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MrCarter

Wie lässt sich ein Berufs-/Branchenwechsel nach einem Fernstudium überhaupt umsetzen?

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MrCarter

Hallo zusammen!

Ich habe mir schon öfter mal die Frage gestellt, wie jemand, der berufsbegleitend studiert, den anschließenden Wechsel in den gewünschten Bereich schaffen kann. Viele Fernstudenten dürften ja jenseits der 30 sein, nach dem Abschluss in Teilzeit dann noch entsprechend reifer. Nehmen wir mal beispielhaft jemanden aus dem Einzelhandel, der in die Buchhaltung möchte und daher WiWi studiert. Da sehe ich folgende Probleme:

-lediglich theoretischen Kenntnisse sind durch das Studium da

-praktische Kenntnisse (z. B. auch in den berufstypischen Programmen Lexware, Datev etc.) nicht

-Praktika lassen sich innerhalb des Studiums berufsbedingt oftmals nicht umsetzen

-im Anschluss sind sie schon finanziell für viele nicht machbar, die Frage ist eh, ob ein Unternehmen einen Praktikanten (weit) über 30 noch nehmen würde

-in vielen Stellenausschreibungen werden mindestens 2 Jahre Berufserfahrung vorausgesetzt, selbst bei Einstiegspositionen werden mehrmonatige Erfahrungen in relevanten Praktika verlangt

-Traineeprogramme richten sich im Regelfall an (sehr) junge Absolventen

Ich stehe selber nicht vor so einer Entscheidung, frage mich nur, ob der lange und harte Weg, den viele auf sich nehmen, am Ende des Tages überhaupt von Erfolg gekrönt sein kann.

Meinungen oder (noch besser!) Erfahrungen zu diesem Thema?

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jennys

Hallo, da ich diesen Quereinstieg vollzogen habe, kann ich vielleicht etwas berichten. Ich beispielsweise habe den Einstieg von der Krankenschwester in die Buchhaltung gemacht. Klingt komisch, ist aber so, aber natürlich auch sehr ungewöhnlich. Und ganz ohne "Vitamin B" hätte es wohl auch nicht geklappt.

Zunächst habe ich als "Ablagekraft" begonnen um einen Fuß drin zu haben. Parallel habe ich eine Weiterbildung zum FiBu gemacht. Damit kann ich also schon was vorweisen und bin so nach und nach in die entsprechenden Bereiche reingerutscht. Wichtig in Richtung FiBu ist auch, hast du ja schon angesprochen, die Kenntnisse in den entsprechenden Buchhaltungsprogrammen. Meiner Meinung nach kommt dann erst das Studium. Man muss wirklich erst einen Fuß drin haben und das Programm bedienen können.


 Fernuni Hagen - Wirtschaftswissenschaften (M.Sc.)

Apollon Hochschule d. Gesundheitswirtschaft - Gesundheitsökonomie (M.A.)

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manu07

Was unterscheidet einen Fernstudenten vom klassischen Absolventen eines Erststudiums im Anschluss an einen Schulabschluss ? In den meisten Fällen, handelt es sich bei Fernstudenten um Personen, die bereits mehrere Jahre berufstätig sind und über ein entsprechendes Erfahrungspotenzial in den jeweiligen Bereichen verfügen. Die meisten absolvieren ein Studium, dass die bisherige Ausbildung oder Qualifikation ergänzt. Es ist vielfach so, dass Fernstudenten durch ein entsprechendes Studium ihren bisherigen Arbeitsplatz sichern oder die Aufstiegschancen innerhalb des Unternehmens, in dem sie tätig sind erhöhen wollen.

Dann gibt es natürlich auch Fernstudenten, die sich beruflich völlig umorientieren möchten und dann mit einem entsprechenden Studium, versuchen diesbezüglich die Weichen zu stellen. Und hier ist es in vielen Fällen so, insbesondere bei Wechsel der Fachrichtung, dass man fachlich neu anfängt, dennoch bestehen ja gewisse vorteilhafte Erfahrungswerte. Und hier kommen wir schon zum Problem, deine Überlegungen sind ja richtig aber es gibt hier einfach keine pauschale Antworten. Diese Absolventen begeben sich auf den Arbeitsmarkt und sind dort dem allgemeinen Wettbewerb und den dortigen Anforderungen ausgesetzt.

Hier sind dann sehr viele individuelle und spezifische Aspekte relevant.

Warum du jetzt speziell von Praktikas und Traineeprogrammen sprichst, ist mir nicht ganz klar. Beide Konzepte sind eher speziell und stellen nicht das reguläre Modell dar, dass überwiegend einen klassischen Arbeitsplatz repräsentieren dürfte. Absolventen eines Fernstudiums mit vorheriger Berufserfahrung bewerben sich dann doch meist eher auf reguläre Arbeitsstellen, die dann auch eine möglichst hohe fachliche Deckung zum absolvierten Studium aufweisen.

Bei uns muss man sich Traineeprogramme oder Stellen meist als spezielle unternehmensinterne und auf die späteren Anforderungen zugeschnittene Ausbildungen von Managern und Führungskräften vorstellen. Wenn ein Maschinenbauingenieur ein Studium absolviert hat und dann bei einem Unternehmen die Berufstätigkeit aufnehmen möchte und es sich hierbei nicht direkt um eine Führungsposition handelt, dann ist das keine Traineestelle, dies gilt bsp. auch für jemanden der ein BWL Studium absolviert hat und sich dann auf eine Stelle im Accounting bewirbt, auch hier handelt es sich dann nicht automatisch um eine Traineestelle.

Das Praktikum ist ebenso ein Alternativmodell, dass vorrangig den Unternehmen gewisse Vorteile bietet. Man hat da ein System aufgebaut, dass der Flexibilität und Kostenminimierung dient, in bestimmten Branchen arbeitet man übermäßig mit Praktikanten. Jüngere Absolventen versprechen sich davon meist eine Einstiegschance, was ja auch in vielen Fällen durchaus zutreffend ist und zeigen eine erhöhte Bereitschaft sich auf ein Praktikum einzulassen. Berufserfahrene Absolventen hingegen werden dem Praktikum gegenüber eher skeptischer sein und sich nur unter bestimmten Umständen auf ein solches einlassen.

Die Chancen der Bewerber sind auch immer von den Gegebenheiten abhängig, allgemeine Wirtschaftsentwicklung, Marktsättigung bezogen auf Fachkräfte usw.

Erfahrungen findest du gerade in diesem Forum sehr viele. Auch die Blogs sind diesbezüglich sehr informativ.

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Man muss wirklich erst einen Fuß drin haben

Hallo MrCarter,

ich sehe das ähnlich wie jennys. Wie Du ja auch schon festgestellt hast, dürfte ein kompletter Neuanfang nach einem Fernstudium schwierig sein (von Ausnahmen abgesehen). Vom Bereich Wirtschaft hab ich keine Ahnung. Aber generell bin ich eher der Meinung, daß das Fernstudium als sinnvolle Weiter-Bildung in einem bereits ausgeübten Berufszweig dient und sich damit eher für einen Aufstieg, weniger für einen Neustart eignet. Sinnvoll sind m.M. auch Zweit-/Nebenkenntnisse im Rahmen der Haupttätigkeit (z.B. Ernährungsberatung beim Physiotherapeuten, Wirtschaft oder Qualitätsmanagement für den Ingenieur, Technik für den Kaufmann).

Viele Grüße

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MrCarter
Warum du jetzt speziell von Praktikas und Traineeprogrammen sprichst, ist mir nicht ganz klar.

Um noch einmal das obige Beispiel aufzugreifen: Wer in den kaufmännischen Sektor möchte und daher WiWi (oder Vergleichbares) studiert, ist formal (!) höher qualifiziert als z. b. ein Bürokaufmann aber in Bezug auf die berufspraktischen Erfahrungen deutlich unterlegen. Selbst wenn man sich nur die Stellenanzeigen auf der ganz unspektakulären Sachbearbeiterebene anschaut, werden dort oftmals mehrere Jahre berufsbezogener Erfahrung (zwingend) vorausgesetzt. Hier wird man daher als BWL/WiWi/etc.-Absolvent den Kürzeren ziehen, da man erst eingearbeitet werden muss, was aber beim unternehmensfremden Bürokaufmann recht zügig gehen dürfte. Die Frage ist ja: Auf was könnte man sich dann bewerben, wo schon bei der Bewerbung keine langwierigen Praxiskenntnisse vorhanden sein müssen? Und das wären dann eher Dinge wie Praktika oder Traineeprogramme, da diese sich an Einsteiger richten. Aber hier stelle ich mir die Frage: Auch an den Einsteiger ü30, ü35?

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manu07
Um noch einmal das obige Beispiel aufzugreifen: Wer in den kaufmännischen Sektor möchte und daher WiWi (oder Vergleichbares) studiert, ist formal (!) höher qualifiziert als z. b. ein Bürokaufmann aber in Bezug auf die berufspraktischen Erfahrungen deutlich unterlegen. Selbst wenn man sich nur die Stellenanzeigen auf der ganz unspektakulären Sachbearbeiterebene anschaut, werden dort oftmals mehrere Jahre berufsbezogener Erfahrung (zwingend) vorausgesetzt. Hier wird man daher als BWL/WiWi/etc.-Absolvent den Kürzeren ziehen, da man erst eingearbeitet werden muss, was aber beim unternehmensfremden Bürokaufmann recht zügig gehen dürfte.

Also du sagst der Absolvent eines BWL Studiums wäre hier gegenüber einem Bewerber mit kaufmännischem Berufsabschluss unterlegen, da dieser systemisch bedingt über mehr berufspraktische Erfahrung verfügt ? Zunächst mal ist es richtig, der Hochschulabsolvent ist formal höher qualifiziert und du wirst eventuell erstaunt sein, diese formale Qualifkation ist bisher ein deutlicher Vorzug gegenüber berufspraktischen Bewerbern. In Unternehmen gerade im kaufmännischen Bereich ersetzt man seit Jahren zunehmend Fachkräfte mit Berufsausbildung bei entsprechendem Bedarf, durch Akademiker, auch wenn da teilweise mittlerweile ein Umdenken einsetzt. Weiterhin lässt du die Tatsachen außen vor, dass insbesondere Fernstudium-Absolventen auf die du dich bezogst, eben eine berufspraktische Qualifkation durch ein passendes Studium ergänzen also hier Summieren sich gewisse Vorteile. Weiterhin vergisst du das sehr viele Positionen fast überwiegend nur noch an Akademiker vergeben werden auch wenn es sich hierbei um reguläre Sachbearbeiterstellen handelt. Ob ein Absolvent eingearbeitet werden muss ist ebenso von diversen Faktoren abhängig, Aufbau des Studiums, heißt gibt es Praxisanteile, weiterhin ist das auch abhängig von der entsprechenden Stelle und den Arbeitstätigkeiten. Eine spezifische Einarbeitung hat man immer, aber die fachliche ist nicht unbedingt immer erforderlich. Bsp. Der BWL Absolvent bewirbt sich auf eine Stelle im Einkauf, dann muss man ihn eventuell einlernen, was die Unternehmensprozesse angeht und eventuell muss man ihn auch im Umgang mit gewissen EDV Systemen schulen dies ist aber dann bei den Berufspraktikern genauso erforderlich. Angebotsvergleiche und Marktanalysen usw. wird man ihnen hingegen nicht beibringen müssen.

Generell gilt auch hier pauschale Antworten sind da nicht mögich.

Zu den Traineeprogrammen nochmal, da scheinst du dir was anderes darunter vorzustellen, als man das hier in der Praxis wirklich vorfindet. Das sind Programme die sich tatsächlich an junge Absolventen und Einsteiger richten, aber das sind wie schon geschrieben unternehmensinterne ganz spezielle Ausbildungsprogramme die vorrangig das Ziel haben Manager und Führungskräfte auszubilden, die Auswahlkriterien sind entsprechend anspruchsvoll, eine Ausnahme sind Unternehmensberatungen und Wirtschaftsprüfergesellschaften sowie spezielle Bereiche im direkten Vertrieb, dort findet sich ebenso ein hoch anspruchsvolles Auswahlverfahren aber in diesen Fällen sind es dann tatsächlich die grundlegenden Einstiegsmodelle. Aber überwiegend sind diese Traineeprogramme interne spezialisierte Ausbildungen für Manager und Führungskräfte.

Bearbeitet von manu07

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trullalila

Hallo zusammen, ich fühle mich ehrlich gesagt von MrCarter angesprochen, da ich in einer ähnlichen Situation bin. Ich bin Einzelhandelskauffrau (Lebensmittel) und studiere Wirtschaftspsychologie mit dem Schwerpunkt Markt und Werbepsychologie. Ich frage mich oft ob ich meinen Weg den ich mir vorgenommen habe auch schaffe. In solchen Momenten denke ich daran was ich bereits erreicht habe. Ich habe meine Handelsfachwirtin erfolgreich abgeschlossen. Das war der erste Schritt. Der zweite Schritt ist mein Studium. Spätestens wenn ich den Bachelor habe, möchte ich mich beruflich umorientieren. Ziel ist es in eine Handelsgesellschaft (Lebensmittel) zu kommen. Meine Vorteile sehe ich darin, dass ich bereits Berufserfahrung mitbringe, was der klassische Student nicht hat. Außerdem komme ich vom POS und weiß was der Kunde will und braucht, daher rechne ich mir gute Chancen aus. Wichtig ist es meiner Meinung nach auch, dass ich mich gut "verkaufen" kann. Natürlich braucht man bei solchen Quereinstiegen immer jemanden der einem eine Chance gibt!!!

Ich denke außerdem dass es nie schaden kann an Wissen zu gewinnen, von daher ist das Studium für mich so oder so nicht für die Katz. Außerdem kann ich gar nicht wissen ob das alles klappen kann oder nicht, wenn ich es nicht einfach probiere.


Dezember 2013 - Handelsfachwirtin, April 2014 - Ada-Schein

April 2017 - Bachelor of Science, Wirtschaftspsychologie, Schwerpunkt Markt- und Werbepsychologie

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