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Markus Jung

Brauchen wir heute noch Wissen - oder haben wir dafür Google?

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Die Abgrenzung von Faktenwissen zu Nicht-Faktenwissen

Da würde ich gerne auf die Entwicklungspsychologie, bzw. Entwicklugsphasen von Jean Piaget zurückgreifen.

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Es wäre interessant zu erfahren, in welcher der Entwickliungsphasen der Erwerb vom "Faktenwissen" anfängt und was für ein Wissen vorher erworben wird.

Auf der anderen Seite sollen bezüglich der neuronalen Strukturen die Erkenntnisse der Neurowissenschaften berücksichtigt werden, und zwar insbesondere deklaratives und prozedurales Wissen unter die Lupe nehmen.

Es gibt noch das emotionale Erfahrungsgedächtnis, das auf die Vernetzungen in der Grosshirnrinde seinen Einfluss nimmt.

Beste Grüsse

Bearbeitet von Maria Windler

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Die von Piaget definierten Phasen sind aber so (also strikt getrennt und einem bestimmten Alter zugeordnet) heute überholt, da sich gezeigt hat, dass die Leistung enorm von der Kontexteinbettung abhängt (siehe u.a. Donaldson, z.B. drei-Berge-Experiment -> Egozentrik).

Banales Beispiel: Ein Zweijähriger, der auf dem Bauernhof aufwächst, weiss, dass eine Kuh grösser ist als ein Schwein. Für ein zweijähriges Stadtkind ist das nicht unbedingt klar.

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Für ein zweijähriges Stadtkind ist dieses Wissen ja auch nicht sooo relevant. Da wäre der Größenunterschied zwischen Mamas Auto und dem Müllentsorger-LKW wichtiger!

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„Ich muss mir doch kein Wissen aneignen, wenn ich Google nutzen kann“ - eine immer häufiger zu hörende These.

Sie verkürzt allerdings nach meiner Auffassung fundamentale Dinge. Warum? Wissen abrufen kann man sicherlich (wenn auch sehr bedingt) über Online-Quellen wie Google, Wikipedia und auch andere Fach-Wikis.

Doch bei näherer Betrachtung bilden sich schon hier potentielle Problemblasen:

• Suche nach Wissen

Die Recherche in einschlägigen (Online-)Quellen setzt doch in aller Regel voraus, dass ich genau weiß,
nach was
und
in welchem Kontext
ich suche. Was nützt es mir, etwa in Google nach Begriffen wie „Interpolation“, „sozialem Wandel“ oder „Quantensprung“ zu suchen, wenn ich den Zusammenhang nicht überblicke?

Ich brauche „Basics“, also Grundlagen, die es mir erlauben, die gelieferten Ergebnisse im Hinblick auf Verwertbarkeit und Sinnhaftigkeit zu beurteilen. Diese Grundlagen bilden das erforderliche Grundverständnis, mir überhaupt ein Urteil über die Relevanz der ausgegebenen Fundstellen zu erlauben.

Folglich kommt es bereits bei der Formulierung der Suche darauf an, die (im jeweiligen Kontext) richtigen Begriffe einzusetzen bzw. (soweit es der Such-Algorithmus erlaubt) die nicht passenden oder irrelevanten auszuschießen.

Aber bekomme ich hier wirklich „Wissen“ oder lediglich Informationen darüber geliefert, wo meine Suchbegriffe in Online-Quellen vorkommen?

• Bewertung der Fundstellen

Vergessen wir nicht: Weder Google noch andere vergleichbare Pools ranken die Ergebnisse nach inhaltlichen Faktoren. Das heißt (was offensichtlich Vielen nicht klar ist): Nicht die erstgenannten Fundstellen sind zwangsläufig relevant für meine gemeinte Suche, sondern sie finden sich (vielleicht) irgendwo unter den oftmals Tausenden von ausgegebenen Links.

Wie dann aber bewerte ich, ob eine Fundstelle für meine Fragestellung relevant ist? Einfache Antwort: Dies geht
nicht ohne Basiswissen
zu dem, was ich suche.

Es zeigt sich damit, dass die Benutzung von Google und Co. sowohl bei der Recherche als auch bei Bewertung der Ergebnisse ein Grundlagenwissen des jeweiligen Themas voraussetzt. Dieses Basiswissen nannte man zu meiner Zeit (ja, ich bin keine Vierzig mehr) „Propädeutika“. Und dies wird man sich gestern wie heute nur durch Lernen aneignen können.

Für jeden Bereich gibt es eigene Propädeutika, die erlernt werden müssen, dies gilt für Sprache ebenso wie für Mathematik, Physik oder geisteswissenschaftliche Fächer. Die Fähigkeit zu verstehen, setzt immer Grundwissen voraus.

Und an dieser Stelle beginnt auch der Übergang vom Wissen zur Bildung. Nach meinem Verständnis brauche ich Wissen, um die Welt (meine Welt) zu verstehen, mich zumindest in ihr zu orientieren. Dies ist ein Alltagserfordernis. Bildung geht jedoch darüber hinaus: Sie erst ermöglicht es mir, aus Bekanntem/Gelerntem auf Zusammenhänge zu schließen.

Da sieht Google aber alt aus.

Peter

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Ich bin BWLer und arbeite in der IT Branche mit Informatikern zusammen. Ich habe zwar keine Informatik studiert würde mich aber bis zu einer gewissen Tiefe als IT-Affin bezeichnen (nicht Affen, sondern Affin! ...um das vorwegzunehmen). Ich glaube etwas zum Thema beitragen zu können.

"Demletzt hatte ich aber ein Gespräch mit einer befreundeten BWL-Studentin. Die konnte meine Aussage "bei BWL muss man alles auswendig lernen, mag ich nicht" gar nicht nachvollziehen. Sie vertritt die Meinung, dass man sich bei BWL doch irgendwie alles logisch herleiten kann. Und so kam ich ins Grübeln: Eigentlich lernt man doch immer irgendetwas auswendig. Es macht streng genommen nur wenig Unterschied, ob ich mir merke wie ein bestimmter Sortieralgorithmus funktioniert, wie die Cantorsche Tupelfunktion aufgebaut ist, für was eine DMZ gut ist, ... oder ob ich die Produktionsfaktoren nach Guttenberg beschreibe, Kosten- und Nutzenrechnungen durchführe, den Aufbau einer Wertekette darstelle, ...."

Man kann einen BWL Abschluss mit viel Auswendiglernen tatsächlich hinkriegen.....kenne ich einige davon. Die wirklichen guten können darüber hinaus sich auf Grund von Faktenwissen Zusammenhänge erschließen und auf anderen Situationen übertragen und anpassen.

"Der typische Aufbau von Klausuren (zumindest bei den Klausuren, die ich mitschreiben "durfte") legt bei BWL einfach den Fokus eher auf runterbeten auswendig gelernter Inhalte (Was steht im Stabilitätsgesetz von 1967? Nennen Sie die Produktionsfaktoren nach Guttenberg. Nennen Sie 5 Kostenarten.)"

Das ist jetzt vor allem VWL und hat mit BWL wenig zu tun. Als BWLer hat man ja auch ein bisschen Informatik. Da sehen die Klausuraufgaben dann so aus: - Nennen Sie die Phasen eines Softwareprojekts oder Was ist das Osi-Schichtenmodell. Will sagen: Sind dann jeweils Basics.

Ein richtiges Beispiel für BWL, Bereich Kostenrechnung: Bestimmung des optimalen Produktionsprogramms von z.B. 4 verschiedenen Produkten. Es sind viele Kostenarten gegeben. Fragestellung: Welches Produktionsprogramm käme zu Stande und wie wäre jeweils das Betriebsergebnis, wenn als Auswahlkriterium a) nur die Vollkostenrechnung B) nur die Teilkostenrechnung herangezogen werden würde?

Begründen Sie welche Kriterien zur optimalen Entscheidung führen.

Wo ist der Transfer?

Ein Unternehmen produziert einfach gesagt immer das gleiche, aber je nachdem wie ich die Kosten berechne ergibt sich ein anderes Bild darüber was gut oder schlecht ist. Natürlich muss ich auswendiglernen welche Kostenspielereien es gibt, aber sie zu kombinieren, Kostenstrukturen zu hinterfragen und zu verbessern....das erfordert Transefer.

Was ist eine Definition?

Beispiel Stabilitätsgesetz. Ist jetzt VWL macht aber nix. Nur wenn ich weiß was es besagt, kann ich mir z.B. darüber Gedanken machen ob es auch sinnvoll ist, wenn ich weiß warum bestimmte Kriterien so definiert wurden, dann kann ich das bewerten und dessen Auswirkungen, auch mathematisch in Form eines Modells beschreiben (im engen Rahmen wenigstens)

Auch in der Informatik braucht man sehr viele auswendiggelernte Definitionen:

Die Grundrechenarten sind doch auch Definitionen. Beispiel:

Folgende Regel gilt für das addieren von Potenzen: Potenzen mit gleicher Basis werden multipliziert, indem man die Exponenten addiert und die Basis beibehält.

Lernt jeder in der Schule und muss man defintiv immer wissen, wenn man programmiert. Deshalb wird das im Informatikstudium bereits vorausgesetzt. Aber niemand weiß nach seinem Abitur was Kostenarten sind.

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Für ein zweijähriges Stadtkind ist dieses Wissen ja auch nicht sooo relevant. Da wäre der Größenunterschied zwischen Mamas Auto und dem Müllentsorger-LKW wichtiger!

Richtig. Das war nur ein Beispiel für die Kontexteinbettung: Kinder wissen und kennen Dinge, die in ihrem Umfeld vorkommen. Daraus liess sich auch erklären, dass etliche Experimente von Piaget (eben z.B. das 3-Berge-Experiment) nicht primär alterabhängig gelöst werden können, sondern abhängig davon, ob die Aufgabenstellung etwas mit dem Kontext, in dem das Kind lebt, zu tun hat.

So ist es z.B. dem zweijährigen Stadtkind wohl klar, dass man Mams Auto nicht sehen kann, wenn es hinter dem Müllentsorger LKW steht. Und dass es aber trotzdem noch da ist, wenn es da war, bevor der LKW vorgefahren ist.

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