haben, die das Studium noch als Fortsetzung ihrer Schullaufbahn auffassen oder sich über Motivation und Ziele nicht ausreichend im klaren sind.

  10. Im April hatte ich in Aussicht gestellt, hier einmal ein paar Klausurfragen aus einem Proseminar im Fach Philosophie einzustellen. Inzwischen war ich bei meiner Familie zu Besuch und habe auf dem Dachboden meine erste Klausur gefunden.

     

    Insgesamt waren es 20 Fragen. Nun dürfte kaum möglich sein, in der knappen Zeit einer Klausur zu 20 verschiedenen Punkten einen eigenen Gedankengang oder gar eine komplexe Argumentation zu entwickeln. Das allein lässt also schon erahnen, dass es doch eher um Wissensreproduktion ging.

     

    Ein paar Beispiele:

    - Was meint Kant mit dem Begriff des Noumenon?

    - Welches Argument spricht nach Kant gegen die Idee der Unsterblichkeit der Seele?

     

    Ich würde sagen, solche Fragen zielen eher darauf ab, stichprobenartig abzuprüfen, ob die Primärliteratur gelesen wurde. Meiner Meinung nach wäre es durchaus möglich, Inhalte des entsprechendes Textes stichpunktartig wiederzugeben, ohne sie eigentlich verstanden zu haben.

     

    Dazu ein weiteres Beispiel: "Warum sind nach Kant mathematische Sätze synthetische Urteile?"

     

    Meine gültige Antwort lautete: "Obwohl mathematische Sätze analytisch sind, sind doch ihre Grundlagen synthetische Sätze, die vermittels der Anschauungsformen erzeugt wurden. Als Beispiel führt Kant die Addition der Zahlen 5 und 7 an. Gedacht ist nur die Vereinigung zweier Zahlen. Was diese ist, ist in dem Gedanken noch nicht enthalten. Erst vermittels der Anschauungsformen kommt man zum Ergebnis 12. Wenn man größere Zahlen addiert, sieht man leicht ein, dass man der Anschauungsformen bedarf, um die Synthese durchzuführen."

     

    Meine Antwort bezog sich auf folgende Textstelle in der Primärliteratur: "Man sollte anfänglich wohl denken, daß der Satz 7+5=12 ein bloß analytischer Satz sei, der aus dem Begriffe einer Summe von Sieben und Fünf nach dem Satze des Widerspruches erfolge. Allein, wenn man es näher betrachtet, so findet man, daß der Begriff der Summe von 7 und 5 nichts weiter enthalte, als die Vereinigung beider Zahlen in eine einzige, wodurch ganz und gar nicht gedacht wird, welches diese einzige Zahl sei, die beide zusammenfaßt. Der Begriff von Zwölf ist keinesweges dadurch schon gedacht, daß ich mir bloß jene Vereinigung von Sieben und Fünf denke, und, ich mag meinen Begriff von einer solchen möglichen Summe noch so lange zergliedern, so werde ich doch darin die Zwölf nicht antreffen. Man muß über diese Begriffe hinausgehen, indem man die Anschauung zu Hülfe nimmt, die einem von beiden korrespondiert, etwa seine fünf Finger, oder (wie SEGNER in seiner Arithmetik) fünf Punkte, und so nach und nach die Einheiten der in der Anschauung gegebenen Fünf zu dem Begriffe der Sieben hinzutut. Man erweitert also wirklich seinen Begriff durch diesen Satz 7+5=12 und tut zu dem ersteren Begriff einen neuen hinzu, der in jenem gar nicht gedacht war, d.i. der arithmetische Satz ist jederzeit synthetisch, welches man desto deutlicher inne wird, wenn man etwas größere Zahlen nimmt; da es denn klar einleuchtet, daß, wir möchten unsern Begriff drehen und wenden, wie wir wollen, wir, ohne die Anschauung zu Hülfe zu nehmen, vermittelst der bloßen Zergliederung unserer Begriffe die Summe niemals finden könnten."

     

    Natürlich war es damals mühsam, sich als Schüler des ausgehenden 20. Jahrhunderts mit dem Schreibstil Kants vertraut zu machen und seinem Text überhaupt folgen zu können. Aber ich kann in meiner Antwort leider beim besten Willen keine eigene gedankliche Leistung erkennen.

     

    Es hab auch solche Fragen:

    - Warum ist Kants Philosophie kein Idealismus?

    - In welchem Sinne ist Kants Philosophie Metaphysikkritik?

     

    Hier hätte ich rückblickend vermutet, dass zumindest eine Einordnung in einen breiteren Kontext gefordert war. Meine vollständige Antwort auf die Frage nach der Metaphysikkritik lautete aber zum Beispiel: "Die von Kant abgeleiteten Verstandesbegriffe lassen sich nur auf Dinge der Erfahrung anwenden, ermöglichen also nur Erkenntnis a posteriori. Dies reduziert die Möglichkeit metaphysischer Erkenntnis." Das hat damals genügt.

     

    Mittlerweile kommt mir das eher wie ein Frage-Antwort-Paar aus einem Quiz vor. Mag sein, dass es im Seminar lebhafter zuging und dort intensiver und dialogischer mit dem Stoff gearbeitet wurde. Aber benotungsrelevant war doch allein die Klausur. Insgesamt finde ich es rückblickend überraschend, wie stark der Fokus damals auf Wissensreproduktion lag. Ich hatte das so nicht in Erinnerung. Relativierend muss man natürlich anmerken, dass dies Beispiele aus nur einem Proseminar im ersten Semster sind. Nun wurde hier - z.B. von Frau Kanzler - ja ein anderer Anspruch formuliert, was ich auch für richtig halte.

  11. Ich studiere zur Zeit Web- und Medieninformatik. Wir haben ein Modul "IT-Recht". Dort geht es darum, welchen Rahmen die Gesetze vorgeben. Wünschen würde ich mir Module wie "Informatik und Gesellschaft", "Ethik und Informatik" oder auch "Geschichte der Informationstechnologie". Also Module, die darauf abzielen, die Themen eines Informatikstudiums in einem umfassenderen Rahmen - historisch, politisch oder moralisch - zu reflektieren. Manche Hochschulen bieten so etwas bereits an. Mir ist klar, dass es schwierig ist, solche zusätzlichen Inhalte im eng gesteckten Lehrplan eines Bachelors unterzubringen. Allerdings finde ich, dass ein Einstieg mit einem Modul von 5 ECTS schon einmal ein guter Schritt wäre, um so ein Thema überhaupt in den gedanklichen Horizont zu bringen.

  12. Ich würde trotzdem mal anfragen, ob das nicht irgendwie möglich ist. Das Konzept halte ich nämlich für ziemlich gut.

     

    Ein paar Gedanken zu Deinen Fragen:

    - Ich habe ein allgemeines Abitur und hatte damals unter anderem einen Bio-LK. Hier muss man sich klar machen, dass Biologie in der Oberstufe doch recht anders ist als in der Mittelstufe. Für mich war Chemie die Naturwissenschaft, die mir schwer gefallen ist. Das war für Biologie nachteilig, denn bei Themen wie Stoffwechselphysiologie, Neurologie und Genetik spielt Chemie eine Rolle. Weil mich Biologie sehr interessiert hat, habe ich in den sauren Apfel gebissen, und nebenbei Chemie nachgeholt. Das hat natürlich den Lernaufwand erhöht. Biologie ist eine spannende Naturwissenschaft und meiner Meinung nach die Mühe wert.

    - Allgemein würde ich empfehlen, bei der Fächerwahl Deine Wahlfreiheit dazu zu nutzen, Deinen Interessen zu folgen. Mühe wird es in jedem Fall machen. Mir fällt das Durchhalten leichter,  wenn ich ein intrinsisches Interesse an den Themen habe.

    - Ein Urlaub sollte einer Meinung nach schon drin sein. Ich mache ein berufsbegleitendes Studium und fahre auch mal in den Urlaub.

    - Eine neue Fremdsprache lernen ist per se arbeitsaufwendig. Tägliche Übung ist hier ein Schlüssel, auch wenn an manchen Tagen nur wenig möglich ist. Machbar ist alles mögliche, wenn Du es wirklich willst. Ich meine allerdings, dass es leichter wäre, Deine vorhandenen Russischkenntnisse zu nutzen und lediglich die Schriftsprache nachzurüsten. Wäre das nicht auch ein lohnendes Unterfangen? Ich halte es für unwahrscheinlich, dass Du nach dem Fachabi gut genug Spanisch kannst, um das wirklich praktisch einzusetzen. Dafür dauert ein Fachabi nicht lange genug. Aber wenn Du schon ganz passabel Russisch sprichst und verstehst, kannst Du in dieser Sprache mit dem Fachabi vermutlich ein höheres Niveau erreichen als mit Spanisch. Je höher das erreichte Niveau, umso wahrscheinlicher ist, dass Du die Sprache nachher nutzen und erhalten kannst.

  13. vor 29 Minuten, schwedi schrieb:

    Würde ich damit nicht bereits meine eigene (schlechte) Benotung der (Praxis-)Arbeit vorwegnehmen?

    Nein. In Studiengängen der sozialen Arbeit und der Pädagogik ist die Fähigkeit zur kritischen Reflexion eigener Praxis eine Kernkompetenz. Wer seine Praxis nicht reflektiert, bleibt da stehen, wo er ist. Schlechte Praxis gepaart mit Reflexionsfähigkeit entwickelt sich mittelfristig zu guter Praxis. Interessant als künftige Mitarbeiter sind Praktikanten, die Misserfolge erkennen und verwerten können.

  14. In meinem Studiengang hat funktionale Programmierung kaum eine Rolle gespielt, aber das Thema hat mich interessiert. Ich will ebenfalls in meiner Bachelorarbeit etwas dazu machen und freue mich, einen Betreuer gefunden zu haben, der für dieses Thema offen war.

     

    Ob ich einen Master machen will, weiß ich noch nicht. Ich will erst mal sehen, ob ich mit dem Bachelor einen Einstieg finden kann. Falls nicht, dürfte mir ein Master wohl auch nicht weiterhelfen 

     

    Aber falls ich einen Master mache, wird mir wahrscheinlich die inhaltliche Ausrichtung wichtiger sein als die Frage Uni oder FH. Letztlich ist es wichtig, nach einem Arbeitstag noch hinreichend Studienmotivation aufbauen zu können. Das funktioniert für mich besser, wenn mich die Studieninhalte (zumindest überwiegend) interessieren.

     

    Ich würde also darauf setzen, dass ein Studium bei einem weniger renommierten Anbieter, das dich fachlich interessiert und das du deshalb abschließt, mehr Ansehen genießt als ein abgebrochenes Studium an einer Hochschule mit erstklassigem Ruf.

  15. Ich arbeite in einem (sozial-)pädagogischen Beruf. Mein Wunsch wäre, nach dem Studium einen Einstieg als Softwareentwickler zu finden. Ich verbinde das nicht mit der Hoffnung auf eine Gehaltssteigerung. Eher erwarte ich, zumindest anfangs kleinere Brötchen backen zu müssen. Ich wäre froh, einfach irgendwo "mitmachen" zu dürfen, um Erfahrungen zu sammeln. Aber ein Schritt nach dem anderen...

     

    Vielleicht finde ich ja über's Forum Tipps und Erfahrungen für den (Quer-)Einstieg, wenn es denn konkret wird.

     

    Um noch mal zur Ausgangsfrage zurück zu kehren: Ich interessiere mich ein bisschen für den Master Praktische Informatik der FUH. Es stimmt, dass die Materialien nicht immer aktuell sind. Mich interessieren vor allem ein paar ältere Module, die leider bald rausfliegen. Zum Beispiel ein Modul über logische und funktionale Programmierung. Nicht weil ich glaube, dass Sprachen wie Prolog und Scheme beruflich relevant sind. Sondern weil ich mir erhoffe, durch das Kennenlernen anderer Programmierparadigmen mein Verständnis für Programmierung insgesamt zu erweitern. Was ich damit sagen will: Nicht immer ist Aktualität oder Praxisrelevanz das Auswahlkriterium. Ich meine, dass es an Unis eher möglich ist, Dinge unter einen fachlich interessanten aber nicht unbedingt anwendungsbezogenen Blickwinkel zu untersuchen. Mir gefällt, dass es Unis und FHs gibt, mit jeweils eigenen Stärken. Was wo das höhere Ansehen genießt, kommt durchaus drauf an. Die anwendungsbezogene Ausrichtung von FHs kann sehr geschätzt werden.

  16. vor 28 Minuten, thb schrieb:

     

    Der konstruierte Unterschied zwischen Präsenz- und Fernstudium ist für mich nicht existent. Ein Präsenzstudium qualifiziert mitnichten per se besser für den Berufseinstieg als andere Arten.

    Ich kenne beides und meine, dass die Studienform  eine Rolle spielt. Nicht umsonst werden bestimmte Fächer gar nicht oder nur unter engen Voraussetzungen als Fernstudium angeboten. Man kann aus einem Fernstudium viel machen, aber es stellt auch besondere Herausforderungen an die eigene Lernpersönlichkeit. Meine Partnerin, die ein naturwissenschaftliches Studium abgeschlossen hat, meint, dass sie kein Fernstudium schaffen würde. Ich glaube ihr das auch. Sie braucht einen äußeren sozialen und zeitlich strukturierten Rahmen, um gut lernen und arbeiten zu können, und das trifft auf viele Menschen zu.

     

    Insgesamt meine ich, dass jede Studienform Vor- und Nachteile hat. Die Frage nach Wertigkeit und Ansehen zielt allerdings auch auf die Wahrnehmung durch Dritte ab. Und da haben wir bislang die Lage, dass das Präsenzstudium das normale Studium ist, dass die meisten Beschäftigten und Arbeitgeber aus eigener Anschauung kennen. Das Fernstudium ist die Ausnahme. Die Leute wissen, wie sie im  Präsenzstudium gelernt haben und können sich nicht ohne weiteres vorstellen, wie ein vergleichbarer Kompetenzaufbau ohne Seminare, Tutorien, tägliche Kontakte zu Mitstudierenden oder klare zeitliche Strukturen möglich ist. Aus ihrer Sicht wirft das Fragen auf und das Fernstudium ist begründungsbedürftig.

     

    Was du zum Quereinstieg in die Informatik schreibst, klingt für mich plausibel. Leider ist es genau das, was ich versuchen möchte. Blauäugig ist es meiner Meinung nach nicht, weil mir bewusst ist, dass ich ein hohes Risiko eingehe, mein Studium am Ende beruflich nicht verwerten zu können. Aber ich habe mir das ein gutes Jahr lang überlegt und am Ende entschieden, dass ich es wenigstens versuchen will.

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