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Markus Jung

Wie kritisch darf das Feedback von Teilnehmern sein?

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Heute bin ich über Twitter auf ein Video eines ehemaligen Teilnehmers an einem Autoren-Lehrgang (Belletristik) aufmerksam geworden:

 

 

Das Video weicht deutlich von dem ab, was es sonst üblicherweise so an YouTube-Videos von Teilnehmern zu sehen gibt.

 

Es wird die Erfahrung mit dem Schreiblehrgang einer ungenannten Fernschule geschildert, die zunächst positiv war. Es hat Spaß gemacht, die Rückmeldungen der Tutoren waren positiv und es fand auch ein reger Austausch im schulinternen Forum statt.

 

Dann hat der Ersteller des Videos in einer Aufgabe einen Dialog erstellt, in der auch ein alkoholkranker homosexueller Mann vorkam. Vom Fernlehrer kam wohl auch ein recht positives Feedback, so dass der Text auch ins Schulforum eingestellt wurde. Dort gab es dann sehr viel sehr negative Kritik und Vorwürfe der Diskriminierung und lediglich eine neutrale Stimme.

 

Den Ersteller des Videos haben diese massiven Rückmeldungen getroffen und er hat sich danach entschieden, den Kurs zu kündigen. Besonders geärgert hat ihn vor allem, dass er von seinem Lehrer nur positives Feedback bekommen hat und sich jetzt nachträglich fragt, ob dies sich überhaupt kritisch mit den Texten der Teilnehmer auseinander setzen.

 

Das ist sicherlich die eine Frage. Die andere ist aber meiner Meinung nach auch, ob nicht die Teilnehmer eine gewisse Verantwortung haben, auch bei abweichender Meinung wertschätzend miteinander umzugehen und Feedback in sachlicher Form zu geben. Und ob nicht in einem anbieter-internen Forum auch der Anbieter in solche Fällen moderierend eingreifen sollte. Ob das hier passiert ist, ist mir nicht bekannt, es wird zumindest nichts davon erwähnt.

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Verstehe ich das richtig, dass er Fernstudiengänge per se in Frage stellt, weil er diese Erfahrung gemacht hat? Oder bezieht er sich in seiner Kritik nur auf seine Fernschule?

 

Ich kann dir insofern zustimmen, dass die Fernschule moderierend eingreifen sollte, wenn Kritik unsachlich wird und überhand nimmt. 

 

Gerade beim Schreiben ist es ja doch so, dass man sehr unterschiedlicher Meinung sein kann, ob eine Geschichte gut oder schlecht ist. Was mir (und vielleicht meinem Fernlehrer) gut gefallen hat, muss einem anderen gar nicht gefallen. Da können schon sehr unterschiedliche Meinungen aufeinander prallen. Ob das aber dafür spricht, dass der Fernlehrer vorsätzlich eine gute Bewertung abgegeben hat, obwohl das Gegenteil der Fall war, kann ich zumindest so nicht erkennen.

 

War denn die Erwartung des Teilnehmers, dass der Fernlehrer die schlechten Kritiken der anderen Teilnehmer voraussieht?

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Das hört sich ja nicht so wirklich prima an....

 

Was mir so durch den Kopf ging: Der Teilnehmer fühlt sich getroffen, aber wohl vor allem vom Feedback seiner Mitstudierenden, das ja wohl ziemlich knackig war. Da fände ich es schon schöner, wenn die Teilnehmer untereinander wertschätzender wären. Das müsste aber vielleicht auch von entsprechenden Moderatoren (des Anbieters) durchgesetzt werden.

 

Außerdem könnte er auch noch seinen Tutor einmal befragen, wie er das Feedback der Mitstudierenden bewertet. Ist da etwas dran - oder hat sich an seinem Text eine Diskussion entzündet, die gar nicht so wirklich etwas mit ihm / seinem Text zu tun hat, sondern eher mit dem Thema Homosexualität. (So ein bisschen habe ich von Ferne den Eindruck...)

 

Das ist nun sehr schwierig zu sagen, weil wir ja alle den Text und die daraus entstandene Diskussion nicht kennen.

 

Was man aber schon sieht, ist die tiefe Betroffenheit des Teilnehmers. Da tut er mir auch Leid, dass ihm das den Spaß an dem Kurs vermiest hat. Was ich aber auch dachte: Er will Autor werden - und wohl seine Texte auch veröffentlichen. Da gehört es (leider) auch dazu, dass man mit  harter und deutlicher Kritik konfrontiert wird, die manchmal sogar unter der Gürtellinie ist. Das trifft einen natürlich sehr hart - aber in gewisser Weise besteht diese Gefahr immer, wenn man sich in die Öffentlichkeit begibt. Schön ist das nicht - aber bis zu einem gewissen Grad ist das einfach so.

 

Man kann natürlich auch nur so vor sich hin schreiben und das Fernstudium bzw. den Kontakt mit dem Tutor als Schonraum nutzen, in dem man einfach mal etwas ausprobiert. Das finde ich auch völlig ok so.... Aber wenn man mit seinen Texten raus geht an die Öffentlichkeit geht, dann kann so etwas passieren; egal wie "streng" oder "sanft" die Benotung und Kommentierung durch den Tutor war.

 

Viele Grüße

 

Anne Oppermann - Fernstudienakademie

Bearbeitet von Fernstudienakademie

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@TomSon: Auch wenn sich der Titel des Videos so verallgemeinernd anhört, scheint es mir doch speziell um die Erfahrung mit dem Fernkurs zu gehen, den er gemacht hat. Auch wenn er vielleicht das Gefühl hat, dass dies zumindest bei allen Kursen dieses Anbieters, vielleicht auch allgemein so sein könnte. Es gibt keine Hinweise darauf, dass er sich da überhaupt Gedanken zu gemacht hat.

 

Zitat

Ich kann dir insofern zustimmen, dass die Fernschule moderierend eingreifen sollte, wenn Kritik unsachlich wird und überhand nimmt. 

 

Das wollte ich zumindest mal zur Diskussion stellen. Ich habe überlegt, wenn sich hier etwas Vergleichbares abspielen würde und denke, dass ich da schon eingreifen würde und zumindest zu einer angemessenen Wortwahl etc. auffordern würde. Wobei im Beispiel ja vieles fiktiv bleibt, da wir weder den Text kennen, noch den genauen Verlauf der Diskussion im dortigen Forum. 

 

Zitat

War denn die Erwartung des Teilnehmers, dass der Fernlehrer die schlechten Kritiken der anderen Teilnehmer voraussieht?

 

So hat es auf mich gewirkt, ja. Bzw. er schien das Gefühl zu haben, dass die Kritik bedeutet, dass sein Text wirklich schlecht ist und dass der Fernlehrer dies hätte erkennen müssen.

 

@Fernstudienakademie:

 

Zitat

Außerdem könnte er auch noch seinen Tutor einmal befragen, wie er das Feedback der Mitstudierenden bewertet. 

 

Ich hätte es auch für sinnvoll gehalten, hier den Kontakt zum Fernlehrer zu suchen, sowohl das Feedback zu hinterfragen, als auch dieses in Bezug zu den Rückmeldungen im Forum zu stellen.

 

Zitat

 gar nicht so wirklich etwas mit ihm / seinem Text zu tun hat, sondern eher mit dem Thema Homosexualität.

 

Ja, diesem Eindruck stimme ich zu. 

 

Zitat

 Da gehört es (leider) auch dazu, dass man mit  harter und deutlicher Kritik konfrontiert wird, die manchmal sogar unter der Gürtellinie ist.

 

Auch da stimme ich prinzipiell zu. Wobei es meiner Meinung nach schon was anderes ist, wenn angehende Autoren sich untereinander als Peers Feedback geben, im Vergleich zur "freien Wildbahn". Ist halt schade, wenn einem dadurch das Interesse an einem Thema vermiest wird.

 

Hier für unser Forum geht es mir auch vor allem allgemein darum, wie Teilnehmer untereinander mit sich umgehen sollten (denn alles nur weichzuspülen bringt ja auch nichts), wo die Anbieter eingreifen sollten - und ob Fernlehrer gerade im nicht-akademischen Bereich vielleicht manchmal tatsächlich dazu neigen, eher softer zu korrigieren, um zum Beispiel die Teilnehmer bei der Stange zu halten

 

Konkret dem Ersteller dieses Videos habe ich übrigens bei YouTube einen Kommentar geschrieben und er hat mir schon geantwortet, dass er jetzt im Selbststudium weiter am Autor werden dran ist und sogar plant, vielleicht mal ein Buch zu veröffentlichen.  

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vor 27 Minuten, Markus Jung sagte:

 

Zitat

und ob Fernlehrer gerade im nicht-akademischen Bereich vielleicht manchmal tatsächlich dazu neigen, eher softer zu korrigieren, um zum Beispiel die Teilnehmer bei der Stange zu halten

 

 

 

Hmmm, tja, die Gefahr ist natürlich nicht ganz von der Hand zu weisen. Bei einem Autorenkurs geht es aber ja nicht in erster Linie um Noten oder das Bestehen von Prüfungen, sondern darum, die eigenen schriftstellerischen Fähigkeiten zu verbessern.

 

Dazu gibt es ja auch die Kommentare des Tutors. Da gibt es verschiedene Qualitätsmerkmale:

 

* Sind die Kommentare individuell (also nicht reine Versatzsstücke)?

* Sind die Kommentare hilfreich; habe ich etwas davon und lerne ich etwas daraus?

* Sind die Kommenate umfassend - also nicht nur ein knappes "weiter so!", sondern handelt es sich um echtes und umfangreiches Feedback?

* Hat der Tutor die inhaltliche Kompetenz, meine Einsendaufgaben zu bearbeiten? Hat er auch die didaktische Kpmpetenz dafür?

* Gibt es auch kritische Anmerkungen?

* Kann sich der Tutor wirklich auf die Bedürfnisse der Teilnehmer einstellen?

 

Dazu gibt es bestimmt noch viele weitere Qualitätskritereien, die je nach Kursthema und Abschluss variieren könnten.

 

Wie zufrieden war denn der Teilnehmer mit seiner Betereuung? Wenn er sie "eigentlich" als stimmig, informativ und überzeugend bewertet hat, wäre diese harsche Kritik an seinem Betreuer bzw. seinem Anbieter ja schon etwas überraschend - und entspringt dann auch vielleicht zu einem nicht unerheblichen Teil seiner Betroffenheit durch die verletzenden Kommentare durch die Mitlerner.

 

Sooo schlecht scheint er den Kurs ja nun auch nicht zu finden, weil er ja wohl feststellt, dass ihm der Kurs durchaus etwas gebracht hat und er auch gerne weiter machen möchte auf seinem Weg als Autor.

 

Viele Grüße

 

Anne Oppermann

 

(Sorry, wenn die Formatierung bei diesen Beitrag seltsam ist - mein PC hat mich heute nicht so wirklich lieb... ;))

Bearbeitet von Fernstudienakademie

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vor einer Stunde, Markus Jung sagte:

die Kritik bedeutet, dass sein Text wirklich schlecht ist und dass der Fernlehrer dies hätte erkennen müssen.

 

Okay. Aber genau das halte ich für fragwürdig, weil ja auch nicht jeder auf demselben Stand ist, der einen solchen Kurs beginnt. Andere sind vielleicht viel weiter oder schreiben besser. Ich denke, dass ein Fernlehrer hier auch nicht vergleichend (zu anderen Teilnehmern) beurteilen kann, sondern nur in Bezug auf den Fortschritt von Einsendeaufgabe zu Einsendeaufgabe bzw. anhand von objektivierbaren Kriterien, die dieser besonderen EA zugrunde liegen.

 

Ich glaube, dass es manchmal sehr schwer sein kann, zu erahnen, dass ein Shitstorm über einem zusammenbrechen wird. Sonst würden viele Prominente öfter mal den Mund halten oder den einen oder anderen Tweet nicht posten.

 

vor einer Stunde, Markus Jung sagte:

Hier für unser Forum geht es mir auch vor allem allgemein darum, wie Teilnehmer untereinander mit sich umgehen sollten (denn alles nur weichzuspülen bringt ja auch nichts), wo die Anbieter eingreifen sollten - und ob Fernlehrer gerade im nicht-akademischen Bereich vielleicht manchmal tatsächlich dazu neigen, eher softer zu korrigieren, um zum Beispiel die Teilnehmer bei der Stange zu halten

 

Also, ich glaube dass es auch hier im Forum schon die eine oder andere Diskussion gab, die meiner Meinung nach nicht okay war. Ich denke, dass du meistens dort eingreifst, wo es nötig ist. 

 

Ich glaube nicht, dass grundsätzlich alle Fernlehrer im nicht-akademischen Bereich bei der Bewertung eher mal ein Auge zudrücken, damit die Teilnehmer nicht kündigen. Es ist mir schon passiert. Genauso habe ich aber auch erfahren, dass sehr präzise vorgegangen wurde und man mir konstruktive Kritik lieferte, die mich ehrlich weitergebracht hat. Kann man, wie so viele Dinge, nicht pauschalisieren.

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vor 18 Stunden, TomSon sagte:

ich glaube dass es auch hier im Forum schon die eine oder andere Diskussion gab, die meiner Meinung nach nicht okay war. Ich denke, dass du meistens dort eingreifst, wo es nötig ist. 

 

Das ist aus meiner Sicht auch oft eine Gradwanderung. Die freie Meinungsäußerung ist mir sehr wichtig und möchte ich möglichst nicht einschränken - andererseits soll auch niemand in der Diskussion persönlich verletzt werden. Allerdings fühlt sich der eine schon von etwa verletzt, was dem anderen richtig Spaß macht und zu einem kleinen Wortgefecht herausfordert. Bei manchen Benutzern, die ich hier über die Jahre schon in verschiedenen Situationen erlebt habe, kann ich das vielleicht ein wenig einschätzen, bei anderen geht es gar nicht - oder ich schätze es falsch ein.  Sicherlich führt das auch dazu, manchmal zu früh einzugreifen und eine Diskussion "abzuwürgen", und manchmal zu spät.

 

Ich stimme dir zu, dass sich insgesamt was das Verhalten auch der Fernlehrer angeht nichts pauschalisieren lässt. Und ich finde auch deren Aufgabe durchaus schwierig. Einerseits auch kritisches Feedback geben, um Entwicklung zu ermöglichen, andererseits (gerade zu Beginn) auch nicht zu demotivieren und das Positive herausstellen etc.

 

@Fernstudienakademie Danke für deine Checkliste mit den Qualitätsmerkmalen für gutes Feedback. Ich finde die sehr hilfreich und stimme dem zu.

 

Den Teilnehmer "kenne" ich ja jetzt nur von seinem Video. Ich habe den Eindruck, dass er vielleicht kein ganz so "dickes Fell" hat und dadurch von der Kritik besonders getroffen wurde. Bis dahin schien er mit der Betreuung durchaus zufrieden und auch das Feedback zu diesem Text fand er in Ordnung bis zu den Reaktionen der anderen Teilnehmer.

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