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Muddlehead

Gesundheitsminister will Ausbildung von Psychotherapeuten neu regeln

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vor 7 Minuten, ClarissaD schrieb:

Bin gespannt, was dann mit den Psychologen passiert...

 

Nicht viel. Weil glaube 90% (hatte mal beim statistischen Bundesamt recherchiert) sowieso keine klinischen Psychologen sind. Und wirklich Geld verdient man als Psychologe ja eher in der Werbe-, Automobil- oder Sonstwoindustrie.

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Ich unterscheide Psychotherapie als besondere Form der Kommunikation und Psychologie als Wissenschaft. Hier in Deutschland haben wir uns daran gewöhnt, anzunehmen, dass Psychotherapeuten Psychologen sind. In anderen Ländern unterscheidet man Psychology und Counselling deutlicher. Ich denke, eine klarere Unterscheidung in der Wahrnehmung würde auch vielen angehenden Psychologen nutzen, die nicht therapeutisch arbeiten wollen und doch immer wieder mit Therapeuten in einen Topf geworfen werden. Dass Psychologie eine Wissenschaft ist, geht in der öffentlichen Wahrnehmung bislang unter.

 

Auch sehe ich nicht ein, dass nur Psychologen, Mediziner und Pädagogen Psychotherapeuten werden können. Die bisherige Regelung schien mir eher auf Besitzstandswahrung abzuzielen. 

 

Dass es nun einen eigenen Studiengang Psychotherapie geben soll, finde ich gut. Zum einen finde ich es richtig, dass nicht nur solche Menschen Psychotherapeuten werden können, die willens und in der Lage sind, nach einem langen Studium noch eine teure, mehrjährige Ausbildung zu finanzieren. Zum anderen verbinde ich damit die Hoffnung, dass die bisherige Dominanz von Verhaltenstherapie und psychoanalytischen Verfahren ein Stück weit überwunden werden kann.

 

Ob die Absolventen auch einen aufnahmefähigen Arbeitsmarkt vorfinden werden, halte ich für eine andere Frage. Das hängt von anderen Faktoren ab als von der inhaltlichen Ausgestaltung der Ausbildung. Auch der Zugang zum Psychotherapiestudium kann über NCs geregelt werden. Vielleicht bringen die neuen Studiengänge sogar Entlastung für die überlaufenen Psychologie-Studiengänge.

 

Das Risiko, nach dem Studium keine Beschäftigung im Wunschberuf zu finden, betrifft nicht alleine Psychologen und Psychotherapeuten sondern Absolventen vieler Fachrichtungen. Dann muss man eben schauen, ob und wie man sein Studium anderweitig verwerten kann. Absolventen der Psychologie arbeiten ja i.d.R. auch nicht in der Forschung, obwohl ihr Studiengang wissenschaftlich ausgerichtet ist. Sie haben dem Arbeitsmarkt auch anderes zu bieten. Und so glaube ich, dass auch Psychotherapeuten Beschäftigung in anderen Feldern finden könnten. Das müssen ja auch die meisten Literaturwissenschaftler, Philosophen, Historiker und viele mehr.

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vor 2 Stunden, kurtchen schrieb:

Ich unterscheide Psychotherapie als besondere Form der Kommunikation und Psychologie als Wissenschaft. Hier in Deutschland haben wir uns daran gewöhnt, anzunehmen, dass Psychotherapeuten Psychologen sind. In anderen Ländern unterscheidet man Psychology und Counselling deutlicher. Ich denke, eine klarere Unterscheidung in der Wahrnehmung würde auch vielen angehenden Psychologen nutzen, die nicht therapeutisch arbeiten wollen und doch immer wieder mit Therapeuten in einen Topf geworfen werden. Dass Psychologie eine Wissenschaft ist, geht in der öffentlichen Wahrnehmung bislang unter.

 

Aber der neue Studiengang wird doch auch "Psychotherapiewissenschaft" (o.ä.) heißen und auf wissenschaftlichen Grundlagen beruhen? Klinische Psychologie ist eine wissenschaftliche Disziplin, die u.a. Psychotherapie erforscht. So ganz scheint mir diese Unterscheidung nicht aufzugehen.

 

Was die Unterscheidung von Psychologen und Therapeuten angeht, stimme ich dir zu.

 

vor 2 Stunden, kurtchen schrieb:

Dass es nun einen eigenen Studiengang Psychotherapie geben soll, finde ich gut. Zum einen finde ich es richtig, dass nicht nur solche Menschen Psychotherapeuten werden können, die willens und in der Lage sind, nach einem langen Studium noch eine teure, mehrjährige Ausbildung zu finanzieren.

 

Das ist wahr und darin sehe ich auch den großen Vorteil der neuen Regelung.

 

vor 2 Stunden, kurtchen schrieb:

Zum anderen verbinde ich damit die Hoffnung, dass die bisherige Dominanz von Verhaltenstherapie und psychoanalytischen Verfahren ein Stück weit überwunden werden kann.

 

Das hängt aber doch nicht von der Ausbildung oder den Universitäten, sondern von den Krankenkassen ab, die keine anderen Verfahren bezahlen als VT und PA. Systemische Therapie beispielsweise ist schon lange wissenschaftlich anerkannt, aber die sozialrechtliche Anerkennung lässt auf sich warten. Ich fürchte, daran wird auch eine neue Ausbildung nichts ändern.

 

vor 2 Stunden, kurtchen schrieb:

Das Risiko, nach dem Studium keine Beschäftigung im Wunschberuf zu finden, betrifft nicht alleine Psychologen und Psychotherapeuten sondern Absolventen vieler Fachrichtungen. Dann muss man eben schauen, ob und wie man sein Studium anderweitig verwerten kann. Absolventen der Psychologie arbeiten ja i.d.R. auch nicht in der Forschung, obwohl ihr Studiengang wissenschaftlich ausgerichtet ist. Sie haben dem Arbeitsmarkt auch anderes zu bieten. Und so glaube ich, dass auch Psychotherapeuten Beschäftigung in anderen Feldern finden könnten. Das müssen ja auch die meisten Literaturwissenschaftler, Philosophen, Historiker und viele mehr.

 

Ich sehe da schon einen Unterschied. Psychologie ist viel breiter aufgestellt als Psychotherapie, sodass es dort viel mehr Alternativen gibt. Und  Studiengänge wie Germanstik, Geschichte oder Philosophie bereiten von nicht auf einen bestimmten Beruf vor, sondern es ist von vornherein klar, dass man sich um eine Nische bemühen muss. Psychotherapie soll aber auf einen ganz bestimmten Beruf vorbereiten.

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vor 3 Stunden, ClarissaD schrieb:

 

Nun ja, jetzt wird es also zwei Berufswege geben, Psychotherapie und Psychologie. Bin gespannt, was dann mit den Psychologen passiert...

 


Ich rate mal so in's Blaue hinein :-) Wenn es keine Möglichkeit gibt, mit dem Studienfach Psychologie irgendwie auf Psychotherapie zu wechseln (bspw Bachelor Psychologie und Master Psychotherapie) könnte es dazu kommen, dass "Psychologie" als Fach weniger nachgefragt werden wird. Ich könnte mir vorstellen, dass der NC für den Bachelor auf Dauer sinkt und vielleicht sogar aufgehoben wird. 
Ich denke, dass sich an der Sicht auf den Psychologen-Beruf wohl nicht so viel ändern wird, weil man ja heute schon Zwigespalten ist in PPs und Nicht-PPs. Diese Parallel-Struktur bleibt garantiert erhalten. Es wäre natürlich übel, wenn Psychologen dann generell als minderqualifiziert durchgehen. Ich glaube aber auch nicht, dass es soweit kommen wird, weil sie breite Masse stellen werden. 

Dagegen sehe ich "Psychotherapie" nämlich als das neue Elitenfach. Es wird vermutlich wenige Plätze geben, die sich dann möglicherweise in astronomischen NCs und weiteren Auflagen (ähnlich Medizin) niederschlagen, man will vermutlich nicht ewig viele PiAs produzieren (wie ja jetzt auch nicht). Denn 2500 pro Jahr sollen genügen. Darum bin ich mal vorsichtig-verhalten, ob Chancengleichheit wirklich erreicht wird. Wünschenswert wäre es, nur leider wird nicht genauer definiert, wie die jetzt bessere Ausrichtung an der Versorgungsrealität aussehen soll. Fachhochschulabsolventen sind immer noch ausdrücklich ausgeschlossen, an diesem Psychotherapiemaster teilzunehmen. 
Echte Chancengleichheit sehe ich da momentan noch nicht. Es läuft erneut auf Eliten hinaus und ist nur alter Wein in neuen Schläuchen. 

LG

Bearbeitet von Vica

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Ich könnte mir vorstellen, dass die Krankenkassenzulassung reglementiert wird. Dann kann jeder therapeutisch arbeiten, hat aber nicht gleichzeitig die Möglichkeit, seine Leistungen über die Kasse abzurechnen.

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vor 1 Stunde, ClarissaD schrieb:

Aber der neue Studiengang wird doch auch "Psychotherapiewissenschaft" (o.ä.) heißen und auf wissenschaftlichen Grundlagen beruhen? Klinische Psychologie ist eine wissenschaftliche Disziplin, die u.a. Psychotherapie erforscht. So ganz scheint mir diese Unterscheidung nicht aufzugehen.

Natürlich gibt es eine inhaltliche Schnittmenge. Aber Psychologie ist so viel mehr als nur klinische Psychologie. Und klinische Psychologie umfasst, wie du ja richtig bemerkt hast, mehr als die Erforschung von Psychotherapie.

 

Zitat

Das hängt aber doch nicht von der Ausbildung oder den Universitäten, sondern von den Krankenkassen ab, die keine anderen Verfahren bezahlen als VT und PA. Systemische Therapie beispielsweise ist schon lange wissenschaftlich anerkannt, aber die sozialrechtliche Anerkennung lässt auf sich warten. Ich fürchte, daran wird auch eine neue Ausbildung nichts ändern.

Als ich beklagt habe, dass Verhaltenstherapie und psychoanalytische Verfahren dominieren, habe ich z.B. an die systemische Therapie gedacht. Ich mag mich irren, aber ich verbinde mit den neuen Studiengängen die Hoffnung, dass sich etwas ändern könnte. Ursprünglich war der Bereich Psychotherapie von Medizinern dominiert. Mit dem Psychotherapiegesetz wurde auch die Arbeit von therapeutisch qualifizierten Diplom Psychologen anerkannt. Eigene Psychotherapie-Studiengänge mit eigener Fachlichkeit, eigenen Wissenschaftlern, eigener Forschung könnten - so hoffe ich - durchaus dazu beitragen, die Diskussion über wirksame und anerkannte Therapieverfahren zu verändern.

 

Zitat

Ich sehe da schon einen Unterschied. Psychologie ist viel breiter aufgestellt als Psychotherapie, sodass es dort viel mehr Alternativen gibt.

Das ist richtig. Und diesen Unterschied sollte sich jeder klarmachen, der sich für einen spezialisierten Studiengang entscheidet. Das ist für mich aber kein Grund, solche Studiengänge abzulehnen.

 

vor einer Stunde, Vica schrieb:

Dagegen sehe ich "Psychotherapie" nämlich als das neue Elitenfach. Es wird vermutlich wenige Plätze geben, die sich dann möglicherweise in astronomischen NCs und weiteren Auflagen (ähnlich Medizin) niederschlagen [...]

Das halte ich auch für möglich. Ich finde, das kann aber auch Vorteile für solche Studierende haben, die sich tatsächlich für Psychologie als Wissenschaft und nicht als Zugangsvoraussetzung für den Therapeutenberuf interessieren.

 

Zitat

Darum bin ich mal vorsichtig-verhalten, ob Chancengleichheit wirklich erreicht wird. Wünschenswert wäre es, nur leider wird nicht genauer definiert, wie die jetzt bessere Ausrichtung an der Versorgungsrealität aussehen soll. [...] Echte Chancengleichheit sehe ich da momentan noch nicht. Es läuft erneut auf Eliten hinaus und ist nur alter Wein in neuen Schläuchen.

Da gehe ich nicht ganz mit. Aktuell muss man einen hohen NC knacken UND nach dem Master auch noch finanziell in der Lage sein, eine langwierige und teure Therapieausbildung zu finanzieren. Wenn die künftig in das Studium integriert wäre, fällt zumindest diese Hürde weg.

 

Außerdem finde ich einen hohen NC als Hürde akzeptabler als finanzielles Durchhaltevermögen. Der eine hat Eltern, die auch noch ein paar Jahre Therapeutenausbildung bezuschussen können, der andere nicht.

 

Natürlich ist auch der erreichte Abiturschnitt nicht unabhängig von den Einkommensverhältnissen der Eltern. Wer ein geräumiges eigenes Zimmer in ruhiger Wohnlage hat, bei Bedarf Nachhilfe bezahlt bekommt und zumindest von dem familiären Stress verschont bleibt, der durch chronische Geldknappheit verursacht wird, hat natürlich bessere Rahmenbedingungen, ein gutes Abitur zu machen. Die neuen Studiengänge beheben solche Probleme nicht. Aber bezogen auf den gesamten Ausbildungsweg zum Psychotherapeuten erwarte ich zumindest eine Verbesserung.

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https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/102419/Laender-rufen-nach-mehr-Zeit-fuer-neues-Psychotherapiestudium

 

Was denkt ihr hierzu? Ich hatte Psychologie einschließlich Psychotherapie schon ganz für mich abgeschrieben, da mir noch 1-2 Wartesemester vor Beginn der neuen Regelung 2020 gefehlt hätten, ich also mit hoher Wahrscheinlichkeit weder in den neuen noch in den alten Studiengang gekommen wäre (zumindest nicht in den nächsten Jahren). So bin ich auch erst auf das Forum gestoßen, auf der Suche nach Infos zum Psy Bachelor der SRH (eine meiner beiden Möglichkeiten, da nur FHR)... Wenn es jetzt aber laut obigen Link so sein wird, dass die Regelung frühestens 2021 eintritt, hätte ich noch Zeit um Wartesemester zu sammeln. Und wenn es hier in NRW an FHs angeboten wird hätte ich genug Wartesemester um direkt in das neue Studium zu starten... aber ich frage mich ob es dann so ein FH Studium wird wie z.B. angewandte Psychologie in Ravensburg wird, mit dessen Abschluss man dann unter Anleitung eines approbierten Psychologen Therapiegruppen führen kann... 

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Was soll das mit den Wartesemestern heissen? Die sind unabhängig von der Regelung. Die Wartesemester werden nicht "zurückgesetzt" oder so. Man kann auch nicht nur dann Wartesemester sammeln, wenn es den Studiengang schon gibt.

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Das ist mir bewusst. Vor Erscheinen des Artikels kam von mehreren Seiten (Juristen etc.) die Aussage, der Weg zum Psychotherapeuten über den klassischen Weg, d.h. Pychologiestudium und dann Ausbildung wäre somit quasi nur noch bei Beginn vor dem Wintersemester 2020 möglich. Danach eben nur über das neue Psychotherapie-Studium mit höchstwahrscheinlich noch mal extrem verschärftem NC bzw Wartesemestern. 

 

Wird jetzt besser deutlich was ich meine oder ging es dir um etwas anderes? 

 

 

 

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