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Fernstudienakademie

Müssen Weiterbildungsangebote immer individueller werden?

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Hallo

Ich las neulich eiine ganz spannende Studie der DUW; hier einmal die Zusammenfassung:

http://www.duw-berlin.de/de/presse/duw-studien/studie-zum-wandel-beruflicher-weiterbildung.html

Eine der Kernthesen war, dass Weiterbildungsangebote in Zukunft individuell an den jeweiligen Lerner angepasst werden müssten. So sollte man beispielsweise bei älteren Lernern verstärkt auf deren Vorerfahrungen/Kompetenzen zurückgreifen, während bei jüngeren Lernern diese Kompetenzen ja gerade erst in der Entwicklung begriffen sind.

Das sind ganz spannende Forderungen! Nun ist Fernunterricht ja eine Lernform, die sich nicht in erster Linie dadurch auszeichnet, dass da ganz individuelle Lernpakete geschnürt werden. ;) Im Normalfall bekommen ja alle die gleichen Lernunterlagen, ganz unabhängig z.B. vom Alter, von den Vorerfahrungen oder von den individuellen Interessen.

Welche Möglichkeiten haben denn Eurer Meinung nach Fernlehranbieter, um verstärkt auf die individuelleren Wünsche ihrer Interessenten zu reagieren?

Mir fällt z.B. die hier schon mehrfach diskutierte Methode der "Modularisierung" ein, bei denen ein "Grundlehrgang" z.B. durch verschiedene frei wählbare Aufbaumodule ergänzt wird.

Habt Ihr noch weitere Ideen, wie man den individuellen Wünschen der Teilnehmer entgegen kommen könnte?

neugierige Grüße

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Grundsätzlich finde ich diese Thesen ziemlich trivial (wie so oft bei der Lernforschung). Ist doch klar, oder?

Im Präsenzunterricht gehört dies, neben den unterschiedlichen Lerntempi, meiner Meinung nach zu den Dingen, die bei der Binnendifferenzierung berücksichtigt werden müssen und in gutem Unterricht auch werden.

Fernlehrgäng, denke ich, sind meist "vorerfahrungsfreundlich", da man sicher keine Stunden zu Themen, die man schon kennt, absitzen muss. Auch kann man sein Lerntempo weitgehend individuell anpassen. Themen, mit denen man vertraut ist, kann man überfliegen und muss nur allfällige neue Einzelheiten herauspicken, Neuland muss man vertieft bearbeiten.

Wichtig finde ich, wie wir vor kurzen schon mal diskutiert haben, dass bestimmte Abschlüsse auch bestimmte Kenntnisse beinhalten, gerade bei Grundausbildungen. So gehören zu den meisten grundständigen Studiengängen (meist für Bachelor) halt Dinge, die Studenten gerne als Zeitverschwendung abtun und argumentieren, dass sie dies sowieso nie wieder brauchen werden. Nichtsdestotrotz gehört es halt zum Wissenshintergrund und darf nicht abwählbar sein.

Bei meinem Masterstudiengang in Pädagogik kann ich durch die Wahl der Module selber steuern, ob ich mein Wissen eher verbreitern oder vertiefen möchte (im Falle einer Vertiefung wird dies später beim Titel vermerkt, z.B 'Master of Education in Applied Linguistics). Trotzdem müssen alle Masterstudenten das "Basismodul", nämlich Forschungsmethoden, belegen - und nicht wenige jammern ganz klischeemässig gerne, wie kompliziert und überflüssig das doch sei.

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Also ich denke, dass der Trend ganz klar in Richtung Individualisierung gehen wird und muss - gerade auch im Fernstudium. Wir haben das ja auch an anderer Stelle kürzlich diskutiert.

Rein das Wissen und Material wird immer häufiger auch frei zugänglich werden, zumindest sieht es im Moment danach aus. Die Leistungen der Anbieter sehe ich dann darin:

- Ein individuelles Paket für den einzelnen Teilnehmer zusammen zu stellen, dass seine Vorkenntnisse und Interessen, aber auch notwendige Zusammenhänge berücksichtigt

- Intensive Betreuung, so dass ein effizientes Lernen möglich wird

- Abnahme von Prüfungen, Bestätigung der Leistungen

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Ergänzend zu Markus:

Ich sehe es ähnlich, würde aber einen wichtigen Punkt ergänzen:

Die Vergleichbarkeit der Abschlüsse muss sichergestellt werden, egal wie individuell das Paket an sich war. Ein Bachelor in BWL beim Anbierer x muss vergleichbar sein mit dem Bachelor in BWL beim Anbieter y. Eine Verwässerung der Abschlüsse, weil man z.B. die langweiligen Grundlagen nicht belegt, muss vermieden werden.

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Ich stelle mir unter Individualisierung vor allem vor, dass die curricula natürlich vergleichbar sind aber die Lernmethodik anpassbar ist.

Als Beispiele sehe ich:

1. Verschiedene Lernmedien werden angeboten. Onlinevorlesungen, gedruckts Material, Foren, Chats, Dozentenmeeting, Präsenzveranstaltungen, etc.

2. Die Prüfungen finden oft statt. Z.B. kann in jedem Fach in jedem Monat eine Prüfung geschrieben werden

3. Die Curricula sind insoweit modular aufgebaut, dass der Student entscheiden kann, wann er welches Fach macht und dann auch geprüft wird. Kein Semesterzwang.

4. Module können auch international zusammen gestellt werden. Ich stelle mir hier vor, dass eine deutsche Universität z.B. einen Kurs in Zusammenarbeit mit einer Universität eines anderen Landes anbietet, die Prüfung dann in D stattfindet.

alle diese Punkte laufen ganz klar nicht darauf hinaus, dass der Stoff selber weniger oder einfacher wird, sondern dienen dazu, diesen Stoff individueller zu erlernen.

Martin

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Ich habe zusätzlich das Gefühl, dass es immer spezieller wird. Hat man früher die Elektrotechnik maximal in Schwachstrom- und Starkstromtechnik unterschieden, gibt es heute den "Bachelor für Energiewirtschaft- und Management" (WBH) oder den "MBA Renewables" (Beuth). Auch im kaufmännischen Bereich gibt es schon eine frühzeitige Fokusierung. Zumindest beim Bachelor würde ich was generalistisches vorziehen: Das Berufsleben ist lang, ganze Branchen haben sich verabschiedet und Regionen sind im Umbruch.

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Ich habe zusätzlich das Gefühl, dass es immer spezieller wird. Hat man früher die Elektrotechnik maximal in Schwachstrom- und Starkstromtechnik unterschieden, gibt es heute den "Bachelor für Energiewirtschaft- und Management" (WBH) oder den "MBA Renewables" (Beuth). Auch im kaufmännischen Bereich gibt es schon eine frühzeitige Fokusierung. Zumindest beim Bachelor würde ich was generalistisches vorziehen: Das Berufsleben ist lang, ganze Branchen haben sich verabschiedet und Regionen sind im Umbruch.

Sicherlich trifft dies zu. Doch ich denke, das hat Markus mit seiner Frage nicht gemeint. Denn Deine (richtige) Anmerkung, "dass es immer spezieller wird", ist ja eher ein Effekt, der aus der Differenzierung der Technik und in Folge auch der Berufswelt und den sich hierheraus ergebenden Anforderungen resultiert.

"Individuell" ist dies damit aber noch nicht.

Weiterbildung setzt ja (per definitionem) auf eine vorhergehende Ausbildung auf. Da die Wege dorthin jedoch immer unterschiedlicher werden und auch die spätere berufliche Tätigkeit schon längst nicht mehr als einheitlich aufzufassen ist, liegen bei jedem Einzelnen (im Prinzip) auch unterschiedliche Voraussetzungen und Zielvorstellungen vor. Hierauf wird Weiterbildung zunehmend reagieren müssen.

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Danke schon mal für Euren wertvollen Input!

Was mir noch einfiel, findet eher auf der "zwischenmenschlichen" Ebene statt. Je mehr ein Teilnehmer überhaupt durchblicken lässt, welche Themen und Lerninhalte für ihn besonders wichtig sind, desto eher kann ich ihn als Betreuerin darin auch individuell unterstützen.

Dafür muss natürlich die Lernumgebung und die Lernatmosphäre stimmen. Wer mir als Betreuerin viele Fragen stellt und u.U. sogar eigene Projekte vorstellt, kann von der Betreuung sicherlich mehr (und individualisierter) profitieren, als derjenige, der "nur" seine Einsendeaufgaben einschickt. Aber das muss natürlich jeder Teilnehmer selbst wissen, inwiefern er sich tatsächlich öffnen will - ein "Muss" ist das nicht.

Viele Grüße

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Eine Individualisierung sollte m.E. nicht stattfinden, wo es um Grundlagen geht. Und mit Grundlagen meine ich nicht nur, pflichtmäßig ein Semester mit dem Thema absitzen, das geht schon weiter.

Eine Individualisierung könnte und sollte m.E. über Transfer stattfinden, über die Anwendung im eigenen Arbeitsgebiet, der eigenen Branche etc. Dafür könnte es Projekte geben, Lösungsaufgaben könnten so konzipiert sein, dass dieser Transfer eine zwangsweise zu erbringende Leistung ist, wenn man die volle Punktzahl erhalten will.

Das würde allerdings mit hoher Wahrscheinlichkeit die Anbieter vor Anforderungen (vor Probleme?) stellen. Da müssen die Korrektoren und Tutoren schon einiges drauf haben!

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Hallo

Solche Transfer-Aufgaben sollten m.E. unbedingt (!) dazu gehören; sonst fragt man ja im Grunde nur das im Kurs/Studiengang erarbeitete Fakten-Wissen ab - und das war's dann.

Solche Wissensabfragen müssen natürlich auch immer mal wieder sein - und je nach Studiengang/Lehrgangsthema ggf. auch schon häufiger.

Ich seh das ja bei unserem Dozentenlehrgang: Reine Wissensabfragen bringen den Teilnehmern da wirklich gar nix; darum müssen immer wieder eigene Projekte, eigene Lehrgangskonzeptionen und eigene Stundenentwürfe abgebeben werden.

Manche unserer Teilnehmer rechnen nicht wirklich damit, dass es in unseren Lehrgängen für sie persönlich so zur Sache geht... ;)

Allerdings ist die ZFU gerade auch in letzter Zeit vermehrt darauf aus, dass immmer wieder auch Aufgaben gestellt werden, die den Transfer des Gelernten in den (Arbeits-) Alltag der Teilnehmer unterstützen. Und das ist ja auch gut so!

Viele Grüße

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